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Hilfe für traumatisierte Menschen: Spezielle Sprechstunde gestartet
Spezielle Sprechstunde mit Studie zu EMDR-Therapie gestartet - Noch Teilnehmer gesucht

GIESSEN (V). Das tödliche Gedrängel auf der Loveparade in Duisburg hat viele Teilnehmer schockiert. Viele haben um ihr Leben gefürchtet, haben andere Menschen sterben sehen und konnten nicht helfen. Traumatisiert aber sind auch die Einsatzkräfte, die versucht haben, Leben zu retten. Eine solche Massenpanik, aber auch schwere Verkehrsunfälle oder Überfälle, lebensbedrohliche Erkrankungen sowie Naturkatastrophen oder Kriegserlebnisse können Menschen nachhaltig traumatisieren. Sie entwickeln Schlafstörungen, sind angespannt und erleben in der Erinnerung die Katastrophen noch nach Jahren so, als wären sie ganz aktuell.

Diese Symptome sind Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Klinik für Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum in Gießen startet nun ein Forschungsprojekt zur Behandlung von Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Dafür werden noch Teilnehmer gesucht, heißt es in einer Pressemitteilung.

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) sei ein effektives Verfahren zur Behandlung von diesen Menschen. Bei dieser Methode folge der Patient mit den Augen der sich hin und her bewegenden Hand des Therapeuten, während er sich an das belastende Erlebnis erinnert. Dieses Durcharbeiten der belastenden Erlebnisse führe zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden. Die Wirksamkeit der EMDR-Behandlung sei wissenschaftlich bereits sehr gut nachgewiesen. Dennoch sei nach wie vor unklar, wie EMDR wirke. „Wird der spezifische Effekt durch die Augenbewegungen ausgelöst und aktiviert die Therapie auf diese Weise ähnliche Verarbeitungsprozesse wie der REM-Schlaf?“ In dieser Schlafphase bewegen sich die Augen schnell hin und her, und es wird intensiv geträumt und wir verarbeiten die Erlebnisse des Tages. Unter anderem diese Frage überprüfen die Wissenschaftler der JLU bei insgesamt 192 Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung. Alle Patienten erhalten kostenlos eine EMDR-Therapie durch einen EMDR-Spezialisten. Unterschiedliche Anwendungen von EMDR werden miteinander verglichen. Während der Therapie werden Herz-Kreislauf-Funktionen begleitend gemessen.

Prof. Johannes Kruse, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, ist für die Studie verantwortlich. Er setzt große Erwartungen in das Projekt: „Wir gehen davon aus, dass die Studie einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Wirkmechanismen der EMDR-Behandlung erbringen wird. Damit bietet sie eine Grundlage für weitere Verbesserungen der psychotherapeutischen Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörungen.“ Die ersten Behandlungen im Rahmen der Studie haben bereits begonnen, wie die Universität mitteilt. Dr. Markus Stingl, Leiter der Traumasprechstunde in der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie und Projektkoordinator, berichtet über sehr erfolgreich verlaufende EMDR-Therapien. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Studie, die in Kooperation mit der Technischen Universität München durchgeführt wird, zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren.

Für die Studie werden noch Patienten gesucht, die an posttraumatischer Belastungsstörung leiden und einen Therapiewunsch haben. Die Kontaktaufnahme ist möglich über die Traumasprechstunde der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie bei Dr. Markus Stingl, Ludwigstraße 76, 35393 Gießen, telefonisch unter 0641/99-45631.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-28)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-28 bis 2010-09-27
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Ist ein Bakterium Mitverursacher von Morbus Crohn?
Bund fördert Gießener Forschungsprojekt für weitere drei Jahre – Tier- und Humanmedizin beteiligt

Gießen (pm). Ist ein Bakterium mitverantwortlich für die Entstehung der chronisch-entzündlichen Darmkrankheit Morbus Crohn beim Menschen? Im Verdacht steht das Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP). Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbundes »ZooMAP: Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis – von der Johne’schen Krankheit zum Morbus Crohn (MC)« untersuchen Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen um die Professoren Michael Bülte (Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde) und Elke Roeb (Zentrum für Innere Medizin) seit einiger Zeit diesen möglichen Zusammenhang.
Das Gießener Teilprojekt »ZooMAP: Korrelation zwischen MAP, MC und Dysplasie und Nachweis von MAP in Kuhmilch, humanen und murinen Gewebeproben mittels RT-PCR« wird für weitere drei Jahre vom Bund über den Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt gefördert, und zwar mit knapp 360 000 Euro.
Die Gießener Forscher beschäftigen sich mit dem Vorkommen des Bakteriums MAP in Milch, weil dies einen möglichen Übertragungsweg darstellen kann. Mit einem modernen molekularbiologischen Verfahren – der Real Time Polymerase-Kettenreaktion (PCR) – wollen sie MAP-Zellen in Rohmilch, hitzebehandelter Milch und Milchprodukten nachweisen. Weiterhin sollen unter anderem Methoden für die Unterscheidung lebender und toter MAP-Zellen evaluiert werden. Alle neuen methodischen Ansätze werden auf ihre Patentwürdigkeit mit dem Ziel der späteren Kommerzialisierung geprüft.
Insgesamt forschen sechs Arbeitsgruppen aus der Immunologie, Tier- und Humanmedizin mit unterschiedlichen Ausrichtungen im Forschungsverbund ZooMAP über den Zusammenhang zwischen dem Bakterium MAP und Morbus Crohn. Neben den Gießener Arbeiten zum Vorkommen von MAP in Milch gibt es Projekte zu unterschiedlichen Erscheinungsformen von MAP und ihrer krankheitserregenden Bedeutung, zur Relevanz von MAP beim Kolorektalkrebs des Menschen, zur Verbesserung der MAP-Diagnostik, zur molekularen Typisierung von MAP-Isolaten und zur Entwicklung eines Mausmodells. Die Erkenntnisse sollen zur besseren Risikoabschätzung der noch ungeklärten und regional unterschiedlichen Bedeutung von MAP beim Morbus Crohn des Menschen beitragen. Mit mehreren Forschungsverbünden will das BMBF die in Deutschland vorhandenen Kompetenzen aus Human- und Veterinärmedizin zu zoonotischen Infektionskrankheiten – das sind Infektionskrankheiten, die zwischen Mensch und Tier übertragbar sind – in interdisziplinären Forschungsverbünden zu gesundheitspolitisch relevanten Erregern/Erreger-Gruppen bündeln. Die Arbeit der Verbünde konzentriert sich vor allem darauf, die Übertragung relevanter zoonotischer Erreger vom Tier auf den Menschen zu erforschen. Dabei sollen Projekte von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Forschung bearbeitet werden. Das Gießener ZooMAP-Teilprojekt wurde in der ersten Förderperiode ab 2007 mit 274 000 Euro gefördert.
Weitere Informationen im Internet: www.gesundheitsforschung-bmbf.de/ de/1721.php#ZooMap.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-24)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-24 bis 2010-09-23
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Mariusz ist bereit für Operation
Alle Voruntersuchungen gut verlaufen – Vogelsbergerin spendet Porzellanpuppe

Gießen (ta/kw). Narkose kann Mariusz Stepniak eigentlich gar nicht leiden. In dieser Woche hat er sie gleich mehrmals erdulden müssen, nämlich für eine Herzuntersuchung per Katheter und zum Zähneziehen. Der Zehnjährige musste anfangs außerdem wegen Infektionsverdacht in seinem Zimmer in der Gießener Universitäts-Kinderklinik bleiben. Alle Untersuchungen und Behandlungen hat der Junge gut überstanden. Nun ist er bereit für die Herztransplantation.
Mariusz kann aufgenommen werden in die Liste der Organisation Eurotransplant. Zwischen einigen Tagen und einem Jahr kann es dauern, bis ein passendes Herz zur Verfügung steht. Während er auf ein Organ wartet, darf Mariusz sich im Umkreis von 50 Kilometern um Gießen frei bewegen, so lange sein Gesundheitszustand stabil bleibt. Mit seiner Mutter Edyta Stepniak wohnt er nun bei einer Bekannten in Gießen, jede Woche wird er in der Uniklinik untersucht.
Die Unterstützungsaktionen gehen indes weiter. Auch in den vergangenen Tagen wurden Spenden überwiesen, insgesamt weitere knapp 2000 Euro. Auf den Konten der Deutschen Herzstiftung, der Organisation »Hoffnungsschimmer« (»Light of Hope«) und der Stiftung Gajusz in Polen liegen inzwischen mehr als 98 000 Euro, die für Mariusz’ Behandlung gesammelt wurden.
Mit einem besonderen Angebot hat sich nun Brigitta Wepler an die Gießener Allgemeine Zeitung gewandt. Mit der Versteigerung einer großen Porzellanpuppe aus ihrer kleinen Werkstatt hat die Hobbykünstlerin aus Mücke-Bernsfeld in den vergangenen Jahren schon mehrere Spendensammlungen kräftig aufgestockt. Nun hat sie für die Hilfsaktion »Ein neues Herz für Mariusz« eine neue Puppe im Herstellungswert von rund 300 Euro zur Verfügung gestellt.
Wer dieses gut 70 Zentimeter große Kunstwerk haben möchte, muss zunächst 5 Euro auf ein Sonderkonto dieser Zeitung einzahlen. Unter allen Interessierten, die bis zum kommenden Samstag (31. Juli) ihre Spende auf ein eigens für diese Aktion eingerichtetes Konto überwiesen haben, wird die Puppe verlost. Die Einzahlung muss auf das Konto Nr. 42 43 07 der Mittelhessischen Druck- und Verlagsgesellschaft bei der Volksbank Mittelhessen (BLZ 513 900 00) erfolgen. Bitte unbedingt das Stichwort »Puppe« verwenden. Zur Benachrichtigung des Gewinners werden außerdem Postadresse, Mailbriefkasten oder Telefonanschluss des Spenders benötigt. Es versteht sich von selbst, dass nach dem 31. Juli alle Einzahlungen an das Sonderkonto »Mariusz« bei der Deutschen Herzstiftung weitergeleitet werden.
Dorthin kann jeder Geld überweisen, der nicht die Puppe ersteigern, aber für Mariusz spenden möchte: Nummer 90 00 35 03 bei der Commerzbank AG Frankfurt (BLZ 500 800 00). Als Verwendungszweck sollte »Mariusz« angegeben werden.

Wer möchte »Christina« haben? Die große Porzellanpuppe mit hochwertiger Bekleidung im Landhausstil, von Brigitta Wepler gefertigt, wird zugunsten der AZ-Spendenaktion »Ein neues Herz für Mariusz« versteigert. (Foto: ks)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-24)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-24 bis 2010-09-23
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Vierter Adventskalender für den guten Zweck
Lions Club Gießen – Burg Gleiberg organisiert erneut Aktion zugunsten der Gießener Universitäts-Kinderklinik

Gießen (kio). Der Lions-Club Gießen – Burg Gleiberg organisiert nun zum vierten Mal in Folge die Produktion eines Adventskalenders – der Erlös kommt der Gießener Kinderklinik zugute. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ist Schirmherrin für das Projekt. »Vergangenes Jahr sind 10 000 Euro zusammengekommen. Das wollen wir dieses Jahr noch toppen«, sagt Thomas Arndt vom Lions Club.
Derzeit unterstützen das Spielwarengeschäft J. H. Fuhr und die Sparkasse Gießen das Vorhaben – weitere Sponsoren werden noch gesucht. Der Erlös geht an ein Pantomime-Projekt in der Kinderklinik, welches von einer wissenschaftlichen Studie begleitet wird.
Ab November soll der Adventskalender erhältlich sein. An den letzten zwei Samstagen vor dem Ersten Advent – am 20. und 27. November – werden die Kalender im Seltersweg direkt von den Lions-Mitgliedern verkauft, ansonsten sind sie in mehreren Geschäften erhältlich. 4000 Exemplare soll es von dem Kalender geben.
Das Besondere: Hinter den Türchen befindet sich keine Schokolade, sondern viele Preise. »Bei diesem Projekt gibt es nur Sieger. In erster Linie wird den Kindern geholfen und die Käufer haben ein nettes Weihnachtspräsent«, erklärt Dr. Peter Sauerwein, Präsident des Clubs.
Das Motiv wurde bei einem Malwettbewerb gesucht: Kleine Patienten, die in der Kinderklinik Gießen stationiär aufgenommen waren, durften ihre Vorschläge einreichen. Stadtrat Harald Scherer, Thomas Arndt vom Lion Club Gießen – Burg Gleiberg und Frauke Döll, Stufenleiterin der Hans-Rettig-Schule für Kranke fungierten als Jury und wählten die ersten drei Plätze aus.
Auf dem ersten Platz ist Angela Wobbe gelandet, ihr Bild wird den Adventskalender schmücken. Außerdem erhält sie einen Geschenkgutschein über 50 Euro von J. H. Fuhr. Den zweiten Platz erlangte Severin Arnhold, er bekommt einen Gutschein in Höhe von 30 Euro. Der dritte Platz ging an Alexander Buchengaus, auch er bekommt einen Gutschein über 20 Euro. Die kleinen Künstler, die auf dem vierten bis sechsten Platz gelandet sind, erhalten je einen Kinogutschein, der von der Sparkasse gesponsert worden ist.
Wer sich Adventskalender vorbestellen möchte, kann eine E-Mail schreiben an die Adresse: mail@
lc-giessen-burg-gleiberg.de.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-24)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-24 bis 2010-09-23
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Damit kaputte Knochen besser heilen: Mediziner der JLU suchen Werkstoffe für Hartgeweberegeneration
GIESSEN. Der stetig zunehmende Anteil älterer Menschen an der Gesellschaft macht sich auch bei den Operationszahlen in Krankenhäusern bemerkbar. Denn bei mittlerweile „jeder zweiten Frau und jedem fünften Mann über 50 Jahre ist eine Fraktur Osteoporose-bedingt“, berichtet Prof. Reinhard Schnettler im Gespräch mit dem Anzeiger. Umso mehr freut sich der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Gießener Universitätsklinikums, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Wissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität (JLU) sowie Kollegen in Heidelberg und Dresden den Sonderforschungsbereich/Transregio 79 „Werkstoffe für die Hartgeweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen“ bewilligt hat.

Allein in den kommenden vier Jahren der ersten Förderperiode werden den Experten für die Entwicklung effizienterer Knochenersatzmaterialien und Implantatwerkstoffen 8,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wovon der Hauptanteil nach Gießen fließt. Neben dem von SFB-Sprecher Reinhard Schnettler geleiteten Labor für Experimentelle Unfallchirurgie gehören dem Forschungsverbund an der JLU mit Teilprojekten noch das Zentrum für Radiologie, das Institut für Veterinäranatomie sowie das Physikalisch-Chemische Institut an.

Obwohl die Verwendung künstlicher Materialien zur Reparatur gebrochener Knochen zur klinischen Routine gehört - Schnettler: „Bei uns vergeht fast kein Tag ohne den Gebrauch von Knochenersatzmaterialien“ - sind die Langzeitergebnisse nicht so gut wie erwünscht. Denn immer wieder passiere es gerade bei älteren Patienten, dass sich eingesetzte Titanplatten und Schrauben „lockern und keinen Halt mehr im Knochen finden“.

Zwei wesentliche Ursachen dafür, die auch als Knochenschwund bezeichnete Osteoporose sowie das Multiple Myelom, eine bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks, stehen im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten. „Bei beiden Krankheiten kommt es zu einer erhöhten Tätigkeit der knochenabbauenden Osteoklasten und gleichzeitig einer erniedrigten Funktion der knochenaufbauenden Osteoblasten“, erläutert der Chirurg die Problematik. Diese Zelltypen befänden sich im „lebendigen Gewebe Knochen“ sonst im Gleichklang.

In der Gießener Unfallchirurgie bekam man es allein 2009 mit 4500 Operationen zu tun, von denen etwa 60 Prozent Frakturen betreffen. Darunter auch solche von einem oder mehreren Wirbelkörpern der Wirbelsäule oder des Oberschenkelhalses, beides folgenreiche Diagnosen. „Gefühlte 25 Prozent davon sind ältere Menschen“, sagt Schnettler. Schon jetzt gebe es bundesweit rund 7,8 Millionen osteoporotische Patienten, Tendenz steigend. Und so ist die Hoffnung groß, innerhalb des SFB neue Implantate und Medikamente, die stimulierend auf die knochenaufbauende Osteoblasten-Tätigkeit wirken, zu entwickeln. Nach acht Jahren, sofern dann auch eine dritte vierjährige Förderperiode genehmigt würde, sollen klinische Studien folgen. Angesichts der vielen Betroffenen, deren Lebensqualität nach einer Fraktur enorm beeinträchtigt ist, weiß der Arzt um die Bedeutung effektiverer Behandlungsformen: „Wenn es klappt, wäre das etwas ganz Fantastisches, sagt er.

Zunächst aber steht die experimentelle Phase im Vordergrund. Und hier besteht enormer Nachholbedarf. Denn: „Die osteoporotische Frakturheilung ist noch nicht grundlegend erforscht“, so Schnettler. Deshalb gilt es herauszufinden, wie sich das ständig erneuernde Knochengewebe aus Knochenbälkchen (Spongiosa) und Knochenmark, das wichtigste blutbildende Organ des Menschen, nach einer Operation entwickelt.

Neuartige Legierung

Darüber hinaus soll in Zellkulturen untersucht werden, wie Knochenzellen zu einem stärkeren Wachstum angeregt werden und so die zerstörte Substanz ersetzen können. Um klinische Tests einer in Dresden entwickelten neuartigen Legierung für eingesetzte Titanplatten, in die auch das Gießener Physikalisch-Chemische Institut eingebunden ist, wird es ebenso gehen wie um die in Zusammenarbeit mit den Heidelberger Kollegen vom dortigen Krebsregister laufenden Forschungen zum Multiplen Myelom. Für ausreichend Projektthemen ist also gesorgt.

Zeitgleich wurden von der DFG zwei weitere Sonderforschungsbereiche/Transregios mit Gießener Beteiligung bewilligt: das ist zum einen der SFB/TRR 84 „Angeborene Immunität der Lunge: Mechanismen des Pathogenangriffs und der Wirtsabwehr in der Pneumonie“ sowie der SFB/TRR 81 „Chromatin-Veränderungen in Differenzierung und Malignität“.

Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-24)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-26 bis 2010-09-25
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Kleine Patientin malt Titelbild für Lions-Adventskalender - Zuletzt 10.000 Spenden eingenommen
(fod). Der im Vorjahr zum dritten Mal vom Lions Club Gießen Burg-Gleiberg verkaufte Adventskalender war weggegangen wie warme Semmeln. Eine mit 2700 Exemplaren restlos ausverkaufte Auflage erbrachte eine Spendensumme von 10 000 Euro, die dem Pantomimen-Projekt an der Kinderklinik des Gießener Universitätsklinikums zugutekamen. Das möchten die Lions natürlich mit dem Verkauf des Adventskalenders 2010, der Mitte November startet, übertreffen.

Ebenso wird es wieder eine Verlosungsaktion geben, wozu man hofft, bei Gießener Geschäften an die 300 Preise zu bekommen. Die ausgelosten Gewinnnummern, eine steht auf jedem Kalender, werden dann in der Adventszeit täglich vom Medienpartner Gießener Anzeiger und auf der Homepage des Lions Club Gießen-Burg Gleiberg veröffentlicht.

Bei der gestrigen Prämierung des Malwettbewerbs wurden die schönsten Zeichnungen der kleinen Patienten vorgestellt. Lions-Präsident Dr. Peter Sauerwein kündigte an, dass eine Auflage „zwischen drei- und viertausend Kalendern“ gedruckt werden soll.

Dabei wird jeder Kalender für günstige fünf Euro verkauft. Für dieses ideale Adventsgeschenk gesucht wurde in der Kinderklinik mit dem Malwettbewerb, der unter dem Motto „Weihnachtskrippe“ stand, das Coverbild. Am besten gefallen hat der Jury die Zeichnung von Angela Wobbe, die dafür als Hauptpreis 50 Goldtaler gewann, womit sie bei J.H.Fuhr einkaufen gehen darf. 30 Goldtaler des Spielwarenfachgeschäfts gibt es für den Zweitplatzierten Severin Arnold und 20 für den Dritten Alex Buchgamer. Die Viert- bis Sechstplatzierten gewannen Kinogutscheine, die die Sparkasse Gießen gespendet hat.

Kliniksleiter Prof. Klaus-Peter Zimmer sprach den Mitgliedern des Lions Club Gießen-Burg Gleiberg, von dem gestern neben Peter Sauerwein auch noch Thomas Arndt, Dirk Becker und Peter Reinwald zugegen waren, für das anhaltende Engagement für die Klinik und chronisch kranke Kinder seinen herzlichen Dank aus. Dem schloss sich auch Jury-Mitglied Frauke Döll, Stufenleiterin der Hans-Rettig-Schule, an, deren Lehrkräfte die schulpflichtigen Kinder auf der Station unterrichten und betreuen.

Wie Zimmer betonte, soll das seines Wissens nach „weltweit einzigartige“ Pantomimen-Projekt dabei helfen, den Zugang zu den mit komplexen Problemen belasteten chronisch kranken Kindern zu verbessern.

Dabei geht es unter anderem darum, die kleinen Patienten zur Einhaltung der Vorgaben etwa bei Diabetes oder eine spezielle Ernährung zu schulen. „Wir haben bereits gute Erfahrungen damit gemacht“, berichtete der Arzt. Langfristig soll aus dem Projekt eine die Behandlung begleitende Therapieform entwickelt werden. Stadtrat Harald Scherer, der Jury-Mitglied war, dankte dem Lions Club Gießen-Burg Gleiberg im Namen der Stadt und nannte den Kalenderverkauf eine „tolle Aktion“. Denn damit unterstütze man nicht nur kranke Kinder, sondern erwerbe auch ein „sehr schönes Adventspräsent“, so Scherer. Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz hat die Schirmherrschaft übernommen.

Die Adventskalender können an zehn Verkaufsstellen, darunter auch beim Gießener Anzeiger, bei Fuhr oder der Engel-Apotheke, erworben werden.

Auch Vorbestellungen für den Adventskalender sind per E-Mail unter thomas.arndt@neils-und-kraft.de möglich. Überdies wird der Lions Club Gießen-Burg-Gleiberg an den beiden letzten Samstagen im November mit Verkaufsständen im Seltersweg vertreten sein.

Klaus-Peter Zimmer (2.v.l.) und Peter Sauerwein (3.v.l.) halten das Bild in die Höhe, das den Adventskalender 2010 des Lions Club Gießen-Burg Gleiberg zieren wird. Bei der Vorstellung der Kunstwerke dabei waren Harald Scherer (l.), Peter Reinwald (4.v.l.), Dirk Becker (3.v.r.), Thomas Arndt und Frauke Döll. Die Bilder angeschaut haben sich Marina Burkl mit Tochter Aurora und Sohn Leon gemeinsam mit Florian Ludewig. Foto: DocterVergrößern
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Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-24)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-26 bis 2010-09-25
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Wie Krankheiten vom Tier zum Menschen kommen
Weitere Förderung für JLU-Teilprojekt von ZooMAP

GIESSEN (V). Ist ein Bakterium mitverantwortlich für die Entstehung der chronisch-entzündlichen Darmkrankheit Morbus Crohn beim Menschen? Im Verdacht steht das Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP). Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördeten Forschungsverbundes „ZooMAP: Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis - von der Johne’schen Krankheit zum Morbus Crohn (MC)“ untersuchen Forscher der Justus-Liebig-Universität (JLU) um Prof. Michael Bülte (Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde) und Prof. Elke Roeb (Zentrum für Innere Medizin) diesen Zusammenhang. Das Gießener Teilprojekt „ZooMAP: Korrelation zwischen MAP, MC und Dysplasie und Nachweis von MAP in Kuhmilch, humanen und murinen Gewebeproben mittels RT-PCR“ wird für weitere drei Jahre vom BMBF über den Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit rund 358 000 Euro gefördert, heißt es in einer Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität.

Die Gießener Forscher beschäftigen sich mit dem Vorkommen des Bakteriums MAP in Milch, weil dies einen möglichen Übertragungsweg darstellen kann. Mit einem modernen molekularbiologischen Verfahren - der Real Time Polymerase-Kettenreaktion (PCR) - wollen sie MAP-Zellen in Rohmilch, hitzebehandelter Milch und Milchprodukten nachweisen. Weiterhin sollen unter anderem Methoden für die Unterscheidung lebender und toter MAP-Zellen evaluiert werden. Alle neuen methodischen Ansätze werden auf ihre Patentwürdigkeit mit dem Ziel der späteren Kommerzialisierung geprüft. Insgesamt forschen sechs Arbeitsgruppen aus der Immunologie, Tier- und Humanmedizin mit unterschiedlichen Forschungsausrichtungen im Forschungsverbund ZooMAP über den Zusammenhang zwischen dem Bakterium MAP und Morbus Crohn. Neben den Gießener Arbeiten zum Vorkommen von MAP in Milch gibt es Projekte zu unterschiedlichen Erscheinungsformen von MAP und ihrer krankheitserregenden Bedeutung, zur Relevanz von MAP beim Kolorektalkrebs des Menschen, zur Verbesserung der MAP-Diagnostik, zur molekularen Typisierung von MAP-Isolaten und zur Entwicklung eines Mausmodells. Die Erkenntnisse sollen zur besseren Risikoabschätzung der noch ungeklärten und regional unterschiedlichen Bedeutung von MAP beim Morbus Crohn des Menschen beitragen.

Forschungsverbund

Mit mehreren Forschungsverbünden will das BMBF die in Deutschland vorhandenen Kompetenzen aus Human- und Veterinärmedizin zu zoonotischen Infektionskrankheiten - das sind Infektionskrankheiten, die zwischen Mensch und Tier übertragbar sind - in interdisziplinären Forschungsverbünden zu gesundheitspolitisch relevanten Erregern/Erreger-Gruppen bündeln. Die Arbeit der Verbünde konzentriert sich vor allem darauf, die Übertragung relevanter zoonotischer Erreger vom Tier auf den Menschen zu erforschen. Dabei sollen Projekte von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Forschung bearbeitet werden. Das Gießener ZooMAP-Teilprojekt wurde in der ersten Förderperiode ab 2007 mit rund 274 000 Euro gefördert.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-23)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-23 bis 2010-09-22
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Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der JLU verabschiedet Absolventen
GIESSEN (te). Das Medizinische Zentrum für Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde der Justus-Liebig-Universität (JLU) hat insgesamt 33 Zahnmediziner - ein Drittel der Absolventen hat die Prüfungen mit dem Ergebnis „Sehr Gut“ abgeschlossen - verabschiedet. „Sie haben alle, ohne Ausnahme eine tolle Leistung erbracht“ lobte Prof. Sabine Ruf von der Poliklinik für Kieferorthopädie. Sie wandte sich auch an die anderen beiden Drittel, die mit der Endnote „Gut“ die Universität verlassen haben.

