News Druckversion
 
Hilfe für traumatisierte Menschen: Spezielle Sprechstunde gestartet
Spezielle Sprechstunde mit Studie zu EMDR-Therapie gestartet - Noch Teilnehmer gesucht

GIESSEN (V). Das tödliche Gedrängel auf der Loveparade in Duisburg hat viele Teilnehmer schockiert. Viele haben um ihr Leben gefürchtet, haben andere Menschen sterben sehen und konnten nicht helfen. Traumatisiert aber sind auch die Einsatzkräfte, die versucht haben, Leben zu retten. Eine solche Massenpanik, aber auch schwere Verkehrsunfälle oder Überfälle, lebensbedrohliche Erkrankungen sowie Naturkatastrophen oder Kriegserlebnisse können Menschen nachhaltig traumatisieren. Sie entwickeln Schlafstörungen, sind angespannt und erleben in der Erinnerung die Katastrophen noch nach Jahren so, als wären sie ganz aktuell.

Diese Symptome sind Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Klinik für Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum in Gießen startet nun ein Forschungsprojekt zur Behandlung von Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Dafür werden noch Teilnehmer gesucht, heißt es in einer Pressemitteilung.

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) sei ein effektives Verfahren zur Behandlung von diesen Menschen. Bei dieser Methode folge der Patient mit den Augen der sich hin und her bewegenden Hand des Therapeuten, während er sich an das belastende Erlebnis erinnert. Dieses Durcharbeiten der belastenden Erlebnisse führe zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden. Die Wirksamkeit der EMDR-Behandlung sei wissenschaftlich bereits sehr gut nachgewiesen. Dennoch sei nach wie vor unklar, wie EMDR wirke. „Wird der spezifische Effekt durch die Augenbewegungen ausgelöst und aktiviert die Therapie auf diese Weise ähnliche Verarbeitungsprozesse wie der REM-Schlaf?“ In dieser Schlafphase bewegen sich die Augen schnell hin und her, und es wird intensiv geträumt und wir verarbeiten die Erlebnisse des Tages. Unter anderem diese Frage überprüfen die Wissenschaftler der JLU bei insgesamt 192 Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung. Alle Patienten erhalten kostenlos eine EMDR-Therapie durch einen EMDR-Spezialisten. Unterschiedliche Anwendungen von EMDR werden miteinander verglichen. Während der Therapie werden Herz-Kreislauf-Funktionen begleitend gemessen.

Prof. Johannes Kruse, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, ist für die Studie verantwortlich. Er setzt große Erwartungen in das Projekt: „Wir gehen davon aus, dass die Studie einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Wirkmechanismen der EMDR-Behandlung erbringen wird. Damit bietet sie eine Grundlage für weitere Verbesserungen der psychotherapeutischen Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörungen.“ Die ersten Behandlungen im Rahmen der Studie haben bereits begonnen, wie die Universität mitteilt. Dr. Markus Stingl, Leiter der Traumasprechstunde in der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie und Projektkoordinator, berichtet über sehr erfolgreich verlaufende EMDR-Therapien. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Studie, die in Kooperation mit der Technischen Universität München durchgeführt wird, zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren.

Für die Studie werden noch Patienten gesucht, die an posttraumatischer Belastungsstörung leiden und einen Therapiewunsch haben. Die Kontaktaufnahme ist möglich über die Traumasprechstunde der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie bei Dr. Markus Stingl, Ludwigstraße 76, 35393 Gießen, telefonisch unter 0641/99-45631.


Quelle: Giessener Anzeiger (2010-07-28)
Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/
veröffentlicht von 2010-07-28 bis 2010-09-27