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Inhalt
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Giessener Anzeiger, 2005-06-23
Frauenklinik erprobt Fünf-Gänge-Menüs
Fertiggerichte ohne Konservierungs- und Farbstoffe werden am Buffetwagen angeboten - Flexible Essenszeiten
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Giessener Allgemeine, 2005-06-21
Darmkrebs? Kein Weg führt an Operation vorbei
Dr. Maria Vollerthun beim Semester-Abschluss der Medizin-Senioren - Appell an Prof. Oehmke: Weitermachen
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Giessener Anzeiger, 2005-06-20
Rektale Untersuchung zwar unangenehm, aber sehr effektiv
Chirurgin Maria Vollerthun informierte Medizin-Senioren an JLU über Erkennung und moderne Behandlungsmethoden von Dickdarmerkrankungen
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Giessener Anzeiger, 2005-06-18
Entschieden gegen Marburger Planungsziele
Fachbereichsrat Medizin der JLU verabschiedet Stellungnahme
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Giessener Anzeiger, 2005-06-17
100000 Flugblätter gegen Privatisierung
SPD startet Aktion zu Uni-Kliniken - "Fusionsgesetz enthält eine Vielzahl von Problemen"
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Giessener Allgemeine, 2005-06-16
Raus aus dem Hörsaal und rein in die Praxis
Bei Workshop für Notfallmedizin übten Studenten das richtige Verhalten im Ernstfall - Großer Andrang
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Giessener Anzeiger, 2005-06-14
"Parodontitis ist eine der heimtückischsten Entzündungen"
Prof. Jörg Meyle weist auf erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall hin
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Giessener Allgemeine, 2005-06-13
Ist es womöglich Alzheimer oder eher harmlos?
Prof. Richard Bauer schilderte bei den Medizinsenioren die Einsatzmöglichkeiten der Nuklearmedizin
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Giessener Anzeiger, 2005-06-11
"Ich habe gesehen, dass ich nicht alleine bin"
Pilotprojekt für pflegende Angehörige im Uniklinikum - Rückenschonendes Verhalten erlernen - Überforderung vermeiden
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Giessener Anzeiger, 2005-06-11
"Die Verabschiedung haben wir so kommen sehen"
Landtagsentscheidung zur Klinik-Fusion löst unterschiedliche Reaktionen aus - SPD nimmt Möller ins Visier - FDP: CDU-Arroganz
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Giessener Allgemeine, 2005-06-11
Personalrat und SPD prüfen rechtliche Schritte
Klinikumsgesetz: Hanschur befürchtet Kündigungen nach 2010 – Schäfer-Gümbel hält Klage für denkbar – Reaktionen
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Giessener Anzeiger, 2005-06-10
"Das ist ein Pfund, mit dem wir gut wuchern können"
Sildenafil zur Behandlung von Lungenhochdruck zugelassen - Hilfe für Millionen Menschen
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Giessener Anzeiger, 2005-06-10
Landtag macht den Weg für Fusion der Uni-Kliniken frei
Minister Corts: Haben uns gut beraten lassen - Opposition verweist auf mögliche Risiken
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Giessener Allgemeine, 2005-06-10
Weg frei für »Uniklinikum Gießen und Marburg«
Landtag beschließt Gesetz mit CDU-Mehrheit - SPD und Grüne scheitern mit Versuch, die Privatisierung zu verhindern
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Giessener Allgemeine, 2005-06-10
Gießener Lungenforschung ist weltweit Spitze
Vielversprechende US-Zulassung von Potenzpillen-Wirkstoff bei Lungenhochdruck - Erfolg der Mount-Everest-Expedition
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Giessener Allgemeine, 2005-06-10
MVZ am Klinikum
Ambulante und stationäre Behandlung eng verzahnt
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Giessener Anzeiger, 2005-06-08
Opposition fordert Aufschub für Fusion und Privatisierung
Landtag debattiert Zukunft der Uni-Kliniken - Gesetz soll Donnerstag verabschiedet werden
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Giessener Allgemeine, 2005-06-08
»Oh Anneliese - ich liebe Deine Hypophyse . . .
. . . nicht mal so groß wie eine Bohne / lenkt sie das Fließen der Hormone« - Neurochirurg Dr. Oertel vor Medizin-Senioren
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Giessener Allgemeine, 2005-06-08
Klinika: Dritte Lesung notwendig
CDU und Opposition halten im Landtag an ihren bisherigen Positionen fest
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Giessener Anzeiger, 2005-06-08
Ehrendoktorwürde für einen "Freund der Universität"
Fachbereich Medizin würdigt Verdienste von Prof. Erol Düren - Dank an Mitarbeiter
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Giessener Anzeiger, 2005-06-07
Wenn das Gesichtsfeld halbseitig gelähmt ist
Dr. Matthias Oertel erläutert Medizin-Senioren Bedeutung der Hirnanhangdrüse - Kooperation mit Augenärzten und Internisten
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Giessener Allgemeine, 2005-06-06
Auftakt zur »Istanbuler Woche« der Medizin
Seit 30 Jahren besteht »Deutsch-Türkischer Ärzteverein« - Direktor des »Alman Hastanesi« wird Gießener Ehrendoktor
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Giessener Allgemeine, 2005-06-04
Dekan: Gesetzentwurf zu Klinika bleibt unverändert
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Giessener Anzeiger, 2005-06-04
Neues Kapitel Gießener Medizingeschichte
Freude über 500. Nierentransplantation - Führende Stellung ausgebaut - Patient erhielt bereits 1988 neues Herz im Klinikum
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Giessener Allgemeine, 2005-06-03
Die 500. Niere seit 1993 bekam Christian (18)
Der vorbildliche Einsatz für Organspenden im Transplantationszentrum des Uniklinikums Gießen wird offiziell gewürdigt
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Giessener Allgemeine, 2005-06-02
Reaktion auf Aberle
Ministerium: Zeitplan zur Klinika-Privatisierung bleibt
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Giessener Allgemeine, 2005-06-02
Weniger Schmerzen, schnellere Wundheilung
Klinische Studie in der Orthopädie: Forschungsgruppe überprüft neues Fremdblut-Sparverfahren bei Kniegelenksersatz
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Giessener Anzeiger, 2005-06-02
"Pilotstudie hat ermutigende Ergebnisse gezeigt"
Forschungsgruppe Autologer Verfahren (IFA) des Uni-Klinikums evaluiert Einsatz von autologem Fibrinkleber bei implantatchirurgischen Eingriffen
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Giessener Allgemeine, 2005-06-01
»Zeitplan für Klinika-Privatisierung nicht haltbar«
Wettbewerbs-Experte Aberle: Kartellamtsprüfung wird Monate dauern – Verfahren kann sich bis 2007 hinziehen
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Giessener Allgemeine, 2005-05-31
Privatisierungsverfahren für Klinika eingeleitet
Land fordert Bewerber zur »Abgabe der Interessensbekundung« auf - Unterlagen sollen bis zum 23. Juni vorliegen
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Giessener Anzeiger, 2005-05-31
"Risiken müssen abschätzbar sein"
Beer und Greilich zur Zukunft der beiden Unikliniken
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Giessener Allgemeine, 2005-05-28
Neu in Gießen: Schule für Schlüssellochchirurgie
OP-Kurse für Ärzte mit besonders breitem Spektrum - Bei Premiere mehr als 20 »Schülerinnen im Sari« aus ganz Indien
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Giessener Anzeiger, 2005-05-28
"Der Anästhesist ist der wichtigste Monitor"
Anästhesist Dr. Jörg Engel von der Abteilung für Anästhesiologie des Uni-Klinikums erläuterte Medizin-Senioren, wie heute bei Narkosen vorgegangen wird
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Giessener Anzeiger, 2005-05-28
"Ich war viel mobiler als beim ersten Mal"
Orthopädie wendet als einziges Zentrum beim Einsatz eines Hüftgelenks "minimal-invasive Implantationsmethode" an
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Giessener Allgemeine, 2005-05-27
Seniorenvorlesung zur Narkose
Risiko? Gefährlicher ist der Straßenverkehr
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Giessener Anzeiger, 2005-05-27
"Privatisierungsklamauk" kritisiert
Personalräte und Verdi rufen Land dazu auf, Gesetzesvorhaben zu Uni-Kliniken auszusetzen - "Die ziehen das durch"
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Giessener Anzeiger, 2005-05-24
SPD setzt auf "solidarische Hilfe für Patienten"
Sozialdemokraten gründen Arbeitsgemeinschaft "Gesundheitswesen" - Beate Karl und Petra Menz zu Sprecherinnen gewählt
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Giessener Anzeiger, 2005-05-21
Hüft-Endoprothesen zeigen große Erfolge
Zum Auftakt des Seniorenvorlesungsprogramms sprach Prof. Henning Stürz über den heutigen Stand künstlicher Hüftgelenke
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Giessener Anzeiger, 2005-05-21
"Uniklinik-Gesetz verfassungswidrig"
Schäfer-Gümbel übt harsche Kritik an Landesregierung
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Giessener Allgemeine Zeitung, 2005-05-20
Professor von Eiff: »Eine Privatisierung ist kein Allheilmittel«
Zukunft der Klinika: AZ-Interview mit dem Ex-Gießener und Krankenhausmanagement-Experten Wilfried von Eiff - Gegen »leistungsfeindliche« BAT-Bezahlung
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Giessener Anzeiger, 2005-05-20
"Uni-Kliniken in bedrohter Situation"
Braun: Veränderung nötig - Arbeitsgruppe tagte in Gießen
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Giessener Anzeiger, 2005-05-20
"Chance ausschließlich in Privatisierung"
Gießener Klinikumsvorstand drängt auf schnellen Verkauf - Marburger Klinikum betont Probleme mit Mehrwertsteuer
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Giessener Anzeiger, 2005-05-19
Kartellamt lässt alle Möglichkeiten offen
Experten sprechen sich bei Anhörung zu Klinikgesetz für Zusammenlegung der Fachbereiche aus - Demo am Freitag
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Giessener Anzeiger, 2005-05-18
Wissenschaftsrat warnt vor Schaden für Uni-Kliniken
Erster Anhörungstag zu geplanter Fusion und Privatisierung - "Interessantes Experiment"
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Giessener Allgemeine, 2005-05-18
Auch das Familienklima wird entspannter
Studie belegt: Gießener Schulungskonzept kann die Bewältigung der Neurodermitis für Kinder und Eltern erleichtern
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Giessener Anzeiger, 2005-05-17
Wenn Kinder wieder lachen können
Abteilung Hämatologie/Onkologie der Gießener Kinderklinik verzeichnet rasanten Anstieg von Blutstammzelltransplantationen
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Giessener Allgemeine, 2005-05-17
Hüftgelenk bis Hypophyse
Heute Start des Medizin-Seniorenprogramms
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Giessener Anzeiger, 2005-05-14
Patienten gehen häufig zu spät zum Arzt
An der Uniklinik für Unfallchirurgie widmet man sich auch der Behandlung der "rheumatisierten Hand"
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Giessener Anzeiger, 2005-05-14
Lernstrategien für Studierende der Medizin vermittelt
Lehrbuchautoren Melanie Königshoff und Rainer Voß gaben interessierten Studierenden der Humanmedizin nützliche Tipps für die Prüfungsvorbereitung
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Giessener Anzeiger, 2005-05-12
DGB Hessen sagt "Nein" zu Privatisierung der Kliniken
Vorsitzender Körzell: Sind für eine Einheit an zwei Standorten
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Giessener Anzeiger, 2005-05-11
Körperspender "dachten an das Leben anderer"
Auf Gräberfeld am Neuen Friedhof wurden 33 Verstorbene feierlich beigesetzt - "Großer Mut und enormes Vertrauen"
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Giessener Anzeiger, 2005-05-11
FDP gegen "hektische Fusion" der Kliniken
Bei Fortsetzung des Kurses Millionen-Schäden befürchtet - Klares "Ja" zur Privatisierung
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Giessener Allgemeine, 2005-05-11
Abschied mit Dankbarkeit und Respekt
Über 200 Gießener Medizinstudenten begleiteten gestern 33 Körperspender zur letzten Ruhe
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Giessener Anzeiger, 2005-05-10
Für Diagnose Krebs reicht Blick in die Augen nicht
Samer El-Safadi stellte beim Onkologischen Patientenseminar Ergebnisse seiner Doktorarbeit vor - Heilpraktiker getestet
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Giessener Allgemeine, 2005-05-07
Pflegeausbildung
Uniklinikum kooperiert mit DRK-Schwesternschaft Marburg
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Giessener Anzeiger, 2005-05-07
Würdigung der Verdienste Gießener Psychosomatiker
Experten suchen an der Justus-Liebig-Universität nach neuen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie bei Hautkrankheiten und deren psychischen Aspekten
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Giessener Allgemeine, 2005-05-06
Wie kommen Gefühle in die Haut?