Ein vorerst letztes Mal gab sie ihren überwiegend weiblichen Absolventen einige Ratschläge für ihren beruflichen Werdegang. Sie sollen bei der unüberschaubaren Anzahl ihrer zukünftigen Patienten vor allem „das Individuum nicht aus den Augen verlieren. Das Vertrauen der Patienten basiert auf dem Glauben, dass unser Handeln auf ihr Wohl ausgerichtet ist.“ Auch der Direktor des Medizinischen Zentrums Prof. Joachim Klimek hob die herausragenden Leistungen der Absolventen hervor mit der Überzeugung „Sie werden zum positiven Bild der Zahnmedizin beitragen.“

„In Kontakt bleiben“

Zu Beginn der Absolventenfeier sagte er: „Es ist mir eine Freude und große Ehre Ihnen herzlich gratulieren zu können.“ Die Universität Gießen gehöre auf dem Gebiet der Zahnmedizin zur Spitze und er sei überzeugt, dass die Absolventen in insgesamt 4500 Semesterwochenstunden eine sehr gute Ausbildung in allen Spezialgebieten erhalten haben. Der Studiendekan des Fachbereichs Medizin Prof. Joachim Kreuder gratulierte ebenfalls und wandte sich an die Absolventen mit der Bitte „im Kontakt mit der Uni zu bleiben. Eine Universität muss von den Ehemaligen getragen werden, sonst kann diese nicht auf dem neusten Stand der Wissenschaft bleiben“. Doch nicht nur die Absolventen wurden gelobt. Sie bedankten sich ebenfalls bei ihren Professoren, Kommilitonen und Familien für die Unterstützung „ohne die wir es nicht geschafft hätten“, so Ahmad Reza Rezaei Marbin, der sich weiterhin an seine Kommilitonen richtend erklärte „Wir haben die besten Jahre zusammen verbracht und sind fast eine kleine Familie geworden.“ Untermalt wurde diese Aussage durch eine Diaschau gemeinsamer Fotografien, welche die Studenten nicht nur in weißen Kitteln während der Ausbildung zeigten, sondern auch bei privaten Feiern. Die Absolventin Laura Seibold begleitete die Diaschau musikalisch mit ihrer Gitarre und zwei selbst komponierten Liedern, die sie ihren Kommilitonen widmete.

Nach dem emotionalen Höhepunkt wurden die Absolventen einzeln auf die Bühne gerufen und erhielten ihre Examenszeugnisse. Die erlf elf Besten sind Julia Wagner, Stefanie Unterhalt, Jörg Hubert Kratzenstein, Jan Bartel, Valerie Christina Barbonus, Oliver Hendrik Busch, Ute Westerfeld, Saemira Roxana Sadri, Katja Schulze, Sarah Kristin Sonnenschein und Marc Lehner.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-20)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-20 bis 2010-09-19
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Mariusz wird jetzt im Klinikum aufgenommen
Große Freude bei Familie und Unterstützern – Bis zur Herztransplantation steht vielleicht »noch ein langer Weg« bevor

Gießen (kw). Monatelang haben sie sozusagen die Luft angehalten – nun können sie aufatmen: Der zehnjährige Mariusz Stepniak, seine Familie und seine zahlreichen Unterstützer haben diese Woche eine gute Nachricht aus Gießen erhalten. Die Rhön Klinikum AG als Betreiber des Gießener Universitätsklinikums hat der Behandlung des herzkranken Jungen zugestimmt. Bereits am heutigen Samstag reist er mit seiner Mutter nach Deutschland, am Sonntag soll Mariusz im Klinikum aufgenommen werden. Dann wird er für die Herztransplantation vorbereitet.
Möglich gemacht haben das die Spenden unter anderem von zahlreichen AZ-Lesern, die in den vergangenen acht Wochen dem Aufruf der Gießener Allgemeinen gefolgt sind. Mehr als 96 000 Euro sind bisher zusammengekommen, allein diese Woche wurden fast 5000 Euro gespendet. Für den Löwenanteil dieses Geldes sorgten neben zwei polnischen Stiftungen vor allem die ehrenamtlich Aktiven der Organisation »Hoffnungsschimmer/Light of Hope«, die auch die AZ angesprochen und als Unterstützer gewonnen hatten. Jeder Spender habe zu dem jetzt erreichten Erfolg beigetragen, betont die »Hoffnungsschimmer«-Mitstreiterin Iwona Wojtek. Die Familie müsse nicht länger mit dem Bewusstsein leben, dass eine eigentlich mögliche medizinische Behandlung Mariusz verwehrt bleibt.
Die Chancen, dass der an dilatativer Kardiomyopathie – einer Herzmuskelerkrankung – leidende Zehnjährige ein weitgehend normales Leben wird führen können, sind nun sprunghaft gestiegen. Bis Mariusz wirklich ein neues Herz erhält, könne es allerdings »noch ein langer Weg« sein, weiß Iwona Wojtek. Zunächst muss er auf die Liste von Eurotransplant kommen. Bis zu einem Jahr kann es dann dauern, bis ein passendes Organ zur Verfügung steht.
Weil völlig unklar ist, wie lange Mariusz im Klinikum bleiben wird, wird um weitere Spenden gebeten (siehe Kasten). Darauf weist Uniklinikum-Sprecher Frank Steibli hin. Teuer käme insbesondere der Einsatz eines Kunstherzes vor oder nach der Transplantation. Auch die Kosten der Behandlung außerhalb des Klinikums seien möglicherweise noch nicht gedeckt. Sollte das Geld – aus welchen Gründen auch immer – nicht für Mariusz benötigt werden, so würde die Deutsche Herzstiftung es für andere Kinder mit ähnlichen Schwierigkeiten einsetzen.
Nach wie vor willkommen war deshalb auch die jetzt eingetroffene Unterstützung von Vitali und Wladimir Klitschko. Die boxenden Brüder haben der Organisation »Hoffnungsschimmer« einige signierte Geschenke zur Verfügung gestellt, die demnächst zu Mariusz’ Gunsten auf der Internet-Auktions-Plattform Ebay versteigert werden sollen.
»Das beste Geburtstagsgeschenk«
»Die gute Nachricht konnte nicht zu einem besseren Zeitpunk kommen«, berichtet »Hoffnungsschimmer«-Gründerin Izabela Sokolowska Fengaras. Sie war diejenige, die die Familie im polnischen Zgierz über die positive Entscheidung des Uniklinikums informiert hat. Wie sich herausstellte, hatte Mariusz’ Mutter Edyta Stepniak just an jenem Tag Geburtstag und erhielt nun »das beste Geschenk« ihres Lebens. »Durch all die Sorgen und Ängste, die sie seit Mariusz’ Geburt durchzustehen hatte, wäre dies wieder einmal kein freudiges Ereignis gewesen, sondern ein weiterer schwerer und trauriger Tag, an dem ihre Gedanken um nichts anderes als das Schicksal ihres Sohnes kreisten«, erzählt Izabela Sokolowska Fengaras. »Nicht so dieses Mal.« Als Edyta Stepniak die gute Nachricht hörte, war sie einige Minuten ganz still – dann flossen Tränen des Glücks. Sie wagt nun eher daran zu denken, dass Mariusz eines Tages mit anderen Kindern spielen und toben kann – »die Welt entdecken, die ihm bisher verschlossen gewesen ist«.
Auch die Mitglieder von »Hoffnungsschimmer« seien »zutiefst berührt«, dass ihr so lange verfolgtes Ziel in greifbare Nähe rückt. »Das Gute triumphiert über die Verzweiflung und Trauer«, meint die einst selbst schwer kranke Tänzerin. »Der Kampf wird nicht nachlassen, bis ein gesunder Junge die Klinik wird verlassen können.«


Auch der Gießener Kinderherzzentrum-Leiter Prof. Dietmar Schranz hatte eindringlich zu Spenden für Mariusz aufgerufen. Das Bild entstand bei der letzten Untersuchung in der Universitäts-Kinderklinik Ende Mai, morgen wird Mariusz mit seiner Mutter Edyta Stepniak (l.) dorthin zurückkehren. (Foto: Schepp)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-17)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-20 bis 2010-09-19
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Von »Standort-Rivalität« war nichts zu spüren
Preisverleihung der Behring-Röntgen-Stiftung – Bisher sechs Millionen Euro ausgeschüttet

Gießen/Marburg (if). Die Chance einer Zusammenarbeit Gießen-Marburg werde »noch nicht mit ausreichender Entschlossenheit ergriffen«, hatte der Wissenschaftsrat –höchste Beratungsinstanz der Bundesregierung – Anfang Mai in seiner Bilanz zu Fusion und Privatisierung beider Universitätsklinika bemängelt. Allerdings sei »die Rivalität beider Standorte und die damit verbundene emotionale Komponente« dabei nicht zu unterschätzen. Als am Dienstag die noch junge, vom Land Hessen mit satten 100 Millionen Euro ausgestattete »Von Behring-Röntgen-Stiftung« drei herausragende Forscher beider Standorte ehrte, war von solcher Rivalität kaum etwas zu spüren.
Gießens Universitätspräsident und Marburgs Universitätspräsidentin, Marburgs Oberbürgermeister und Gießens Stadtverordnetenvorsteher jedenfalls applaudierten einträchtig zusammen mit dem Regierungspräsidenten und dessen Vorgänger samt der Prominenz beider medizinischer Fachbereiche den Preisträgern in der neogotischen Pracht der Marburger alten Aula, die erst 1902 fertiggestellt worden war: es war im selben Jahr, als die Namensgeber der Stiftung, von Behring – eng mit Marburg – und Röntgen – eng mit Gießen verbunden –, ihre Nobelpreise erhielten
Dr. Stephanie Lefèvre, dieser Tage erst mit »summa cum laude« promoviert, wurde mit dem mit 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis ausgezeichnet. Die 30-jährige Diplombiologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Ulf Müller-Ladner an der Gießener Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie, hat durch ihre Arbeiten in Bad Nauheim wesentlich zum Verständnis der Ausbreitung der rheumatoiden Arthritis auf noch nicht betroffene Gelenke beigetragen, wie Medizin-Prodekan Prof. Reinhard Schnettler in seiner Laudatio unterstrich. Für wegweisende Arbeiten zur Aufklärung der Nierenfibrose – einer krankhaften Vermehrung von Bindegewebe – wurde danach Dr. Ivica Grgic ausgezeichnet. Der 32-Jährige war vor sechs Jahren aus Berlin an die Klinik für Innere Medizin am Standort Marburg gekommen.
Ein bewegender Höhepunkt des Festaktes bildete die Ehrung von Prof. Dr. Drs. mult. Andreas Oksche, des langjährigen Direktors des Anatomischen Instituts der Justus-Liebig-Universität. Die erstmals verliehene »Von Behring-Röntgen-Forschungsmedaille« gilt seiner Lebensleistung. Mit der Klärung der sekretorischen Fähigkeit von Neuronen machte Oksche, der im kommenden Jahr seinen 85. Geburtstag begehen kann und der nach Medizinstudium in Marburg und Forschungsarbeiten in New York 1964 auf den Lehrstuhl für Anatomie in Gießen berufen worden war, sein Institut zu einer weltweit renommierten Adresse. Zugleich verkörpert er in eigener Person die engen und noch immer von vielfältigen persönlichen Freundschaften geprägten Verbindungen beider Universitäten.
Im Festvortrag ging Staatsminister Jürgen Bantzer auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung und die noch wachsende Bedeutung der Palliativmedizin ein, die es zu bewältigen gelte.
Der Präsident der von Behring-Röntgen-Stiftung, Prof. Joachim Felix Leonhard, gab in seinem Schlusswort einen gerafften Überblick über die bemerkenswerten Leistungen der erst 2006 vom Land Hessen gegründeten Stiftung »zur Förderung der Forschung und Lehre an den medizinischen Fachbereichen der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen«. Sechs Millionen Euro konnten seither für weit über dreißig Vorhaben bereitgestellt werden. Auf die Ausführungen des Wiesbadener Gastes eingehend, bemerkte er, sie könnten durchaus Anlass zu Überlegungen geben, in Hessen eine eigene Stiftungsprofessur für Palliativmedizin zu begründen.
Beim abschließenden Stehempfang standen Marburger und Gießener Gäste noch lange beisammen. Für eher heiteren Gesprächsstoff in mancher Runde – trapste da die Rivalitätsnachtigall? – sorgte eine Anregung der Hausherrin. Universitätspräsidentin Prof. Katharina Krause hatte, an Regierungspräsident Dr. Lars Witteck gewandt, angeregt die Bezeichnung »Mittelhessen« – »das klingt so nach mittelmäßig« – künftig vielleicht durch »Oberhessen« zu ersetzen. Schnettler, der Medizin-Prodekan der Justus-Liebig-Universität, konterte prompt aus »Gießener Position«: »Wäre nicht vielleicht ›Zentralhessen‹ noch progressiver?«

Prof. Andreas Oksche (M.) erhielt die erstmals vergebene »Von Behring-Röntgen-Forschungsmedaille«, ausgezeichnet wurden außerdem Dr. Ivica Grgic
(2. v. l.) und Dr. Stephanie Lefèvre. Außen Stiftungspräsident Prof. Joachim Felix Leonhard (r.) und -Vizepräsident Prof. Friedrich Grimminger. (Foto: if))

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-15)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-16 bis 2010-09-15
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„Infektionsforschung hat hohe Bedeutung“
Klinische Forschergruppe Pneumonie der JLU beschäftigt sich mit der Wechselwirkung von Erregern und Lunge - Weitere drei Jahre Förderung

GIESSEN (ter). Lungenentzündungen gehören zu den häufigsten lebensbedrohlichen Infektionen, jährlich erkranken allein in Deutschland bis zu 750 000 Menschen neu. Das Risiko ist besonders für ältere Menschen und Menschen mit geschwächter Immunabwehr groß. Deshalb werden dringend neue Therapieansätze benötigt, die über die Gabe von Antibiotika hinausgehen, die wegen der zunehmenden Resistenzen bei vielen Patienten nicht mehr die gewünschte Wirkung entfalten. Mit neuen Therapien für Lungenentzündungen beschäftigt sich die Klinische Forschergruppe „Pneumonie - Molekulare Signaturen kompartimentalisierter und schrankenübergreifender alveolärer Infektion“ an der Justus-Liebig-Universität (JLU) unter der Leitung von Prof. Jürgen Lohmeyer (Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik II).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Forschergruppe bereits seit 2007 mit 1,7 Millionen Euro unterstützt. Nach der positiven Begutachtung durch ein Expertengremium wurde sie nun auch in die zweite Förderperiode aufgenommen und bekommt für weitere drei Jahre insgesamt 1,4 Millionen Euro vom BMBF. Anlässlich des Beginns der zweiten Förderphase der Klinischen Forschergruppe Pneumonie hat der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Helge Braun Lohmeyer in Gießen besucht, um sich über den Fortgang der Arbeiten zu informieren. „Die hiesigen Forscherinnen und Forscher am Fachbereich Medizin der Universität Gießen arbeiten sehr erfolgreich daran, die Wechselwirkungen zwischen den Erregern und der Lunge zu entschlüsseln. In der zweiten Förderphase sollen nun aus diesen Erkenntnissen neue Diagnose- und Behandlungsstrategien entwickelt werden. Da dies die Grundlage für verbesserte Therapien ist, wird das BMBF die Forschergruppe mit weiteren 1,4 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren unterstützen“, sagte Braun. „Die Infektionsforschung hat für die Bundesregierung eine hohe Bedeutung. Unser Ziel ist die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und klinischer Praxis, um die Ergebnisse rasch in therapeutische Maßnahmen umzusetzen. Erst wenn die Forschungsergebnisse beim Menschen ankommen, haben wir wirklichen Fortschritt.“ Die jetzt in der zweiten Dreijahresperiode bis 2013 geförderte Klinische Forschergruppe in der Klinischen Infektiologie betreibt interdisziplinäre Infektionsforschung zur Volkskrankheit Lungenentzündung. Ziel ist, über die Aufklärung der molekularen Krankheitsentstehung neue Therapien zu entwickeln. Die erfolgreiche Arbeit in der ersten Förderperiode hat die Gießener Forscher zum Kristallisationspunkt für weitere Förderungen in Verbundforschungsprojekten mit langfristiger Perspektive gemacht - beispielsweise die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Sonderforschungsbereich Transregio 84 und die Förderung durch das BMBF im Zoonose-Programm FluResearchNet.

Außerdem vertritt die Klinische Forschergruppe mittlerweile an zentraler Stelle den klinisch-infektiologischen Forschungsschwerpunkt in Forschungsprogrammen der Exzellenzinitiative des Bundes (Exzellenzcluster Kardio-Pulmonales System, ECCPS) und des Landes Hessen (Loewe-Zentrum Universities of Gießen and Marburg Lung Centre, UGMLC). Sie erfüllt damit die vom BMBF vorgegebene Zielsetzung, international sichtbare Forschungsschwerpunkte in der klinischen Infektiologie in Deutschland zu schaffen mit Perspektiven für berufungsfähigen wissenschaftlichen Nachwuchs in diesem Fachgebiet.

Zum Anfang Zurück Seite 1/2 Weiter Zum Ende Medizinerrunde: Facharzt Mirko Steinmüller, Prof. Jürgen Lohmeyer, Dr. Helge Braun, Fachärztin Susanne Herold und Oberarzt Dr. Thomas Discher (von links). Foto: TerzicVergrößern
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Neben der Forschung wurde im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme in enger Kooperation mit der Medizinischen Mikrobiologie und Virologie auch das Lehrangebot im Fachgebiet der klinischen Infektiologieam Fachbereich Medizin der JLU wesentlich gestärkt. Schließlich gelang durch die strukturelle Etablierung der klinischen Infektiologie als eigenes Fachgebiet mit strukturierter Weiterbildung auch eine wesentliche Ausweitung und Verbesserung des Versorgungsangebots für Patienten mit Infektionserkrankungen am Standort Gießen des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM). Insbesondere konnten der Konsiliardienst - ein institutionalisiertes Angebot zur Beurteilung und Mitbetreuung von Patienten, das von anderen Ärzten angefordert werden kann - und die Weiterbildung infektiologischer Fachärzte erheblich ausgeweitet werden. In der zweiten Förderphase sollen diese erweiterte Facharztkompetenz und die verbesserte Infrastruktur nach dem Umzug in das neue Klinikumsgebäude genutzt werden, um das qualitätskontrollierte Versorgungsangebot für Patienten mit Infektionserkrankungen weiter zu optimieren.

Der Aufbau Klinischer Forschergruppen soll einerseits Ergebnisse aus der Grundlagenforschung rasch in die Klinik bringen, andererseits soll so die Qualität der Ausbildung von Ärzten und der Behandlung von Patienten gesteigert werden. Bisher wurden bundesweit fünf Klinische Forschergruppen in der Klinischen Infektiologie mit insgesamt 11,5 Millionen Euro durch das BMBF gefördert.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-14)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-14 bis 2010-09-13
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Weitere 1,4 Millionen für »Pneumonie«-Forscher
Gießener Gruppe arbeitet an neuen Diagnose- und Behandlungsmethoden – Staatssekretär Braun informierte sich

Gießen (if). Die Geschichte der Medizin scheint voller Erfolge. Pest und Cholera: ausgerottet. Pocken und Kindbettfieber: besiegt. Doch der Eindruck, Infektionskrankheiten seien nur noch ein medizinhistorisches Kapitel, täuscht. Während von A bis W – von Aids bis Wundstarrkrampf – immer neue Erreger drohen, werden ursprünglich bejubelte »Wunderwaffen« zunehmend stumpfer. Im Klartext: Noch immer sind Infektionskrankheiten die weltweit häufigste Todesursache, Infektionen im schlimmsten Fall eine tödliche Waffe.
Vor drei Jahren hat das Bundesforschungsministerium die Konsequenz aus der Tatsache gezogen, dass die namentlich in Deutschland einst so traditionsreiche Infektiologie – die Lehre von den ansteckenden Krankheiten – nur noch mit zwei Lehrstühlen (in Berlin und in Rostock) an den über 30 Medizinischen Fakultäten vertreten ist. Mit dem Aufbau »Klinischer Forschergruppen« und deren Förderung aus dem Bundeshaushalt sollte die infektiologische Forschung an klinischen Einrichtungen daher gezielt gestärkt werden.
Die in Gießen unter der Leitung von Prof. Jürgen Lohmeyer aus dem Zentrum für Innere Medizin entstandene Gruppe ist für die Periode 2007 bis 2010 aus diesem Programm bereits mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert worden. Weitere 1,4 Millionen werden in den kommenden drei Jahren die Fortführung der Arbeiten sichern. Für diese zweite Runde lagen 21 Anträge vor, von denen lediglich vier – darunter der aus Gießen – berücksichtigt wurden.
Nachdem der entsprechende Bewilligungsbescheid vor einigen Tagen bereits per Post eintraf, informierte sich gestern früh der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Dr. Helge Braun (CDU), bei einem Rundgang durch die Labors und im Gespräch mit Lohmeyer, Oberarzt Dr. Thomas Discher, Dr. Susanne Herold und Dr. Mirko Steinmüller über die bisherigen Ergebnisse und den Fortgang der Arbeiten. Sie kreisen am Beispiel der Lungenentzündung um die Wechselwirkung zwischen Erreger und Zielorgan. In der jetzt anlaufenden zweiten Phase sollen aus diesen Erkenntnissen neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden. Die mittlerweile gelungene Identifizierung zweier Moleküle, die im Entzündungsprozess eine modulierende Rolle spielen, stimmt Lohmeyer und seine Mitarbeiter zuversichtlich im Hinblick auf die Entwicklung schonender Abwehrstrategien, die sozusagen »mit Samthandschuhen« in das Krankheitsgeschehen eingreifen. Interessant auch im Hinblick auf die generell anstelle der evidenzbasierten Therapie angestrebte Individualisierung der Therapie: Die bisherigen Ergebnisse stützen die Annahme, dass der Ablauf von Entzündungen jeweils ganz bestimmten, organspezifischen Abwehrreaktionen unterliegt.
Parallel zu den Forschungsarbeiten ist in enger Kooperation mit Medizinischer Mikrobiologie und Virologie das Lehrangebot in klinischer Infektiologie am Fachbereich gestärkt und über die strukturierte Weiterbildung schon jetzt eine Ausweitung des Versorgungsangebotes erreicht worden. »Nach dem Umzug ins neue Klinikumsgebäude und über eine verbesserte Infrastruktur werden wir das Versorgungsangebot für Patienten mit Infektionskrankheiten weiter optimieren können« – davon zeigte sich Lohmeyer überzeugt, der zugleich stellvertretender Sprecher des neuen Sonderforschungsbereiche »Immunität der Lunge« ist.

Staatssekretär Dr. Helge Braun (Mitte) nach dem Gespräch mit (v. l.) Dr. Mirko Steinmüller, Prof. Jürgen Lohmeyer, Dr. Susanne Herold und Dr. Thomas Discher. (Foto: if)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-14)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-14 bis 2010-09-13
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Direkter Zusammenhang zwischen Depression und Diabetes
Prof. Johannes Kruse, Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, hält Antrittsvorlesung an der JLU - „Sehr stolz, ihn hier zu haben“

GIESSEN (fod). Psychische Erkrankungen als Ursache für Arbeitsunfähigkeit sind heute immer häufiger anzutreffen. Dass diese aber gleich „bei 30 Prozent der Männer und über 40 Prozent der Frauen, verteilt über alle Altersstufen“, der alleinige Grund für eine vorzeitige Berentung sind, dürfte auch die Zuhörer von Prof. Johannes Kruse überrascht haben. Der neue Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Gießener Universitätsklinikum legte jetzt bei seiner Antrittsvorlesung besorgniserregende Zahlen vor, die vor allem für die Volkswirtschaft erhebliche Auswirkungen haben. Demnach ließen sich ebenso im Krankenhaus bei 35 Prozent der Patienten begleitende psychische Störungen feststellen, wie der 51-Jährige berichtete. Doch trotz der Diagnose würden nur 20 Prozent aller Betroffenen, sei es nun draußen oder in der Klinik, deswegen behandelt, so Kruse.

Vor allem Hausärzte gefragt

Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU), zeigte sich zuvor bei der Vorstellung des Mitte vergangenen Jahres aus Düsseldorf nach Gießen gewechselten Psychosomatikers „sehr stolz, ihn hier zu haben“. Habe man mit Johannes Kruse doch einen renommierten Experten gewonnen, „der sehr oft von Fachkollegen zitiert wird“. Der Dekan sprach damit insbesondere die Forschungsvorhaben des Klinikleiters an, der den Ursachen für psychische Krankheitsbilder auch mittels molekularer Diagnostik auf die Spur kommen möchte. Einige Erkenntnisse daraus präsentierte der gebürtige Niedersachse seinen Zuhörern. So zeigte er einen direkten Zusammenhang zwischen Depressionen, Angststörungen, posttraumatischen Störungen und Diabetes auf. „Knapp zwei Millionen Diabetes-Patienten weisen gleichzeitig eine psychosomatische Problematik auf“, schätzte Kruse. Da ihre Versorgung die Kapazitäten von Therapeuten weit überschreiten würden, „sind hier vor allem die Hausärzte gefragt“. Diese bekommen es vor allem mit älteren Diabetikern mit psychischen Leiden zu tun, sind doch bei den über 50-Jährigen 16 Prozent von der Zuckerkrankheit betroffen, während im Bundesdurchschnitt acht Prozent diese Volkskrankheit haben. Anhand von Studien wusste der Referent zu berichten, dass beispielsweise bei 16 Prozent aller Diabetiker auch eine behandlungsbedürftige Angststörung vorliegt, kaum weniger häufig sind depressive Episoden. Genauer betrachtet handelt sich hier um einen Teufelskreis. Denn umgekehrt konnte etwa bei Untersuchungen von mit posttraumatischen Belastungsstörungen heimgekehrten Soldaten „ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes“ beobachtet werden, wie Kruse erläuterte.

