|
Große Freude bei Familie und Unterstützern – Bis zur Herztransplantation steht vielleicht »noch ein langer Weg« bevor
Gießen (kw). Monatelang haben sie sozusagen die Luft angehalten – nun können sie aufatmen: Der zehnjährige Mariusz Stepniak, seine Familie und seine zahlreichen Unterstützer haben diese Woche eine gute Nachricht aus Gießen erhalten. Die Rhön Klinikum AG als Betreiber des Gießener Universitätsklinikums hat der Behandlung des herzkranken Jungen zugestimmt. Bereits am heutigen Samstag reist er mit seiner Mutter nach Deutschland, am Sonntag soll Mariusz im Klinikum aufgenommen werden. Dann wird er für die Herztransplantation vorbereitet.
Möglich gemacht haben das die Spenden unter anderem von zahlreichen AZ-Lesern, die in den vergangenen acht Wochen dem Aufruf der Gießener Allgemeinen gefolgt sind. Mehr als 96 000 Euro sind bisher zusammengekommen, allein diese Woche wurden fast 5000 Euro gespendet. Für den Löwenanteil dieses Geldes sorgten neben zwei polnischen Stiftungen vor allem die ehrenamtlich Aktiven der Organisation »Hoffnungsschimmer/Light of Hope«, die auch die AZ angesprochen und als Unterstützer gewonnen hatten. Jeder Spender habe zu dem jetzt erreichten Erfolg beigetragen, betont die »Hoffnungsschimmer«-Mitstreiterin Iwona Wojtek. Die Familie müsse nicht länger mit dem Bewusstsein leben, dass eine eigentlich mögliche medizinische Behandlung Mariusz verwehrt bleibt.
Die Chancen, dass der an dilatativer Kardiomyopathie – einer Herzmuskelerkrankung – leidende Zehnjährige ein weitgehend normales Leben wird führen können, sind nun sprunghaft gestiegen. Bis Mariusz wirklich ein neues Herz erhält, könne es allerdings »noch ein langer Weg« sein, weiß Iwona Wojtek. Zunächst muss er auf die Liste von Eurotransplant kommen. Bis zu einem Jahr kann es dann dauern, bis ein passendes Organ zur Verfügung steht.
Weil völlig unklar ist, wie lange Mariusz im Klinikum bleiben wird, wird um weitere Spenden gebeten (siehe Kasten). Darauf weist Uniklinikum-Sprecher Frank Steibli hin. Teuer käme insbesondere der Einsatz eines Kunstherzes vor oder nach der Transplantation. Auch die Kosten der Behandlung außerhalb des Klinikums seien möglicherweise noch nicht gedeckt. Sollte das Geld – aus welchen Gründen auch immer – nicht für Mariusz benötigt werden, so würde die Deutsche Herzstiftung es für andere Kinder mit ähnlichen Schwierigkeiten einsetzen.
Nach wie vor willkommen war deshalb auch die jetzt eingetroffene Unterstützung von Vitali und Wladimir Klitschko. Die boxenden Brüder haben der Organisation »Hoffnungsschimmer« einige signierte Geschenke zur Verfügung gestellt, die demnächst zu Mariusz’ Gunsten auf der Internet-Auktions-Plattform Ebay versteigert werden sollen.
»Das beste Geburtstagsgeschenk«
»Die gute Nachricht konnte nicht zu einem besseren Zeitpunk kommen«, berichtet »Hoffnungsschimmer«-Gründerin Izabela Sokolowska Fengaras. Sie war diejenige, die die Familie im polnischen Zgierz über die positive Entscheidung des Uniklinikums informiert hat. Wie sich herausstellte, hatte Mariusz’ Mutter Edyta Stepniak just an jenem Tag Geburtstag und erhielt nun »das beste Geschenk« ihres Lebens. »Durch all die Sorgen und Ängste, die sie seit Mariusz’ Geburt durchzustehen hatte, wäre dies wieder einmal kein freudiges Ereignis gewesen, sondern ein weiterer schwerer und trauriger Tag, an dem ihre Gedanken um nichts anderes als das Schicksal ihres Sohnes kreisten«, erzählt Izabela Sokolowska Fengaras. »Nicht so dieses Mal.« Als Edyta Stepniak die gute Nachricht hörte, war sie einige Minuten ganz still – dann flossen Tränen des Glücks. Sie wagt nun eher daran zu denken, dass Mariusz eines Tages mit anderen Kindern spielen und toben kann – »die Welt entdecken, die ihm bisher verschlossen gewesen ist«.
Auch die Mitglieder von »Hoffnungsschimmer« seien »zutiefst berührt«, dass ihr so lange verfolgtes Ziel in greifbare Nähe rückt. »Das Gute triumphiert über die Verzweiflung und Trauer«, meint die einst selbst schwer kranke Tänzerin. »Der Kampf wird nicht nachlassen, bis ein gesunder Junge die Klinik wird verlassen können.«
Auch der Gießener Kinderherzzentrum-Leiter Prof. Dietmar Schranz hatte eindringlich zu Spenden für Mariusz aufgerufen. Das Bild entstand bei der letzten Untersuchung in der Universitäts-Kinderklinik Ende Mai, morgen wird Mariusz mit seiner Mutter Edyta Stepniak (l.) dorthin zurückkehren. (Foto: Schepp)
|