120 Hautärzte, Psychologen und Psychiater tagen seit gestern in der Uni-Aula
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Giessener Anzeiger, 2005-05-06
Uniklinik kooperiert mit Schwesternschaft
Marburger übernehmen Ausbildung des Pflegepersonals
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Giessener Anzeiger, 2005-05-05
Damit "nicht nur Ärzte gravierende Störungen erkennen"
Über 100 Teilnehmer beim EKG-Seminar am Uni-Klinikum - Vorträge und Workshops
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Giessener Anzeiger, 2005-05-04
"Innovative Arbeiten und weltweite Kontakte"
Prof. Ulf Müller-Ladner hielt Antrittsvorlesung an JLU - Leiter der Rheumatologischen Abteilung der Kerckhoff-Klinik - Professur für Innere Medizin
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Giessener Anzeiger, 2005-05-04
"Innovative Arbeiten und weltweite Kontakte"
Prof. Ulf Müller-Ladner hielt Antrittsvorlesung an JLU - Leiter der Rheumatologischen Abteilung der Kerckhoff-Klinik - Professur für Innere Medizin
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Giessener Anzeiger, 2005-05-03
Klinikärzte tragen Frust über Arbeitssituation auf die Straße
600 Mediziner nehmen in Gießen an Protestzug teil - Weidner: Notfallversorgung gesichert
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Giessener Allgemeine, 2005-05-03
Genereller Test gefordert
Schwangerschaftsdiabetes: »Urintest reicht nicht«
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Giessener Allgemeine, 2005-05-03
Proteste gegen Mehrarbeit und Gehaltskürzung
Am Uniklinikum folgte jeder zweite Arzt dem Streikaufruf des Marburger Bundes - Notfallversorgung war sichergestellt
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Giessener Anzeiger, 2005-05-02
"Grundsätzlich ist jede Geburt toll"
Ausbildung zur Hebamme: Sonja Weihrauch berichtet - Frauenklinik lädt am Mittwoch ab 10 Uhr zu Aktionstag ein
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Giessener Anzeiger, 2005-04-30
Kartellamt sieht "marktbeherrschende Stellung"
Verkauf des Uni-Klinikums Gießen und Marburg droht an Veto der Kontrollbehörde zu scheitern - SPD spricht von Bestätigung
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Giessener Allgemeine, 2005-04-30
Herz- und Lungenforschung in einem Zentrum
Uni und Klinikum Gießen, Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik und Max-Planck-Institut rücken zusammen - Land stimmt zu
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Giessener Anzeiger, 2005-04-29
Fusion der Kliniken gerät immer mehr zur Nervenschlacht
Fachbereichsrat stärkt Piper bei Kritik an Marburg - Erwachsenenherzchirurgie gerettet
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Giessener Anzeiger, 2005-04-28
Ärzte am Uni-Klinikum wollen Montag streiken
Protest gegen verschlechterte Bezahlung und Arbeitsbedingungen - Notfallversorgung soll gewährleistet sein - Demonstration
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Giessener Anzeiger, 2005-04-28
"Entscheidungen im Vorstand nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit"
Senat und Präsidium verständigen sich auf Erklärung zum Entwurf des hessischen Klinikgesetzes
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Giessener Allgemeine, 2005-04-27
Aus sieben Instituten wird Klinisches Zentrum
Pathologen, Pathobiochemiker, Mikrobiologen, Immunologen, Virologen im Klinikum ab sofort »unter einem Dach«
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Giessener Anzeiger, 2005-04-27
Damit Krankheiten erst gar nicht entstehen
Prof. Werner Seeger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, nimmt Stellung zu "Regenerativer Medizin"
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Giessener Anzeiger, 2005-04-27
Weidner optimistisch für Labormedizin
Klinisches Zentrum fasst sieben Institute zu organisatorischer Einheit zusammen - Logistik derzeit noch sehr aufwändig
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Giessener Allgemeine, 2005-04-26
DAK-Gesundheitstelefon
Prof. Winfried Padberg berät zum Thema »Sodbrennen«
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Giessener Allgemeine, 2005-04-26
Tückische Schimmelpilzsporen lauern überall...
...doch Mukoviszidose-Patienten sind besonders anfällig - Ambulanz in Kinderklinik weiter auf Spenden angewiesen
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Giessener Allgemeine, 2005-04-23
Klinikumsvorstand weist Bedenken zurück
Weidner: Privatisierung nützt Gießen und Marburg - Misstrauen unter Beschäftigten eingeräumt - »Keine Alternative«
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Giessener Anzeiger, 2005-04-23
"Nerven der Mitarbeiter liegen blank"
Ärztlicher Direktor fordert klinische Versorgung in vollem Umfang in Gießen und Marburg
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Giessener Anzeiger, 2005-04-23
Pflegende Angehörige lernen rückenschonendes Arbeiten
Uniklinikum bietet Kurse an - Kostenerstattung möglich
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Giessener Allgemeine, 2005-04-21
Hörscreening-Gerät für Frauenklinik von Lions-Club
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Giessener Allgemeine, 2005-04-20
Augenklinik ist »gut gerüstet für die Zukunft«
Prof. Herbert Kaufmann zuversichtlich - Im Herbst großer Augenärztekongress - Fortbildung mit interessanten Themen
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Giessener Allgemeine, 2005-04-19
Statt Einzelsanierungen sogar ein Neubautrakt?
Finanzminister: Klinikums-Sanierung läuft unabhängig von Privatisierungsfragen – Kinderherzzentrum »auf gutem Weg«
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Giessener Allgemeine, 2005-04-18
Diagnose bald schneller und weniger belastend
Mit Preis ausgezeichnet: Gießener Methode zur Erkennung von entzündlichen Vorgängen bei Asthma und Mukoviszidose
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Giessener Allgemeine, 2005-04-16
Professor Tillmanns: Ziel ist eine optimale Patientenversorgung
Heimische Herz-Kreislauf-Spezialisten präsentierten vor 6000 Kardiologen in Mannheim in 13 Vorträgen und Postern »Spitzenforschung made in Gießen«
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Giessener Anzeiger, 2005-04-16
"Ein Zugewinn für den Standort Gießen"
Oberbürgermeister und Baudezernent nehmen Bauantrag für erstes deutsches Kinderherztransplantationszentrum entgegen
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Giessener Allgemeine, 2005-04-15
»1000-Betten-Klinikum muss erhalten bleiben«
Medizin-Dekan Piper gibt insgesamt optimistischen Sachstandsbericht mit Kampfansage an Marburger Klinikumsvorstand
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Giessener Allgemeine, 2005-04-14
In sechs Wochen bereits 150 Kilo »abgeschmolzen«
Erste Erfolgsmeldung aus dem neuen ambulanten »Adipositas-Zentrum« an der III. Medizinischen und Poliklinik
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Giessener Allgemeine, 2005-04-13
Lücke in Behandlung Darmkranker geschlossen
Universitätsklinikum gründet Kooperation mit Dickdarm- und Enddarmspezialisten - Vorteile für alle Beteiligten
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Giessener Anzeiger, 2005-04-12
Darmspezialisten operieren im Uni-Klinikum
Vereinbarung mit Enddarmzentrum Mittelhessen unterzeichnet - Padberg: Das Denken in Sektoren ist überholt
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Giessener Anzeiger, 2005-04-11
Suche nach Blindgänger am Uniklinikum verlief ergebnislos
Bombenverdacht bestätigte sich nicht - Sanierung der Notaufnahmestation wird fortgesetzt
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Giessener Allgemeine, 2005-04-11
Methodenvielfalt verunsichert die Patientinnen
Brustkrebs-Tagung: Von »Synergetik-Profiling« bis Dunkelfeldmikroskopie - Brückenschlag Schul- und Alternativmedizin?