Mehr Fachzentren

Und auch frühkindliche Missbräuche oder Suizid-Versuche ließen sich unter Diabetikern gehäuft finden. Daher nimmt der Psychosomatiker an, dass bestimmte biographische Ereignisse „quasi in die Gene eingebaut werden“. Eine Vermutung, die durch die Feststellung erhärtet wird, dass solchermaßen Betroffene für die Insulinproduktion und -verarbeitung verantwortliche Rezeptoren nur unzureichend entwickelt haben. „Als Folge davon kommt es zu einer Regulationsstörung. Der Körper ist schlechter dazu in der Lage, die Insulinproduktion wieder herunterzuregulieren“, beschrieb der Mediziner den Verlauf.

Ist aber für eine qualitativ hochwertige Betreuung gesorgt, lassen sich die Probleme gut in den Griff bekommen. „Studien zeigen, dass nach einer Therapie viel weniger Patienten eine psychosoziale Belastung angeben. Damit einher geht eine bessere Einstellung des Stoffwechsels und eine geringere Sterblichkeit“, berichtete Kruse. Zudem stellte er erfreut fest, dass das Land Hessen inzwischen die Problematik erkannt habe und den Fachzentren mehr Betten zur Verfügung stellt. Nachdem jetzt in der Gaffkystraße neue Räume bezogen wurden, befinde sich auch eine Tagesklinik im Aufbau, die im Herbst eröffnet werden soll, kündigte Kruse an, der unter seinen Zuhörern auch Prof. Horst-Eberhard Richter, einen seiner Vorgänger als Kliniksleiter, begrüßen konnte.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-13)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-13 bis 2010-09-12
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Geht die Ära der »Thrombosespritze« zu Ende?
Prof. Bettina Kemkes-Matthes: »Wir brauchen noch viel Erfahrung mit den beiden neuen Gerinnungshemmern«

Gießen (if). In Bari, am Absatz des »italienischen Stiefels«, waren sie – kaum bemerkt von der breiten Öffentlichkeit – am 19. April des Vorjahres gestartet. Als 64 Tage später von den ursprünglich 64 Teilnehmern des »2. Trans-Europa-Laufes« 45 übrig gebliebene »Super-Marathonläufer« ins Ziel am Nordkap einliefen, hatten sie nicht nur ohne Ruhetag rund 4500 Kilometer quer durch Europa bewältigt. Sie hatten auch durch wiederholte Untersuchungen eines begleitenden »mobilen Kernspintomografen«
eine Fülle von Daten mitgebracht. Wissenschaftler sind derzeit dabei, daraus auch die Auswirkungen extremer Mobilität auf die unteren Extremitäten – sprich Beine und Füße – zu ermitteln.
Auswirkungen der Immobilität – sei es nur stundenlanges Sitzen oder andauernde Bettruhe – bedürfen kaum solch spektakulärer Tests: die solcherart begünstigte Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen ist lange bekannt. Daraus resultiert das Risiko, dass ein solches Gerinnsel sich löst und dann, über das Herz in die Lunge gespült, im schlimmsten Fall zu einer Lungenembolie führt. Wenn am Vorabend eines operativen Eingriffs die Schwester also eine »Bauchspritze« gibt und dies später in der Reha – beispielsweise nach einer Knie- oder Hüftoperation – noch über einen geraumen Zeitraum tagtäglich wiederholt wird, geschieht dies, um eine solche zu Recht gefürchtete Komplikation zu vermeiden.
Doch geht die Ära der »Thrombosespritze« zu Ende? Wird künftig eine Tablette pro Tag ausreichen, um das Risiko einer Gerinnselbildung zu minimieren? Prof. Bettina Kemkes-Matthes, die dieser Tage Ärzte und Patienten zu einer Informationsveranstaltung des von ihr geleiteten Interdisziplinären Schwerpunktes für Hämostaseologie im Gießener Universitätsklinikum auf den Schiffenberg eingeladen hatte, stellte zusammen mit ihren Mitarbeitern Oberarzt Dr. Ronald Fischer und Dr. Kathrin Heidinger zwei neue Wirkstoffe vor. Nach den Ergebnissen großer Studien haben sie über feste Dosierungen und eine verbesserte Wirksamkeit hinaus den Vorzug, durch ihre Tablettenform die bisher übliche subkutane Injektion eines »Gerinnungshemmers« – die Bauchspritze – abzulösen und keiner Kontrollen zu bedürfen. Auch Marcumar-Patienten, deren Gerinnungshemmer auf der Reduzierung der Vitamin-K-Bildung beruht und die dabei der regelmäßigen Überwachung ihrer Gerinnungswerte bedürfen, werden dabei hellhörig.
Allerdings sind beide neuen Substanzen zunächst lediglich für die Vorbeugung venöser Thromboembolien nach Gelenkersatz in Hüfte und Knie zugelassen. Rivaroxaban – das Forschungsteam wurde im Dezember durch den Bundespräsidenten für seine »hervorragende deutsche Innovation« mit dem »Zukunftspreis« ausgezeichnet – unterbricht als sogenannter Faktor-Xa-Hemmer die Gerinnungskaskade. Dabei hemmt, so heißt es, der Wirkstoff die Bildung von Thrombin – ohne jedoch dessen Einfluß auf die Plättchenaggregation, die beispielsweise den Wundverschluss steuert, zu beeinträchtigen.
Auch die zweite neue Substanz, Dabigatran, greift in die Gerinnungskaskade ein. Schon etwas länger zur Prophylaxe von Thromboembolien nach großen orthopädischen Eingriffen zugelassen, wird für Dagbigatran angeführt, bei guter Wirksamkeit hohe Sicherheit zu gewährleisten, im Vergleich zur engmaschig zu kontrollierenden Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten keiner Überwachung zu bedürfen und als Pille zur Verfügung zu stehen.
Bei beiden Wirkstoffen sind der Zulassung zwar Zulassungsstudien mit Tausenden von Teilnehmern vorausgegangen, doch, so betonte Kemkes-Matthes abschließend: »Wir brauchen noch viel Erfahrung, um mit den neuen Medikamenten umzugehen.« Wenig werde sich jedenfalls zunächst für Patienten beispielsweise nach Herzklappeneingriffen, während der Schwangerschaft oder bei schweren Leber- und Nierenproblemen ändern.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-13)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-13 bis 2010-09-12
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Hitze macht vielen Menschen zu schaffen - Tipps vom Mediziner
(fod). Temperaturen knapp unter der 40-Grad-Marke haben an diesem Wochenende die Gießener mächtig ins Schwitzen gebracht. Die für Mitteleuropa ungewöhnlich hohen Werte machen vielen Menschen schwer zu schaffen, das gilt für ältere wie auch jüngere. Manch einer musste sogar die Hilfe von Krankenhäusern in Anspruch nehmen. Dabei war zu sehen, dass die vorher gemachten Fehler fast immer dieselben sind, wie eine Umfrage des Anzeigers am Wochenende belegt.

So bekamen es zum Beispiel Oberarzt Dr. Johann Mermi und Assistenzarzt Dr. Peter Menger am Evangelischen Krankenhaus in mehreren Fällen mit Patienten zu tun, die ganz einfach zu wenig getrunken hatten und wegen Austrocknung behandelt werden mussten. Johann Mermi berichtet unter anderem von einem älteren Herrn, der gleich nach dem Aussteigen aus dem Auto vor dem Klinikseingang kollabiert war. „Er war sonst gesund, hatte aber einige Stunden lang nichts mehr getrunken“, schildert der Kardiologe. Der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust war einfach zu groß. Nachdem man ihn für einige Zeit an eine Kochsalzlösung gehängt hatte, ging es dem Mann rasch wieder besser. Problematischer sei es, so Mermi, bei vorliegenden Erkrankungen wie etwa Herzrhythmusstörungen oder einer gestörten Nierenfunktion: hier kommt der Körper noch viel schneller an seine Grenzen.

Ein solcher Kollaps kann aber auch einem kleinen Jungen widerfahren, wie Peter Menger erlebt hat. „Er war den ganzen Tag auf den Beinen und ist in der prallen Sonne herumgetobt, ohne ausreichend zu trinken“, erzählt der Arzt. Am Abend passierte es dann: dem Kleinen wurde aufgrund Volumenmangels schwindelig und er fiel hin und brach sich das Handgelenk. „Kinder sollten auf jeden Fall eine Kopfbedeckung tragen“, rät Menger. Während Johann Mermi generell jedem von einem längeren Aufenthalt in der Sonne rund um die Mittagszeit abrät. Wie rasch der Körper austrocknet, hat Peter Menger an sich selbst gemerkt: Sowohl auf dem Hinweg zur Klinik als auch dem Rückweg mit dem Fahrrad habe er jeweils einen dreiviertel Liter trinken müssen. „Je nach Aktivität sind sogar vier bis fünf Liter notwendig“, weiß der Assistenzarzt.

Wer jetzt aber glaubt, auch mit Alkohol, wie etwa einem kühlen Bier, dem Flüssigkeitsverlust entgegenwirken zu können, der irrt. Denn hierdurch komme es zu einer Erweiterung der Blutgefäße und das Herz müsse zusätzliche Arbeit verrichten, gibt Prof. Hans-Dieter Walmrath, Oberarzt in der Notaufnahme der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums, zu bedenken. Dort hatte man am Wochenende ebenfalls einige Hitzefälle zu versorgen. So erzählt Walmrath von einer älteren Frau, die sogar in ihrer überhitzten Wohnung einen Schwächeanfall erlitten habe, auch hier wieder, weil sie das regelmäßige Trinken vergaß. Damit es erst gar nicht so weit kommt, empfiehlt Dr. Stefan Steidl, Leitender Oberarzt der Geriatrie-Abteilung am St. Josefs Krankenhaus, älteren Menschen einen einfach durchzuführenden Selbsttest: „Zieht man die Haut am Handrücken mit zwei Fingern hoch und sie bleibt dann stehen, ist das ein Anzeichen für einen Flüssigkeitsmangel“, erläutert er. Jedoch müssten Herzpatienten vorsichtig sein: „Wenn sie zu viel auf einmal trinken, ist das für sie nicht gut.“ Denn das Pumporgan müsse somit mehr Arbeit leisten.

Vorsicht ist ebenso vor dem Sprung ins kühle Nass geboten. „Wer aus der prallen Sonne direkt ins Schwimmbad oder den Baggersee geht, bei dem kann es schnell zu schwereren Kreislaufstörungen kommen“, warnt Hans-Dieter Walmrath. Hier sollte man sich schrittweise an die Wassertemperatur gewöhnen, empfiehlt er. Dass natürlich auch die Haut gegen die kräftige Sonneneinstrahlung mit zum Hauttyp passenden Produkten geschützt werden muss, versteht sich von selbst.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-12)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-13 bis 2010-09-12
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»Der Seele mehr Aufmerksamkeit schenken«
Prof. Johannes C. Kruse umriss in seiner Antrittsvorlesung Aufgaben und Ziele der Psychosomatik – Risiko Diabetes

Gießen (if). Was sind Aufgaben und Ziele der Psychosomatik? Die Antwort des neuberufenen Direktors des Zentrums für Psychosomatische Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen auf diese Frage ist bestechend klar: »Dem Körper nicht weniger – der Seele mehr Aufmerksamkeit schenken« lautet sie. Prof. Johannes C. Kruse kam bereits im Vorjahr aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf nach Gießen, um die Leitung der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie zu übernehmen. Bei seiner offiziellen Antrittsvorlesung im großen Anatomiehörsaal unterstrich er dieser Tage diese Feststellung zugleich mit der Forderung namentlich an die niedergelassenen Ärzte, sich als Helfer ihrer Patienten zu begreifen: Bereits im hausärztlichen Bereich gelte es, psychotherapeutische Aspekte in die Behandlung einzubeziehen – die qualifizierte Therapie körperlicher Beschwerden mit einer Reduzierung seelischer Belastungen der Patienten zu verbinden.
Als Beispiele nannte Prof. Kruse den Diabetes: Das Risiko eine Depression zu entwickeln, ist bei Diabetikern überdurchschnittlich hoch. Zugleich führt die Kombination Diabetes/Depression zu einem statistisch nachgewiesenen, erhöhten Sterblichkeitsrisiko. Andererseits zeigten bereits Kurzzeitpsychotherapien in interdisziplinären Versorgungskonzepten eine deutliche Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit namentlich bei älteren Patienten: Eine Reduzierung der Depressivität kann einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Stoffwechsellage leisten.
Neuere Erkenntnisse aus der molekularen Medizin, über die Prof. Kruse berichtete, machen heute exemplarisch die beispielweise selbst dem – ob vor Scham errötenden oder vor Angst schweißgebadeten – Laien unleugbaren Wechselwirkungen zwischen Psyche und Soma verständlich: Stress – beispielsweise über Depressivität, Angst oder nachwirkende traumatische Erlebnisse – führt zu erhöhter Cortisol-Ausschüttung. Sie wiederum jagt das Herz, treibt den Blutdruck in die Höhe, beeinflusst den Insulinspiegel und führt schließlich zu verhängnisvollen »epigenetischen« Veränderungen: Nicht alle Gene im Zellkern sind stets gleichzeitig aktiv. Erbanlagen können aktiviert oder abgeschaltet werden. Bei Streß kommt es über diesen Mechanismus zu einer »Verarmung« an Cortisol-Rezeptoren – was wiederum mit einer Störung der »Stressachse« zu entsprechenden körperlichen Folgen führt. Therapeutische Konsequenz daraus: Dem Körper nicht weniger, aber der Seele mehr Aufmerksamkeit schenken.
Bei der Begrüßung der Gäste, unter denen man mit Prof. Horst-Eberhard Richter und Prof. Christian Reimer auch die beiden Vorgänger des neuen Gießener Psychosomatikers bemerkte, hatte Medizindekan Prof. Trinad Chakraborty die Freude geäußert, Kruse für Gießen gewonnen zu haben. Bis zu seinem Wechsel Leitender Oberarzt und Stellvertretender Direktor der Düsseldorfer Uniklinik für Psychotherapeutische Medizin, publizierte der 50-jährige Niedersachse mehr als 150 wissenschaftliche Arbeiten. Als einer der meistzitierten Autoren seines Fachgebietes ist er nicht nur Mitverfasser des derzeit erfolgreichsten Lehrbuches zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie in Deutschland, sondern auch Sprecher der vom Bundesforschungsministerium geförderten Arbeitsgruppe »Mental Aspects« des Kompetenznetzes Diabetes mellitus sowie Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
Die von ihm anvisierte engere Kooperation mit niedergelassen Ärzten und Psychotherapeuten ist über Fortbildungsveranstaltungen und Forschungsvorhaben bereits angelaufen, ebenso wie ein verstärktes Engagement in der Lehre, beispielsweise mit einem praxisorientierten Training junger Mediziner zur als immer wieder dringend nötig erachteten Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-12)
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veröffentlicht von 2010-07-14 bis 2010-09-13
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Wenn das Lesen anstrengend und schwierig wird
Bürgervorlesung am Uniklinikum beschäftigt sich mit altersbedingter Makuladegeneration - Zahlreiche neue Therapieansätze vorgestellt

GIESSEN (Äat). Es gibt neue Möglichkeiten der Vorbeugung und Therapie einer Augenkrankheit, die längst zur Volkskrankheit geworden ist: der altersbedingten Makuladegeneration. Präsentiert wurden die verbesserten Ansätze, diese Krankheit in den Griff zu bekommen, bei einer Bürgervorlesung am Uniklinikum in Gießen. Prof. Birgit Lorenz, Leiterin der Augenklinik, konnte sich dabei über zahlreiche Zuhörer freuen. Vor allem ältere Gießener waren gekommen, um sich über das Leiden zu informieren.

Der Leitende Oberarzt Dr. Frank Weinand beschrieb nicht nur, wie diese Krankheit entstehen kann, sondern schilderte all die Möglichkeiten, die als Ergebnis intensiver Forschung zur Eindämmung der Makuladegeneration führen können. Seine erfreulichste Nachricht: Es gibt inzwischen eine ganze Reihe erfolgreicher Therapien, die die Sehleistung bei bis zu 90 Prozent der Betroffenen erhalten, teilweise sogar verbessern können. Dabei ist die Forschung noch längst nicht am Ende ihres Weges angelangt, kommen doch immer wieder neue Erkenntnisse hinzu.

Ursachenforschung

Das gilt, laut Weinand, zum Beispiel bei der Erforschung der Ursachen. Denn das Risiko für Raucher, mit diesem Problem konfrontiert zu werden, soll fünf Mal höher sein als für Nichtraucher. Übergewicht führt danach zu einem verdoppelten Risiko. Doch es gibt auch genetische Faktoren, die sich ungünstig auswirken. Zusammengefasst: Es gibt erblich bedingte Faktoren, die zum Ausbruch führen. „Das Lesen wird anstrengend und schwierig.“ Das ist für Weinand das erste Anzeichen für diese Krankheit. Dann sollte man natürlich sofort den Augenarzt aufsuchen. Bedacht werden muss nämlich, dass die Makuladegeneration im Frühstadium zu keinen Beeinträchtigungen des Sehvermögens führt. Er stellte die verschiedenen Möglichkeiten der Diagnostik vor. Insbesondere verwies er darauf, dass die Gießener Augenklinik über eines von zwei speziellen Lasergeräten in Hessen verfügt, mit dem eine besonders effektive Diagnostik möglich ist.

Bei dieser Krankheit kommt es zu Veränderungen in der Netzhautmitte. Einfach gesagt kommt es zu Ablagerungen im Auge, die die Sehschärfe nach und nach immer stärker beeinträchtigten. Früher führte das schicksalhaft zur Erblindung. Alles beginnt mit der so genannten trockenen Makula, die im Spätstadium zur feuchten wird. Davon sind rund acht Prozent der Patienten betroffen.

Laser und Medikamente

Inzwischen gibt es verschiedene Methoden diese Entwicklung zu bremsen. Da kann zum Beispiel mit einem Laser die störenden Gefäßplatten im Auge zerstört werden. Diese Lösung hat aber den Nachteil, dass an den sich bildenden Narben in den meisten Fällen wieder Gefäßplatten nachwachsen. Daneben gibt es chirurgische Möglichkeiten, diese Blutplatten aufzulösen. Außerdem können Medikamente ins Auge gegeben werden, die das Gefäßwachstum stoppen oder zumindest bremsen. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas funktioniert, wird immer größer. Doch das Medikament ist teuer. Eine Ampulle - drei werden gebraucht - kostet rund 1300 Euro. Krankenkassen übernehmen diese Kosten nur auf Einzelantrag. Ganz neu sind Gentherapien, die Erfolg versprechen, aber die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Nicht vergessen werden sollte, dass es bestimmte Stoffe gibt, die vorbeugend Wirkung zeigen können, die allerdings ein Patient selbst bezahlen muss. Ob damit ein Erfolg zu erzielen ist, muss ausprobiert werden.

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Für komplette Diagnostik beim Spezialisten plädiert
GIESSEN (fm). Rund 60 niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte haben an einer Fortbildung zum Thema „Blutgerinnung“ teilgenommen, die der Interdisziplinäre Schwerpunkt für Hämostaseologie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) im Kloster Schiffenberg organisiert hat. Dabei konnten sie die am Standort Gießen tätigen Gerinnungsärzte kennenlernen und die neuesten Informationen zur Blutgerinnung weitergeben. Vor dem Hintergrund der aktuellen Leitlinien schilderte Dr. Kathrin Heidinger, Transfusionsmedizinerin und Hämostaseologin, welche Diagnostik beim Auftreten von thrombotischen Erkrankungen Sinn bzw. keinen Sinn macht. Nach der Vorstellung aller ererbten und erworbenen Risikofaktoren plädierte sie für eine „komplette“ Diagnostik beim Spezialisten und machte die Wichtigkeit von klinischen Informationen für die Befundinterpretation deutlich. Eine individuelle Therapie-Entscheidung müsse auf der Grundlage umfassender Informationen aus Labor und Klinik getroffen werden.

Laut Dr. Ronald Fischer, Internist und Hämostaseologe, der am Uniklinikum auch die Schwangerschaftsambulanz betreut, führen weitreichende Gerinnungsveränderungen dazu, dass Frauen während der Schwangerschaft „ein deutlich erhöhtes Thrombose-Risiko“ haben. Zudem nehme die Zahl von Frauen mit Aborten zu, die von Gerinnungsveränderungen mit verursacht seien. Diesen Frauen könne man häufig zu einem normalen Schwangerschaftsverlauf verhelfen, wenn man ihnen Gerinnungs-hemmende Medikamente gebe. Prof. Bettina Kemkes-Matthes, Leiterin des Interdisziplinären Schwerpunkts für Hämostaseologie am Uniklinikum, stellte zwei neue Medikamente vor, die seit 2008 auf dem Markt sind und die in Kürze die „Thrombosespritze“ bei Operationen „mehr oder weniger komplett ersetzen“ werden. Ausführlich erörterte sie das Für und Wider alter und neuer Medikamente mit gerinnungshemmender Wirkung.

An die Referate schloss sich eine ausführliche fachliche Diskussion der Referenten mit den Teilnehmern an.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-10)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-12 bis 2010-09-11
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Spenden geben Mariusz »neuen Lebenswillen«
Der Zehnjährige, seine Familie und seine Unterstützer danken Lesern für ihre Unterstützung – Warten und Hoffen

Gießen (kw). Noch steht Mariusz Stepniak nicht auf der Liste für eine Herztransplantation im Gießener Universitätsklinikum. Und nach wie vor ist unklar, welche Spendensumme das Rhön-Klinikum als Voraussetzung dafür festsetzt. Aber die bisher mehr als 90 0000 gespendeten Euro wecken Hoffnung bei dem Zehnjährigen und seiner Familie im polnischen Zgierz. »Das Lächeln auf seinem Gesicht wird breiter«, berichtet Izabela Fengaras Sokolowska, Gründerin der Organisation Hoffnungsschimmer/ Light of Hope.
Niemand weiß genau, was die Transplantation insgesamt kosten würde. Je nachdem, welche Behandlung rund um die Operation nötig wird, können es 80 000 bis 250 000 Euro sein. Das heißt: Das gesammelte Geld kann vielleicht schon reichen.
Mariusz kann – wie berichtet – nicht in die Schule gehen und erhält zu Hause Unterricht. Im gerade abgelaufenen Schuljahr hat er gute Noten bekommen. Um ihm dazu zu gratulieren, hat Izabela Fengaras Sokolowska den herzkranken Jungen kürzlich angerufen. Zudem wollte sie sich für einen Brief und das Bild bedanken, das er für die Gießener Allgemeine Zeitung gemalt hat, als Dankeschön für die Menschen dort, die ihm so sehr geholfen haben, sowie auch all die anderen, die nicht aufgeben für Mariusz’ Leben zu kämpfen.
»Jedes Mal, wenn erwähnt wird, wie viel in den letzten paar Monaten erreicht worden ist und wie sehr die Chancen steigen, dass er die Transplantation erhält, lebt Mariusz auf«, berichtet Izabela Fengaras Sokolowska. »Selbst wenn man ihn nicht sieht, so fühlt man, wie ihn dies aufmuntert und ihm neuen Lebenswillen gibt. Und auch, wie sehr er sich wünscht, dass es endlich so weit wäre. Dass er endlich nach Deutschland kommen kann, um hier die lebensrettende Operation zu erhalten. Er spricht von seinen Unterstützern, Freunden und auch von Professor Schranz und Doktor Bauer, die er beide ganz besonders ins Herz geschlossen hat. Er spricht von der Hoffnung, dass es endlich so weit ist. Und er spricht von seiner Freude darüber, dass das alles, was er bisher durchleben musste, vielleicht bald schon vorbei sein wird. Wir warten jetzt auf die Entscheidung und drücken Mariusz alle die Daumen, dass es jetzt endlich klappt.«
Izabela Fengaras Sokolowska, geboren 1984 in Danzig, war Ballerina und tanzte ab 2002 beim Royal Danish Ballet in Kopenhagen. Sie gab ihren Beruf auf, um 2008 einen Jungen zur Welt zu bringen. Kurz darauf erfuhr sie, dass sie an einer Form von Knochenkrebs erkrankt war. Ihre Lebenserwartung galt als gering. Eine Spendenaktion ermöglichte der jungen Frau eine Behandlung in China. Genesen, hat sie umgehend »Light of Hope« gegründet, um anderen zu helfen. Die ganze Unterstützung der Organisation gehört zurzeit Mariusz.
Spenden kann man auf das Konto bei der Deutschen Herzstiftung, Nummer 0 90 00 35 03 bei der Commerzbank AG Frankfurt (BLZ 500 800 00). Als Verwendungszweck sollte »Mariusz« angegeben werden.

