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Warum Männer nicht Väter werden können
Neue Klinische Forschergruppe KFO 181 geht molekularen Ursachen männlicher Fruchtbarkeitsstörungen nach

Gießen (if). Was sagt der Arzt, wenn er mit seinem Latein am Ende ist? »Das ist eben idiopathisch« – was im Klartext bedeutet: »Die Ursache ist bis heute unbekannt«. Während Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit bei Frauen relativ gut erforscht sind, lässt sich bei einem hohen Prozentsatz von Männern bisher keine Erklärung für das Scheitern des Wunsches finden, Vater zu werden. Ihre Fruchtbarkeitsstörung ist also idiopathisch. Die WHO schätzt, dass diese Art männlicher Unfruchtbarkeit sieben Prozent beträgt, wobei man vermutet, dass bei mindestens einem Drittel davon die Spermienbildung quantitativ oder qualitativ unzureichend ist oder ganz fehlt. In einer neuen, zunächst auf drei Jahre angelegten »Klinischen Forschergruppe« der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) »Male Factor Infertility due to impaired Spermatogenesis« (KFO 181) werden Kliniker und Grundlagenforscher aus Gießen und Marburg in sechs Einzelprojekten solchen bisher unbekannte Faktoren der männlicher Sterilität nachgehen. Dafür stehen in der ersten dreijährigen Bewilligungsperiode Mittel in Höhe von 2,235 Millionen Euro zur Verfügung. Zur langfristigen Etablierung des traditionsreichen Gießener Schwerpunktes Reproduktionsmedizin wurde zusätzlich ein Zentralprojekt mit der Einrichtung einer W2-Forschungsprofessur bewilligt. Eine Andrologie-Professur ist ausgeschrieben.
Die Leitung von KFO 181 hat der Urologe Prof. Klaus Steger inne, Sprecher ist der Dekan des Fachbereichs Medizin und Direktor der Urologischen Uniklinik Gießen, Prof. Wolfgang Weidner.
In der Forschergruppe sind Gießener Veterinärmediziner aus dem Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie (Prof. Martin Bergmann), Gießener und Marburger Urologen (Prof. Steger, Prof. Weidner und PD. Dr. Konrad), Innere Medizin (Prof. Friedrich Grimminger) und Medizinische Mikrobiologie (Prof. Trinad Chakraborty) vertreten. Weitere bedeutende Projekte bearbeiten die Gießener Anatomen und Zellbiologen um Prof. Eveline Baumgart-Vogt, Prof. Ralf Middendorf und Prof. Andreas Meinhardt mit dem Zellbiologen Prof. Lüers (Marburg). Eingebunden in das Projekt sind ferner Prof. Hans-Christian Schuppe aus der Gießener Hautklinik und der Urologe Dr. Thorsten Diemer.
Mit der Etablierung der Forschergruppe, die durch eine inzwischen ausgeschriebene molekularbiologische ausgerichtete Andrologieprofessur bereichert wird, honoriert die DFG zugleich mit dem maßgeblich von den Professoren Schill (Gießen) und Krause (Marburg) inspirierten reproduktionsmedizinischen Forschungsschwerpunkt auch die inzwischen in internationaler Kooperation erzielten bemerkenswerten andrologischen Forschungsergebnisse auf molekularer Ebene. Eine wesentliche Grundlagen dafür sind die von dem Veterinäranatomen Prof. Bergmann begründete und die von dem Andrologen Prof. Hans-Christian Schuppe aufgebauten Sammlungen von rund 4000 reiskorngroßen Gewebeproben, die bei diagnostischen Hodenbiopsien oder im Rahmen der TESE-Behandlung in der Urologischen Uniklinik anfielen.
Zugleich gelang es Prof. Baumgart-Voigt und ihren Mitarbeitern ein Mausmodell zu schaffen. Dank der »Knock-out«-Maus ist es nun möglich, die hormonellen Einflüsse auf die Spermienbildung zu ermitteln – beispielsweise, ob und in welcher Art das »Männlichkeitshormon« Testosteron auf molekularer Ebene bei der Samenbildung beteiligt ist.
Dem Baumgart-Vogt-Team ist es mittlerweile auch gelungen, in Zellen des Hodengewebes sogenannte Peroxysomen – bestimmte Zellorganellen – nachzuweisen, die innerhalb der Zelle jeweils ganz bestimmte lebenswichtige Aufgaben zu erfüllen haben.
In einer ersten Stellungnahme zeigte sich gestern vor Journalisten Dekan Professor Weidner über die Errichtung der Klinischen Forschergruppe erfreut. Sie werde die Forschungsschwerpunkte Herz-Kreislauf, Infektiologie und Immunologie ergänzen, und – aufbauend auf den bisherigen reproduktionsmedizinischen Aktivitäten, Gießen zu einem bundesweit führenden Zentrum dieser Forschungsrichtung machen.

Quelle: Giessener Allgemeine (2008-02-12)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
veröffentlicht von 2008-02-12 bis 2008-04-13


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