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Giessener Allgemeine, 2005-04-09
Weidner stellt klar: »Hautklinik wird gestärkt«
Bis zur Bestellung eines Nachfolgers für Prof. Schill amtiert Prof. Peter Mayser als kommissarischer Leiter
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Giessener Allgemeine, 2005-04-08
Von der Bypass-Operation bis zum Kunstherzen
Prof. Gerold Görlach sprach bei der Herzstiftung – Vor 35 Jahren leisteten Gießener Chirurgen Pionierarbeit
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Giessener Allgemeine, 2005-04-07
10 000 Zellen pro Minute »im Gänsemarsch«
Neuer Durchflusszytometer in der Poliklinik für Parodontologie: Neue Ära der zahnmedizinischen Forschung
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Giessener Allgemeine, 2005-04-05
Moderater Sport kann Immunsystem aktivieren
»Gießener Auftakt« beim Internistenkongress - Prof. Nowacki und Prof. Bretzel: Neue Erkenntnisse der Sportmedizin
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Giessener Allgemeine, 2005-04-04
40 aktuelle Gießener Beiträge zu Großkongress
Innere Medizin des Uniklinikums bei Internistentagung exzellent repräsentiert – Seeger nächstes Jahr Tagungspräsident
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Giessener Anzeiger, 2005-04-02
100 Unterschriften eine "herbe Enttäuschung"
BI "Rettet die Klinika" hatte zum "Leichenschmaus" geladen
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Giessener Anzeiger, 2005-04-02
SPD: Landesregierung spielt permanent auf Zeit
Sozialdemokraten sehen Biomedizinisches Forschungszentrum als Faustpfand bei Privatisierungsverhandlungen
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Giessener Allgemeine, 2005-04-01
»Sein offener Führungsstil hat das Haus geprägt«
Ende der »Ära Goubeaud«: Chefarzt der Inneren Abteilung der Asklepios-Klinik Lich gestern in Ruhestand verabschiedet
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Giessener Anzeiger, 2005-03-31
Leitung sieht Zukunft langfristig gesichert
Schule für Medizinische Dokumentare zieht derzeit vom Hochschulrechenzentrum ins Strahlenzentrum um
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WNZ, 2005-03-30
Interview: Warum Gießen Vorreiter bei der Krankenhaus-Privatisierung ist
"Flaggschiff-Klinik für Deutschland"
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Giessener Anzeiger, 2005-03-26
"Elastizität von Titan ähnelt der des Knochens"
Chirurgischer Operationskurs "Die traumatisierte Hand" an JLU - Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit oberstes Ziel
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Giessener Anzeiger, 2005-03-24
"Hätte mich gerne noch zur Verfügung gestellt"
Prof. Wolf-Bernhard Schill geht am 31. März in Ruhestand - Nachfolge offen - Praxis in Gießen - Keine Rückkehr nach München
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Giessener Allgemeine, 2005-03-23
Bei chronischer Pankreatitis tickt Zeitbombe
Forscherelite aus aller Welt zu Gast bei Diabetes- und Magen-Darm-Spezialisten der III. Medizinischen und Poliklinik
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Giessener Allgemeine, 2005-03-21
Sie finden noch eine Krebszelle unter 100 000
Onkogenetisches Labor der Kinderklinik: Auf der Spur kindlicher Krebserkrankungen – Spenden helfen dabei
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Giessener Allgemeine, 2005-03-19
»Gießener Nieren« sind weltweit Spitzenklasse
Im Vorjahr 40 Nieren- und 10 Herztransplantationen - Prof. Weimer: Leider weiter steigende Wartelisten
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Giessener Allgemeine, 2005-03-19
Lungenforschung auch bei Ausbildung Spitze
Biotechnologin Soni Pullamsetti erhielt Preis der Baumgart-Stiftung - Gießener Konzept lockt Doktoranden aus aller Welt
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Giessener Anzeiger, 2005-03-16
Kliniksleiter begrüßen Entwurf zur Fusion
Verlängerung des Vertrags von Weidner gefordert - SPD kritisiert Informationspolitik - Möller weist auf Versäumnisse hin
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Giessener Anzeiger, 2005-03-16
"Hochschulen sind starke Partner der Industrie"
Wissenschaftsminister würdigt Produkte bei Cebit - Software zur Optimierung von Transportleistungen vorgestellt
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Giessener Allgemeine, 2005-03-16
Klinika-Steuerungsgruppe erörterte Zwischenberichte
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Giessener Allgemeine, 2005-03-16
Opposition sieht schwere handwerkliche Fehler
Landtag erörterte in erster Lesung das Gesetz für das Uniklinikum Gießen und Marburg – Union verteidigt Entwurf
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Intern, 2005-03-15
Gesetzentwurf für ein Gesetz über die Errichtung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg
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Giessener Allgemeine, 2005-03-15
Zuverlässiger MAP-Test in Gießen entwickelt
Forschungsschwerpunkt »Mensch-Ernährung-Umwelt«: Dem rätselhaften Paratuberkulose-Bakterium auf der Spur
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Giessener Allgemeine, 2005-03-15
190 Heilungsversprechen aufgespürt - dennoch Vorsicht
Privatdezernent Dr. Münstedt: Alternative Behandlungsmethoden können bei Krebs Schulmedizin keinesfalls ersetzen - Onkologische Informationsveranstaltung
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Giessener Anzeiger, 2005-03-12
Koch lobt Vorreiterrolle Gießener Telemediziner
Ministerpräsident besucht Stand der Universität auf der Cebit - Fußball-Weltmeister als Testpersonen - Diagnose per Internet
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Giessener Anzeiger, 2005-03-12
Bei Klinik-Privatisierung droht Rückzahlung von Fördergeldern
Verkauf könnte teure Angelegenheit werden - Modalitäten werden geprüft - Kritik der SPD
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Giessener Allgemeine, 2005-03-12
Gießener Telemedizin sorgt bei CeBIT für Furore
Drei Fußballweltmeister mit von der Partie – Ministerpräsident Roland Koch würdigt Vorreiterrolle des Uniklinikums
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Giessener Allgemeine, 2005-03-12
Entwurf zu Klinika erntet Kritik und Zustimmung
Gewerkschaft mit SPD-MdL Schäfer-Gümbel einig – Der CDU-Abgeordnete Möller betont dagegen die Chancen
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Giessener Allgemeine, 2005-03-11
Uniklinikum soll »Gießen und Marburg« heißen
CDU-Landtagsfraktion legt Gesetzentwurf zur Fusion beider Häuser vor - Nächste Woche im Landtag - Lob und Kritik
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Giessener Allgemeine, 2005-03-11
Land weist Kritik der SPD an Klinik-Privatisierung zurück
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Giessener Anzeiger, 2005-03-11
"Erst die histologische Begutachtung bietet Gewissheit"
Heimische Experten informieren im Kleinlindener Bürgerhaus über Brust- und Protatakrebs
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Giessener Allgemeine, 2005-03-10
Die Devise lautet: Alle gemeinsam gegen Krebs
IOZ: Wo auch der Hausarzt ans Kliniksbett kommt. Neues Interdisziplinäres Onkologisches Zentrum am Uniklinikum
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Ressort V, 2005-03-09
Das Universitätsklinikum Gießen auf der CeBIT 2005
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Giessener Anzeiger, 2005-03-09
Bau des Forschungszentrums wird langsam zur Hängepartie
Ministerium beauftragt Hessisches Baumanagement mit Planungen - Verzögerung zugegeben
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Giessener Anzeiger, 2005-03-08
Viagra hält kranke Babys am Leben
Kinderherzzentrum setzt Wirkstoff bei Behandlung von Lungenhochdruck ein - Erkenntnisse am Mount Everest gewonnen
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Giessener Anzeiger, 2005-03-07
"Man will nicht investieren, obwohl Geld da ist"
Fusion und Privatisierung der Uni-Kliniken Thema auf "Mittelhessenparteitag" der SPD - Hanschur: Scheinbare Lösung
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Giessener Allgemeine, 2005-03-07
Klinika-Fusion »unvermeidliche Zwangsheirat«
Marburger Medizin-Dekan Maisch bei SPD-Mittelhessenparteitag um Freiheit von Forschung und Lehre besorgt
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Giessener Anzeiger, 2005-03-05
HIV-Infektionen noch lange nicht heilbar
Ärzte der Abteilung für Infektiologie an der Medizinischen Klinik II besorgt über leichtsinnigen Umgang mit Aids-Risiko
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Giessener Anzeiger, 2005-03-05
Moderne Techniken mit Erfahrung verbinden
Dermatohistologisches Kolloquium soll zeigen, dass einzelne Laborergebnisse allein nicht zum Ziel führen
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Giessener Anzeiger, 2005-02-23
Symposium über aktuelle Themen der Kieferorthopädie
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Giessener Allgemeine, 2005-02-21
Der Knüller war die »Kinder-Universität«
1. »Tag der Gesundheitsforschung« unter dem Motto: »Forschung für gesunde Kinder« im Zentrum für Kinderheilkunde
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Giessener Anzeiger, 2005-02-15
"Bürgerinitiative spielt keine Rolle bei Kliniksverkauf"
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Giessener Anzeiger, 2005-02-15
Fortbildungsangebot für Mediziner künftig im Internet
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Giessener Allgemeine, 2005-02-15
Mit 82: Paris, München, Wien – und Gießen...
Prof. Horst-Eberhard Richter beschloss die Reihe »Emeriti erinnern sich« – Ein Anruf beim Bundeskanzler reichte
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Giessener Allgemeine, 2005-02-07
Rundgang durch die »Stadt über der Stadt«
Licht und Schatten über dem Kliniksgelände am Seltersberg – Großes Interesse für medizinhistorische Führung
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Giessener Allgemeine, 2005-02-04
Wohl des Kranken muss oberste Maxime sein
Prof. Roelcke redete seinen Ärztekollegen ins Gewissen – Antrittsvorlesung des neu berufenen Medizinhistorikers
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Giessener Anzeiger, 2005-02-03
Wenn zäher Schleim die Lunge verklebt
Am Mukoviszidose-Zentrum der Kinderklinik werden mehr als 150 Patienten behandelt - Lindemann hofft auf Verlängerung
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Giessener Anzeiger, 2005-02-03
"Holen Leute aus dem tiefen Loch heraus"
Anlaufstellen für Patienten mit künstlichem Darmausgang stellen sich bei Infoabend vor
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Giessener Allgemeine, 2005-01-28
»Condoleezza-Rice-Methode« nun auch in Gießen
»Pro und Contra« Myom-Embolisation als Alternative zur Operation erörtert – Neues vom Gynäkologen-Kongress
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Giessener Anzeiger, 2005-01-27
Land vertagt Entscheidung über Labormedizin
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Giessener Allgemeine, 2005-01-27
In Berlin ist Kaiserschnitt auf Wunsch »in«
Gießener Frauen mögen’s »kuschelig« – Männer achten auf medizinischen Standard – Neues vom Gynäkologenkongress
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Giessener Allgemeine, 2005-01-21
Pulmonalklappe arbeitet dann als Aortenklappe
Die »Ross«-Operation«: Im Gießener Kinderherzzentrum im »Standardrepertoire« – Lebensqualität wie Gesunde
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Giessener Anzeiger, 2005-01-18
Übergewichtige finden Hilfe an der Uni-Klinik
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Giessener Allgemeine, 2005-01-18
Er war erster Herzchirurg in Gießen
Prof. Hehrlein erinnerte sich an Anfänge – »Herzklappen-Skandal« schmerzt bis heute
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2005-01-15
Universitätsklinikum ist Ausbildungsbetrieb 2004
Qualität durch Ausbildung
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Giessener Anzeiger, 2005-01-15
Bouffier verknüpft bei Neujahrsempfang Gelingen von Fusion und Verkauf mit Schicksal der Landesregierung
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Giessener Anzeiger, 2005-01-13
Personalräte und Dekane doch dabei
Arbeitsgruppe zu Fusion und Verkauf der Uni-Kliniken Gießen und Marburg konstituierte sich
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Giessener Allgemeine, 2005-01-13
Unikliniken
Land bindet Personalräte in Privatisierungs-AG ein
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Giessener Anzeiger, 2005-01-12
Internet-Forum startet Debatte über Uniklinikum
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Giessener Allgemeine, 2005-01-12
Gießener »Künstliche Lunge« rettete ihr Leben
Vierjährige Elsie hat dank ECMO lebensbedrohliche Rauchvergiftung überlebt – Gestern nach Hause entlassen
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Giessener Allgemeine, 2005-01-11
Prof. Goubeaud geht – und hat drei Nachfolger
Asklepios-Klinik Lich und Universitätsklinikum Gießen stellen bundesweit einzigartiges Modell für Chefarzt-Nachfolge vor
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Giessener Allgemeine, 2005-01-11
Unikliniken
Privatisierungs-AG tritt erstmals zusammen
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Giessener Anzeiger, 2005-01-10
Eingeschränkte Parkmöglichkeiten
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Giessener Anzeiger, 2005-01-03
"Es war ein anstrengender Dienst"
In Gießens Krankenhäusern wurden mehr Schnittwunden als sonst zum Jahreswechsel behandelt - Viel Arbeit für Unfallchirurgen
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Giessener Anzeiger, 2004-12-31
"Analysen sind schneller und präziser"
Uniklinikum verfügt über hochmoderne Laborstraße zur Untersuchung von Blutproben - Stündlich bis zu 2000 Tests
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Giessener Anzeiger, 2004-12-30
Kritik an Ausgrenzung der Personalräte
SPD-Landtagsabgeordneter Schäfer-Gümbel beklagt Zusammensetzung der Arbeitsgruppe zur Privatisierung der Uni-Kliniken
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Giessener Anzeiger, 2004-12-29
1000 Euro aus CD-Verkauf für Herzzentrum gespendet
Lied für Freundin geschrieben - Aufruf zur Organspende
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Giessener Anzeiger, 2004-02-10
Biomedizinisches Forschungszentrum "geht richtig los"
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Giessener Anzeiger
Was tun bei Brust- oder Prostatakrebs?