163,43 Euro haben Leser in den vergangenen Wochen in die Spendendosen in den AZ-Geschäftsstellen geworfen. Bei der Commerzbank in Gießen nahmen Teamleiterin Christiane Schwarz (l.) und Elke Geißler das Geld zur Weiterleitung an das Konto der Deutschen Herzstiftung entgegen. (Foto: Schepp)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-10)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-13 bis 2010-09-12
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Krankheit AMD beginnt meistens unbemerkt
Bürgerinformationsstunde über Netzhautveränderungen fand großen Zuspruch – Im schlimmsten Fall droht Erblindung

Gießen (if). Leergefegte Straßen, Verkehrsampeln wechseln scheinbar sinnlos ihre Farbe – am frühen Mittwochabend liegt die Stadt sozusagen in Schockstarre. Im großen Chirurgiehörsaal des Uniklinikums dagegen herrscht drangvolle Enge. Wer in dem Raum mit der miserablen Akustik noch ein gutes Plätzchen findet, hat Glück. Die zweite »Bürgerinformationsstunde« im Uniklinikum, zu der die Direktorin der Augenklinik, die Professorin Birgit Lorenz, und ihre Mitarbeiter eingeladen hatten, stieß auf ein überwältigendes Echo.
Das Thema »Makula-Degeneration« führte die Gießener in Scharen ins Klinikum. Noch kurz vor dem Anpfiff in Südafrika muss die Klinikchefin letzten Wissbegierigen das »Amsler«-Netz erklären – jenes Rastermuster, das auf einem Blatt Papier jeder Teilnehmer mitbekam, um selbst seine Sehkraft zu überprüfen und Veränderungen feststellen zu können, die ihm möglicherweise sonst noch gar nicht aufgefallen wären. Denn AMD – die altersbedingte Veränderung der Netzhaut, häufigste Erblindungsursache der westlichen Welt – beginnt, wie Leitender Oberarzt Dr. Frank Weinand erläuterte, in der Regel unbemerkt. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie darunter leiden, bis es zu einer deutlichen Sehverminderung oder zum »Verzerrtsehen« kommt. Raucher haben ein fünfmal so hohes Risiko, mit einem bis zu dreißigfach erhöhten Risiko muss der rechnen, bei dem alle Faktoren – angefangen von Rauchen über UV-Schäden und Übergewicht, eine familiäre Veranlagung eingeschlossen –, zusammenkommen.
Wie die mit einer Makuladegeneration verbundenen Veränderungen aussehen, zeigte Weinand in eindrucksvollen Aufnahmen mit dem seit drei Jahren in Gießen in der Diagnostik eingesetzten »HRA-Spectris OCT«. Die »Maschine« liefert Bilder in bisher unbekannter Detailtreue aus allen Stadien der Erkrankung – sowohl von der trockenen Form, die von Ablagerungen ausgeht, welche im Spätstadium zum Untergang von Sinneszellen führen, als auch von der besonders gefürchteten, mit einer Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhaut und deren Schwellung einhergehenden »feuchten« Variante.
Weinand schloss mit der Schilderung der heute verfügbaren Behandlungsoptionen. Bei der »feuchten Variante« reichen sie vom Laser über chirurgische Therapien bis hin zum Einsatz jener – sehr teueren – Substanzen, die, ursprünglich in der Krebsmedizin entwickelt, über eine Injektion in den Glaskörper versprechen, das krankhafte Gefäßwachstum zu hemmen, um den Zerstörungsprozess zu stoppen und ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern. Neuerdings verbinden sich Hoffnungen mit einer Weiterentwicklung – mit einem Wirkstoff, der unter dem Begriff »Trap Eye« in einer »Phase III«-Studie derzeit an Tausenden von Teilnehmern in den USA und Europa erprobt wird.
Was die medikamentöse Behandlung der trockenen, langsamer verlaufenden Makuladegeneration angeht: Studien in den USA testen den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln, Spurenelementen, Vitamin C und Beta Carotin bis hin zu Omega-3-Fettsäuren. »Und was bringt Akupunktur?« wollte in der abschließenden, ausgiebig genutzten Fragestunde eine Teilnehmerin wissen. Weinand musste sie enttäuschen. »Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Daten.« Motto der nächsten Informationsveranstaltung: »Wenn die Augen nicht zusammenarbeiten.«
Zu Beginn der Veranstaltung hatte Cordula von Brandis-Stiehl, Leiterin der Regionalgruppe »Pro Retina«, über die Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegeneration berichtet. Sie zählt in der Bundesrepublik über 6000 Mitglieder und engagiert sich in der Patientenberatung, in der Hilfsmittelinformation sowie der Forschungsförderung. Treffen finden abwechselnd in Marburg, Wetzlar und Gießen jeweils am letzten Samstag eines jeden zweiten Monats statt. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0 64 21-68 60 08.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-10)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-13 bis 2010-09-12
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Herzenswünsche-Bundesvorsitzende Wera Röttgering zu Gast an Uni-Kinderklinik
GIESSEN (fod). Als Wera Röttgering den zehnjährigen Kevin und seinen Freund Tim, sechs Jahre alt, fragt, welche Wünsche sie gerne erfüllt haben möchten, müssen die beiden kleinen Patienten der Station Koeppe der Uni-Kinderklinik erst einen Moment nachdenken. „Ich würde gern einmal Disneyland besuchen“, sagt Kevin dann und meint die europäische Variante nahe Paris, die er mal im Fernsehen gesehen habe. Während Tim daraufhin den Wunsch äußert, das Legoland zu besichtigen. „Das in Dänemark oder in Süddeutschland?“, möchte Wera Röttgering von ihm wissen. Aber wie er sich auch entscheidet: Als Bundesvorsitzende des Vereins Herzenswünsche könnte sie ihm sicherlich einen dieser Wünsche erfüllen. Unterhält die bundesweit tätige Organisation, die sich seit Jahren für schwerkranke Kinder und Jugendliche stark macht, doch ausgezeichnete Kontakte in die Wirtschaft, zu Unternehmen oder zu Prominenten aus Sport und Show Business.


Ob die beiden Jungen ihre Wünsche realisiert bekommen, dürfte sich allerdings erst in einigen Wochen ergeben. Der Besuch von Wera Röttgering in der Gießener Kinderklinik diente vor allem zum Kennenlernen des erst vor einem halben Jahr eingetragenen Fördervereins für chronisch kranke Kinder Gießen e.V., der sich abgekürzt „KroKi“ nennt. Sie war der Einladung von Kliniksleiter Prof. Klaus-Peter Zimmer und des Vereinsvorsitzenden, des in der Klinik tätigen Familienpsychosomatikers Prof. Burkhard Brosig gefolgt. Man erhoffte sich, von ihr Ratschläge für die Vereinsarbeit oder die Gewinnung von Sponsoren zu erhalten. Beim Gespräch dabei war unter anderem auch Dr. Peter Sauerwein, Präsident des Lions Club Gießen-Burg Gleiberg, dessen Mitglieder der Klinik mit ihrem Adventskalender-Verkauf alleine im vergangenen Jahr 10.000 Euro zur Verfügung gestellt hatten.


Nach dem Gespräch ließ sich Wera Röttgering auf einem Rundgang die Station der Allgemeinpädiatrie und einzelne Patienten vorstellen. Darunter eben auch Kevin (10) und Tim (6). Während Kevin bereits seit einigen Jahren immer wieder wegen Diabetes auf der Station Koeppe behandelt wird, wurde die Zuckerkrankheit vom Typ I bei Tim erst vor einer Woche festgestellt, erzählt seine Großmutter Hedwig Hergenröther. „Er ist seitdem hier, um das richtige Insulin und die richtige Dosis für ihn zu finden“, erzählt sie. Der Sechsjährige ist mit Kevin in einem Zimmer untergebracht und so hat er viel Ablenkung: obwohl bei den anfänglichen Fragen des Besuchs eher schüchtern, toben beide kurz danach schon wieder über die Stationsflure.

Doch gibt es auch viele Kinder und Jugendliche, die mit ihrer Erkrankung nicht zurechtkommen, sich immer weiter in sich zurückziehen. Gerade für solche Fälle wolle man künftig eine Psychosomatische Therapie und Familientherapie unter Einbeziehung der Eltern anbieten, berichtet Klaus-Peter Zimmer. Dafür wie auch die Weiterführung des erfolgreichen Pantomimen-Projekts „suchen wir noch mehr Kooperationspartner und Unterstützer“, erklärt der Kliniksleiter Wera Röttgering.

Das sei jedoch relativ schwierig, fügt Burkhard Brosig sogleich hinzu. „Es ist nicht leicht, chronische Erkrankungen in der Öffentlichkeit darzustellen, da sie nicht so einfach verändert oder geheilt werden können“, gibt er zu bedenken. Von den Betroffenen selbst verlangten sie ein diszipliniertes und angepasstes Leben, „in dem der Raum für Wünsche stark eingeengt ist“, so Brosig.

Noch dazu seien Kinder und Jugendliche, die an Diabetes, entzündlichen Darmerkrankungen oder anderen chronischen Leiden erkrankt sind, „sehr behandlungsbedürftig und betreuungsintensiv“, berichtet Zimmer. „In Zeiten der Ressourcenknappheit ist das gerade den Krankenkassen schwer zu vermitteln“, weiß er um die finanziellen Schwierigkeiten, die einer Ausweitung der Betreuung mit psychosomatischen Angeboten entgegenstehen.

Laut Brosig zeige sich alleine in Gießen bei 15 Prozent der jährlich rund 4.000 stationären Aufnahmen in der Allgemeinpädiatrie eine psychosomatische Beteiligung an der Krankheit. Eher noch größer dürfte der Anteil bei den pro Jahr etwa 1.600 ambulant betreuten jungen Patienten mit chronischen Erkrankungen sein.



Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-09)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-09 bis 2010-09-08
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»AMD – trocken oder feucht?« lautet die Frage
Augenklinik klärt Erblindungsrisiken im Alter mit modernsten Verfahren – Informationsveranstaltung am Mittwoch

Gießen (if). Das graue Haar fällt in Strähnen auf den gebeugten Rücken, die toten Augen gehen ins Leere – so mag Teiresias, der erblindete Greis aus »Antigone«, am Stock über die Bühne so manch höherer Bildungsanstalt schlurfen. Zwar hat die Medizin seit Sophokles viele Siege errungen; die mit dem höheren Alter drohende Makuladegeneration (AMD) indes gilt bis heute als häufigste Ursache der Erblindung in Europa und USA. »Etwa jeder dritte Mensch« – so Prof. Birgit Lorenz, die Direktorin der Universitätsaugenklinik Gießen – »der älter als 75 Jahre ist, hat eine Makuladegeneration. Während bis zum Anfang des Jahrhunderts der Verlauf als schicksalhaft angesehen werden musste, gibt es aber mittlerweile eine ganze Reihe von erfolgreichen Therapien, die die Sehleistung bei bis zu 90 Prozent der Betroffenen erhalten und sogar verbessern können.«
Zu dieser Entwicklung hat in hohem Maße die Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten beigetragen: Bereits im Frühstadium, in dem der Betroffene kaum subjektive Beeinträchtigungen des Sehvermögens bemerkt, liefert die moderne »Okuläre Kohärenztomografie« Hinweise auf beginnende Veränderungen in der Netzhaut, an der nur wenige Millimeter messenden Stelle des »schärfsten Sehens«, wo die Sinneszellen, die die Sehimpulse an den Sehnerv weiterleiten, dicht an dicht gebündelt liegen. Nur runde zehn Minuten, so schätzen Patienten, dauert die schmerzlose Untersuchung, die als einzige hessische Universitätsklinik diejenige in Gießen anbietet. »Man sieht ein paar Blitze – das ist es«, schildern die Patienten.
Das Besondere an diesem HRA-Spektralis-OCT, so heißt das Gerät, ist, dass damit zum Teil gleichzeitig mehrere verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden können mit einer bisher unerreichbaren Detailtreue – das Auflösungsvermögen der Bilder liegt bei sechs Mikrometer. Es fehlt nur noch ein bisschen, und man kann sich die einzelnen Sehzellen anschauen. Die so gewonnenen Bilder, die der Leitende Oberarzt der Klinik, Dr. Frank Weinand, zeigen kann, sind frappierend. Dabei stellen sie nicht allein eine Entscheidungshilfe für das weitere Vorgehen dar, sondern sie dienen auch der Verlaufskontrolle im Laufe der Behandlung. Wenn es um die Frage geht »trocken oder feucht?«, sind die mit der Ablagerung von Fetten – »Drusen« –unter der Netzhaut verbundenen »trockenen« Formen ebenso deutlich zu erkennen wie die bei der besonders gefürchteten »feuchten« Variante eingetretenen Blutungen oder Flüssigkeitsansammlungen.
Faszinierend sind auch die mit der Kohärenztomografie erzielten Schnittbilder: Vor Beginn einer heute möglichen Behandlung der »feuchten« AMD mit der Injektion von eigens entwickelten Medikamenten in den Glaskörper ist beispielsweise deutlich die in der Nähe der Stelle des schärfsten Sehens durch die Neueinsprießung von undichten Gefäßen entstandene Flüssigkeitsansammlung erkennbar. Nach im Abstand von jeweils vier Wochen vorgenommener dreimaliger Injektion eines Medikamentes, das jenes Enzym blockiert, welches die krankhafte Neubildung von Gefäßen fördert, ist das »Leck« abgedichtet und keine Flüssigkeitsansammlung mehr zu erkennen.
Die bemerkenswerten Aufnahmen werden am Mittwoch, 7. Juli, um 18.30 Uhr, im Chirurgie-hörsaal zu sehen sein, wenn Prof. Lorenz und Oberarzt Dr. Weinand in einer »Bürgerinformationsstunde« über »Makuladegeneration im Alter – neue Möglichkeiten der Vorbeugung und Therapie« informieren. Dabei wird beispielsweise auch die Frage »Wie kann ich zu Hause eine einfache, aber effektive Selbstkontrolle durchführen?« zur Sprache kommen, ebenso wird die gesamte Skala der Behandlungsmöglichkeiten – von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bis hinzu operativen Verfahren – angeschnitten.

Die Gießener Augenklinik verfügt seit drei Jahren über einen Kohärenztomografen. Ein ähnlich leistungsfähiges Gerät zur Früherkennung der Makuladegeneration steht in Hessen außerdem nur noch in Frankfurt. (Foto: Schepp)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-05)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-07-05 bis 2010-09-04
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In den ersten fünf Hitze-Tagen ist Vorsicht angesagt
(rsl). Jetzt ist die Hitze da. Damit uns dabei nicht der Schlag trifft, hat Prof. Dr. Thomas Eikmann von Institut für Hygiene- und Umweltmedizin im Uni-Klinikum Gießen und Marburg aktuelle Tipps parat.

Mensch und Klima

Grundsätzlich kann sich der Körper an hohe Temperaturen gewöhnen, man spricht dann von einer Hitzeakklimatisation. Dabei steigt die Körperkerntemperatur stetig langsam an und die Herzfrequenz reguliert sich automatisch herunter. Gerade Sportler und alle Berufsgruppen, die sich im Freien aufhalten, müssen dennoch in den ersten fünf heißen Tagen sehr vorsichtig sein. Wer hingegen in klimatisierten Räumen arbeitet, der sollte die Klimaanlage nicht zu kalt einstellen - sonst droht eine Erkältung.

Gefahren und Warnzeichen

Große Hitze belastet den Körper. Flüssigkeitsmangel, eine Verschlimmerung bestehender Krankheiten, Hitzekrämpfe und ein Hitzschlag können die Folgen sein. Diese Warnzeichen des Körpers müssen ernst genommen werden: Kreislaufbeschwerden, Muskelkrämpfe, Bauchkrämpfe, Erschöpfungs- oder Schwächegefühl, ein ungewohntes Unruhegefühl. Ein erhöhtes Risiko besteht für Säuglinge und kleine Kinder, Personen mit einer psychischen Krankheit, behinderte Menschen oder chronisch kranke Personen, besonders bei Herzkrankheiten oder Bluthochdruck, und vor allem für ältere und für pflegebedürftige Menschen.

Essen und Trinken

Das oberste Gebot bei Sommerhitze heißt: Ausreichend trinken. Nach Möglichkeit sollte die tägliche Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern noch etwas gesteigert werden. Die Menge an Flüssigkeit, die der Körper durch das Schwitzen verliert, muss unbedingt wieder aufgefüllt werden. Es kommt ohne genügend Flüssigkeitszufuhr nicht nur zu Mangelvolumen im Blut, sondern auch zu beachtlichen Mineral- und Elektrolytverlusten im Körper. Zu empfehlen sind hier Wasser, Tee und Früchteschorlen. Heiße und zu kalte Getränke sollten genauso vermieden werden wie Kaffee, sehr süße Getränke und Alkohol. Obst und Gemüse liefern Vitamine und Flüssigkeit und können im Gegensatz zu sehr fettreichen Speisen bedenkenlos verspeist werden.

Wohnen und Kleidung

Die beste Zeit zum Lüften der Wohnung sind die Nacht und der frühe Morgen. Von eiskalten Duschen ist abzuraten - besser moderate Temperaturen wählen. Besonders von der großen Hitze gefährdete Personen sind kleine Kinder und ältere Menschen - sie sollten sich vorwiegend im Haus aufhalten, wenig körperliche Aktivitäten entwickeln und sich tagsüber schattige Plätze suchen. Alle Sonnenhungrigen hingegen sollten zumindest auf eine geeignete Kleidung achten. Die Luft muss unbedingt durch die Kleidung zirkulieren können, damit es nicht zu einem Hitzestau kommt. Hierfür eignen sich leichte und helle Stoffe wie zum Beispiel Baumwolle oder andere Naturfasern. Für die ganz Kleinen muss unbedingt an die Kopfbedeckung - am besten mit Nackenschutz - gedacht werden. Menschen, die ihre Arbeit im Freien verrichten müssen, sollten sich zusätzlich mit Sonnencreme einreiben und ihre Augen vor den aggressiven UV-Strahlen schützen. Diese Aufzählung von Maßnahmen gegen die Sommerhitze soll als Orientierung dienen. Das Uni-Klinikum hilft bei speziellen Fragestellungen gerne mit Auskünften weiter.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-01)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-01 bis 2010-08-31
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Land bewilligt zwei JLU-Schwerpunktprogramme aus den Bereichen Medizin und Biologie mit Kooperationspartnern
(rso). Über einen Erfolg können sich zahlreiche Wissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität (JLU) freuen: In der dritten Staffel der hessischen Exzellenzinitiative Loewe hat das Land erneut zwei Großprojekte unter JLU-Federführung bewilligt: Dabei handelt es sich um Schwerpunkte aus den Bereichen der Biologie („Insektenbiotechnologie“) und Medizin („Männliche Infertilität bei Infektion und Entzündung“).

Mit der Doppelbewilligung sind finanzielle Zusagen in Höhe von insgesamt rund neun Millionen Euro verbunden. „Nun können bestehende Kooperationen der JLU mit Forscherteams der Universitäten Marburg und Frankfurt, der Fachhochschule Gießen-Friedberg und weiteren Einrichtungen nachhaltig ausgebaut werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der JLU. Präsident Prof. Joybrato Mukherjee und Prof. Katja Becker, die als Zweite Vizepräsidentin für Forschungsfragen zuständig und als Biochemikerin zugleich mit einem eigenen Projekt am Schwerpunkt „Insektenbiotechnologie“ beteiligt ist, sind sehr froh, dass das lebenswissenschaftliche Profil der Universität noch einmal erheblich geschärft werden kann.

„Es zeigt sich, dass die enge Vernetzung der Medizin mit den anderen lebenswissenschaftlichen Fächern der Schlüssel zum Erfolg bei großen interdisziplinären Verbundprojekten ist“, heißt es in der Mitteilung weiter. Auch zeigten beide Erfolge, dass die JLU auf der Grundlage exzellenter Grundlagenforschung mit starken Partnern stets auch konkrete und innovative Anwendungsgebiete im Blick habe.

Was Biodiversität betrifft, sind die Insekten mit über einer Million beschriebener Arten die artenreichste Organismengruppe, die die Evolution auf dem Planeten hervorgebracht hat. An der JLU erforschen Wissenschaftlerteams, mit welchen Entwicklungsschritten Insekten so erfolgreich geworden sind. Einige dieser Erfindungen, wie die von den Raupen des Seidenspinners produzierte Seide oder den von Bienen hergestellten Honig, nutzen Menschen seit Jahrtausenden. Der Gießener Entomologe Prof. Andreas Vilcinskas ist davon überzeugt, dass Insekten aufgrund ihrer vielfältigen Überlebensstrategien über einen Schatz an bisher unentdeckten Substanzen verfügen, den es zum Wohle der Menschen zu heben gilt. Das junge Forschungsgebiet Insektenbiotechnologie, von Vilcinskas auch als „Gelbe Biotechnologie“ propagiert, zielt darauf ab, diese Vielfalt systematisch zu erforschen, um mit Hilfe von biotechnologischen Methoden neue Medikamente für die Medizin, innovative Strategien im Pflanzenschutz und Enzyme für industrielle Anwendungen zu entwickeln.

„Der Schwerpunkt besitzt das Potenzial zur nachhaltigen Stärkung der wirtschaftlichen Innovationskraft und der Verankerung neuer Spitzentechnologien in der mittelhessischen Forschungslandschaft“, heißt es in der Mitteilung. Um erstmalig in Deutschland eine operative Einheit auf dem Gebiet der Insektenbiotechnologie aufbauen zu können, die international wettbewerbsfähig ist, beinhaltet die Förderung strukturelle Maßnahmen: Dazu zählen die Implementierung einer Fraunhofer-Projektgruppe in enger Zusammenarbeit mit dem Aachener Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME), der Ausbau der Kooperation zwischen der JLU, der Fachhochschule Gießen-Friedberg und den Universitäten Frankfurt und Marburg sowie der weitere Ausbau der translationalen Lebenswissenschaften an der JLU. „Mit der Bewilligung des insektenbiotechnologischen Schwerpunkts haben wir eine entscheidende Weichenstellung für die mittelfristige Ansiedlung eines Fraunhofer-Teilinstituts für Bioressourcen in Gießen vornehmen können“, sieht Mukherjee einen langfristig angelegten, strukturbildenden Effekt. Die durch das Land unterstützte Fraunhofer-Projektgruppe habe in den vergangenen Monaten glänzende Arbeit in einem höchst innovativen Forschungsfeld geleistet.
Der Schwerpunkt „Männliche Infertilität bei Infektion & Entzündung“ (MIBIE) untersucht die Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit: In Deutschland ist etwa eines von sechs Paaren von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Unfruchtbarkeit ist einer der Gründe für die vorhergesagte Abnahme der deutschen Bevölkerung um bis zu 20 Millionen bis zum Jahr 2050. Das Problem der Infertilität verteilt sich etwa zur Hälfte auf Mann und Frau, wobei Infektionen und Entzündungen des männlichen Reproduktionstraktes etwa 20 Prozent der Ursachen auf der männlichen Seite der sogenannten Fertilitätsstörungen ausmachen.

MIBIE untersucht die Initiierung und Modulierung des chronischen Entzündungsprozesses durch Erreger sowie autoimmune Ursachen. Ziele sind eine verbesserte Diagnostik und Therapie. Der Schwerpunkt soll auch als Anschub für die Beantragung eines DFG-Sonderforschungsbereichs dienen, der neben Gießener Gruppen auch Forscher an anderen Universitäten einbinden soll. „Mit MIBIE wird das hervorragende Potenzial der Gießener Reproduktionsmedizin bestätigt“, sagt der JLU-Präsident.




Quelle: Giessener Anzeiger (2010-06-30)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-06-30 bis 2010-08-30
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Hilfe auf dem Weg zum Wunschkind
Reproduktionsmedizinisches Kompetenzzentrum informierte über seine Arbeit – 2000 erfolgreiche Geburten seit 1989

Gießen (if). Als im Jahr 1989 der kleine Dennis zur Welt kam, brach in der Universitätsfrauenklinik heller Jubel aus: Das erste »Gießener Retortenbaby« hatte, wie die Gießener Allgemeine Zeitung damals berichtete, das Licht der Welt erblickt. Ihm sollten dank der Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin in den folgenden zwei Jahrzehnten noch rund zweitausend »Geschwister« folgen: Kinderwunschbehandlungen wurden zu einem erfolgreichen klinischen Schwerpunkt, während parallel dazu aus der wissenschaftlichen Zusammenarbeit von Gynäkologen, gynäkologischen Endokrinologen, Anatomen, Zellbiologen, Andrologen, Urologen, Humangenetikern zusammen mit Veterinärmedizinern ein bundesweit hoch angesehenes wissenschaftliches Zentrum für Reproduktionsmedizin entstand.
Das in jüngster Zeit indirekt aus diesen Anfängen hervorgegangene standortübergreifende »Reproduktionsmedizinische Kompetenzzentrum Gießen und Marburg« – dessen sperrige Bezeichnung »RepKo« auf ratsuchende Paare allerdings vermutlich eher einschüchternd wirkt –hatte im Hörsaal der Frauenklinik zu einer Informationsveranstaltung über sein Angebot eingeladen. Unter Einbindung einzelner Kliniken des Uniklinikums Gießen und Marburg soll Paaren mit Kinderwunsch nach individueller Beratung eine »möglichst schonende« Begleitung angeboten werden. Wie in Marburg wird dazu auch in Gießen eine eigene »Kinderwunschsprechstunde« angeboten. Sie soll möglicherweise nach dem Umzug der Frauenklinik in den Neubautrakt – so Prof. Peyman Hadji (Marburg) nach der Begrüßung durch Hausherr Prof. Hans-Rudolf Tinneberg – weiter ausgebaut werden.
»Es reicht nicht aus, einfach nur ins Mikroskop zu schauen«, sagte Prof. Hans-Christian Schuppe, als er einleitend auf die Bedeutung einer umfassenden Diagnostik vor einer Entscheidung über das auf dem »Weg zum Wunschkind« einzuschlagende Verfahren hinwies. Hinter der erneut rückläufigen Geburtenzahl des Vorjahres, so der Leiter der renommierten Gruppe »Andrologie« im Zentrum für Urologie, stünden hunderttausende von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, bei denen die männliche Unfruchtbarkeit – bedingt durch eine Vielzahl verschiedener Ursachen – mit rund dreißig Prozent eine nicht unerhebliche Rolle spiele. »Untersuchungen haben uns gezeigt«, so Schuppe, »dass rund ein Drittel aller Männer Einschränkungen auf diesem Gebiet aufweisen – viele ohne es überhaupt zu wissen.« Einfach eine Samenprobe abzugeben, reiche daher nicht aus. Es komme beispielsweise auch entscheidend auf die jeweilige Vorgeschichte an: aus einem Hodenhochstand resultierten später in bis zu 15 Prozent Fertilitätsstörungen. Ähnliche Folgen kann Mumps haben. Bestimmte Medikamente setzen der Spermienqualität ebenso zu wie Anabolika. Testosteron – das »Männlichkeitshormon« – bewirkt in puncto Fertilität genau das Gegenteil. »Schon das Rauchen verschlechtert die Schwangerschaftsraten«. Und jeder siebte Mann, der vergeblich auf Vaterglück gehofft hat, weist Varikozelen (Krampfadern) auf. Auch alte oder bisher unerkannte Entzündungen können Folgen sowohl für Spermienquantität wie deren Qualität haben. Immer wieder stellt sich aber auch ein bis dahin unbekannter genetischer Defekt heraus. Oder die Fruchtbarkeitsstörung beruht gar auf einem unerkannten Hodentumor. Inzwischen, so Schuppe, haben nahezu 1800 Patienten – meist junge Männer im Durchschnittsalter von 32 Jahren – vor einer Krebstherapie wegen eines Hodentumors, eines Lymphoms oder einer Leukämie sich die Möglichkeit, Vater zu werden, über eine Kryokonservierung ihrer Spermien in der Gießener Samenbank bewahrt.
Ehe Dr. Martha Kalff-Suske aus der Sicht der Biologin die Verfahren im Einzelnen schilderte, verwies Prof. Hadji, Leiter der Marburger RepKo-Gruppe, auf die derzeitige Situation, die durch das gestiegene Durchschnittsalter der Frauen mit Kinderwunsch und beeinflusst sei. »Je weniger wir eingreifen, umso höher sind die Erfolgsraten«, betonte der gynäkologische Endokrinologe. Bei der intrauterinen Insemination IUI beispielsweise könne man pro Zyklus von einer Schwangerschaftsrate von bis zu 15 Prozent ausgehen. Bei hochgradigen Störungen jedoch sinken selbst beim anspruchsvollen ICSI-Verfahren die Erfolgsraten von 35 bis unter 10 Prozent – bei ansteigendem Fehlgeburtenrisiko.
In jedem Falle komme es auf einen verantwortungsvollen, einfühlsamen Umgang mit den Kinderwunsch-Paaren an, so Hadji.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-25)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-25 bis 2010-08-25
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Wenn die Scham zu groß ist
Diagnostik- und Therapiekonzepte bei überaktiver Harnblase

(rsh). In Deutschland gibt es etwa neun Millionen Menschen, die an Blasen- oder Darmschwäche leiden. Dies beeinträchtigt das alltägliche Leben erheblich. Viele Betroffene vertrauen sich aus Scham nicht ihrem Arzt an und erhalten somit keine Hilfe.

