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Preisverleihung der Behring-Röntgen-Stiftung – Bisher sechs Millionen Euro ausgeschüttet
Gießen/Marburg (if). Die Chance einer Zusammenarbeit Gießen-Marburg werde »noch nicht mit ausreichender Entschlossenheit ergriffen«, hatte der Wissenschaftsrat –höchste Beratungsinstanz der Bundesregierung – Anfang Mai in seiner Bilanz zu Fusion und Privatisierung beider Universitätsklinika bemängelt. Allerdings sei »die Rivalität beider Standorte und die damit verbundene emotionale Komponente« dabei nicht zu unterschätzen. Als am Dienstag die noch junge, vom Land Hessen mit satten 100 Millionen Euro ausgestattete »Von Behring-Röntgen-Stiftung« drei herausragende Forscher beider Standorte ehrte, war von solcher Rivalität kaum etwas zu spüren.
Gießens Universitätspräsident und Marburgs Universitätspräsidentin, Marburgs Oberbürgermeister und Gießens Stadtverordnetenvorsteher jedenfalls applaudierten einträchtig zusammen mit dem Regierungspräsidenten und dessen Vorgänger samt der Prominenz beider medizinischer Fachbereiche den Preisträgern in der neogotischen Pracht der Marburger alten Aula, die erst 1902 fertiggestellt worden war: es war im selben Jahr, als die Namensgeber der Stiftung, von Behring – eng mit Marburg – und Röntgen – eng mit Gießen verbunden –, ihre Nobelpreise erhielten
Dr. Stephanie Lefèvre, dieser Tage erst mit »summa cum laude« promoviert, wurde mit dem mit 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis ausgezeichnet. Die 30-jährige Diplombiologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Ulf Müller-Ladner an der Gießener Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie, hat durch ihre Arbeiten in Bad Nauheim wesentlich zum Verständnis der Ausbreitung der rheumatoiden Arthritis auf noch nicht betroffene Gelenke beigetragen, wie Medizin-Prodekan Prof. Reinhard Schnettler in seiner Laudatio unterstrich. Für wegweisende Arbeiten zur Aufklärung der Nierenfibrose – einer krankhaften Vermehrung von Bindegewebe – wurde danach Dr. Ivica Grgic ausgezeichnet. Der 32-Jährige war vor sechs Jahren aus Berlin an die Klinik für Innere Medizin am Standort Marburg gekommen.
Ein bewegender Höhepunkt des Festaktes bildete die Ehrung von Prof. Dr. Drs. mult. Andreas Oksche, des langjährigen Direktors des Anatomischen Instituts der Justus-Liebig-Universität. Die erstmals verliehene »Von Behring-Röntgen-Forschungsmedaille« gilt seiner Lebensleistung. Mit der Klärung der sekretorischen Fähigkeit von Neuronen machte Oksche, der im kommenden Jahr seinen 85. Geburtstag begehen kann und der nach Medizinstudium in Marburg und Forschungsarbeiten in New York 1964 auf den Lehrstuhl für Anatomie in Gießen berufen worden war, sein Institut zu einer weltweit renommierten Adresse. Zugleich verkörpert er in eigener Person die engen und noch immer von vielfältigen persönlichen Freundschaften geprägten Verbindungen beider Universitäten.
Im Festvortrag ging Staatsminister Jürgen Bantzer auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung und die noch wachsende Bedeutung der Palliativmedizin ein, die es zu bewältigen gelte.
Der Präsident der von Behring-Röntgen-Stiftung, Prof. Joachim Felix Leonhard, gab in seinem Schlusswort einen gerafften Überblick über die bemerkenswerten Leistungen der erst 2006 vom Land Hessen gegründeten Stiftung »zur Förderung der Forschung und Lehre an den medizinischen Fachbereichen der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen«. Sechs Millionen Euro konnten seither für weit über dreißig Vorhaben bereitgestellt werden. Auf die Ausführungen des Wiesbadener Gastes eingehend, bemerkte er, sie könnten durchaus Anlass zu Überlegungen geben, in Hessen eine eigene Stiftungsprofessur für Palliativmedizin zu begründen.
Beim abschließenden Stehempfang standen Marburger und Gießener Gäste noch lange beisammen. Für eher heiteren Gesprächsstoff in mancher Runde – trapste da die Rivalitätsnachtigall? – sorgte eine Anregung der Hausherrin. Universitätspräsidentin Prof. Katharina Krause hatte, an Regierungspräsident Dr. Lars Witteck gewandt, angeregt die Bezeichnung »Mittelhessen« – »das klingt so nach mittelmäßig« – künftig vielleicht durch »Oberhessen« zu ersetzen. Schnettler, der Medizin-Prodekan der Justus-Liebig-Universität, konterte prompt aus »Gießener Position«: »Wäre nicht vielleicht ›Zentralhessen‹ noch progressiver?«
Prof. Andreas Oksche (M.) erhielt die erstmals vergebene »Von Behring-Röntgen-Forschungsmedaille«, ausgezeichnet wurden außerdem Dr. Ivica Grgic
(2. v. l.) und Dr. Stephanie Lefèvre. Außen Stiftungspräsident Prof. Joachim Felix Leonhard (r.) und -Vizepräsident Prof. Friedrich Grimminger. (Foto: if))
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