Infoveranstaltung des Uniklinikums im Bürgerhaus Kleinlinden - Fragen an Experten
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| Frauenklinik erprobt Fünf-Gänge-Menüs |
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Fertiggerichte ohne Konservierungs- und Farbstoffe werden am Buffetwagen angeboten - Flexible Essenszeiten
Ein Fünf-Gänge-Menü wie in der Spitzengastronomie genießen in diesen Tagen die Frauen auf der Wöchnerinnenstation der Frauenklinik. In Zusammenarbeit mit der Firma "Electro calorique" startete die Abteilung Speiseversorgung des Klinikums unter der Leitung von Paul Nielsen ein Pilotprojekt, das die Patientinnen rund um die Uhr mit warmen und kalten Speisen versorgt.
Die Idee bekam Nielsen in Skandinavien, wo derartige Projekte besonders in Patientenhotels umgesetzt werden. Mit viel Energie und Fachwissen brachte er das Pilot-Projekt voran. Auch außerhalb der normalen Essenszeiten erwartet die jungen Mütter ein optisch anspruchsvolles, gesundes und schmackhaftes Essen. "Man kann sein Menü, das nach ärtzlicher Beratung abgestimmt ist, individuell zusammenstellen und zusammen mit anderen Müttern genießen", so Nielsen.
Hierfür lieferte die Firma "Electro calorique" einen Buffetwagen mit beheizter Oberfläche, Kühlmöglichkeit, Hustenschutz und Tablettrutsche. Die Fertiggerichte kommen direkt von der Firma "Block House Cook & Chill". "Sie enthalten keine Konservierungs- und Farbstoffe und sind immer frisch", äußerte sich Nielsen. "Außerdem ist bei den vielfältigen Gerichten für jeden Geschmack etwas dabei." 27 unterschiedliche Salate, mehrere Desserts, unterschiedliche Getränke und wechselnde Menüs werden am Buffetwagen angeboten. Für Paul Nielsen entspricht das Angebot einer Art "Michelin-Küche" im Krankenhausbereich.
In dieser Woche erwartet die Patientinnen unter anderem Poulardenbrust in Champignonsauce, Lachsfilet und Lammfleisch in Rosmarin. Die anfangs tiefgekühlten Produkte können direkt auf der Station zubereitet werden. Ein Essensangebot "around the clock" ist somit möglich. Für Pflegedirektorin Waltraud Horch ein besonderer Vorteil: "50 Prozent der Patienten sind während der Essensausgabe nicht anwesend, sondern befinden sich in Untersuchungen irgendwo auf dem Klinikgelände. Anstatt sich später mit einer Suppe und einem Brötchen abzufinden, können vor allem diese Patienten von dem neuen Angebot profitieren." Horch ist begeistert von den neuen Möglichkeiten, die durch den Buffetwagen auf der Wöchnerinnenstation entstanden sind. "Eine Geburt ist Schwerstarbeit. Danach ist man sensibler, was Nahrung angeht. Somit ist das Angebot ideal für frischgebackene Mütter", so die Direktorin.
Ob sich das Pilotprojekt in der Frauenklinik etabliert, steht noch in den Sternen. Anhand seiner Befragungen kann Betriebsleiter Paul Nielsen aber bereits jetzt sagen, dass die Fünfgänge-Fertigmenüs bei den Frauen sehr gut ankommen und als Erlebnis für die Sinne empfunden werden. Nach der abschließenden Auswertung der von Nielsen verteilten Fragebögen, bleibt die Entscheidung allerdings bei den Vorstandsmitgliedern des Klinikums. Anschaffungskosten von 10 000 Euro und eine Umstrukturierung des Küchen- und Pflegepersonals müssen mit einkalkuliert werden.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-23) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-23 bis 2005-08-23 |
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| Darmkrebs? Kein Weg führt an Operation vorbei |
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Dr. Maria Vollerthun beim Semester-Abschluss der Medizin-Senioren - Appell an Prof. Oehmke: Weitermachen
Gießen (if). Dr. Maria Vollerthun aus der Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations- und Kinderchirurgie kennt bei der Frage »Muss man Darmpolypen grundsätzlich entfernen ?« kein Pardon: »Ja« - mit deutlich hörbarem Ausrufezeichen - lautete die Antwort, mit der sie dieser Tage wissbegierige Medizin-Senioren aus dem dicht besetzten Anatomiehörsaal in die Ferien entließ: Zum Abschluss des Sommersemesters hatte Moderator Prof. Hans-Joachim Oehmke die Oberärztin aus dem Chirurgen-Team um Prof. Winfried Padberg für ein ausgesprochen »seniorengerechtes« Thema gewinnen können. Es ging um jenen rund anderthalb Meter messenden »Schlauch«, der im Laufe eines Menschenlebens von rund 30 Tonnen Nahrung passiert wird - um den Dickdarm, seine Erkrankungen, deren Erkennung und Behandlung.
Bereitet der Dickdarm akute Beschwerden, so erfuhren die Hörer, handelt es sich vielfach um entzündliche Vorgänge. Schmerzhafte Entzündungen entwickeln sich nicht nur auf der rechten Seite des Unterbauches am Wurmfortsatz, am Blinddarm. Linksseitige Schmerzen, so erläuterte Dr. Vollerthun, auch als »Linksappendizitis« bezeichnet, deuten auf eine Divertikel-Entzündung hin. An den Divertikeln, normalerweise symptomlosen Ausstülpungen der Darmwand, können sich Abszesse bilden. Sie können bluten, platzen oder sogar zu Fisteln führen. Heilen die Entzündungen ab, kommt es möglicherweise zu Vernarbungen, die den Darm verengen mit dem Risiko eines Verschlusses.
Mit Polypen, den oft pilzartig gestielten, aber auch breit auf der Darmschleimhaut aufsitzenden, zunächst gutartigen Neubildungen haben Divertikel eines gemeinsam: Oft nur zufällig entdeckt, kommen sie mit zunehmendem Alter häufiger vor. Divertikel findet man bei sieben von zehn Siebzigjährigen, Polypen bei mehr als zwanzig Prozent aller Sechzigjährigen.
Im Verlauf der Vorlesung vermittelte Dr. Vollerthun den Hörern eine Fülle von Informationen über Möglichkeiten der modernen Diagnostik und schonende Vorgehensweisen. Gestielte Polypen können mit der Schlinge beseitigt werden, breitbasige, direkt auf der Schleimhaut aufsitzende Veränderungen, die früher eine Operation erforderten, werden unterspritzt, abgehoben und endoskopisch entfernt. Darmblutungen stillt man mit einem so genannten »coiling« - sie werden sozusagen »mit einem Korken verschlossen«.
Neue, schonendere Verfahren gibt es auch bei der Behandlung von Hämorrhoiden. Bei einem Enddarmvorfall wird der Darm mit einem Netz »gestrafft«, Klammernähte ermöglichen kontinenzerhaltende Eingriffe selbst in unmittelbarer Nähe des Darmausgangs. Heute erweist sich nur in wenigen Fällen die gefürchtete Anlage eines Anus praeter, eines künstlichen Ausgangs, unvermeidlich.
Beim »kolorektalen Karzinom«, dem Darmkrebs, der praktisch in jedem zunächst gutartigen, nicht entfernten Polypen lauert, führt allerdings kein Weg an der Operation und dem Bauchschnitt vorbei. Nur in wenigen Zentren setzt man heute in geeigneten Fällen auch die Schlüssellochtechnik ein.
»Alter ist kein Hinderungsgrund - auch wenn Sie über achtzig sind«, versicherte Dr. Vollerthun. Allerdings werde man das jeweilige Vorgehen dem Stadium der Erkrankung und der Verfassung des Patienten anpassen, wobei sich im fortgeschrittenem Stadium das Augenmerk auf die Erhaltung der Lebensqualität richte.
Herzlicher Applaus für eine exemplarische Vorlesung, verständlich, sachlich, klar und informativ - so ganz nach dem Herzen der Medizin-Senioren. Mit Beifall bekräftigten sie abschließend auch die Bitte an Professor Oehmke, er möge im bevorstehenden Wintersemester die seit rund 25 Jahren angebotene, in ihrer Art einmalige Reihe weiterführen.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-21) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-21 bis 2005-08-21 |
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| Rektale Untersuchung zwar unangenehm, aber sehr effektiv |
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Chirurgin Maria Vollerthun informierte Medizin-Senioren an JLU über Erkennung und moderne Behandlungsmethoden von Dickdarmerkrankungen
Man spricht nicht darüber. Themen wie Probleme mit dem Stuhlgang und Leiden des Dickdarms überhaupt werden gerade von älteren Menschen lieber verschwiegen, als dass sie gleich einen Arzt aufsuchen. "Symptome für Dickdarmerkrankungen werden deshalb oftmals zu spät erkannt", bemängelte Dr. Maria Vollerthun. Im abschließenden Semester-Vortrag des Vorlesungsprogramms für Senioren des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) rief die leitende Oberärztin der Chirurgischen Universitätsklinik ihre Zuhörer dazu auf, häufiger von den zur Verfügung stehenden Vorsorgemaßnahmen Gebrauch zu machen. "Der Stuhlgang ist die einzige Garantie dafür, dass der Darm funktioniert", gab sie zu bedenken. Ließe sich Blut im Stuhl feststellen, komme es zu wiederholtem Durchfall oder Verstopfungen wären dies immer Anzeichen für eine vorliegende ernstzunehmende Erkrankung. Bedenke man zudem, dass die gesamte Darmoberfläche mit 400 Quadratmetern etwa der Größe eines Fußballfeldes entspreche und sich hier die überwiegende Mehrzahl aller Keime des Organismus tummele, werde verständlich, wie gefährdet dieser Bereich sei. "Die rektale Untersuchung ist eine sehr wirkungsvolle Methode, den Gründen für eine Störung der Dickdarmfunktion auf die Spur zu kommen", betonte Vollerthun. So unangenehm das bis zu etwa neun Zentimeter tiefe Ertasten des unteren Darmabschnitts mit dem Finger für den Patienten auch sei: Die daraus resultierenden Befunde sprechen für sich. "Etwa die Hälfte aller Dickdarmkarzinome kann auf diese Weise festgestellt werden." Zusätzlich zu Veränderungen an der Prostata beim Mann oder an der Gebärmutter der Frau.
"Krebs tut nicht weh""Krebs tut nicht weh. Er ist erst dann feststellbar, wenn Blut im Stuhl gefunden wird", sagte Vollerthun. Die von den meisten daraufhin selbst gestellte Diagnose Hämorriden könne sich schnell als falsch erweisen. "Verlassen sie sich also nicht darauf, dass sie welche haben", warnte die Medizinerin. "Kommt es zu häufigen Blutungen oder Jucken, erfordert dies eine komplette Dickdarm-Diagnostik."