Die Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Standort Gießen des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) beschäftigt sich intensiv in einem eigenen Schwerpunkt mit diesem Problem. Seit mehr als drei Jahren werden Patienten mit Kontinenzproblemen sehr erfolgreich im interdisziplinären Beckenbodenzentrum Hessen am UKGM Gießen geführt und behandelt, in dem auch alle beteiligten Fachabteilungen als Beratungsstelle der Deutschen Kontinenz Gesellschaft zertifiziert sind. Die Gießener Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Weidner veranstaltet am 23. Juni von 17 bis 19 Uhr im Hörsaal Chirurgie, Rudolf-Buchheim-Straße 7, eine aktuelle Fortbildungsveranstaltung für Ärzte zum Thema „Überaktive Harnblase: Konzepte der Diagnostik und Therapie“. Hierbei werden alle aktuellen Aspekte die Drangbeschwerdesymptomatik der Harnblase betreffend dargestellt und diskutiert. Diese Veranstaltung geht einher mit der vom 21. bis 27. Juni von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft begleiteten „World Continence Week“, die zum Ziel hat, die Aufklärung zum Thema Inkontinenz auf der ganzen Welt zu fördern und das Tabu zu brechen.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-06-22)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-06-22 bis 2010-08-22
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Mariusz’ Mutter: Ich fürchte jeden Morgen
AZ-Spendenaktion für herzkranken Zehnjährigen: Edyta Stepniak dankt Unterstützern – Gut 80 000 Euro gesammelt

Gießen (kw). Haben wir bald genug Geld, damit Mariusz Stepniak für eine Herztransplantation in Gießen »gelistet« werden kann – und reicht die Zeit, um den Zehnjährigen zu retten? Diese bange Frage überschattet die Freude über mehr als 80 000 Euro, die in Polen und Deutschland mittlerweile gespendet wurden. Wie es ist, ständig um das Leben des eigenen Kindes zu fürchten, schildert in einem Brief Edyta Stepniak. Mariusz’ Mutter dankt zudem allen, die die Aktion der Gruppe »Hoffnungsschimmer« und der Gießener Allgemeine Zeitung bisher unterstützt haben.
Angst und Hoffnung drückt Edyta Stepniak in ihrem Brief aus, den sie aus Zgierz in Polen geschrieben hat. Hier Auszüge:
»Der Kampf um das Leben unseres Sohnes dauert schon fast zehn Jahre, aber ich glaube, dass es uns gelingen wird, ihn zu gewinnen und dass unser Leben dann anders, normal aussehen wird. Bis dahin ist unser Leben geprägt von dauernder Angst, denn wir wissen nie, was die nächste Stunde bringt. Ob Mariusz sich nicht plötzlich schlechter fühlt und wir dann in die Klinik fahren müssen. Ich glaube, ich fürchte die Morgen am meisten. Wenn ich aufstehe und zu Mariusz’ Zimmer gehe, um zu sehen, ob er noch lebt, weil die Gefahr besteht, dass sein Herz in der Nacht zu schlagen aufhört. Es ist großer Stress, und so sehr würde ich mir wünschen, ohne diese Befürchtungen zu leben.
Es tut mir so Leid, dass mein Sohn seine Träume nicht wahr machen und Fußball spielen kann. Ich sehe, wie er am Spielfeld steht und auf die spielenden Kinder schaut. Mein Herz zerspringt dann, und ich kann in solchen Momenten nicht verstehen, warum dies so sein muss.
Mariusz hat in seinem kurzen Leben schon so viel Leid erleben müssen, und trotzdem verlässt das Lächeln niemals sein kleines Gesicht. Ich bin so stolz, dass ich einen solchen Sohn habe, und ich versuche alles zu tun, damit Mariusz weiterleben kann. Ich bitte alle, bei der Rettung des Lebens unseres Sohnes zu helfen. Alleine schaffe ich es nicht ... in einer größeren Gruppe liegt die Kraft!«
Spenden kann man auf das Konto der Deutschen Herzstiftung, Nummer 90 00 35 03 bei der Commerzbank AG Frankfurt (BLZ 500 800 00). Als Verwendungszweck sollte »Mariusz« angegeben werden. Für Bareinzahlungen stehen Spendendosen in den AZ-Geschäftsstellen.

Angst und Hoffnung: Edyta Stepniak war mit Mariusz vor knapp vier Wochen im Gießener Kinderherzzentrum. (Foto: Schepp)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-19)
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veröffentlicht von 2010-06-21 bis 2010-08-21
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„Volkskrankheit“ Lungenentzündung - Neue Strategien
(fod). Die Zahlen sind erschreckend: Jedes Jahr sterben allein in Deutschland um die 100 000 Menschen an einer Lungenentzündung (Pneumonie). Sogar 730 000 Patienten müssen sich deshalb in ambulante Behandlung begeben und 240000 davon stationär behandelt werden. In Kliniken erkrankte Personen nicht einmal mitgezählt. Da aber Antibiotika nicht mehr ausreichend wirksam sind, wird nach neuen Therapieformen gesucht. Diese zu entwickeln, ist eines der Ziele des von mehreren Arbeitsgruppen der Justus-Liebig-Universität (JLU) gemeinsam mit der Charité in Berlin und Marburger Kollegen eingeworbenen Transregio-Sonderforschungsbereichs (SFB) „Angeborene Immunität der Lunge: Mechanismen des Pathogen-Angriffs und der Wirtsverteidigung bei Pneumonie“.

„Trotz verfügbarer Antibiotika hat sich die Sterblichkeit seit 70 Jahren nicht mehr verändert“, sagt Prof. Jürgen Lohmeyer im Gespräch mit dem Anzeiger. Die Anfang der 40er Jahre als medizinische Sensation gefeierten Sulfonamide und Penicilline und ihre Weiterentwicklungen sind auch heute noch im Einsatz. Und das durchaus erfolgreich: „Diese Antibiotika haben die Sterblichkeit absolut um 20 Prozent reduziert“, berichtet der Leiter der klinischen Forschergruppe Infektiologie. Dennoch sterben etwa 14 Prozent aller stationär aufgenommenen Patienten trotz Antibiotika-Behandlung und aufgrund der zunehmenden Resistenzen, weshalb der Internist von einem „therapeutischen Stillstand“ spricht. „Es müssen neue Behandlungsstrategien über die Antibiotika hinaus entwickelt werden“, lautet die Aufgabe. Im Rahmen der bereits seit Längerem bestehenden Kooperation, an der außer den Universitäten in Gießen, Berlin und Marburg auch noch das Robert-Koch-Institut beteiligt ist, sollen nun zunächst die komplexen molekularen Signalwege der Immunabwehr innerhalb der Lunge entschlüsselt werden.

Für diese Grundlagenforschung, aus der sich später einmal klinisch anwendbare Therapien ergeben sollen, stehen allein den Gießener Arbeitsgruppen für den vierjährigen Bewilligungszeitraum von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jährlich 750 000 Euro zur Verfügung. „Eine positive Wiederbegutachtung vorausgesetzt, kann der Sonderforschungsbereich um zweimal vier Jahre verlängert werden, was uns eine ausgezeichnete Forschungsperspektive bietet“, betont Lohmeyer, der als stellvertretender SFB-Sprecher fungiert. In der von ihm geleiteten Arbeitsgruppe an der Medizinischen Klinik II befasst man sich auf zellulärer Ebene unter anderem mit der Untersuchung der Gewebsschädigung durch die Influenzapneumonie sowie die dann einsetzenden Reparaturmechanismen in der Lunge. „Das Organ ist prinzipiell in der Lage, sich zu regenerieren, doch häufig ist dieser Prozess so dereguliert, dass es der Körper nicht schafft, alle Schädigungen zeitgerecht zu beseitigen“, erläutert der Mediziner.

Um jedoch das ganze Ausmaß der nach einer Infektion auftretenden Vorgänge im Atmungsorgan verstehen zu können, ist ein breiter Forschungsansatz notwendig. Daher sind weitere Gießener Arbeitsgruppen mit Teilprojekten beteiligt. Und zwar an den Instituten für Klinische Mikrobiologie (Prof. Trinad Chakraborty), Biochemie (Prof. Klaus Preissner), Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin (Prof. Holger Hackstein, Dr. Sentot Santoso) und für Medizinische Virologie (Prof. Stephan Pleschka). Die Federführung des SFB/TRR 84, so die Kurzbezeichnung, liegt bei Prof. Norbert Suttorp, Direktor der Medizinischen Klinik, Infektiologie und Pneumologie, an der Charité in Berlin.

Was die Entwicklung effizienterer Therapien gegen Pneumonie angeht, steht die Medizin hier vor einem besonderen Problem. „Die Entzündungsreaktionen in der Lunge laufen vollkommen anders ab als in anderen Organen wie etwa dem Darm“, schildert Jürgen Lohmeyer. „Wenn hier therapeutisch eingegriffen wird, muss das außerdem so getan werden, dass man die Gewebsschäden vermindert, aber gleichzeitig die Abwehrleistung erhalten bleibt.“ Denn selbst bei der schwersten Entzündung muss das Atemorgan funktionsfähig bleiben.

Einsatz von Nanopartikeln

Doch es gibt auch einen großen Vorteil: Medikamente lassen sich nämlich nicht nur als Spritze und Tablette, sondern auch über den Luftweg applizieren, hierzu arbeitet die Forschung bereits am Einsatz von Nanopartikeln. „Wir hoffen, in vier Jahren die zentralen Signalwege der Immunabwehr der Lunge identifiziert zu haben, die wir dann als Zielstrukturen für Medikamente nutzen können“, blickt Lohmeyer voraus und ist angesichts der „exzellenten Forschungsbedingungen in Gießen“ optimistisch.

Neben den zur Pneumonie forschenden Wissenschaftlern konnten zeitgleich auch die Gießener Klinik für Unfallchirurgie („Werkstoffe für die Hartgeweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen“) sowie das Institut für Genetik der JLU und andere zu „Chromatin-Veränderungen in Differenzierung und Malignität“ forschende Disziplinen eigene SFB für die JLU einwerben.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-06-19)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-06-22 bis 2010-08-22
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Große Freude, Dank und Anerkennung geäußert
Universitätspräsidium bat die an den drei neuen Sonderforschungsbereichen Beteiligten zu einem Empfang

Gießen (if). In der Aula im Parterre hatte es kurz zuvor zum Abschied vom Studium Rosen und Urkunden gegeben – gelungener Abschluss eines Lehramtsstudienganges. Nur wenig später hörte man am Mittwoch zur Einstimmung auf eine vielversprechende neue Forschungsära eine Etage höher im Rektorenzimmer des Uni-Hauptgebäudes ermutigende Dichterworte. »The Brain is wider than the Sky« – »Der Geist ist weiter als der Himmel«, zitierte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee das schöpferische Potenzial des Gehirns als Grundlage menschlichen Forschergeistes.
Bei einem kurzfristig eigens für die beteiligten Wissenschaftler und an der Vorbereitung beteiligten Mitarbeiter der »Stabsabteilung Forschung« angesetzten Empfang beglückwünschte der Präsident mit dem »Opus 632 – The Brain« der amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson offiziell all jene, die zu dem neuen herausragenden Erfolg der Justus-Liebig-Universität bei der Einwerbung dreier neuer Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG beigetragen haben. Es handelt sich dabei um Sonderforschungsbereiche an mehreren Standorten – sogenannte »Transregios« –, die Anfang Juli offiziell ihre Arbeit aufnehmen können. Bei zweien liegt die Federführung bei Gießener Wissenschaftlern, beim dritten ist Gießen zusammen mit der Berliner Charité maßgeblich an der Federführung beteiligt.
»SFB/TRR 79«, »SFB 81/TRR« und »SFB 84« bedeuten im ersten Bewilligungszeitraum überschlägig rund 20 Millionen Euro zusätzlicher Forschungsmittel allein für Gießen, die großenteils in die Personalausstattung fließen werden. Hier, so merkte der Präsident an, werde die Bedeutung zielstrebig gepflegter, über die Jahre gewachsener Kooperationen deutlich.
Ehe Medizin-Prodekan Prof. Reinhard Schnettler, Sprecher des SFB »Werkstoffe für Hartgeweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen« (Hervorhebung d. WebRedaktion), der Genetiker Prof. Rainer Renkawitz, Sprecher des SFB »Chromatinveränderungen« und Prof. Jürgen Lohmeyer, Leiter der bereits bestehenden klinischen Forschergruppe Infektiologie und stellvertretender Sprecher des neuen SFB »Angeborene Immunität der Lunge« die jeweiligen Ziele ihrer Gruppen darstellten, bekräftigte ebenso wie später die Dekane Prof. Trinad Chakraborty (Medizin) und Prof. Volkmar Wolters (Biologie) sowie Prof. Katja Becker die Freude des Präsidiums über den erzielten herausragenden Erfolg. Dabei wünschte die Forschungs-Vizepräsidentin den Beteiligten »kreative, produktive und erfolgreiche Jahre«, angefüllt mit guten Ideen, spannenden Kooperationen und der Freude an der Wissenschaft.
»Die Sonderforschungsbereiche« – so erläuterte Vizepräsidentin Becker – »schließen eine wichtige Flanke in der Forschungslandschaft der Universität. Sie tragen gerade in Zeiten knapper Ressourcen zum Überleben der Wissenschaft und der Wissenschaftskultur bei«. In ihren Dank schloss sie namentlich die Mitarbeiter der Stabsabteilung Forschung ein, die die vorbereitenden Begehungen für die Sonderforschungsbereiche ebenso wie für das landeseigene »Loewe«-Programm intensiv begleitet hatten.
Im Zuge dieser Begehungen entstand ein eigenes Format für Vorbereitung, Organisation und Abwicklung von Anträgen, das künftig allen Wissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität zur Verfügung stehen wird. Die Abteilung werde so als »Science Support Center« das Anliegen des Präsidiums aufgreifen, Forschungsvorhaben zu koordinieren, zu stimulieren, zu unterstützen, zu vernetzen und gemeinsame Zukunftsperspektiven und gemeinsame Visionen für die Gesamtuniversität zu entwickeln.
Im Anschluss an den offiziellen Teil des Empfangs standen die Gäste im Foyer noch lange in regem Gedanken- und Erfahrungsaustausch beieinander.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-18)
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veröffentlicht von 2010-06-18 bis 2010-08-18
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Wenn der Eisbär aufs Piratenschiff gefallen ist
»Teddybär-Krankenhaus« lockte rund 300 Kinder und ihre Puppen oder Kuscheltiere an – 40 Studierende im Einsatz

Gießen (kw). Auf dem weißen Fell des Eisbären Max ist der Gips am linken Hinterbein kaum zu sehen. Jonas drückt sein Kuscheltier an sich. »Er ist aus dem Bett gefallen und auf dem Piratenschiff gelandet«, erzählt der Fünfjährige, wie sich Max das Bein angeknackst hat. Eine Ente mit Bandscheibenvorfall, Puppen mit Bauchschmerzen oder Stoffhunde mit Husten: Rund 300 ungewöhnliche »Patienten« wurden am Mittwoch behandelt beim »Teddybär-Krankenhaus« auf dem Kirchenplatz. Zum vierten Mal hatten Studierende von der Fachschaft Humanmedizin an der Justus-Liebig-Universität dazu eingeladen, und wiederum hatten sowohl die rund 40 künftigen Ärzte als auch die Drei- bis Achtjährigen viel Spaß.
Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen kommen am Vormittag vor allem Kindergartengruppen in die Zelte, die die Johanniter-Unfall-Hilfe gestellt hat. Die Kleinen sind in der Regel gut vorbereitet: Die meisten Kitas haben einige Tage zuvor Besuch von einem Studenten erhalten, der oder die mit ihnen schon über das gesprochen hat, was sie erwartet.
Ernst tragen die kleinen Besucher die »Beschwerden« vor, die sie sich ausgedacht haben: Puppe Lisa ist »über eine Bank gefallen«, Hund Bello hat »zu viele Gummibärchen gegessen«, ist »in eine Glasscherbe getreten«, Teddy Ted hat »einen Faden verschluckt«, Kaninchen Lulu »hat eine Schürfwunde am Bein«. Die rund 40 ehrenamtlich Aktiven kümmern sich an verschiedenen Stationen um die Patienten: Sie untersuchen sie ausführlich, schicken sie zum »Röntgen« und anschließend häufig in den Operations- und Gipsraum. Zum Schluss erhalten die Kinder in der »Apotheke« Pflaster oder leckere »Medikamente« zur Weiterbehandlung zu Hause. Besichtigen kann man außerdem einen Rettungswagen der Johanniter.
Alle fünf Smileys kreuzen die meisten Eltern und Erzieherinnen auf dem Abschlussfragebogen an, und fast alle Mädchen und Jungen gehen den »Teddy-Doktoren« mit Freude zur Hand. Einigen allerdings ist diese Welt der weißen Kittel und glänzenden Geräte nicht ganz geheuer. Der kleine Luke etwa beginnt zu weinen beim Anblick des Stethoskops, das seinem knallrosa Bären an die Brust gehalten wird.
Ängste bei Kindern abbauen – das ist eines der Ziele der Teddybär-Krankenhäuser. Ohne selbst betroffen zu sein, können sie Ärzte als Helfer erleben. »Die Kinder sehen, dass man im Krankenhaus normalerweise wieder gesund wird«, berichtet die Studentin Stefanie Asmuth, die das dritte Mal dabei ist. Gelegentlich kämen schwere Krankheiten zur Sprache, wenn sie in der Familie vorgekommen sind. Vor allem bei den vorbereitenden Besuchen in den Kitas komme es vor, dass ein Kind sagt: »Mein Teddy hat Krebs.« Eine Antwort kann dann lauten: »Das ist schlimm. Aber es gibt Möglichkeiten, das zu behandeln.«
Auch für die künftigen Medizinerinnen und Mediziner selbst sei der Tag sinnvoll, so Stefanie Asmuth. Viele opferten trotz großen Lernpensums gern ihre Zeit dafür, denn: »Man kann endlich auch mal selber Arzt sein. In den ersten sechs Jahren sitzt man ja sonst fast nur über Büchern.« Zudem lernten die Teilnehmer selbst vieles. So gehört zur Vorbereitung, dass Kinderärzte den Studierenden den Umgang mit kleinen Patienten nahebringen. »Man darf sich zum Beispiel nicht zu kompliziert ausdrücken. Und man spricht die Kinder direkt an«, erläutert Lydia Sachs, die im sechsten Semester studiert. Diese Erfahrungen seien nicht nur für künftige Pädiater sinnvoll, ergänzt Stefanie Asmuth: Geduld und kommunikative Fähigkeiten brauche ein Arzt auch im Umgang mit Erwachsenen.


Nicht nur Teddys, sondern alle möglichen plüschigen Spielgefährten und Kuscheltiere wurden auf dem Kirchenplatz ambulant behandelt. (Foto: Schepp

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-17)
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veröffentlicht von 2010-06-17 bis 2010-08-17
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„Außergewöhnliches wissenschaftliches Werk“
Prof. Reinhard G. Bretzel erhält Ehrendoktorwürde der Universität Athen – Zahlreiche Verdienste und Auszeichnungen

GIESSEN (V). In der medizinischen
Fachwelt hat sich der Gießener Endokrinologe
und Diabetologe national wie international
frühzeitig einen Namen gemacht.
Interessierte Laien in der Region
kennen ihn durch seine allgemeinverständlichen
Vorlesungen, etwa zu den
Themen Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes,
Sport- und Immunsystem, oder
auch durch die Teilnahme an den zahlreichen,
von ihm geleiteten klinischen Studien.
Patienten schätzen die Kompetenz des
Direktors der Medizinischen Klinik und
Poliklinik III als Internist, der zugleich
Experte für Endokrinologie, Diabetes,
Stoffwechsel und Ernährungsmedizin ist.
Zu den Wissenschaftspreisen und Auszeichnungen,
die Prof. Reinhard G. Bretzel
vom Fachbereich Medizin der Justus-
Liebig-Universität (JLU) erhalten hat,
kommt jetzt eine bedeutende weitere Ehrung
hinzu: Bretzel wurde nämlich bei einem
Festakt für „sein außergewöhnliches
wissenschaftliches Werk und seine Verdienste
auf dem Gebiet der Inneren Medizin,
Endokrinologie, Diabetologie und
Pankreasinseltransplantation“ mit dem
Ehrendoktor der Universität Athen ausgezeichnet.
Die Ehrung erfolgte auf einstimmigen
Beschluss des griechischen Senats.
Reinhard G. Bretzel, geboren 1946 in
Illertissen/Bayern, kam nach dem Medizinstudium
an der Ludwig-Maximilians-
Universität in München (1968 bis 1974)
und der Promotion (1974) an der Universität
Ulm im Jahr 1977 nach Gießen an die
Medizinischen Klinik und Poliklinik III.
Dort habilitierte er 1984 für das Fach Innere
Medizin. Seine breite fachliche Ausrichtung
belegte der Mediziner 1982 mit
dem Facharzt für Innere Medizin sowie
der Zusatzbezeichnung Sportmedizin.
Der Mediziner stand zahlreichen Fachgesellschaften
vor und ist deren Mitglied
Forschungsschwerpunkte von Bretzel
sind die experimentelle und klinische Inselzelltransplantation
bei Diabetes mellitus.
1978 gelang in Gießen zusammen mit
der Chirurgischen Klinik die bundesweit
erste klinische autologe Inselzelltransplantation.
Es folgte 1992 die erste klinische
Inselzelltransplantation bei Typ 1
Diabetes in Deutschland und im Bereich
Eurotransplant (Belgien, Niederlande,
Luxemburg, Deutschland, Österreich,
Slowenien). 1989 wurde das International
Islet Transplant Registry (ITR) etabliert.
Weitere Forschungsgebiete sind die diabetischen
Sekundärkomplikationen, die
Hypertonie und diabetische Nephropathie
sowie die pathogenetisch orientierte Therapie
bei Typ 1 und Typ 2 Diabetes.
Wissenschaftspreis der JLU
Bretzel wurde 1985 für seine Arbeiten
mit dem Wissenschaftspreis der Justus-
Liebig-Universität Gießen ausgezeichnet.
Ein Jahr später erhielt er den Ferdinand-
Bertram-Preis der Deutschen Diabetes-
Gesellschaft, 1999 den Bürger-Büsing-
Preis. Im vergangenen Jahr ehrte ihn die
Deutsche Diabetes Gesellschaft mit der
Paul-Langerhans-Medaille für sein wissenschaftliches
Lebenswerk. Bereits seit
2001 ist Bretzel Ehrenmitglied der Slowakischen
Medizinischen Gesellschaft und
wurde 2009 zum Mitglied der Europäischen
Akademie der Wissenschaften und
Künste berufen. Er ist Autor zahlreicher
Publikationen, Herausgeber von Büchern
und Mitherausgeber verschiedener Fachzeitschriften.



