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(fod). Temperaturen knapp unter der 40-Grad-Marke haben an diesem Wochenende die Gießener mächtig ins Schwitzen gebracht. Die für Mitteleuropa ungewöhnlich hohen Werte machen vielen Menschen schwer zu schaffen, das gilt für ältere wie auch jüngere. Manch einer musste sogar die Hilfe von Krankenhäusern in Anspruch nehmen. Dabei war zu sehen, dass die vorher gemachten Fehler fast immer dieselben sind, wie eine Umfrage des Anzeigers am Wochenende belegt.
So bekamen es zum Beispiel Oberarzt Dr. Johann Mermi und Assistenzarzt Dr. Peter Menger am Evangelischen Krankenhaus in mehreren Fällen mit Patienten zu tun, die ganz einfach zu wenig getrunken hatten und wegen Austrocknung behandelt werden mussten. Johann Mermi berichtet unter anderem von einem älteren Herrn, der gleich nach dem Aussteigen aus dem Auto vor dem Klinikseingang kollabiert war. „Er war sonst gesund, hatte aber einige Stunden lang nichts mehr getrunken“, schildert der Kardiologe. Der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust war einfach zu groß. Nachdem man ihn für einige Zeit an eine Kochsalzlösung gehängt hatte, ging es dem Mann rasch wieder besser. Problematischer sei es, so Mermi, bei vorliegenden Erkrankungen wie etwa Herzrhythmusstörungen oder einer gestörten Nierenfunktion: hier kommt der Körper noch viel schneller an seine Grenzen.
Ein solcher Kollaps kann aber auch einem kleinen Jungen widerfahren, wie Peter Menger erlebt hat. „Er war den ganzen Tag auf den Beinen und ist in der prallen Sonne herumgetobt, ohne ausreichend zu trinken“, erzählt der Arzt. Am Abend passierte es dann: dem Kleinen wurde aufgrund Volumenmangels schwindelig und er fiel hin und brach sich das Handgelenk. „Kinder sollten auf jeden Fall eine Kopfbedeckung tragen“, rät Menger. Während Johann Mermi generell jedem von einem längeren Aufenthalt in der Sonne rund um die Mittagszeit abrät. Wie rasch der Körper austrocknet, hat Peter Menger an sich selbst gemerkt: Sowohl auf dem Hinweg zur Klinik als auch dem Rückweg mit dem Fahrrad habe er jeweils einen dreiviertel Liter trinken müssen. „Je nach Aktivität sind sogar vier bis fünf Liter notwendig“, weiß der Assistenzarzt.
Wer jetzt aber glaubt, auch mit Alkohol, wie etwa einem kühlen Bier, dem Flüssigkeitsverlust entgegenwirken zu können, der irrt. Denn hierdurch komme es zu einer Erweiterung der Blutgefäße und das Herz müsse zusätzliche Arbeit verrichten, gibt Prof. Hans-Dieter Walmrath, Oberarzt in der Notaufnahme der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums, zu bedenken. Dort hatte man am Wochenende ebenfalls einige Hitzefälle zu versorgen. So erzählt Walmrath von einer älteren Frau, die sogar in ihrer überhitzten Wohnung einen Schwächeanfall erlitten habe, auch hier wieder, weil sie das regelmäßige Trinken vergaß. Damit es erst gar nicht so weit kommt, empfiehlt Dr. Stefan Steidl, Leitender Oberarzt der Geriatrie-Abteilung am St. Josefs Krankenhaus, älteren Menschen einen einfach durchzuführenden Selbsttest: „Zieht man die Haut am Handrücken mit zwei Fingern hoch und sie bleibt dann stehen, ist das ein Anzeichen für einen Flüssigkeitsmangel“, erläutert er. Jedoch müssten Herzpatienten vorsichtig sein: „Wenn sie zu viel auf einmal trinken, ist das für sie nicht gut.“ Denn das Pumporgan müsse somit mehr Arbeit leisten.
Vorsicht ist ebenso vor dem Sprung ins kühle Nass geboten. „Wer aus der prallen Sonne direkt ins Schwimmbad oder den Baggersee geht, bei dem kann es schnell zu schwereren Kreislaufstörungen kommen“, warnt Hans-Dieter Walmrath. Hier sollte man sich schrittweise an die Wassertemperatur gewöhnen, empfiehlt er. Dass natürlich auch die Haut gegen die kräftige Sonneneinstrahlung mit zum Hauttyp passenden Produkten geschützt werden muss, versteht sich von selbst.
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