Sollte sich schließlich nach einer Proktoskopie oder einer Ultraschall-Untersuchung tatsächlich ein Tumor finden, stelle das höhere Alter kein Hindernis für einen operativen Eingriff dar. "Es gibt für jeden Patienten ein geeignetes Therapieverfahren. Eine frühzeitige Operation erhöht ihre Lebenszeit gewaltig." Krebs-Vorstufen, die sich auch innerhalb der eigentlich sonst gutartigen, aber dennoch ebenfalls sofort zu entfernenden Darm-Polypen befinden könnten, ließen sich heute sehr gut mit minimal-invasiven Methoden aus dem umliegenden Gewebe herausschneiden. Selbst ein über 80-jähriger Mensch müsse operiert werden, da der Tumor sonst ungehindert weiterwachse und die Gefahr eines Darmverschlusses bestehe. Auch für andere auftretende Komplikationen, wie etwa die Sigma-Divertikulitis, eine Ausstülpung der Dickdarmwand, oder den Vorfall des Rektums nach außen, konnte die Ärztin effektive Verfahren präsentieren. Mittels endoskopischer Techniken ließe sich hier entweder der Darm verkürzen und straffen oder eine Klammernaht setzen und somit in den meisten Fällen ein künstlicher Darmausgang vermeiden. Trotz aller heutigen Möglichkeiten empfahl Vollerthun ihren Zuhörern, den Darm ständig zu trainieren. "Ein langsamer Kottransport durch ballaststoffarme Kost kann schnell zu schweren Problemen führen", warnte sie und riet zu einer ausgewogenen Ernährungsweise.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-20) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-22 bis 2005-08-22 |
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| Entschieden gegen Marburger Planungsziele |
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Fachbereichsrat Medizin der JLU verabschiedet Stellungnahme
Einstimmig hat der Fachbereichsrat Medizin der Justus-LIebig-Universität (JLU) eine Stellungnahme angenommen, in der die Verabschiedung des Universitätsklinik-Gesetzes (UK-Gesetz) durch den Hessischen Landtag begrüßt wird. Allerdings nur insofern dieses die Voraussetzungen für eine Privatisierung und damit verbundene bauliche und organisatorische Erneuerung der Uniklinik am Standort Gießen schaffe. Der Investitionsbedarf für das Gießener Klinikum belaufe sich auf rund 200 Millionen Euro, so der Fachbereichsrat.
Gefordert wird, dass die nun anstehende Übergangsperiode mit einer fusionierten Anstalt des öffentlichen Rechts "Universitätsklinikum Gießen und Marburg" intensiv zur Festlegung des hochschulrechtlichen Rahmens der Privatisierung genutzt werde, da das UK-Gesetz keine Regelungen für die Sicherung der Aufgaben von Forschung und Lehre bei einer privaten Trägerschaft des Uniklinikums enthalte. Der Fachbereichsrat fordert außerdem, dass während der Übergangsperiode keine über den durch das "Konzept der Hessischen Hochschulmedizin" des Hessischen Wissenschaftsministeriums beschriebenen Stand hinausgehenden Strukturentscheidungen angestrebt werden, da alle weiteren Strukturplanungen für die klinischen und klinisch-theoretischen Fächer in Abstimmung mit dem zukünftigen privaten Betreiber vorgenommen werden sollten. Das Gremium wendet sich mit Entschiedenheit gegen die Planungsziele für ein fusioniertes Universitätsklinikum, die der bisherige Marburger Klinikumsvorstand in seiner Stellungnahme zum UK-Gesetz formuliert habe: Insbesondere werde die vorgeschlagene weitere Einschmelzung im Bereich der wissenschaftlich hoch aktiven "Laborfächer" als universitätsfeindlich abgelehnt.
Auch der Vorschlag, Dekane nur noch mit beratender Stimme im Klinikumsvorstand zu besetzen werde abgelehnt, da nur durch die Veto-Regelung für den Dekan die grundgesetzlich garantierte Freiheit von Forschung und Lehre in einem Universitätsklinikum gesichert werden könne, heißt es weiter in der Stellungnahme.
Der Fachbereichsrat weist das Votum gegen eine Budgettrennung der Mittel für Krankenversorgung einerseits und Forschung und Lehre andererseits zurück, da diese gesetzlich vorgeschrieben und auch haushaltsrechtlich zwingend geboten sei, um die Freiheit von Forschung und Lehre für den Fachbereich Medizin zu sichern. Und schließlich lehnt das Gremium die Bettenplanung für die Universitätsklinik allein auf Basis einer Prognose nach DRG ab, da dies die Erfordernisse für die studentische Ausbildung nach geltendem Kapazitätsrecht nicht berücksichtige.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-18) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-22 bis 2005-08-22 |
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| 100000 Flugblätter gegen Privatisierung |
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SPD startet Aktion zu Uni-Kliniken - "Fusionsgesetz enthält eine Vielzahl von Problemen"
Die SPD hält nach dem Landtagsbeschluss in der vergangenen Woche an ihrem Widerstand gegen die Privatisierung der Universitätskliniken Gießen und Marburg fest. Dies bekräftigten der Stadtverbandsvorsitzende Gerhard Merz und der Unterbezirksvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel in einer Pressemitteilung. Zur Vermittlung der eigenen Position startet die SPD-Landtagsfraktion in diesen Tagen eine umfangreiche Flugblattaktion in den Landkreisen Gießen und Marburg.
"Das sogenannte Fusionsgesetz enthält eine Vielzahl von rechtlichen und materiellen Problemen. Die Leichtfertigkeit der CDU im Umgang mit diesem Gesetz ist nicht mehr zu verstehen. Die Alternativen wurden nicht geprüft, weil die Landesregierung das Thema los werden will", so die Bewertung der Sozialdemokraten.
"Die SPD-Landtagsfraktion hat dieses ungeheuerliche Vorgehen zum Anlass genommen und ein Flugblatt produziert. Wir werden rund 100000 Exemplare davon in einer ersten Aktion an die Menschen in der Region verteilen. Beginnen werden wir mit der Verteilaktion in Gießen, Biebertal, Hungen, Linden und der Rabenau", so Schäfer-Gümbel.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-17) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-17 bis 2005-08-17 |
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| Raus aus dem Hörsaal und rein in die Praxis |
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Bei Workshop für Notfallmedizin übten Studenten das richtige Verhalten im Ernstfall - Großer Andrang
Gießen (elo). Jede Rettungskette beginnt bereits draußen am Unfallort. Treffen dann aber die Ärzte nach der Einlieferung des Notfall-Patienten in die Klinik die falschen Entscheidungen, können sich sämtliche vorherigen lebensrettenden Maßnahmen als vergebens erweisen. Eine große Verantwortung also, die hier auf Notfallmedizinern ruht. Aber auch auf allen anderen Ärzten, denn sie sollen gleichfalls über die notwendigen Kenntnisse verfügen, die richtigen medizinischen Schritte einzuleiten. Thomas Semmel, Ausbildungsleiter beim Deutschen Roten Kreuz in Gelnhausen und als langjähriger Rettungsassistent geübt in solchen Stress-Situationen, weiß, dass Erfahrung einen wesentlichen Teil der ärztlichen Tätigkeit ausmacht. »Man muss jeden einzelnen Handgriff genau kennen, aber das dauert seine Zeit.«
Studierende der Medizin sind hiervon naturgemäß noch weit entfernt. So auch die 15 angehenden Ärzte, die jetzt an einem Notfallmedizin-Workshop der Gießener Klinik für Anästhesiologie teilnahmen. Studierende raus aus dem Hörsaal und rein in die Praxis holen, hieß dabei das Motto. Unter anderem stand zum Üben eine computergesteuerte, auf nahezu jede Maßnahme lebensecht reagierende Patienten-Puppe zur Verfügung.
»Im Studium haben wir relativ wenig Patientenkontakt«, bemängelte Myriam Backy, wie alle ihre Workshop-Kommilitonen derzeit im zehnten Fachsemester. Gerade in der Handhabung von Defibrillatoren, Beatmungsbeuteln oder anderen Notfall-Geräten fehle es an praktischer Erfahrung. »Wenn es darauf ankommt, müssen wir genau wissen, wie man damit umgeht«, ergänzte Sara Dadkhahi. Und hierbei nütze einem die in großem Umfang vermittelte Theorie über die Gabe von Medikamenten und andere Dinge eher wenig. Der von Thomas Semmel und Anästhesie-Assistenzarzt Alin Schaumberg vorbereitete Fall gab der fünfköpfigen Studentengruppe gleich einen Eindruck von der Hektik, der Notfallmediziner regelmäßig ausgesetzt sind. Während Yvonne Bernsdorf das Team leitete und die Patienten-Puppe »befragte«, die dank des eingebauten computergesteuerten Sprachprozessors auch darauf antwortete, war es Aufgabe der anderen, gleich die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Als sich nach einigen Minuten sämtliche Bemühungen als erfolglos herausstellten und auf dem Monitor an Stelle der Herztätigkeit nur noch eine flache Linie zu sehen war, war die Enttäuschung natürlich groß. In seiner sachlichen Manöverkritik ging danach Thomas Semmel auf alle Fehler ein, fand aber auch Lob für richtige Entscheidungen.
»Das Wichtigste ist, im Kopf eine Checkliste zu haben, nach der man dann vorgeht«, hatte Yvonne Bernsdorf erkannt. Sie wusste wie ihre Mitstreiterinnen, dass bis zu einem sicheren Umgang mit solchen Situationen, bei denen es oftmals um Leben und Tod geht, noch ein langer Weg vor ihnen liegt. Weiteres Wissen hierfür konnten sie sich bei den beiden anderen Workshop-Stationen holen, bei Anästhesie-Oberarzt Dr. Matthias Wollbrück und Dr. Ulrich Atzbach, stellvertretender Rettungsdienstleiter beim DRK im Odenwaldkreis. Letzterer führte unter anderem das richtige Anlegen von Schockhosen und Halskrausen vor und ging mit den Teilnehmern die einzelnen Schritte beim Vorliegen eines Schädel-Hirn-Traumas durch. Angesichts der großen Nachfrage - laut Alin Schaumberg lagen alleine für diesen Kurs 120 Anmeldungen vor - soll der kostenlose Workshop vom kommendem Winter vier- bis fünfmal pro Semester angeboten werden.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-16) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-20 bis 2005-08-20 |
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| "Parodontitis ist eine der heimtückischsten Entzündungen" |
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Prof. Jörg Meyle weist auf erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall hin
"Den meisten Patienten ist die Schwere der Erkrankung nicht bewusst", sagt Prof. Jörg Meyle, Direktor der Poliklinik für Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Justus-Liebig-Universität (JLU). Denn als "eine der heimtückischsten Entzündungen" verursache diese Parodontitis - im Volksmund fälschlich als "Parodontose" bezeichnet - oft über Jahre hinweg keine Beschwerden. Nach schleichendem und schmerzlosem Beginn würden die Zähne locker. Dann komme es auch zu Blutungen beim Zähneputzen. Oft sei schon ein erheblicher Teil des Zahnhalteapparats zerstört, wenn sich ein Patient in Behandlung begebe. "Die meisten Zähne gehen im Erwachsenenalter nicht durch Karies sondern durch Zahnfleischerkrankungen verloren", betont der im Oktober 1994 von Tübingen nach Gießen gekommene Spezialist für Immunzellfunktion bei Zahnbettent-zündungen. Nach epidemiologischen Daten leiden rund 80 Prozent der Erwachsenen an einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die bei 35 bis 40 Prozent der Betroffenen in einen Parodontitis übergeht. "Diese chronische bakteriell ausgelöste Entzündungsreaktion ist heute ein gravierenderes Problem als Karies." Laut Meyle handelt es sich bei Parodontitis um eine schwerwiegende Volkskrankheit, die neben Zahnausfall auch zu einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall führt.