Quelle: Giessener Anzeiger (2010-06-17)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-06-18 bis 2010-08-18
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Universität nimmt eine weitere wichtige Hürde
Hochschule darf für alle drei geplanten »Loewe«-Schwerpunkte Vollanträge stellen – Mit Resultat hessenweit auf Platz eins

Gießen (pm). Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat erneut eine wichtige Hürde genommen: Mit unterschiedlichen Vorhaben zu transeuropäischen Kulturwissenschaften, zu Raumfahrt-Ionenantrieben und zum menschlichen Abwehrsystem hat sich die Hochschule – wie berichtet – an der vierten Staffel der hessischen Exzellenzinitiative »Loewe« beteiligt. Jetzt kam die gute Nachricht aus Wiesbaden: Die Universität wurde aufgefordert, für alle drei geplanten »Loewe«-Schwerpunkte Vollanträge zu stellen. Insgesamt 21 Antragsskizzen waren eingereicht worden; zehn Skizzen wurden positiv begutachtet. Die JLU, die jetzt mit allen drei Antragsskizzen noch im Rennen und darüber hinaus an dem Projekt »Adamed« (Adaptive statistische Methoden für die individualisierte Medizin/Federführung Philipps-Universität Marburg, Beteiligung Universität Frankfurt) beteiligt ist, liegt mit diesem Ergebnis in der Zwischenrunde hessenweit auf Platz eins.
Grund zur Freude für das JLU-Präsidium: Präsident Prof. Joybrato Mukherjee sieht die Universität auf dem richtigen Weg: »Die Bemühungen in den verschiedenen Profilbereichen der Universität Gießen, das ›Loewe‹-Programm zur Exzellenzbildung zu nutzen, werden auf diese Weise erneut bestätigt.« Im Erfolgsfall werde es möglich, in den Kulturwissenschaften, in den Lebenswissenschaften und darüber hinaus die Grundlagen für weitere große Verbundprojekte in der Zukunft zu legen. Folgende drei JLU-Antragsskizzen wurden in der vierten Runde des Forschungsförderungsprogramms »Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz« durch den »Loewe«-Programmbeirat und die Verwaltungskommission zur Erarbeitung von Vollanträgen aufgefordert.
Non-neuronale cholinerge Systeme: An diesem geplanten Schwerpunkt unter Federführung der JLU (Sprecher: Prof. Wolfgang Kummer; Institut für Anatomie und Zellbiologie) sind die Universitäten Marburg und Frankfurt beteiligt. Es geht um Mechanismen der Aufrechterhaltung der Körperbarriere und -integrität, die bisher nur fragmentarisch verstanden sind.
»Ritsat« Raumfahrt-Ionenantriebe – Plasmaphysikalische Grundlagen und zukünftige Technologien: Bei diesem Vorhaben wird die JLU (Sprecher: Prof. Bruno K. Meyer, 1. Physikalisches Institut) mit der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung Darmstadt und der Fachhochschule Gießen-Friedberg zusammenarbeiten. Die Grenzen konventioneller Ionentriebwerkskonzepte sind inzwischen bekannt. In diesem Projekt sollen daher Kleinsttriebwerke bis zum missionstauglichen Flugdemonstrator weiterentwickelt werden.
Transeuropäische Kulturwissenschaften, Ost-West-Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer: Für dieses Vorhaben wird die Universität ihre enge Kooperation mit dem Herder-Institut Marburg weiter intensivieren. Sprecher sind Prof. Monika Wingender (Geschäftsführerin des Gießener Zentrums Östliches Europa GiZo, Fachgebiet: Slavistik) und Prof. Peter Haslinger (Direktor des Herder-Instituts, Fachgebiet: Osteuropäische Geschichte an der JLU) sowie Prof. Ansgar Nünning (Director of Graduate Studies am GCSC). Die von starken Diskontinuitäten geprägte Entwicklung von Ost und West wird im Hinblick auf den Wissenstransfer immer wieder festgestellt, ist aber noch kaum erforscht. Das ist der Ausgangspunkt des Projekts.
Beteiligt ist die JLU überdies an dem Projekt »Adamed« (Adaptive statistische Methoden für die individualisierte Medizin) unter Federführung der Universität Marburg und in Kooperation mit der Universität Frankfurt am Main.
Die Vollanträge müssen bis zum 1. Dezember 2010 eingegangen sein und werden dann im Frühjahr 2011 von externen Wissenschaftlern an Ort und Stelle begutachtet. Die endgültige Entscheidung über eine Förderung ab Januar 2012 wird dann im Sommer 2011 in den genannten Gremien fallen.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-15)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-15 bis 2010-08-15
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Uniklinkum bittet um Blutspenden
Gießen/Marburg (pm). Zu Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika bittet das Uniklinikum Gießen und Marburg um Blutspenden. Gerade in den Sommermonaten, der Schulferien-, Urlaubs- und Reisezeit kann es zu Engpässen in der Blutversorgung kommen, denen man frühzeitig entgegen wirken möchte, heißt es in einer Presseerklärung.
Anlässlich des Geburtstages von Karl Landsteiner (1868-1943), dem Entdecker des ABO-Blutgruppensystems, veranstaltet die Internationale Gesellschaft für Transfusionsmedizin (ISBT) gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Internationalen Roten Kreuz (IFRK) und der Föderation der Blutspendeorganisation (FIODS) am heutigen 14. Juni den Weltblutspendetag. Eine gute Gelegenheit für die Bürger in Gießen, Marburg und Umgebung, Blut zu spenden.
Wer darf spenden? Jeder zwischen 18 und 68 Jahren (Neuspender bis 60 Jahre), der mindestens 50 Kilogramm wiegt und sich gesund fühlt. Was muss man mitbringen? Einen gültigen Personalausweis und etwa eine Stunde Zeit. Jeder Blutspender erhält einen kostenlosen Gesundheitscheck und eine Aufwandsentschädigung.
Blutspende Langhansstraße 7: Montag, 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Dienstag, 9 bis 14 Uhr, Mittwoch, 9 bis 11 und 14 bis 19 Uhr, Donnerstag, 13 bis 18 Uhr, Freitag, 8 bis 11 Uhr. Blutspende in der Neue Mensa: Dienstag, 11 bis 15 Uhr. Tel. 06 41/9 94 15 11,
-9 94 15 01.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-14)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-14 bis 2010-08-14
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Auf dem Kirchenplatz
Studenten öffnen Mittwoch ihr »Teddybär-Krankenhaus«

Gießen (pm). Nach dem großen Erfolg der letzten Jahre öffnet am kommenden Mittwoch zum vierten Mal das »Teddybär-Krankenhaus« auf dem Kirchenplatz. Von 9 bis 16 Uhr können Kinder zwischen vier und acht Jahren ihre Lieblings-Stofftiere und Puppen untersuchen und behandeln lassen. Für den Vormittag haben sich bereits zahlreiche Kindergärten angemeldet, anschließend sind Eltern mit ihren Kindern und natürlich den Kuscheltieren herzlich eingeladen teilzunehmen.
Die »Teddydocs« sind Medizinstudierende der Justus-Liebig-Universität. Ohne selbst betroffen zu sein, lernen die Kinder auf spielerische Art und Weise den Krankenhausablauf kennen, bauen Berührungsängste ab und erfahren etwas über ihren eigenen Körper. Zugleich üben die angehenden Ärzte den Umgang mit kleinen Patienten. Gesundheitliche Probleme der Kinder selbst sind nicht Gegenstand des Projekts.
Zum Umgang mit den »Patienten« gehören etwa das Abhören oder Röntgen, die Behandlung mittels Pflastern, Gips oder das Nähen von »Wunden«. Für die Versorgung zu Hause gibt es in der Apotheke heilende Tees und andere »Arzneimittel«. Die Kinder haben außerdem die Möglichkeit, einen Rettungswagen zu erkunden.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-12)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-14 bis 2010-08-14
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Schon fast 75 000 Euro für Mariusz gesammelt
AZ-Leser spendeten bisher gut 12 000 Euro – »Bild hilft« stellt 20 000 Euro zur Verfügung – Aber Geld reicht noch nicht

Gießen (kw). »Mariusz’ Schicksal hat mich sehr berührt. Ich habe den Bericht aus der Zeitung gleich am Wochenende zum Verwandtenbesuch mitgebracht und dort für ihn gesammelt. Alle haben etwas gegeben«: Wie dieser Gießenerin ging es wohl vielen AZ-Lesern. Sie haben bisher rund 12 000 Euro gespendet in den ersten beiden Wochen der AZ-Aktion für den herzkranken Zehnjährigen. Hinzu kommen 43 500 Euro, die in Mariusz Stepniaks Heimat Polen gesammelt wurden. Am gestrigen Freitag kam eine weitere freudige Nachricht aus Hamburg: Der Verein »Bild hilft – Ein Herz für Kinder« stellt 20 000 Euro für die Herztransplantation zur Verfügung. Das heißt: Fast 75 000 Euro sind bereits zusammengekommen.
Dennoch werden weitere Spenden benötigt. Bis zu 250 000 Euro müssen zusammenkommen – abhängig beispielsweise davon, ob der Junge vor oder nach dem Eingriff ein Kunstherz bräuchte. »Die Zeit drängt«, erklärt Prof. Dietmar Schranz, Leiter des Kinderherzzentrums am Gießener Universitätsklinikum. Schon eine Kleinigkeit könne das Leben des Zehnjährigen gefährden, der seit seinem zweiten Lebensjahr an dilatativer Kardiomyopathie – einer Herzmuskelerkrankung – leidet.
Mariusz ist so schwach, dass er nicht einmal zur Schule gehen kann. Im Moment gehe es ihm den Umständen entsprechend gut, erzählt am Telefon Katarzyna Färber aus Sinn mit etwas schwankender Stimme. Gerade hat sie Mariusz’ Mutter Edyta Stepniak in Zgierz angerufen und ihr vom aktuellen Spendenstand erzählt – da flossen einige Tränen der Freude und Hoffnung. Wie berichtet, gehört Katarzyna Färber zu den ehrenamtlich Aktiven der Gruppe »Hoffnungsschimmer« (»Light of hope«), die schon mehreren Kindern und Jugendlichen aus Polen mit Operationen im Ausland helfen konnte. »Wir haben aber auch schon einige auf dem Weg verloren«, ergänzt Iwona Wojtek, eine weitere »Hoffnungsschimmer«-Mitstreiterin aus Mönchengladbach.
Nachdem sich schon zwei Stiftungen und etliche Privatleute in Polen für Mariusz eingesetzt haben, ruft seit zwei Wochen auch die Gießener Allgemeinen Zeitung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung zu Spenden auf. Die in Gießen bisher zusammengekommene Summe ist umso bemerkenswerter, als fast alle diese Spenden von Privatleuten kamen. Sie haben in aller Stille größere oder kleinere Beträge eingezahlt, so wie auch etliche AZ-Mitarbeiter Scheine und Münzen in die Redaktions-Spendendose warfen. Eine Arztpraxis steuerte – wie berichtet – 1000 Euro bei; es wäre schön, wenn weitere derartige Zuwendungen hinzukämen.
Am Gießener Kinderherzzentrum soll Mariusz operiert werden. Hierher kam er vor einem Jahr, nachdem die medizinischen Möglichkeiten in Polen ausgeschöpft waren. Unter anderem bekam der Zehnjährige einen Herzschrittmacher, der seinen Zustand etwas stabilisierte. Mehr ist derzeit finanziell nicht möglich: Der Fonds des Rhön-Klinikums als Träger des Universitätsklinikums für solche Notfälle ist auf absehbare Zeit ausgeschöpft. Erst wenn genug Geld vorhanden ist, kann Mariusz auf die Liste der Organisation Eurotransplant gesetzt werden. Bis zu einem Jahr kann es dann dauern, bis ein passendes Herz zur Verfügung steht.
Falls bei der Spendenaktion Beträge übrig bleiben, die für Mariusz’ Behandlung – aus welchen Gründen auch immer – nicht benötigt werden, soll dieses Geld für ähnliche Fälle eingesetzt werden.

Weitere Spenden nötig
Das Spendenkonto bei der Deutschen Herzstiftung hat die Nummer 90 00 35 03 bei der Commerzbank AG Frankfurt (BLZ 500 800 00). Als Verwendungszweck sollte »Mariusz« angegeben werden. Der als gemeinnützig anerkannte Verein kann Spendenquittungen ausstellen. Geld, das auf das Konto des Universitätsklinikums überwiesen wurde, wird dorthin weitergeleitet. Für Bareinzahlungen stehen auch Spendendosen in den AZ-Geschäftsstellen am Marktplatz und in der Marburger Straße bereit.




207,56 Euro aus der Redaktions-Spendendose nahm Sparkassen-Filialleiter André Müller gestern zur Weiterleitung entgegen. (Foto: Schepp)
Der zehnjährige Mariusz aus Polen braucht eine Herztransplantation, die am Gießener Uniklinikum vorgenommen werden soll. Die Gießener Allgemeine Zeitung ruft gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung und weiteren Organisationen zu Spenden auf. (Foto: pv)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-12)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-14 bis 2010-08-14
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Ehrendoktorwürde für Reinhard Bretzel
Gießener Professor und Diabetesspezialist erhält Auszeichnung der Uni Athen

Gießen (if). Im Rahmen eines Festaktes im klassizistischen Hauptgebäude der Universität Athen ist Professor Reinhard G. Bretzel dieser Tage mit der Ehrendoktorwürde der größten Universität Griechenlands ausgezeichnet worden. Die höchste Auszeichnung , die die von Otto I. gegründete, zu jener Zeit erste Universität des östlichen Mittelmeerraumes zu vergeben hat, war auf Vorschlag der Medizinischen Fakultät erfolgt.
Sie sei dazu bestimmt, so Rektor Prof. Demosthenis N. Asimakopoulos, einen »namhaften Wissenschaftler für sein außergewöhnliches wissenschaftliches Werk und seine Verdienste auf dem Gebiet der Inneren Medizin, Endokrinologie, Diabetologie und Pankreas-Inselzelltransplantation« zu ehren. Nach Überreichung der dreiseitigen, in altgriechisch verfassten Urkunde ging der Direktor der Medizinischen und Poliklinik III der Justus-Liebig-Universität vor den griechischen Professoren in seiner Festvorlesung auf die jüngsten Ergebnisse der Verpflanzung von insulinproduzierenden Inselzellen des Pankreas zur Behandlung des Diabetes ein. In seiner Klinik in der Gießener Rodthohl wurde dafür weltweit Pionierarbeit geleistet. Vor Kurzem erst ist Prof. Bretzel, der 1977 aus Ulm nach Gießen gekommen war, zum Mitglied der in Salzburg ansässigen »Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste« gewählt worden, die als »European Academy of Sciences and Arts« derzeit 1200 Mitglieder in 23 Ländern zählt. Über fünfhundertmal als »invited Speaker« zu internationalen Kongressen eingeladen, hat sich der unter anderen von der Deutschen Diabetes Gesellschaft, den Universitäten von Washington und Straßburg sowie der Medizinischen Gesellschaft Schwedens mit Ehrungen und Wissenschaftspreisen bedachte Endokrinologe und Diabetesspezialist trotz eines ehrenvollen Rufes der Universität Leipzig vor einigen Jahren für ein Bleiben in Gießen entschieden

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-11)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-11 bis 2010-08-11
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In einem Jahr zwei Tonnen »abgeschmolzen«
»Adipositas-Tag« im Uniklinikum: Gewichtsreduktionsprogramm mit phänomenalen Erfolgen – Verhaltenstherapie wirkt

Gießen (if). »Moppelchen« hat man sie früher ein bisschen spottend genannt. »Bratwurstfriedhof« müssen sich die übergewichtigen Buben heute nachrufen lassen, die Mädchen laufen unter »Knödelfee«. In der Gießener Kinderklinik füllen sie die eigens eingerichtete Adipositas-Sprechstunde. »Sind es vielleicht die Drüsen?« mutmaßen die Eltern. »Drüsenstörungen sind sehr selten«, muss Professor Stefan Wudy, in der Universitätskinderklinik für Endokrinologie und Stoffwechselstörungen zuständig, sie belehren. Was jedoch häufig gefunden wird, berichtete er am Mittwoch im Chirurgiehörsaal des Uniklinikums: Ein Viertel der »Dickerle« hat bereits einen zu hohen Blutdruck, zwanzig Prozent haben eine Fettleber. Und sie sind vorprogrammiert für einen »Altersdiabetes« – falls sie ihn nicht schon haben.
Der erste »Adipositas-Tag« im Uniklinikum vermittelte unter dem Leitmotiv »Der übergewichtige Patient« einen breiten Überblick über (vermeidbares) Zustandekommen und Behandlungsmöglichkeiten des Massenphänomens Übergewicht, das in den letzten Jahren global gewachsen ist – man spricht von weltweit 1,1 Milliarden Übergewichtigen und 312 Millionen »Adipösen« – krankhaft Fettsüchtigen. Dabei steht Deutschland, so Prof. Philip Hardt, der die Vortragsfolge im Chirurgiehörsaal einleitete, mit 66 Prozent übergewichtigen Männern und 55 Prozent übergewichtigen Frauen im europäischen Vergleich an der Spitze.
In Gießen hat man das Problem früh erkannt: In der Medizinischen Poliklinik (Direktor Prof. Reinhard G. Bretzel) wurde ein Therapieprogramm zur ambulanten Gewichtsreduktion entwickelt, das inzwischen fünf Jahre besteht. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Annette Hauenschild erläuterte das jeweils über ein Jahr laufende Programm, das zwar hartes Durchhaltevermögen erfordert, aber dann auch entsprechende Ergebnisse zeitigt: Allein im letzten Jahr sind bei insgesamt 169 Teilnehmern, von denen mittlerweile 88 das Programm abgeschlossen haben, rund zwei Tonnen Gewicht »abgeschmolzen« –davon 1420 Kilo Fettmasse. Das sind 5680 Päckchen Butter.
Doch damit nicht genug: Zugleich sank der Blutdruck der Teilnehmer von einem Mittelwert von 140/85 auf 123/76 . Ursprünglich hatten sie im Durchschnitt jeweils 122,7 Kilo auf die Waage gebracht – nach 52 Wochen waren es noch 100,6 Kilo. Positiv war auch die Entwicklung des Fettstoffwechsels mit einer Verringerung der LDL-Werte und einem parallelen Anstieg der günstigen HDL-Werte sowie einem günstigeren LDL-HDL-Verhältnis.
Was aber, wenn all das nichts nützt? Wenn der Body-Mass-Index- das Maß aller Dinge bei Adipositas- BMI von 40 übersteigt oder den BMI von 35 mit Begleiterkrankungen überstiegen hat, länger als drei Jahre besteht und alle konservativen Methoden ausgeschöpft sind?
Eine Antwort weiß Ingeborg F.: »Ich wog im Februar noch 120 Kilo. Seither habe ich 33 Kilo abgenommen.« Wie? »Magenbypass« strahlt sie. »Montags in die Klinik, freitags raus.« Dr. Maximilian von Pichler, Oberarzt und Ansprechpartner in Sachen Adipositaschirurgie hatte zuvor darüber berichtet: Von »restriktiven Verfahren«, von Magenballon über Magenband und Gastroplastiken bis zu Bypässen reicht die Skala der chirurgischen Möglichkeiten, wobei man in Gießen Magenschlauch und Magenbypässe bevorzugt.
Im Anschluss an die Vortragsfolge wurde eine »Selbsthilfegruppe Adipositas Gießen – Patientenvereinigung gegen extremes Übergewicht« aus der Taufe gehoben. Ansprechpartnerin ist Kerstin Gössel, e-mail Mausekind@ freenet.de.
Das Adipositas-Team im Klinikum bietet jeden 1. Donnerstag im Monat in der Medizinischen Klinik und der Poliklinik III in der Rodthohl um 17 Uhr eine kostenlose Informationssprechstunde an. Dabei können Fragen zur medikamentösen oder operativen Behandlung gestellt werden.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-11)
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veröffentlicht von 2010-06-11 bis 2010-08-11
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Der Körper funktioniert wie eine Stadt
»Justus’ Kinder-Uni«: Sommersemester endete mit Prof. Preissner und einem »blutigen Thema«

Gießen (nil). Am Dienstag warteten wieder viele junge »Studenten« in der Aula des Uni-Hauptgebäudes ungeduldig auf den Beginn der letzten Kindervorlesung in diesem Semester. Die Acht bis Zwölfjährigen lauschten Prof. Klaus Preissner neugierig, als er die Frage beantwortete: »Wieso fließt Blut in unseren Adern?«
Der Biochemiker hat einiges an Anschauungsmaterial mitgebracht, zum Beispiel ein Stück Arterie von einem Schwein oder den Torso »Herr Mayer« – die Plastiknachbildung eines menschlichen Körpers, aus dem man die Organe herausnehmen kann. Sogar ein echtes Schweineherz hat er dabei. »Am Montag frisch aus dem Schlachthof geholt«, wie er bemerkt. »Das wird heute ein ganz blutiges Thema.« Die jungen Zuhörer lassen sich nicht abschrecken: Sie lauschen gespannt. Einige sitzen auf den Stufen vor der Bühne, um nicht zu verpassen, wo bei »Herrn Mayer« das Herz und die Lunge sitzen.
Preissner vermittelt sein Wissen so, dass die Kinder ihm gut folgen konnten. Er vergleicht den Körper mit einer Stadt mit Straßennetz und Kanalsystem: Das Blut darin funktioniert wie ein Taxi, die Müllabfuhr, eine Klimaanlage, wie die Feuerwehr und die Polizei – und das alles auf einmal. »Da passieren auch meistens keine Unfälle«, betont Preissner. Die Schüler erfahren außerdem, wie »blaue Flecken« entstehen und warum Blut gerinnt. Sie hören, dass in einem einzigen Tropfen Blut 100 Millionen rote Blutkörperchen schwimmen und jedes davon im Laufe ihrer Lebenszeit 1500 Kilometer durch unseren Körper zurücklegen kann.
Der Biochemiker beantwortet alle Fragen der Kleinen, selbst wenn sie manchmal etwas ungewöhnlich klingen: Warum kann man einen Sonnenbrand bekommen, wenn der Körper doch eine Klimaanlage besitzt? Warum wiegt ein Mensch nicht 180 Kilo, obwohl am Tag 180 Liter Blut durch die Nieren strömen? Und gibt es auch blaues Blut? Das gibt es tatsächlich, weiß der Wissenschaftler – aber nicht bei adligen Menschen, sondern nur bei Pfeilschwanzkrebsen.
Am Ende zeigt Preissner den Kindern noch ein kleines Experiment: Ungläubig sehen sie zu, wie er sich mit einem Messer in den Arm schneidet. Sofort schießt der rote Saft heraus. Aber nachdem sein Assistent die Wunde verbunden und einer der Schüler einen Zauberspruch aufgesagt hat, ist der Schnitt in Sekunden geheilt. Wie er das zustande gebracht hat, verrät der Professor aber nicht. »Alles Chemie«, lacht er.
Nach einer guten Stunde ist die Vorlesung zu Ende. Alle Kinder, die alle vier Vorlesungen des Semesters besucht haben, bekommen ihre Teilnahme mit einem Zertifikat bestätigt. Marie aus Gießen ist tief beeindruckt. »Das Schweineherz und das Video von einem schlagenden Rattenherz fand ich aber ein bisschen eklig«, meint die Elfjährige. Was sie einmal werden will, weiß sie heute noch nicht – vielleicht aber doch Ärztin.

Über 100 Nachwuchsforscher lernten von Prof. Klaus Preissner alles Wissenswerte über den Blutkreislauf. »Herr Mayer« und das eine oder andere Schweineorgan halfen ihm dabei. (Foto: Schepp)

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-10)
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veröffentlicht von 2010-06-10 bis 2010-08-10
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Nicht nur die Patienten brauchen Beistand
Klinikseelsorger zunehmend auch Ansprechpartner für Ärzte und Pflegepersonal – »Grundaufgabe der Kirche«

Gießen (pm). In wachsendem Maß werden Klinikseelsorger und -seelsorgerinnen auch mit Sorgen von Ärzten und Pflegekräften konfrontiert, weil die Veränderungen, Kostensenkungen und Einsparungen im Gesundheitswesen das Krankenhauspersonal hohen Belastungen aussetzt. Diese Beobachtung haben die Mitarbeitenden der Klinikseelsorge dem neuen Propst für Oberhessen, Pfarrer Matthias Schmidt, soeben bei einem Gespräch berichtet, teilte die evangelische Kirche in Gießen in einer Presseerklärung mit.
Für die evangelische Klinikseelsorge Gießen sind im Universitätsklinikum, im Evangelischen Krankenhaus, in den Vitos Kliniken für Psychiatrie, im St.-Josefs-Krankenhaus und in der Balserischen Stiftung insgesamt vier Pfarrerinnen und Pfarrer sowie drei Gemeindepädagoginnen mit Teilzeitstellen tätig.
Klinikseelsorger bringen »Zeit für Patienten, Angehörige und das Personal mit, ein hohes Gut, das in dem immer mehr auf wirtschaftliche Effizienz ausgerichteten Gesundheitswesen leider oft zu kurz kommt«, so die geschäftsführende Pfarrerin Eva Reinhard. Schmidt würdigte diesen kirchlichen Arbeitszweig als »große Chance, um Menschen in persönlichen Krisen beizustehen und dabei auch denen zu begegnen, die den Kontakt zur Kirche verloren haben«. Öffentliche oder private Krankenhäuser dürften aber nicht »aus der Pflicht entlassen werden, umfassend für das Wohl der Patienten zu sorgen. Gespräche am Krankenbett sind eine Grundaufgabe der Kirche, aus der sie sich nicht zurückzieht«, sagte der Propst. Seelsorge sei ein »qualifizierter Dienst«, der nicht durch ehrenamtliche Besuchsdienste ersetzt werden könne.
Propst Schmidt wies daraufhin, dass die Klinikseelsorge die Kirchengemeinden entlaste und einen Dienst leiste, der Gemeinden oft nicht möglich sei. Viele Menschen würden heute in Krankenhäusern fern ihres Wohnortes behandelt. Von rund 44 000 Patienten, die jährlich allein im Uniklinikum stationär behandelt werden, stammt lediglich ein Viertel aus der Stadt oder dem Landkreis Gießen.
Pfarrer Spies, Seelsorger in den Vitos-Kliniken, hob hervor, wie wichtig eine gute Verzahnung mit gemeindlicher Seelsorge gerade auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist. Klinikseelsorger sind in ständiger Rufbereitschaft über die einzelnen Krankenhäuser erreichbar. Alle Häuser unterstützen die Klinikseelsorge unter anderem dadurch, dass sie Räume für deren Arbeit zur Verfügung stellen. So errichtet zum Beispiel das Uniklinikum in seinem Neubau derzeit eine Kapelle. Die evangelische Kirche kooperiert neben den Krankenhäusern auch mit der Onkologischen Gemeinschaftspraxis Schliesser, Käbisch & Weber in Gießen.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-09)
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veröffentlicht von 2010-06-09 bis 2010-08-09
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Eine eindrucksvolle Botschaft
Dr. Eckart von Hirschhausen sprach zu Studierenden der Medizin

