| Weitere 1,4 Millionen für »Pneumonie«-Forscher |
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Gießener Gruppe arbeitet an neuen Diagnose- und Behandlungsmethoden – Staatssekretär Braun informierte sich
Gießen (if). Die Geschichte der Medizin scheint voller Erfolge. Pest und Cholera: ausgerottet. Pocken und Kindbettfieber: besiegt. Doch der Eindruck, Infektionskrankheiten seien nur noch ein medizinhistorisches Kapitel, täuscht. Während von A bis W – von Aids bis Wundstarrkrampf – immer neue Erreger drohen, werden ursprünglich bejubelte »Wunderwaffen« zunehmend stumpfer. Im Klartext: Noch immer sind Infektionskrankheiten die weltweit häufigste Todesursache, Infektionen im schlimmsten Fall eine tödliche Waffe.
Vor drei Jahren hat das Bundesforschungsministerium die Konsequenz aus der Tatsache gezogen, dass die namentlich in Deutschland einst so traditionsreiche Infektiologie – die Lehre von den ansteckenden Krankheiten – nur noch mit zwei Lehrstühlen (in Berlin und in Rostock) an den über 30 Medizinischen Fakultäten vertreten ist. Mit dem Aufbau »Klinischer Forschergruppen« und deren Förderung aus dem Bundeshaushalt sollte die infektiologische Forschung an klinischen Einrichtungen daher gezielt gestärkt werden.
Die in Gießen unter der Leitung von Prof. Jürgen Lohmeyer aus dem Zentrum für Innere Medizin entstandene Gruppe ist für die Periode 2007 bis 2010 aus diesem Programm bereits mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert worden. Weitere 1,4 Millionen werden in den kommenden drei Jahren die Fortführung der Arbeiten sichern. Für diese zweite Runde lagen 21 Anträge vor, von denen lediglich vier – darunter der aus Gießen – berücksichtigt wurden.
Nachdem der entsprechende Bewilligungsbescheid vor einigen Tagen bereits per Post eintraf, informierte sich gestern früh der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Dr. Helge Braun (CDU), bei einem Rundgang durch die Labors und im Gespräch mit Lohmeyer, Oberarzt Dr. Thomas Discher, Dr. Susanne Herold und Dr. Mirko Steinmüller über die bisherigen Ergebnisse und den Fortgang der Arbeiten. Sie kreisen am Beispiel der Lungenentzündung um die Wechselwirkung zwischen Erreger und Zielorgan. In der jetzt anlaufenden zweiten Phase sollen aus diesen Erkenntnissen neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden. Die mittlerweile gelungene Identifizierung zweier Moleküle, die im Entzündungsprozess eine modulierende Rolle spielen, stimmt Lohmeyer und seine Mitarbeiter zuversichtlich im Hinblick auf die Entwicklung schonender Abwehrstrategien, die sozusagen »mit Samthandschuhen« in das Krankheitsgeschehen eingreifen. Interessant auch im Hinblick auf die generell anstelle der evidenzbasierten Therapie angestrebte Individualisierung der Therapie: Die bisherigen Ergebnisse stützen die Annahme, dass der Ablauf von Entzündungen jeweils ganz bestimmten, organspezifischen Abwehrreaktionen unterliegt.
Parallel zu den Forschungsarbeiten ist in enger Kooperation mit Medizinischer Mikrobiologie und Virologie das Lehrangebot in klinischer Infektiologie am Fachbereich gestärkt und über die strukturierte Weiterbildung schon jetzt eine Ausweitung des Versorgungsangebotes erreicht worden. »Nach dem Umzug ins neue Klinikumsgebäude und über eine verbesserte Infrastruktur werden wir das Versorgungsangebot für Patienten mit Infektionskrankheiten weiter optimieren können« – davon zeigte sich Lohmeyer überzeugt, der zugleich stellvertretender Sprecher des neuen Sonderforschungsbereiche »Immunität der Lunge« ist.
Staatssekretär Dr. Helge Braun (Mitte) nach dem Gespräch mit (v. l.) Dr. Mirko Steinmüller, Prof. Jürgen Lohmeyer, Dr. Susanne Herold und Dr. Thomas Discher. (Foto: if)
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2010-07-14) |
| Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2010-07-14 bis 2010-09-13 |
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