Ausgelöst wird die heimtückische Entzündung vor allem durch schädliche Mikroorganismen aufgrund mangelhafter Mundhygiene, durch Störungen des körpereigenen Immunsystems durch Stress und starkes Rauchen, durch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, aber auch durch genetische Anlagen. An der Gießener Zahnklinik, die laut Meyle in einem Ranking neben Würzburg den Spitzenplatz belegt hat, werden in dem "sehr gut ausgebauten Forschungslabor" der Poliklinik für Parodontologie grundlegende Fragen des Beginns und Verlaufs dieser Entzündungen untersucht. "Zur Zeit läuft in unserer Klinik auch eine Studie zur Identifizierung genetischer Faktoren."
Das erhöhte Risiko für Herzkreislauferkrankungen entsteht durch die aus den Zahnfleischtaschen ausgeschwemmten Keime und deren Entzündungsprodukte. "Diese Signalsubstanzen führen zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Bluteiweiße", erläutert Meyle. Erste Zwischenergebnisse einer derzeit in Gießen laufenden Studie belegen, dass ein Viertel aller Patienten mit schwerer Zahnbettentzündung, einen deutlich erhöhten Wert des so genannten C-reaktiven Proteins (CRP-Wert) aufwiesen. Bei vier Fünftel von ihnen konnte das erhöhte Gesundheitsrisiko durch die "klassische Behandlung", also mit verbesserter Mundhygiene, mechanisch lokaler Intervention und Desinfektion deutlich abgesenkt werden.
Perfekte Mundhygiene mit Zahnseide und Zahnzwischenraum-Bürsten ist für Meyle unabdingbar, um der Zahnfleischerkrankung Herr zu werden. Andererseits führt starkes Rauchen ("mehr als zehn Zigaretten pro Tag") zu erheblich mehr Keimen in den Zahnfleischtaschen und beschleunigt das Fortschreiten der Erkrankung.
"Die gesamte Mundhöhlenschleimhaut ist verändert und das Nikotin verengt die Gefäße und verringert dadurch die Abwehrreaktion des Körpers." Mikrobiologische Untersuchungen machen deutlich, dass das Zahnfleisch von Rauchern oft "trügerisch gesund" aussieht, obwohl die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Da starkes Rauchen den Erfolg jeder zahnärztlichen Behandlung einschränke, ist eine Entwöhnungstherapie für Meyle ein "integraler Bestandteil der Zahnbehandlung".
Zur Früherkennung der Parodontitis wurde in Deutschland der in den USA entwickelte Parodontale Screening Index (PSI) eingeführt. "Damit kann der Zahnarzt das Ausmaß und die Schwere der Erkrankung feststellen." Eine Gießener Studie untersucht zudem "die Barrierefunktion der Schleimhäute". Meyle selbst hat bereits 1986 bei einem Kongress in den USA nachgewiesen, "dass sich die Zahnfleischentzündung auf den Gesamtorganismus auswirkt". Von der Bundesärztekammer in einen Ausschuss zur Neubeschreibung einer präventionsorientierten Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde berufen, betont der Gießener Wissenschaftler, dass es bundesweit "nur an acht Standorten eigene Abteilungen für Parodontologie" gebe.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-14) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-22 bis 2005-08-22 |
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| Ist es womöglich Alzheimer oder eher harmlos? |
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Prof. Richard Bauer schilderte bei den Medizinsenioren die Einsatzmöglichkeiten der Nuklearmedizin
Gießen (if). Welche Krankheit ist das? Wenn man vergessen hat wie sie heißt, hat man sie: Für unzählige ältere Menschen bedeutet es eine Horrorvorstellung, einen Gedächtnisverlust zu erleiden, der sich als Demenz vom Alzheimer-Typ entpuppt und im Persönlichkeitsverfall endet – so, wie es beispielsweise der Filmschönheit Rita Hayworth und dem ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan widerfahren ist. Noch ist Alzheimer, gekennzeichnet durch Abbauprozesse im Gehirn und die Anhäufung rätselhafter Eiweißfasern, nicht heilbar – wohl aber gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit der Früherkennung und damit eine Chance, gezielt das Fortschreiten zu verzögern.
Es ist die Nuklearmedizin, die diese tröstliche Möglichkeit bietet: Über den Einsatz winziger Mengen radioaktiv markierter Substanzen – sogenannter Radioisotope – eröffnet das relativ junge Fachgebiet ein breites Spektrum von Untersuchungs- und Behandlungsverfahren. Und zwar nicht nur, wie der Laie anzunehmen geneigt ist, bei der Schilddrüsendiagnostik und –therapie, aus der die Nuklearmedizin hervorging und die als ihre eigentliche Domäne gilt, sondern auch in der Krebsbekämpfung, bei Herzkrankheiten, der Untersuchung des Gehirns und den Nervensystems.
Professor Richard Bauer, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin im Uniklinikum Gießen, vermittelte dieser Tage bei der vorletzten Medizin-Seniorenvorlesung des Semesters einen informativen Überblick über die Möglichkeiten seines Faches sowohl bei Erkennung als auch gezielter Behandlung. Er schilderte, wie die über die Blutbahn oder Nahrungsstoffwechsel aufgenommenen Substanzen, die juristisch als Medikamente gelten, ohne Nebenwirkungen zu verursachen Signale aussenden, die von der so genannten »Gamma-Kamera« aufgenommen, im so genannten »Szintigramm« Aufschlüsse über Durchblutungsstörungen in Gehirn, Lunge und Herz und über die Organfunktion von Schilddrüse, Niere und Lunge geben.
Im Gehirn lassen sich so auch vaskuläre Demenzen – die auf mangelhafter Durchblutung beruhen – von der Alzheimer-Demenz abgrenzen. An der Lunge lässt sich über die erkennbare Lokalisierung der Durchblutung die Frage »Lungenembolie oder nicht?« klären. Auch die Frage »Rheuma oder nicht?« vermag der Nuklearmediziner zu beantworten.
Zur schon jahrelang routinemäßig eingesetzten Radiojodtherapie bei Schilddrüsenerkrankung sind in den vergangenen Jahren weitere neue Verfahren hinzugekommen. Die Positronen-Emissionstomographie PET ermöglicht in der Nervenheilkunde über die Erkennung der Hirnaktivität die Identifizierung funktionaler Defizite. Über die Darstellung des Glukosestoffwechsels lassen sich Absiedlungen bösartiger Tumoren im ganzen Körper nachweisen, in der Kardiologie wird die Minderdurchblutung ganzer Areale sichtbar. Ohne Erwähnung der Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung bei großen Gelenken wäre die Darstellung der breiten Skala der Möglichkeiten des Einsatzes von Radioisotopen unvollkommen. Prof. Bauer ergänzte den Überblick mit zahlreichen interessanten Dias, ehe er sich wie alle Referenten zuvor, den Fragen der Hörer stellte. Die weitschweifige Darstellung persönlicher Krankheitsgeschichten stößt dabei nicht eben auf Zustimmung. Moderator Prof. Oehmke muss es nicht unterstreichen – die Hörer selbst geben es zu erkennen.
Übrigens: Das Vorlesungsprogramm der Medizinsenioren ist noch nicht zu Ende. Morgen (17 Uhr Anatomischer Hörsaal Aulweg) werden die Hörer mit Dr. Maria Vollerthun eine der nicht nur in Gießen eher seltenen Chirurginnen kennenlernen. Die Oberärztin der Klinik für Allgemein-, Thorax-, Transplantations – und Kinderchirurgie wird über die Erkennung und Behandlung von Dickdarmtumoren berichten.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-13) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-15 bis 2005-08-15 |
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| "Ich habe gesehen, dass ich nicht alleine bin" |
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Pilotprojekt für pflegende Angehörige im Uniklinikum - Rückenschonendes Verhalten erlernen - Überforderung vermeiden
"Das Leben stellt sich in Sekunden um", erinnert sich Maria Abel an den Tag, an dem ihr Mann einen Schlaganfall erlitten hat. Für sie stand sofort fest, dass sie ihn nach Klinikaufenthalt und Rehabilitation nach Hause holen und pflegen wird. Angst und Verunsicherung mündeten angesichts der neuen, und für die ganze Familie belastenden, Lebenssituation in der Frage: "Packe ich das? Packen wir das?" Die Wieseckerin weiß nicht, was auf sie zukommt, will sich aber "nicht vor vollendete Tatsachen" stellen lassen. Sie wurde aktiv und meldete sich zur "Schulung für pflegende Angehörige" im Uniklinikum an. An dem ersten von insgesamt vier Kursen zum Thema "Wie kann ich meinen Rücken schonen" nahmen mit ihr sechs Frauen teil. "Mir sind 20 Tonnen vom Herzen gefallen, weil ich gesehen habe, dass ich nicht alleine bin", zieht Maria Abel nach den vier Doppelstunden für sich Bilanz. Durchweg positiv ist die Rückmeldung, die die beiden Instruktoren Petra Brehmer und Stephan Schmitz von ihren Schützlingen bekommen. Und auch sie sind von dem Start des Pilotprojektes, das das Pflegedirektorium des Uniklinikums veranstaltet, begeistert. Hat sich doch das Konzept in der Praxis bewährt. "Der Kurs ist mehr als nur eine reine Technikvermittlung für rückenschonendes Bewegen von Pflegebedürftigen", sagt Petra Brehmer. Vielmehr diene es in Kombination mit Entspannungs- und Lockerungsübungen sowie der Vermittlung von Kenntnissen, was falsches Heben, Tragen und bewegen für Auswirkungen auf das eigene Muskel- und Skelettsystem haben kann, insgesamt der Gesundheitsförderung der pflegenden Angehörigen.
Breiten Raum eingenommen haben an den vier Nachmittagen auch die persönlichen Gespräche und der Erfahrungsaustausch zwischen den Kursteilnehmern. Das bestätigt auch Maria Abel: "Es war wie eine Therapie. Ich konnte mir alles von der Seele reden und jemand außerhalb der Familie hatte Zeit, mir zuzuhören."
Einige Worte, die die Instruktoren während der praktischen Übungen an die Frauen richteten, klangen in deren Ohren wohl eher ungewohnt. Das zeigten die Reaktionen. "Sie müssen nicht nur schauen, was Ihrem Angehörigen gut tut, sondern, was Ihnen gut tut".