Eloquent, tiefsinnig und witzig – das sind drei der hervorstechenden Attribute, mit denen man Dr. Eckart von Hirschhausen treffend charakterisieren könnte. Längst erfreut sich der Mediziner mit dem erfrischend ironisch-zynischen Einschlag einer großen Fangemeinde – nicht erst seit seinem Bestseller »Die Leber wächst mit ihren Aufgaben«.
Doch wussten Sie, dass von Hirschhausen einen Lehrauftrag für eine Veranstaltung an der hiesigen Justus-Liebig-Universität hat? Im Rahmen einer Vorlesung spricht der Arzt dann zu Studenten, und zwar kostenlos. Bereits zum dritten Mal war es am vergangenen Montag wieder so weit. Auf Einladung des Instituts für Geschichte der Medizin hatten etwa 300 Studierende den Weg in den Wilhelm-Hanle-Hörsaal der Physikalischen Institute im Heinrich-Buff-Ring gefunden, wo Hirschhausen einen Vortrag unter dem Motto »Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt. Warum Worte Medizin sind« hielt.
Eine vergnügliche Lehrstunde und Ergänzung des Uni-Kurses »Medizinische Terminologie«, bei der der 42-Jährige die Lacher der Zuhörer immer wieder auf seiner Seite hatte. Und das nicht nur, als der gebürtige Frankfurter über die Perspektiven von Kommunikation in der Medizin sprach – einschließend karikierender Betrachtungen des aktuellen Sprachgebrauchs –, sondern auch bei seinen Tipps für ein glückliches Ärzteleben. Doch wer eine rein humoristische Veranstaltung erwartet hatte, der wurde eines Besseren belehrt, denn Hirschhausen garnierte seine Ausführungen zwar mit zahlreichen Pointen, doch im Ganzen vermittelte er den Studenten eine eindrucksvolle Botschaft: Er forderte die angehenden Ärzte auf, sich auch im späteren Berufsleben den kritischen Verstand zu erhalten, sich nicht von Hierarchien schrecken zu lassen und sich bewusst zu machen, wie wichtig die Worte sind, die der Arzt an Patienten richtet.
Um diese Ziele zu erreichen und ein sinnstiftendes und damit glückliches Leben als Arzt zu führen, gab Hirschhausen seinen Zuhörern einige Tipps. Er riet ihnen beispielsweise, Ausführungen von Patienten eingehend zuzuhören, eine klare Sprache, der auch der Erkrankte folgen könne, zu verwenden oder den regelmäßigen Austausch von Ärzten und Pflegepersonal in den Krankenhäusern zu nutzen. Gerade er könne die tägliche Arbeit erleichtern, bleibe jedoch bis heute – auch wenn die Bedeutung von Kommunikation im Medizinstudium zugenommen habe – leider aus.
Darüber hinaus dürfe vor allem eine Medizin nicht unterschätzt werden: das Lachen. Es helfe unter anderem gegen Schmerzen. Hirschhausen selbst, der seinen Zuhörern am Montag einen rundum gelungenen 90-minütigen Vortrag bot, setzt sich für das Lachen in der Medizin ein, unter anderem mit seiner Stiftung »Humor hilft heilen«, die sich für die Arbeit von Clowns in Krankenhäusern engagiert. olz

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-09)
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veröffentlicht von 2010-06-09 bis 2010-08-09
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Lob und Dank für die geleistete Arbeit
Uniklinikum zeichnet Mitarbeiter für 40- und 25-jährige Arbeitsjubiläen aus

GIESSEN (fod). Als Anerkennung für
ihre seit 40 beziehungsweise 25 Jahren für
das Universitätsklinikum geleistete Arbeit
wurden am Dienstag 31 Mitarbeiter –
Ärzte, Pflegekräfte wie auch Verwaltungsangestellte
– von der Gießener Geschäftsleitung
des Universitätsklinikums Gießen
und Marburg GmbH im Hotel Steinsgarten
geehrt. Insgesamt gibt es in diesem
Halbjahr 53 Jubilare zu verzeichnen. Die
Urkunden mitsamt Blumen wurden überreicht
vom kaufmännischen Geschäftsführer
Dr. Christian Höftberger. Erste
Gratulanten waren Betriebsratsvorsitzender
Klaus Hanschur, Personalratsvorsitzender
Egon Mattern, Personalleiterin
Jasmin Michel und Pflegedirektor Torsten
Rantzsch. Im Anschluss waren dann alle
zu einem tollen Essen im Restaurant des
Hotels eingeladen. Zu Anfang hatte Christian
Höftberger den ausgezeichneten Mitarbeitern
für ihr bisheriges Engagement
gedankt. Das Gießener Universitätsklinikum
sei auch weiterhin sehr auf ihre Mitarbeit
angewiesen, betonte er angesichts
in naher Zukunft anstehender Aufgaben
wie dem Umzug in den derzeit noch in der
Errichtung befindlichen Neubau des Klinikums.
Unter den Geehrten befanden
sich auch Prof. Harald Tillmanns, Direktor
der Medizinischen Klinik I (Kardiologie-
Angiologie) des Zentrums für Innere
Medizin, und Prof. Wolfram Gerlich, Direktor
des Instituts für Medizinische Virologie
des Fachbereichs Medizin der Justus-
Liebig-Universität.

Quelle: Giessener Anzeiger (2010-06-09)
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veröffentlicht von 2010-06-09 bis 2010-08-09
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Teamleistung hat Erfolge möglich gemacht
40 Jahre Urologische Klinik am Gießener Universitätsklinikum – Jubiläumsband dokumentiert medizinisches Spektrum

Von Frank-Oliver Docter
GIESSEN. Alles begann 1969 mit der Berufung von Prof. Carl-Friedrich Rothauge auf den damals neu geschaffenen Lehrstuhl für Urologie. Immer weiter wurde danach die Urologische Klinik des Gießener Universitätsklinikums von Rothauge und seinem Nachfolger, dem jetzigen Direktor Prof. Wolfgang Weidner, ausgebaut. Das dokumentiert sich auch im Namen: aus einer zunächst nur auf urologische Leiden Erwachsener spezialisierten Klinik ist mittlerweile die Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie geworden.

Dass die Anfänge der Urologie in Gießen bereits ins Jahr 1900 zurückreichen, ist einer von vielen Fakten, die sich in einem zum 40-jährigen Jubiläum erschienenen Sonderband nachlesen lassen. Im Kapitel Geschichte wird natürlich auch die 1924 von Prof. Georg Haas in Gießen weltweit zum ersten Mal erfolgreich bei einem Patienten außerhalb des Körpers durchgeführte Hämodialyse - „Blutwäsche“ wie Haas es nannte - erwähnt.

Ansonsten bietet das farblich bebilderte Buch einen ausführlichen Überblick des heutigen Behandlungs- und Operationsspektrums der Klinik, von Eingriffen etwa an Niere, Prostata oder Harnblase, über die Chirurgie von Beckenboden und Reproduktionsorganen bis hin zur andrologischen Hilfe für kinderlos gebliebene Paare bei der Erfüllung des Kinderwunsches und den dazu eingesetzten mikrochirurgischen Techniken.

„Eine solch erfolgreiche Weiterentwicklung ist nur als Teamleistung möglich“, betont Wolfgang Weidner bei der Präsentation des Sonderbands. „Auf das Erreichte sind wir sehr stolz.“ Derzeit verfügt die Klinik über 47 Planbetten, darüber hinaus stehen in der Kinderklinik bis zu fünf Betten, für ambulantes Operieren die interdisziplinäre chirurgische Tagesklinik und sechs uro-onkologische Behandlungsplätze für ambulante Chemotherapie im Interdisziplinären Onkologischen Zentrum zur Verfügung.

Mittlerweile 16 Ärzte - Weidner: „Als ich 1993 die Klinik übernahm, waren es erst sieben“ -, kümmern sich gemeinsam mit dem Pflegepersonal um die Patienten, hinzu kommen weitere Professoren und Biologen im klinikseigenen Forschungslabor (Leiter Prof. Klaus Steger) sowie im andrologisch-klinischen Labor (Leiter Prof. Hans-Christian Schuppe). Darüber hinaus sind viele Mediziner aus dem Ausland in Gießen zu Gast, um sich am Laparoskopiezentrum der Klinik in der sogenannten Schlüsselloch-Chirurgie schulen zu lassen.

Die Weiterentwicklung der vergangenen beiden Jahrzehnte zeigt sich auch bei den Operationszahlen: Waren es Mitte der 90er Jahre noch etwa 2000 Eingriffe jährlich, ist dies bis 2008 auf über 4000 angewachsen. Davon rund 430 in der im Jahr 2000 neu eingeführten Kinderurologie, wo Fehlbildungen von Niere, Blase oder Penis korrigiert werden. Den größten Anteil an den OPs machen mit knapp 40 Prozent onkologische Patienten aus: hier werden im Rahmen der Tumor-Behandlung jährlich fast 300 Operationen an der Niere wie Teilresektionen durchgeführt.
Als eine von wenigen Kliniken verfügt man zudem über eine eigene Kryobank, in der bei minus 140 Grad Krebspatienten im fortpflanzungsfähigen Alter entnommenes Gewebe aus dem Hoden oder Eizellen gelagert werden, um einen späteren Kinderwunsch zu erfüllen. Eine Chemo- oder Strahlentherapie könnte nämlich die Funktion der Keimzellen irreversibel schädigen.

Während man laut Weidner „klinisch sehr gut aufgestellt ist“ und die baldige Gründung eines Beckenbodenzentrums hier die nächste Ergänzung darstellt, soll auch die Forschung ausgebaut werden. So blickt der 62-jährige Chefarzt „voller Hoffnung“ Anfang Juli entgegen, wenn die Entscheidung ansteht, ob der von der Klinik und anderen Gießener Kollegen im Rahmen des hessischen Forschungsförderprogramms Loewe beantragte Schwerpunkt „Männliche Infertilität bei Infektion und Entzündung“ genehmigt wird, verbunden mit einem Millionenbetrag an Forschungsgeldern. „Das wäre das Sahnehäubchen“, meint Weidner, einer der Koordinatoren des Projekts.





Quelle: Giessener Anzeiger (2010-06-08)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-06-08 bis 2010-08-08
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Keine generelle Haushaltssperre
Universitäts-Senat erörtert Hochschulpakt – Breite Mehrheit stützt das Präsidium

Gießen (si). Das Präsidium der Justus-Liebig-Universität will das Budget und die Aufgaben in allen Hochschulbereichen auf den Prüfstand stellen – um die Frage zu beantworten, wo und in welchem Umfang die durch den Hochschulpakt verursachten Mittelkürzungen in Höhe von jährlich 4,4 Millionen Euro ab 2011 umgesetzt werden sollen. Eine generelle Stellen- und Haushaltssperre werde es nicht geben, das sei jetzt schon klar, sagte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee am Mittwoch im Senat, wo der vor zwei Wochen unterzeichnete Hochschulpakt und seine Folgen das zentrale Thema der über vierstündigen Sitzung waren.
Die Hochschulleitung hatte die Senatsmitglieder zunächst ausführlich über das Vertragswerk informiert und noch einmal deutlich gemacht, dass sie sich erst nach eingehenden Beratungen – in der Universität und mit anderen Hochschulen – und dann nur unter größten Bedenken und »um Schlimmeres zu verhindern« zu der Unterschrift entschlossen habe. Das wurde am Mittwoch deshalb noch einmal hochaktuell, weil überraschend ein Resolutionsentwurf vorgelegt wurde, in dem die Unterzeichnung »missbilligt« wurde. Der von den Ein-Personen-Listen der »Demokratischen Universität« (Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter) eingebrachte Text warf dem Präsidenten, mit seiner Unterschrift eine gemeinsame »Solidaritätsfront« der Hochschulen zur Abwehr der Kürzungen verhindert zu haben und Proteste – etwa der Studierenden und im Senat – übergangen zu haben. Widersprüche im Pakt – einerseits sollten die Hochschulen neue Studienplätze schaffen, andererseits werde ihnen das Grundbudget gekürzt – seien nicht weiter verfolgt worden. Zudem sei die Chance vertan worden, »in jedem der kommenden Jahre für höhere Mittelzuweisungen zu streiten«.
Obwohl der von Prof. Jon Hughes vorgebrachte Entwurf später noch entschärft und ergänzt wurde – die »Missbilligung« der Unterschrift wurde durch ein »Bedauern« ersetzt, außerdem wurde die Landesregierung scharf kritisiert, von der vorher gar nicht die Rede war –, lehnten die Senatoren den Entwurf letztlich mit nur drei Ja- und 14-Nein-Stimmen ab. Mit dem genau umgekehrten Votum (14 Ja-, drei Neinstimmen) angenommen wurde ein von Prof. Wolf-Dietrich Walker (Vereinigte Professoren) formulierter Gegenantrag, in dem sich der Senat ausdrücklich hinter das Präsidium stellt. Darin wird anerkannt, dass sich die Hochschulleitung bei der Unterzeichnung »unter sorgfältiger Abwägung aller Argumente verantwortungsbewusst und im Gesamtinteresse der Universität verhalten hat«. Zustimmend zur Kenntnis nimmt diese Resolution auch die beiden Protokollnotizen, die das Präsidium dem Pakt beigefügt und in dem es seine Bedenken noch einmal ausdrücklich erläutert hatte.
Mukherjee bekräftigte noch einmal, dass die Hochschulen mit der Unterzeichnung Planungssicherheit für die kommenden fünf Jahre bekommen hätten; weitere Kürzungen seien ausdrücklich ausgeschlossen. Bei einem steigenden Steueraufkommen könnten die hessischen Hochschulen ab dem Jahr 2013 mit zusätzlichen Mitteln rechnen (insgesamt 20 Millionen Euro, wenn die Steuerschätzung im Mai 2012 13 Milliarden Euro prognostiziert, derzeit nimmt das Land 12 Milliarden ein). Die weitere Entwicklung sei schwierig einzuschätzen, sagte Mukherjee für das Präsidium. Deshalb will es mehrere Szenarien – optimistische und pessimistische – seinen Planspielen zugrunde legen.
»Wir werden uns alle Bereiche ansehen müssen«, sagte Mukherjee zur Frage, wo denn seiner Meinung nach am ehesten gekürzt werden könne. Alle Budgets – zentral und dezentral – sollten durchforstet werden. Sicherlich gebe es auch Einsparmöglichkeiten, die in der Praxis keinen Qualitätsverlust nach sich zögen. Die einzelne Hochschulbereiche dürften jedenfalls nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ganz sicher werde nicht die – vielleicht einfachste – Variante gewählt, befristete Arbeitsverträge flächendeckend auslaufen zu lassen. Die Rücklagen der Hochschule könnten allenfalls zu einem kleinen Teil herangezogen werden, sagte Mukherjee. In der Öffentlichkeit gebe es hierzu falsche Vorstellungen. Das Gros dieser Mittel sei verplant oder müsse für strategische Entscheidungen in Reserve gehalten werden. Von den 30 Millionen Euro Rücklagen der Justus-Liebig-Universität seien allein 13 Millionen Euro nur für vorgesehene Berufungszusagen in der Medizin reserviert.
Die Hochschulleitung werde in allen damit zusammenhängenden Fragen engen Kontakt mit dem Senat und den Fachbereichen halten, versicherte Mukherjee.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-04)
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veröffentlicht von 2010-06-04 bis 2010-08-04
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Medizinsenioren
Prof. Klußmann sprach über »Implantierbare Hörgeräte«

Gießen (if) »Hat es eben geläutet ?« oder »Wie bitte ?« und »Habe ich richtig verstanden?« – so beginnt es meist schleichend. Mit der Zeit aber werden Einschränkungen des Gehörsinns immer spürbarer – oft bis hin zum deprimierenden Gefühl der Isolation. »Nichtsehen trennt von den Dingen – Nichthören von den Menschen« zitierte Prof. Jens-Peter Klußmann Helen Keller, die blind und taub geborene amerikanischen Schriftstellerin, nach der auch bei uns viele Schulen benannt sind. Im großen Anatomischen Hörsaal ging es dieser Tage in der letzten Seniorenvorlesung zum Abschluss des Sommersemesters um das Hören – jene Sinneswahrnehmung, der in unserer Ära der Kommunikation eine dominierende Rolle zufällt.
Dabei stellte der neu berufene Direktor der HNO-Universitätsklinik, der bekanntlich Prof. Hiltrud Glanz abgelöst hat, die mittlerweile von der weltweiten Medizintechnik entwickelten Möglichkeiten dar, geschwundenes oder nur mangelhaft ausgebildetes Hörvermögen zu bessern. In konventionellen Hörgeräten – kleinen Wunderwerken - sorgt die miniaturisierte digitale Technik der Hörverstärkung als kaum mehr sichtbare Weiterentwicklung des »Hörrohrs« unserer Ur-Urgroßväter für die Weiterleitung und Verstärkung der Schallimpulse über Luft ins Mittelohr. Die allermeisten Patienten sind mit der herkömmlichen Hörgeräteversorgung auf dieser Basis zufrieden. Sie stößt indes dort an Grenzen, wo die Ursache im Mittelohr oder im Innenohr bei der Wahrnehmung akustischer und ihrer Umwandlung in elektrische Signale oder auch bei deren Weiterleitung über den Hörnerv bis zum Hörzentrum des Gehirns liegt.
Alternativen eröffnen sich mit teilimplantierbaren und implantierten Hörsystemen, die die Schallweiterleitung über den Schädelknochen nutzen. Diese Weiterleitung, die wir entwicklungsgeschichtlich von den Lurchen geerbt haben, nehmen wir selbst nicht wahr.
Über die vor wenigen Jahren erfolgte Einführung des »Neugeborenen Screenings« bei dem hochgradige Hörschädigungen bereits bei Neugeborenen feststellbar sind, kann mit Hilfe von »Cochlea«-Implantaten – Cochlea bedeutet »Hörschnecke« – taub oder mit schwersten Hörbehinderungen geborenen Kindern der Zugang zur Welt der Sprache geebnet werden. 70 Prozent dieser früher auf die Zeichensprache angewiesenen Kinder besuchen, rechtzeitig mit Cochlea-Implantaten versorgt, heute die Regelschule
In einem gerafften, höchst anspruchsvollen Überblick über das Gebiet der implantierbaren Hörhilfen, verbunden mit einem Ausblick auf zu erwartende Weiterentwicklungen, ging Prof. Klußmann auf die verschiedenen »knochenverankerten Systeme« ein. Sie nutzen zusätzlich zur konventionellen Möglichkeit der Schallweiterleitung über den Gehörgang kleine, in die Kopfhaut hinter dem Ohr implantierte »Empfänger«, die Schallschwingungen über den Schädelknochen ins Mittelohr leiten, von wo aus die so verstärkte Vibration in der »Schnecke« im Innenohr in elektrische Impulse umgewandelt und über den Hörnerv ins Hörzentrum im Gehirn weitergeleitet wird. Dabei können millimeterkleine, »passive« Mittelohrimplantate Hörknöchelchen ersetzen.
Die aufmerksam folgenden » Hörer im Silberhaar« quittierten die hochkarätige Vorlesung mit Applaus. Er galt zugleich Prof. Stürz für Organisation und Moderation der ursprünglich von Prof. Oehmke begründeten Vorlesungsreihe und für die Ankündigung, dass sie nach der Semesterpause im Oktober fortgeführt werden wird. Gerne bediente man sich danach des bereitliegenden Informationsmaterials, um sich zu Hause mit der faszinierenden, gleichwohl anspruchsvollen Thematik implantierbarer Hörsysteme weiter vertraut zu machen.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-04)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-04 bis 2010-08-04
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Gießener Forscher erhält den »Heinz-P.-R.-Seeliger-Preis«
Gießen (pm). Der Gießener Mikrobiologe Dr. Torsten Hain ist mit dem Heinz-P.-R.-Seeliger-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Listerienforschung ausgezeichnet worden. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wurde ihm auf der diesjährigen Internationalen Symposium zur Listerioseforschung in Porto (Portugal) verliehen. Er wird von der Seeliger-Stiftung jährlich an einen Wissenschaftler vergeben, der sich auf den Gebieten der Listeriose, Medizinischen Bakteriologie, Mykologie oder Darminfektionen verdient gemacht hat. Hain ist am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Justus-Liebig-Universität tätig (Prof. Trinad Chakraborty). Er befasst sich vor allem mit den molekularen Vorgängen, die den Infektionsprozess bei krankheitserregenden Bakterien wie Listerien steuern, und mit der Entschlüsselung der Genominformation dieser Bakterien. Die Auszeichnung von Hain reiht sich in eine lange Tradition der Listerienforschung an der JLU ein. Listerien sind Bakterien, die fast überall vorkommen. Für den Menschen gefährlich ist der Stamm Listeria monocytogenes, der die so genannte Listeriose verursachen kann. Erst jüngst sind wieder Fälle dieser Erkrankung mit teilweise tödlichem Ausgang durch den Verzehr von Listerien-verseuchtem Sauermilchkäse in Deutschland und Österreich bekannt geworden. Unter dem Titel »Angewandte Pathogenomik: Prävention, Diagnose, Behandlung und Überwachung von Infektionskrankheiten beim Menschen« koordiniert Hain das seit Februar 2009 laufende »sncRNAomics-Projekt«. Dabei untersuchen Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich (Universität Caen), Slowenien (Universität Maribor) sowie zwei deutsche Industriepartner (Febit Biomed GmbH und Genedata Bioinformatik GmbH), wie kleine, regulatorische RNA-Moleküle (sncRNA) den Infektionsprozess bei krankheitserregenden Bakterien steuern.
Hain, Jahrgang 1968, studierte Biologie an der TU Braunschweig. Anschließend promovierte er an der Universität Gießen. Seit Januar 2000 leitet er die Arbeitsgruppe »Functional Genomics of Bacterial Pathogens« am Institut für Medizinische Mikrobiologie der JLU.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-02)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-02 bis 2010-08-02
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Ein weiteres Parkhaus mit 620 Plätzen geplant
Klinikum konzentriert Stellflächen in Gaffkystraße – Genauer Standort des Medizinischen Forschungszentrums noch offen

Gießen (si). Das neue Medizinische Forschungszentrum der Justus-Liebig-Universität soll – wie geplant – an der Ecke Paul-Meimberg-Straße/Aulweg errichtet werden; über den genauen Standort will sich die Stadt spätestens bis zum Herbst mit der Hochschule verständigen. Darüber hinaus ist jetzt klar, dass das Klinikum nicht länger mehrere neue Parkhäuser bauen will, um seinen vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen, sondern ein großes. Es soll in der Gaffkystraße direkt an der Einmündung Paul-Meimberg-Straße entstehen und über 620 Stellplätze verfügen. Das sind die beiden wichtigsten Nachrichten einer Bürgerinformationsversammlung am Montagabend im Konzertsaal des Rathauses, bei der die Stadt den Bebauungsplan-Vorentwurf »Seltersberg III« vorstellte. Das 6,5 Hektar große Gelände ist weitgehend identisch mit dem Seltersbergpark. Umgrenzt wird es von Aulweg, Schubert-, Gaffky- und Paul-Meimberg-Straße.
Stadtrat Thomas Rausch, Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, Planungsamtsleiter Hans Dettling und weitere Experten waren Ansprechpartner bei der eindreiviertelstündigen Veranstaltung, die nach dem Baugesetzbuch vorgeschrieben ist. Ihnen saßen knapp ein Dutzend Bürger des Südviertels gegenüber, die meisten Bewohner des Hauses Aulweg 126, das dem Medizinischen Forschungszentrum bei einer Bauvariante im Wege steht. Das Problem ist bekannt: Die Stadt favorisiert einen Standort an der Paul-Meimberg-Straße in Richtung Seltersbergklinik, und zwar aus städtebaulichen und verkehrlichen Gründen. In diesem Fall wäre der Abriss des ehemaligen Schwesternwohnheims wohl unvermeidlich. Die Universität würde das Gebäude lieber direkt am Aulweg sehen, dann könnte das Wohnheim stehen bleiben. Der Bebauungsplan-Vorentwurf belegt, dass sich Stadt und Hochschule immer noch nicht geeinigt haben: beide Varianten sind weiterhin möglich. Zwei Drittel der 13 Mietparteien in dem Haus arbeiteten am Klinikum, die übrigen an der Universität. Die meisten wollten dort wohnen bleiben, sagte ein Mieter.
Das Angebot der Stadt an sie ist ein »Sozialplan«. Dabei handelt es sich um eine schriftliche Vereinbarung, die die einzelnen Schritte bei der Sanierung oder auch bei der Bereitstellung von Ersatzwohnraum regelt. Mit der Moderation beauftragt wurde der Sozialplaner Prof. Rainer Dilcher, ein pensionierter Hochschullehrer der FH Frankfurt, der in Gießen schon in der Nordstadt Bewohner für ein Forschungsprojekt befragt hat. Der Sozialplan solle als Anlage dem Bebauungsplan beigefügt werden, sagte Dettling. Offenbar will die Stadt damit auch dokumentieren, dass sie das ihr Mögliche für die Mieter getan hat. Der Stadtplaner wies am Montagabend schon vorsorglich darauf hin, dass beim Bau des Forschungszentrums Probleme auftauchen könnten, an die jetzt noch niemand denke und die die jetzigen Mieter zusätzlich belasten könnten.
Klar ist: Jede Bauverzögerung zieht zusätzliche Kosten nach sich, die die Universität tragen muss, denn das Land stellt keine weiteren Mittel bereit. Die Hochschule geht von jährlich drei Millionen Euro aus – weil Forschungsinstitute bis zum Neubau in den alten Gebäuden bleiben müssen und nicht, wie geplant, mit den Klinikabteilungen ausziehen können, die Anfang kommenden Jahres in das neue zentrale Bettenhaus übersiedeln. Etwa zwei Dutzend, dann größtenteils leerstehende Gebäude wird die Universität deshalb weiter betreiben müssen.
Beim Kauf des Universitätsklinikums hatte sich die Rhön AG vertraglich verpflichtet, rund 1000 neue Pkw-Stellplätze zu schaffen. 420 stehen bereits seit dem Jahre 2007 in dem damals neu gebauten Parkhaus an der Hautklinik zur Verfügung, den Rest soll das nun geplante Parkhaus an der gegenüberliegenden Seite der Gaffkystraße beisteuern. Die Stadt sei der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM) entgegen gekommen und habe ein etwas größer als zunächst vorgesehenes Parkhaus genehmigt, sagte Rausch. Es soll fünf Geschosse haben, davon eins unter der Erde.
Der Bebauungsplan lässt die Möglichkeit offen, ein zweites Parkhaus in direkter Nachbarschaft zu errichten. Dazu müsste das Studentenwohnheim abgerissen werden, das das Studentenwerk dort betreibt. Pläne dafür gebe es nicht, sagte UKGM-Sprecherin Dr. Doris Benz der Gießener Allgemeinen Zeitung. Sie bekräftige, dass das neue Parkhaus auch für Klinikums-Bedienstete gedacht ist.
Einzelne Bürger aus dem Südviertel, darunter der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Klaus Peter Möller, kritisierten die jetzige Verkehrsbelastung der Anwohner. Sie sei deutlich zu hoch. Die Stadt bekräftigte, dass sich dies mit der Fertigstellung des Parkhauses spätestens im kommenden Sommer ändern werde. Ein Teil der Probleme werde sich von selbst erledigen, wenn die Bauarbeiten am Klinikum beendet seien. Für die Universität versicherte Liegenschaftsdezernentin Katherina Hannemann, dass die Hochschule schon jetzt alle gesetzlich geforderten Parkflächen zur Verfügung stelle. Zusätzlicher Verkehr sei ohnehin nicht zu erwarten, weil sich mit dem Medizin-Neubau weder die Zahl der Beschäftigten noch die der Studierenden erhöhe.
Der Bebauungsplan-Vorentwurf kann eingesehen werden im Stadtplanungsamt (Rathaus), Raum 03-147, 3. Stock, und zwar montags bis donnerstags von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr und freitags von 8.30 bis 13 Uhr.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-02)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-02 bis 2010-08-02
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Dr. Lutz Nährlich tritt Nachfolge von Prof. Hermann Lindemann an Spitze der Kinderpneumologie an
GIESSEN (tt). Die Möglichkeiten der Verknüpfung von wissenschaftlicher und klinischer Arbeit hätten letzlich den Ausschlag für einen Wechsel von Erlangen nach Gießen gegeben, auch wenn es viele Parallelen zwischen den beiden Standorten gebe, bekannte Dr. Lutz Nährlich. Seit 1. Mai zeichnet der in Frankfurt geborene Kinderarzt für den Schwerpunkt Pädiatrische Pneumologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) verantwortlich.