Studien belegen dass die Pflege von schwer kranken, häufig bettlägerigen Patienten ein "Fulltime-Job" ist. Im Schnitt sind Hauptpflegepersonen, und das sind zu 80 Prozent Frauen, 45,5 Stunden pro Woche eingespannt. Festgestellt wurde in den Untersuchungen, dass es durch schweres Heben, Tragen und Lagern von Pflegebedürftigen zu körperlichen Beschwerden kommen kann. Die psychische Belastung durch die emotionale Betreuung, die permanente Anwesenheit und die Krankheit des geliebten Menschen können somatische, psychosomatische oder psychiatrische Störungen auslösen. "Im Verlauf einer länger andauernden Pflege geraten 70 Prozent der pflegenden Angehörigen in eine Überforderungskrise", weiß Petra Brehmer. Mit dem neuen Präventionsprogramm will die Uniklinik dem entgegensteuern. Hintergrund ist, dass der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung immer größer wird und damit auch die Zahl der Pflegebedürftigen zunimmt. Des weiteren komme es "durch die Veränderungen im Gesundheitssystem zu immer kürzeren Verweildauern in den Krankenhäusern", sagt Petra Brehmer. Die Pflegenden "sind daher eine wichtige Stütze des Systems", denen Strategien an die Hand gegeben werden müssen, wie sie trotz der belastenden Situation durch die schwere Krankheit ihres Angehörigen ihre eigene Gesundheit nicht aufs Spiel setzen. Die Tipps und Hilfen zum rückengerechten Verhalten und Arbeiten im Pflegealltag, die von geschulten Pflegekräften in Zusammenarbeit mit Ärzten und Krankengymnasten durchgeführt werden, umfassen daher folgende Bereiche: Wie kann ich Rückenbeschwerden vorbeugen; Vermittlung von Prinzipien und Techniken des rückenschonenden Arbeitens (Hochziehen im Bett, die Seitenlagerung sowie die Mobilisierung vom Bett zum Roll- beziehungsweise auf den Toilettenstuhl); der Umgang mit technischen Hilfen (Patientenlifter) und Hilfsmitteln (zum Beispiel Gleitfolie); Vorbeugen und Lösen von Verspannungen beim Pflegenden durch Lockerungsübungen der Muskulatur.
"Ich habe immer so einen Bammel, dass er hinfällt", spricht eine Kursteilnehmerin ihre Ängste aus. Bereits seit vier Jahren pflegt sie ihren Mann Zuhause. Im Seminarraum 6 steht ein Patientenbett, die Instruktorin Petra Brehmer legt sich auf den Boden davor. So wird eindrucksvoll aufgezeigt, vor welcher Hürde in einem solchen Fall ein Pflegender allein Zuhause stehen kann. "Meine Mutter kann gar nichts helfen", fügt eine weitere Kursteilnehmerin hinzu. "Es ist immer eine besondere Situation", weiß Petra Brehmer. "Sie müssen versuchen, nicht in Panik zu geraten und Ruhe zu bewahren. Machen sie sich klar, dass ihr Angehöriger nicht mehr tiefer fallen kann."
Zunächst sollte geschaut werden, ob ein Arzt benötigt wird. "Machen sie es dem Patienten auf dem Boden so bequem wie möglich. Lagern sie seinen Kopf auf einem Kissen." Ist der Unfall in einem engen Raum, wie zum Beispiel dem Badezimmer, passiert, kann ein Badteppich, ein Handtuch oder eine Decke genutzt werden, um den Betroffenen nach draußen zu ziehen.
"Denken Sie an das Prinzip, nicht zu heben, wo man ziehen kann", erinnert Stephan Schmitz die Frauen an das Erlernte. Und dann demonstrieren er und Petra Brehmer die Funktionsweise eines Patientenlifters, der die Arbeit mit einem schwerst Pflegebedürftigen erheblich erleichtern kann. Aber nicht nur die großen und kleinen Hilfsmittel sind es, die den Alltag eines Pflegenden erleichtern. Es ist nicht allein, dass er durch entprechende Techniken seinen Rücken schonen kann. Vielmehr lernten die Kursteilnehmer von den beiden Instruktoren eben auch, wie wichtig Auszeiten für ihre eigene Gesundheit sind. Petra Brehmer und Stephan Schmitz fordern die Frauen daher auf: "Gönnen Sie sich auch Pausen."
Die Präventionskurse "Wie schone ich meinen Rücken" laufen über vier Nachmittage. Die Gebühr beträgt 60 Euro, die von der Krankenkasse erstattet werden kann. Der nächste Kurs beginnt am 8. September um 16 Uhr. Weitere Infos gibt es bei Petra Brehmer unter der Telefonnummer (0641) 9940446 oder (0641) 9940441.
www.uniklinikum-giessen.de/bildung
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-11) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-13 bis 2005-08-13 |
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| "Die Verabschiedung haben wir so kommen sehen" |
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Landtagsentscheidung zur Klinik-Fusion löst unterschiedliche Reaktionen aus - SPD nimmt Möller ins Visier - FDP: CDU-Arroganz
Unterschiedliche Reaktionen hat das vom Landtag mit der Ein-Stimmen-Mehrheit der CDU am Donnerstag beschlossene Vorschaltgesetz zur Fusion der beiden Uni-Kliniken Gießen und Marburg ausgelöst. Er sei "relativ gelassen", kommentierte Prof. Hans Michael Piper, Dekan des Fachbereichs Medizin und Mitglied des Gießener Klinikumsvorstands, die Entscheidung aus Wiesbaden. "Die Verabschiedung des Gesetzes haben wir so kommen sehen." Jetzt bereite man sich auf die weiteren Schritte vor. Aus seiner Sicht treibe die Landesregierung den Prozess der Privatisierung konstruktiv voran. "Wir haben immer gesagt, dass die Fusion mit einem Verkauf verknüpft sein muss", sieht Piper die Auffassung der heimischen Krankenhausverantwortlichen bestätigt. Zwei Aspekte gilt es nach den Worten des Dekans für Gießen im Auge zu behalten. Neben der Privatisierung müsse unbedingt sichergestellt sein, dass der Vorstand des fusionierten Klinikums paritätisch besetzt ist. "Das ist nach dem Gesetz möglich und ich hoffe, das passiert auch."
Klaus Hanschur, Personalratsvorsitzender in Gießen, erwägt rechtliche Schritte gegen das Gesetz. "Wir werden als Personalrat mit unserem Rechtsanwalt prüfen, ob Klagemöglichkeiten bestehen." Besonders die in dem Vorschaltgesetz geregelte Versetzung der nichtwissenschaftlichen Beschäftigten an das neue Uni-Klinikum soll nach Hanschurs Worten auf den Prüfstand. Grundsätzlich habe er den Eindruck, "dass die Fusion und Privatisierung untrennbar miteinander verbunden sind". Der Personalratsvorsitzende über die CDU-geführte Landesregierung: "Die ziehen das jetzt durch."
Unterdessen hat der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Gerhard Merz die Zustimmung des Gießener CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Peter Möller zum umstrittenen Kauf des Erbacher Schlosses und zur Zusammenlegung und Privatisierung der Uni-Kliniken Gießen und Marburg scharf kritisiert. "Die Prioritäten, die die Landesregierung und die CDU-Landtagsfraktion damit gesetzt haben, sind skandalös. Den Luxus eines Schlosskaufes für 13,3 Millionen Euro, unterm Strich werden es nach Einschätzung aller Fachleute eher 20 Millionen Euro sein, zukünftige laufende Unterhaltungskosten nicht eingerechnet, kann sich Hessen schlicht nicht leisten." Die Landesregierung und die sie tragende CDU-Fraktion - und somit auch Möller - seien nicht müde geworden zu betonen, dass das Land die nötigen Investitionen für das Gießener Uni-Klinikum nicht aufbringen könne. Gleichzeitig sei das Land aber offensichtlich in der Lage, großzügige Geschenke aus Steuermitteln an ein marodes Adelshaus zu verteilen. "Das passt nicht in die Landschaft, das ist vielmehr eine offene Provokation für die Menschen in Gießen und Marburg, die sich berechtigte Sorgen um die Zukunft ihrer Klinika, ihrer Arbeitsplätze und der Region insgesamt machen - und nach der gestrigen Entscheidung zur Fusion und anschließenden Privatisierung noch mehr machen müssen", so Merz. Auch hier habe Möller zugestimmt, mit der Begründung, dass kein Geld da sei. Diesen Widerspruch werde er den Menschen in Mittelhessen erklären müssen. Die SPD werde ihn jedenfalls nicht aus seiner persönlichen Verantwortung entlassen, "denn schließlich war die Landesregierung auf seine Stimme entscheidend angewiesen", sagte Merz.
Scharf ins Gericht mit der CDU ging auch der FDP-Bezirksvorsitzende Wolfgang Greilich in Sachen Klinik-Fusion. Die in der vorangegangenen Anhörung von CDU-Vertretern dokumentierte Ahnungslosigkeit hinsichtlich der zutreffenden Bewertung entscheidender rechtlicher und wirtschaftlicher Fragestellungen werde nur noch übertroffen von der Arroganz, mit der sich die absolute CDU-Mehrheit über alle sachlich fundierten Einwendungen hinsichtlich des von ihr eingeschlagenen Weges hinweggesetzt habe.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-11) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-13 bis 2005-08-13 |
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| Personalrat und SPD prüfen rechtliche Schritte |
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Klinikumsgesetz: Hanschur befürchtet Kündigungen nach 2010 – Schäfer-Gümbel hält Klage für denkbar – Reaktionen
Gießen (si). Auch am Tag nach seiner Verabschiedung hat das Gesetz über das »Universitätsklinikum Gießen und Marburg« gestern für Diskussionen gesorgt. So prüfen der Personalrat des Gießener Uniklinikums und die SPD-Landtagsfraktion rechtliche Schritte gegen das Gesetz, mit dem die Fusion und Privatisierung der beiden Häuser auf den Weg gebracht worden ist. Die Mitarbeitervertretung befürchtet, dass die Beschäftigten mit dem Rechtsformwechsel des Klinikums schlechter gestellt werden könnten, sagte Vorsitzender Klaus Hanschur der Allgemeinen Zeitung. Die Sozialdemokraten hatten schon bei der Lesung im Landtag verfassungsrechtliche Bedenken geäußert. Denkbar sei eine Klage vor dem hessischen Staatsgerichtshof, erklärte ihr Abgeordneter Thorsten Schäfer-Gümbel. Aus den Gießener Parteien gab es weitere Reaktionen.
Der im März vorgestellte Gesetzentwurf habe viele Klinikumsbedienstete verunsichert. Bei der Personalvertretung seien etliche Anfragen eingegangen, sagte Hanschur. Vor allem die Überleitung der Beschäftigten lasse rechtlich viele Fragen offen. Klar sei, dass die bisherigen Rechte und Pflichten auch im fusionierten Klinikum Bestand hätten. In Kraft bleibe deshalb auch die im letzten Jahr ausgehandelte Dienstvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2010 ausschließt und erworbene tarifliche Ansprüche sichert. Unklar sei, wie es dann weitergehe. Mit der Fusion würden die meisten Landes- auf Klinikumsverträge umgestellt. Damit seien nach 2010 Kündigungen leichter möglich – bislang dürften die Beschäftigten nicht entlassen werden, wenn sie in anderen Landesbehörden eingesetzt werden könnten.
Die Rechtslage sei kompliziert, der Personalrat lasse sich schon seit einiger Zeit anwaltlich beraten. Die Mitarbeiter würden demnächst in einer Personalversammlung Näheres erfahren, sagte Hanschur.
Bei der Anhörung im Landtag hätten mehrere Experten die Vermutung geäußert, dass das Uniklinikumsgesetz gegen die hessische Verfassung verstoße, sagte Schäfer-Gümbel. Angriffsflächen biete der Bereich Forschung und Lehre – das Gesetz lasse völlig offen, wie deren grundgesetzlich garantierte Unabhängigkeit gesichert werden solle. Wie im Landtag deutlich geworden sei, bezweifele die SPD zudem, dass die Privatisierung durch eine Rechtsverordnung eingeleitet werden könne, ohne das Parlament zu beteiligen. Welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben, lasse die Fraktion schon seit einiger Zeit prüfen. Eventuell könne die Verordnung zur Privatisierung auch vor dem Verwaltungsgericht angefochten werden. Die SPD wolle in Kürze 100 000 Flugblätter in Gießen und Marburg verteilen, um ihre Position deutlich zu machen, kündigte Schäfer-Gümbel an.