„Dr. Lutz Nährlich ist klinisch sehr gut ausgewiesen“, erklärte der Ärztliche Geschäftsführer des Uni-Klinikums Gießen und Marburg, Prof. Werner Seeger, bei der Vorstellung des Nachfolgers des 2006 ausgeschiedenen langjährigen Schwerpunktleiters Prof. Hermann Lindemann. Nährlich decke das gesamte kinderpneumologische Spektrum ab. Besonders hob Seeger die Anbindung an die Erwachsenenpneumologie hervor, die unter seiner Leitung zu einer führenden Einrichtung geworden ist.


Neben rund 150 Kindern und Jugendlichen, die an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose leiden und in Gießen behandelt werden, kämen jährlich noch einmal 1200 Vorstellungen von jungen Patienten mit Asthma und Allergien hinzu, so Nährlich. Den Schwerpunkt will er neben der Grundlagenforschung auf die klinische Forschung legen. „Wir wollen die Patienten teilhaben lassen an der Forschung“, lautet sein Credo. „Wir“, das sind zwei Ärzte in Ausbildung, eine Ernährungsberaterin, ein Physiotherapeut, eine Familientherapeutin sowie eine Krankenschwester und Nährlich selbst.


Der Kinderpneumologe wies auf die Fortschritte bei der Behandlung von an Mukoviszidose Erkrankter hin. Demnach liege die mittlere Lebenserwartung bei Patienten derzeit bei 36, 37 Jahren - Tendenz steigend. Bei den heute Geborenen gehe man von einer Lebenserwartung von fast 50 Jahren aus, erläuterte Nährlich, der von 2005 bis zu seinem Weggang an der Spitze der Kinderpneumologie in Erlangen stand.


Prof. Klaus-Peter Zimmer räumte Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Nachfolger für Prof. Hermann Lindemann ein. „Wir waren überrascht, wie schwierig es war, diese Stelle zu besetzen“, sagte der Geschäftsführende Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin in Anspielung auf ein geplatztes Berufungsverfahren. Vor allem bei Elternvertretern hatte das Besetzungsprozedere Kritik ausgelöst.


Neben der Sorge um die Behandlung ihrer Kinder befürchteten sie das Ende der Muko-Ambulanz. Zimmer machte in erster Linie Nachwuchsprobleme grundsätzlicher Art in der Medizin, „die sich natürlich auch auf die Kinderpneumologie durchschlagen“, für die lange Vakanz verantwortlich. Der Zentrums-Direktor bescheinigte Lindemann, „ein beindruckend großes Zentrum“ aufgebaut zu haben, in dem ein eingespieltes Team die Kinder und Jugendlichen behandele. In Spitzenzeiten sind in dem Zentrum bis zu 250 Muko-Patienten und 1800 Asthma-Kranke behandelt worden.


Umso mehr freue er sich, dass mit Nährlich einer der „kompetentesten Kinderpneumologen“ nach Gießen gewechselt sei. „Dr. Nährlich ist in den ersten vier Wochen sehr gut in der Klinik angekommen.“ Wie bereits Seeger betonte auch Zimmer das Zusammenspiel der Erwachsenen-Lungenheilkundler mit den Kollegen der Kinderklinik. Im klinischen Bereich sei der Standort Gießen Alleinversorger im heimischen Raum und mit Frankfurt das einzige pneumologische Zentrum in Hessen. Bereits heute leidet jedes dritte Baby, das auf die Welt kommt, an einer Allergie.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-06-01)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-06-01 bis 2010-08-01
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Das dreijährige Intermezzo ist endlich vorüber
Mukoviszidose-Spezialist Dr. Nährlich hat Nachfolge von Prof. Lindemann angetreten – 150 Gießener Patienten

Gießen (if). Sie stellten Jahr für Jahr ein Stadtfest auf die Beine, das es in sich hatte. Bei Personalengpässen schufen sie Abhilfe. Die Geräteausstattung wurde dank ihrer Hilfe verbessert, Forschungsprojekte finanziert: gab es etwas über den Gießener »Mukoviszidose-Förderverein« zu berichte, war es stets positiv. Jetzt gibt es eine Neuigkeit, die nicht nur die rund zweihundert Vereinsmitglieder mit Genugtuung erfüllen wird, sondern auch ganz dazu angetan ist, die Eltern jener rund über 150 Kinder, die an der noch immer unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszose leiden und in der Gießener Kinderklinik betreut werden, zu beruhigen: Das dreijährige Intermezzo nach dem vielbedauerten Ausscheiden von Prof. Hermann Lindemann ist vorüber. Am 1. Mai hat der neue Leiter des Gießener Schwerpunktes »Pädiatrische Pneumologie«, Dr. Lutz Nährlich, bis zu seinem Wechsel Oberarzt an der Kinder-und Jugendklinik Erlangen mit der Zusatzbezeichnung Kinderpneumologie, seine Arbeit aufgenommen.
Im Beisein des ärztlichen Direktors am Standort Gießen, Prof. Norbert Katz, sowie des Direktors der Universitätskinderklinik, Prof. Klaus-Peter Zimmer, stellte am Montag Prof. Werner Seeger den neuen Mann – bisher Leiter des Mukoviszidosezentrums Erlangen – vor. »Wir sind sehr froh, dass wir einen kompetenten Nachfolger für Professor Lindemann in der Versorgung von Kindern mit der Stoffwechselkrankheit Mukovisziodse gewinnen konnten«, betonte der Ärztliche Geschäftsführer des Uniklinikums, wobei er, auf die Ursachen eingehend, die das Scheitern der ursprünglichen Ausschreibung bedingten, zugleich die Leistung Lindemanns nachdrücklich würdigte. Er habe nicht nur eines der größten Zentren Deutschlands, sondern auch ein neunköpfiges, eingespieltes Team von Ärzten, Diätassistenten, Physiotherapeuten und Psychologen aufgebaut, wobei die Aktivitäten des Gießener Fördervereins – an der Spitze Frau Lindemann – eine maßgebliche Unterstützung bedeuteten.
Klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt von Dr. Nährlich ist die Diagnose und Behandlung der Mukoviszidose. Der 44-jährige gebürtige Frankfurter wirkte nach dem Medizinstudium seit 2001 im Mukoviszodosezentrum der Universitätsklinik Erlangen, dessen Leitung er 2005 übernahm. Dort betreute er rund 150 Kinder, Jugendliche und mittlerweile auch Erwachsene, nachdem über zielgerichtete Forschung im Laufe der letzten Jahrzehnte die ursprünglich unbefriedigenden Behandlungsergebnisse zu einer Verdoppelung der Überlebenschancen führten. 2007 erwarb Nährlich die Zusatzweiterbildung »Kinder-Pneumologie«.
Die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Erwachsenen-Pneumologie, so merkte Seeger in diesem Zusammenhang an, sei auch in Gießen bereits vor zehn Jahren aufgenommen worden. Forschung soll künftig mit der Weiterführung gemeinsamer Studien auch weiterhin die Versorgung von Patienten des Schwerpunktes Pädiatrische Pneumologie und Allergologie am Standort Gießen auf höchstem Niveau gewährleisten. Zugleich stehen hier speziell für die Diagnose der Mukoviszidose als der häufigsten angeborenen Stoffwechselkrankheit elektrophysiologische Methoden zur Verfügung, die nur in wenigen Zentren in Deutschland und Europa angeboten werden. Die Weiterentwicklung dieser Methoden sowie die Erforschung neuer Therapieansätze werden vom Mukosviszodose-Förderverein unterstützt.
Für die Betreuung der Asthmapatienten werden individuelle Schulungen angeboten. Engmaschige ambulante Kontrollen – rund 600 bis 800 jährlich – ermöglichen bei den in Gießen betreuten rund 150 Mukoviszodosepatienten die Früherkennung von Ernährungsstörungen, Lungenveränderungen und Komplikationen. Im Rahmen klinischer Studien, so unterstrich Nährlich in seinem Ausblick, soll den Patienten bei Allergien und Atemwegserkrankungen Zugang zu noch nicht etablierten Diagnose-und Therapieverfahren eröffnet werden. Schließlich verspreche die »Weiterbildungsermächtigung Kinder-Pneumologie«, wie Zimmer ergänzte, sowohl die ambulante wie die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Allergien und Atemwegserkrankungen langfristig weiter zu verbessern.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-06-01)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-06-01 bis 2010-08-01
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Trauerfeier für Körperspender des Fachbereichs Medizin - Dank an Angehörige
(cz). Mit einer würdevollen Trauerfeier nahmen die Hinterbliebenen wie auch die Studenten, Professoren und Angestellte des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) Abschied von 25 Personen, die ihre sterbliche Hülle als Körperspende der Hochschule zur Verfügung gestellt hatten.


Die Friedhofskapelle auf dem Neuen Friedhof konnte längst nicht alle Gäste der Trauerfeier fassen, viele der Studenten mussten im Vorraum oder draußen stehen. Für sie sprach Edessa Khatchi den Angehörigen ihre tiefe Dankbarkeit für diese Körperspende aus. Für die 400 Studenten des ersten und zweiten Medizinsemesters sei diese Erfahrung sehr wichtig und prägend für das ganze Leben; dadurch hätten sie ein tiefes Verständnis für den Menschen erhalten. „Diese einzigartige Spende wird zum Wohl unserer späteren Patienten wirken“, sagte sie.


Die Trauerfeier wurde gemeinsam von den beiden Klinikseelsorgern, Pfarrer Thomas Born und Pfarrer Matthias Schmid, zelebriert. Beide dankten den Angehörigen für ihre Ausdauer und ihre Geduld, die sie haben mussten, bis sie die Urnen beisetzen konnten. „So schließt sich der Kreis“, sagte Schmid in seiner Ansprache. Die Spender hätten dem Tod ihre Stirn geboten, in dem sie selbst bestimmten, was am Ende mit ihrem Körper geschehen werde.


„Das hat etwas mit einem guten Tod zu tun“, ergänzte er. So bliebe die Hoffnung, dass es Sinn macht, dadurch dass es in den großen Zusammenhang gestellt werde. „Die Liebe hilft, eine Brücke zu schlagen“, gab ihnen Born mit auf den Weg. Für das Lehrpersonal sprach Prof. Andreas Meinhardt den Angehörigen seinen Dank aus. Er wisse, dass es für sie nicht einfach gewesen sei - auch die lange Zeit des Wartens bis zur Trauerfeier. Sie seien Mitbeteiligte an einer Entscheidung, die ihre Verwandten vor langer Zeit getroffen hätten. Als Trost hierfür bot er ihnen die Gewissheit an, dass die Studenten durch diese Kurse eine tiefe Empathie für das Leben gewonnen hätten. Eine Erfahrung, die kein Lehrbuch vermitteln könne.


Mit sehr viel Fingerspitzengefühl gestalteten die Studierenden die Feierstunde musikalisch. Der Chor der Studierenden unter der Leitung von Andreas Feil intonierte sehr ausdrucksstark - aber ohne sentimental zu sein - Lieder wie „Amazing Grace“, „If ye love me“ oder „Alleluja“. Für eine gefühlvolle Einstimmung sorgte Christopher Wormuth mit einer melancholischen Eigenkomposition am Klavier.


Im Anschluss an die Feier zog die Trauergemeinde zu einem Urnenfeld, wo die sterblichen Überreste beigesetzt wurden. Dort hatten die Angehörigen jeweils die Gelegenheit, sich persönlich von ihren Toten zu verabschieden.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-05-29)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-05-31 bis 2010-07-31
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Uni-Psychiatrie soll in Medizinische Klinik ziehen - Abstimmung mit Denkmalschutz
(tt). Noch ist der Bau des zentralen Bettenhauses auf dem Gelände des Gießener Uni-Klinikums nicht abgeschlossen, da steht bereits die nächste Millioneninvestition an: der Umzug der Psychiatrie in die heutige Medizinische Klinik. Da nicht alle Bereiche dort Platz finden, plant die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM) einen Neubau in Richtung der Hautklinik. 2011, also unmittelbar nach der Inbetriebbahme des neuen Kliniktraktes, soll mit den Arbeiten begonnen werden, bestätigte UKGM-Sprecherin Dr. Doris Benz auf Anfrage.


Dem Stadtplanungsamt liegen die Pläne, die im Bebauungsplan „Seltersberg IV“ geregelt sind, bereits vor: Im Bereich der neuen Psychiatrie werden drei Kategorien von Patientengärten angelegt, die die unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigen und teilweise in die vorhandenen beziehungsweise geplanten allgemein zugänglichen Grünflächen integriert werden sollen, erläuterte Baudezernent Thomas Rausch.


Eine Vorabstimmung der Planungen mit der Denkmalschutzbehörde sowie eine Anhörung des städtischen Denkmalbeirates hätten schon stattgefunden, so Rausch. Die Abstimmung sei nötig, weil viele der Klinikgebäude unter Denkmalschutz stünden. Die im Zuge der Baumaßnahme benötigten Stellplätze sollen nach Angaben des Dezernenten in den beiden Parkhäusern in der Gaffkystraße aufgefangen werden.


Von dem Vorhaben nicht betroffen sei das Haus Voit, für das ein langjähriger Mietvertrag mit einer Dialyseeinrichtung bestehe. „Mit dem Bebauungsplan sichert die Stadt außerdem die vorgesehene Gestaltung der Gaffkystraße als Hauptzufahrt mit einer beiderseitigen, zweireihigen Baumallee ab“, sagte Rausch.


Die Sanierung der Medizinischen Klinik und der Psychiatrie-Neubau sind Bestandteil der rund 200 Millionen Euro, die die Rhön-Klinikum AG als Betreiberin des Großkrankenhauses am Standort Gießen investiert. Bereits bei den Plänen für das Bettenhaus hat das Unternehmen nach eigenen Angaben darauf geachtet, die Psychatrie-Patienten abgeschirmt zu behandeln. Zur Zeit ist das Zentrum für Psychiatrie auf elf Häuser Am Steg aufgeteilt. Und diese befinden sich in einem zum Teil höchst sanierungsbedürftigen Zustand. Dies geht aus einer „Denkmalfachlichen Begutachtung und Planungsempfehlung für den Ausbau der Psychiatrie“ des Büros SWP-Architekten aus Hamburg hervor.


Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Experten auch im Hinblick auf die Medizinische Klinik aus dem Jahr 1887. „Das Dach ist undicht und zeigt Fensterschäden. Die Sanitäreinrichtungen sind defekt, und stammen wie im Mitteltrakt aus Sanierungsmaßnahmen der 70 Jahre. Das Dachgeschoss scheint nur oberflächlich renoviert. Nach Aussagen der Nutzer wurden seit mehr als 20 Jahren keine Bauunterhaltungsmaßnahmen durchgeführt“, wie es in dem Gutachten heißt.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-05-29)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-05-31 bis 2010-07-31
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Respektvoller Abschied von Körperspendern
Trauerfeier des JLU-Fachbereichs Medizin auf dem Neuen Friedhof – Künftigen Ärzten »tiefes Verständnis« ermöglicht

Gießen (hin). Mit einer bewegenden Trauerfeier nahmen Angehörige am Freitag Abschied von ihren Verstorbenen, von Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Ausbildung von künftigen Ärzten zur Verfügung gestellt hatten. Es war ein neuerliches und spätes Abschiednehmen, denn zwischen dem Tod und der Bestattung lag ein Zeitraum von oft mehr als einem Jahr. Nun wurden die sterblichen Überreste der Verstorbenen auf dem Neuen Friedhof zu ihrer letzten Ruhestätte begleitet. Medizinstudenten trugen mit großer Anteilnahme zur Gestaltung der Trauerfeier bei.
Klinikseelsorger Pfarrer Thomas Born sprach von einer besonderen Situation sowohl für die Hinterbliebenen als auch für die Studierenden. Vor allem aber erinnerte Born an jene, die über ihren Tod hinaus der Weiterlebenden gedachten, indem sie ihren Körper für die Ausbildung junger Menschen zur Verfügung gestellt hatten.
Prof. Andreas Meinhardt vom Institut für Anatomie und Zellbiologie der Justus-Liebig-Universität hob ebenfalls die Bereitwilligkeit hervor, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Den Studierenden sei so die Möglichkeit eröffnet worden, die Komplexität des menschlichen Körpers zu erfahren. Durch die Bestattung werde den Angehörigen nun ein Ort der Trauer gegeben.
Meinhardt schilderte die durch das Eindringen in den Menschen erlebte Vertrautheit. Sich mit dem Leichnam zu befassen, bedeute, etwas über Krankheit, über Unfälle und Verletzungen des Verstorbenen zu erfahren. Der Professor beschrieb aber auch die Achtung, die den Verstorbenen über das Körperliche hinaus entgegengebracht worden sei, und die mit ihnen entstandene Verbundenheit. Ausdruck dessen sei nicht zuletzt die überwältigende Anteilnahme an der Trauerfeier.
Studierendensprecherin Edessa Khatchi dankte für die Möglichkeit, mithilfe der Körperspende elementares Wissen zu erwerben. Die erste Begegnung mit den Verstorbenen sei für viele ihrer Kommilitonen nicht einfach gewesen, zumal man sich der großen Verantwortung im Umgang mit den sterblichen Hüllen bewusst gewesen sei. Im Laufe von zwei Semestern habe sich aber ein tiefes Verständnis für den menschlichen Körper entwickelt, sagte Khatchi. Nun sei es an der Zeit, respektvoll Abschied zu nehmen.
Klinikseelsorger Pfarrer Matthias Schmid bezeichnete die Körperspende als ein Überwinden der inneren Macht des Todes, als ein Zeichen gegen die Aussichtslosigkeit und die Unabwendbarkeit des Sterbens. Den Körper in einen größeren Zusammenhang zu stellen, eröffne eine Perspektive über den Tod hinaus, sei ein Geschenk an die Lebenden.
Die Trauerfeier wurde vom Chor der Studierenden und mehreren Solisten stimmungsvoll umrahmt. Vor dem Auszug zum Gräberfeld wurden die Namen der Verstorbenen verlesen, gefolgt von einem Moment der Stille. Ein Spalier der Studierenden am Ausgang der Kapelle wies erneut auf den respektvollen Umgang mit den Körperspendern.
Die auf dem Gräberfeld bereitgestellten Urnen wurden einzeln bestattet. Dadurch bot sich den Angehörigen die Möglichkeit zu einem persönlichen Abschied.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-05-29)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-05-31 bis 2010-07-31
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Ein neues Herz für Mariusz: Jeder kann helfen
AZ ruft zu Spenden auf: Zehnjähriger braucht Transplantation – Schon 40 000 Euro gesammelt – Prof. Schranz: »Zeit drängt«

Gießen (kw). Prof. Dietmar Schranz betritt singend den Untersuchungsraum und begrüßt Mariusz Stepniak anerkennend: »Du hast ja richtig dicke Backen bekommen.« Eigentlich ist der Zehnjährige mit seinen knapp 23 Kilogramm eher schmächtig – doch er war noch viel schwächer, als er vor einem Jahr das erste Mal an die Uni-Kinderklinik nach Gießen kam. Hier bekam der an dilatativer Kardiomyopathie – einer Herzmuskelerkrankung – leidende Pole unter anderem einen Herzschrittmacher. Sein Zustand sei einigermaßen stabil, stellt Schranz nun fest. »Aber es reicht eine Kleinigkeit ...« Nötig sei eine Herztransplantation. »Die Zeit drängt.« Deshalb ruft die Gießener Allgemeine Zeitung zu Spenden auf.
70 000 bis 250 000 Euro müssen zusammenkommen, erklärt der Leiter des Kinderherzzentrums – abhängig davon, ob der Junge beispielsweise vor oder nach dem Eingriff ein Kunstherz bräuchte. Die Familie aus Zgierz hat nicht viel Geld: Mariusz’ Vater arbeitet als Handwerker, die Mutter kümmert sich zu Hause um ihre beiden Söhne. Mariusz (ausgesprochen wird der polnische Name Mariusch) ist zum Schulbesuch zu schwach und wird zu Hause unterrichtet. Er kann keine Treppen steigen und schon lange nicht mehr Fußball spielen – dieser Leidenschaft kann er derzeit nur als Fernsehzuschauer frönen. Sein 18-jähriger Bruder geht noch zur Schule.
Dennoch haben Unterstützer bereits mehr als 40 000 Euro gesammelt. Zu verdanken ist das vor allem zwei Organisationen, die sich des Falls angenommen haben: Die Stiftung Gajusz in Polen und die Gruppe »Hoffnungsschimmer« (»Light of hope«) in Deutschland. Dazu gehört Katatzyna Färber aus Sinn, die bei der Untersuchung in Gießen übersetzt und zum wiederholten Mal Mariusz und seine Mutter Edyta Stepniak bei sich beherbergt. Warum sie sich für Menschen engagiert, die sie zuvor nicht kannte? Katarzyna Färber ist ein wenig überrascht über die Frage: »Vom Herzen« komme das Bedürfnis zu helfen, sagt sie dann. »Ich habe selbst zwei gesunde Kinder ...« Mit leuchtenden Augen erzählt sie: Schon für mehrere junge Polinnen und Polen habe »Hoffnungsschimmer« erfolgreich Behandlungen im Ausland ermöglicht, nachdem die Ärzte sie schon aufgegeben hatten.
Mariusz war 16 Monate alt, als bei ihm dilatativer Kardiomyopathie und zudem Mukoviszidose festgestellt wurden. Wegen dieser Verbindung einer Stoffwechselstörung mit einer ernsten Herzmuskelschwäche musste er die nächsten Monate seines Lebens im Krankenhaus verbringen. Auch in den Jahren darauf war Mariusz immer wieder in der Klinik, litt Schmerzen und musste viele Medikamente nehmen. Ende 2008 meinten die Ärzte, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Die Familie suchte Hilfe bei Herzspezialisten in Wien und dann in Gießen, die ihnen neue Hoffnung gaben.
Ehrenamtlich übersetzt bei der Untersuchung durch Prof. Schranz auch der »Hoffnungsschimmer«-Helfer Martin Kurzeja. Als er Edyta Stepniak mitteilt, dass sie vorerst die Heimreise antreten muss, fließen bei ihr einige Tränen. Sie hatte gehofft, dass ihr Sohn in Gießen bleiben und sehr bald ein neues Herz bekommen kann. Schranz nimmt sie kurz in den Arm: »Wir schaffen das.«
Mariusz – so erläutert der Kinderarzt – könne erst dann auf die Liste der Organisation Eurotransplant gesetzt werden, wenn weitere Spenden eingegangen seien. »Zwischen einem Tag und einem Jahr« könne es dann dauern, bis ein passendes Herz zur Verfügung steht, erläutert der Kinderarzt. »20 Prozent der Patienten sterben in der Wartezeit«, vor allem weil für Organspenden in Deutschland die ausdrückliche Zustimmung des Verstorbenen – per Organspenderausweis – oder seiner Angehörigen nötig ist.
Damit Patienten aus dem Ausland geholfen werden kann, auch wenn deren Krankenkasse die Behandlung in Gießen nicht bezahlt, hat das Rhön-Klinikum als Träger des Universitätsklinikums einen Fonds eingerichtet. Der sei aber derzeit erschöpft, schildert Schranz: Rund 250 000 Euro habe die Transplantation für ein Mädchen aus dem Kosovo samt Vor- und Nachbehandlung gekostet.
Für Schranz stehe außer Frage, dass ihr geholfen werden musste, so wie es auch für Mariusz eine finanzielle Lösung geben müsse: »Wenn ich sehe, dass die Transplantation die einzige Chance ist, muss ich sie anbieten. Nicht nur Reiche sollten sich notwendige Medizin leisten können.« Der Arzt appelliert an die Leser: »Viele Autos auf den Straßen sind deutlich teurer als eine Herztransplantation. Kinder haben sicherlich einen höheren Wert als solch materielle Dinge. Ich bitte alle um Unterstützung, dass Mariusz ein neues Leben erhält! Wir sind dazu verpflichtet!«

Das Herz ist zu groß und schlägt schwach, doch Mariusz’ Zustand ist einigermaßen stabil, stellte Kinderherzzentrum-Leiter Prof. Dietmar Schranz bei der Untersuchung diese Woche in Gießen fest. Er und Mariusz’ Mutter Edyta Szepniak (l.) hoffen nun auf Geldspenden.

Quelle: Giessener Allgemeine (2010-05-29)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2010-05-31 bis 2010-07-31
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Universitätsklinikum Giessen, Rudolf-Buchhein-Str. 8, D-35392 Giessen
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