Kritik erntete das Gesetz gestern auch in zwei Pressemitteilungen heimischer Politiker. Der Gießener FDP-Vorsitzende Wolfgang Greilich sprach von »Arroganz, mit der sich die CDU-Mehrheit über alle sachlich fundierten Einwendungen hinweggesetzt« habe. Der Ministerpräsident stehe nun persönlich in der Verantwortung, dass es »nach dem vorschnellen ersten und fahrlässigen zweiten Schritt der isolierten Fusion auch zu der viel wichtigeren Privatisierung kommt«. Wenn er dieses Ziel nicht erreiche, werde er in die Annalen als der Politiker eingehen, »der die mittelhessische Hochschulmedizin an die Wand gefahren hat«.
»Die Prioritäten der Landesregierung sind skandalös«, meinte der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Gerhard Merz. Für die Sanierung des Gießener Klinikums fehle angeblich das Geld. Gleichzeitig habe die Union am Dienstag im Landtag den millionenschweren Kauf des Erbacher Schlosses aus Steuermitteln gebilligt.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-11) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-15 bis 2005-08-15 |
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| "Das ist ein Pfund, mit dem wir gut wuchern können" |
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Sildenafil zur Behandlung von Lungenhochdruck zugelassen - Hilfe für Millionen Menschen
Gewöhnlich hält Prof. Werner Seeger sich bevorzugt im Hintergrund. Doch am Donnerstagmittag gab der Mediziner seine Zurückhaltung für einen kurzen Moment auf - aus gutem Grund. Denn: Die mächtige US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat in einem Eilverfahren den in der Potenzpille Viagra enthaltenen Wirkstoff Sildenafil zur Behandlung von Lungenhochdruck zugelassen. Was Seeger besonders Stolz macht: Die der Zulassung zugrunde liegenden experimentellen und klinischen Studien haben Wissenschaftler des Lungenzentrums der Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU) angefertigt. Der Gruppe um Prof. Friedrich Grimminger und Dr. Ardeschir Ghofrani ist es als erste gelungen, eine Therapie gegen die oft tödliche verlaufende Erkrankung zu entwickeln, an der weltweit zwischen 100 bis 200 Millionen Menschen leiden. Unter dem Namen "Revatio" wird Sildenafil zunächst bei rund 100 000 akut lebensbedrohten Patienten zum Einsatz kommen. Die europaweite Zulassung ist für Ende des Jahres vorgesehen. Wegen seiner enormen Wirksamkeit werde das Medikament jedoch heute schon Betroffenen verabreicht, wie Grimminger erläuterte.
Der Wissenschaftler, der am Klinikum der Justus-Liebig-Universität (JLU) die Medizinische Klinik und Poliklinik V leitet, sprach von einer "einmaligen Chance im Leben eines Forschers". Es sei beispielhaft gelungen, wissenschaftliche Aspekte in die konkrete Anwendung umzusetzen. In Gießen würden 350 Patienten durch die Gabe des Viagra-Wirkstoffes dauerhaft am Leben gehalten. "Die Einnahme des Medikamentes ist auf Rezeptverschreibung jetzt auch in Deutschland möglich", betonte Grimminger, der den großen Erfolg als das Ergebnis einer echten Teamleistung bezeichnete. Sein Kollege Ghofrani zeigte sich überzeugt: "Der Einsatz von Sildenanfil wird die Therapie des Lungenhochdrucks revolutionieren." Auch Werner Soßna würdigte die Leistung der Forschergruppe. "Es macht einfach Spaß, mit solchen Leuten zu arbeiten", so der Kaufmännische Direktor des Klinikums. Einen derartigen Erfolg habe er nicht für möglich gehalten.
"Hier ist exemplarisch
etwas gelungen, was wir für die Medizin in Deutschland wünschen: Transnationale Forschung, die weltweit führend ist."Prof. Werner Seeger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin In seiner Funktion als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin sowie als Mitglied des Wissenschaftsrats des Bundes erklärte Prof. Werner Seeger: "Hier ist exemplarisch etwas gelungen, was wir für die Medizin in Deutschland wünschen: Transnationale Forschung, die weltweit führend ist." Der wissenschaftliche Schwerpunkt "Herz-Lunge" habe seine bundesweite Spitzenposition wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. "Es gibt kein Zentrum auf der Welt, das so viele Therapieansätze entwickelt hat", unterstrich Seeger, Sprecher des Sonderforschungsbereichs "Kardiopulmonales Gefäßsystem" und Leiter der Klinik und Poliklinik II der JLU. Mit Wissenschaftlern der Universität Frankfurt sowie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim strebe man zudem einen Ausbau zu einem so genannten "Exzellenzcluster" (Forschungseinrichtungen rund um Institute) an. Exzellenzcluster sollen nach einem Kompromiss der Bund-Länder-Kommission im Zuge der Förderung von Spitzenforschung künftig jährlich 6,5 Millionen Euro erhalten.
Bruno Kopp, Gründer und Vorsitzender des Selbsthilfevereins "Pulmonale Hypertonie" strich neben der hervorragenden medizinischen Qualität die herzliche Betreuung durch die Ärzte und das Pflegepersonal des Gießener Lungenzentrums hervor. Prof. Wolfgang Weidner, Ärztlicher Direktor des Klinikums, wies angesichts des Durchbruchs bei der Behandlung lungenkranker Menschen auf die Auswirkungen für den Standort hin. "Das ist ein Pfund, mit dem wir gut wuchern können." Mit dem Lungenzentrum verfüge Gießen bereits über einen der Leuchttürme, die der hessische Ministerpräsident Roland Koch immer wieder fordere.
Durch eine am Fuße des Mount Everest im Jahr 2003 erstellte Aufsehen erregende Höhenstudie zeigten Grimminger, Ghofrani und Co. das erste Mal, dass der Viagra-Wirkstoff Sildenafil den durch Sauerstoffmangel hervorgerufenen Lungenhochdruck senkt. Dadurch wird die Pumpleistung des Herzens verbessert und die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich gesteigert. Die Veränderungen an Herz und Lunge, die durch die "äußere Sauerstoffarmut" in der extremen Höhe ausgelöst werden, imitieren die Auswirkungen der "inneren Sauerstoffarmut" bei verschiedensten Lungenerkrankungen. "Wir haben außerdem nachweisen können, dass der Wirkstoff Sildenafil direkt in der Lunge wirkt und die Sauerstoffaufnahme verbessert", so Ghofrani. "Dabei beeinflusst der Wirkstoff den Blutdruck im Körperkreislauf nicht." Bisher waren insbesondere die starken Blutdruckabfälle eine gefürchtete Komplikation der wenigen verfügbaren Therapien des lebensbedrohlichen Lungenhochdrucks, der infolge einer Vielzahl von Lungen- und Herzerkrankungen auftritt.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-10) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-13 bis 2005-08-13 |
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| Landtag macht den Weg für Fusion der Uni-Kliniken frei |
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Minister Corts: Haben uns gut beraten lassen - Opposition verweist auf mögliche Risiken
Der Landtag in Wiesbaden hat gestern die Fusion der Universitätskliniken Gießen und Marburg beschlossen. Für das umstrittene Gesetz votierte die CDU-Mehrheit im Parlament. SPD und Grüne stimmten dagegen, die FDP enthielt sich. Mit dem Gesetz werden erstmals in Deutschland zwei Uni-Kliniken verschmolzen, um anschließend privatisiert zu werden. Die Fusion erfolgt bereits zum 1. Juli. In einem zweiten Schritt sollen die Kliniken dann zum 1. Januar 2006 privatisiert werden. Auch die Oppositions-Fraktionen erkennen die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses grundsätzlich an, kritisierten aber den Zeitplan als überhastet, weil noch zu viele Fragen offen und Probleme ungeklärt seien.
Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) versuchte die Kritiker während der nur 30 Minuten dauernden dritten Lesung des Gesetzes zu beruhigen: "Wir haben uns gut beraten lassen." Bis zum Jahr 2010 werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben, versicherte er erneut. Angelegenheiten von Forschung und Lehre sowie der Krankenversorgung würden gesetzlich abgesichert.
"Diese Fusion ist nur die kleinstmögliche Problemlösung", meinte dagegen der Marburger Arzt und SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies. Zudem sei der §5 des Gesetzes seiner Meinung nach verfassungswidrig. Darin wird die Landesregierung ermächtigt, die spätere Privatisierung nur durch eine Rechtsverordnung - ohne erneute Abstimmung im Landtag - zu vollziehen.
Auch Sarah Sorge von der Fraktion der Grünen forderte von der Landesregierung, diesen Paragrafen zu streichen. Erst müssten alle offenen Fragen und Details geklärt sein, "bevor man mit einer Privatisierung experimentiert", sagte sie. Die Grünen seien ansonsten "nicht unbedingt gegen Privatisierung", räumte Sorge ein.
Nicola Beer von der FDP fand die Vorgehensweise mit dem Fusionsgesetz "grob fahrlässig" und fügte hinzu: "Eigentlich müssten die handelnden Minister hierfür mit einem Amtshaftungsanspruch verfolgt werden."
Die CDU-Abgeordnete Anne Oppermann verteidigte das Gesetz und gab zu bedenken, dass von den 35 deutschen Uni-Kliniken 15 in ihrer Existenz bedroht seien. Die Uni-Kliniken Gießen und Marburg sollten alles tun, um ihren Erhalt zu sichern.
Die Opposition befürchtet unter anderem, dass die Regierung ein Milliarden-Risiko eingeht, da viele Probleme im Zusammenhang mit der Sicherung der Freiheit von Forschung und Lehre sowie des Übergangs der Angestellten beider Kliniken in private Arbeitsverhältnisse ungeklärt seien.
Kritiker des Projekts sehen zudem kartellrechtliche Probleme mit weiteren zeitlichen Verzögerungen für die beiden Kliniken, die nach offizieller Darstellung der Bieter-Ausschreibung zusammen jährlich 575 Millionen Euro an Erträgen erwirtschaften und gemeinsam 8600 Arbeitnehmer haben. Die Opposition spricht dagegen von zusammen rund 10000 Mitarbeitern. Als private Übernahmeinteressenten sind die Krankenhaus-Konzerne Asklepios, Helios und die Rhön-Klinikum AG im Gespräch.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-10) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-13 bis 2005-08-13 |
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| Weg frei für »Uniklinikum Gießen und Marburg« |
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Landtag beschließt Gesetz mit CDU-Mehrheit - SPD und Grüne scheitern mit Versuch, die Privatisierung zu verhindern
Gießen/Wiesbaden (si). Der hessische Landtag hat gestern Abend mit den Stimmen der CDU-Fraktion das »Gesetz über die Errichtung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg« beschlossen. Damit werden die beiden Häuser zum 1. Juli fusionieren. Die FDP enthielt sich bei der abschließenden dritten Lesung, weil sie zwar verfassungsrechtliche Bedenken geltend macht und erhebliche finanzielle Folgelasten befürchtet, aber die mit dem Gesetz eingeleitete Privatisierung des neuen Uniklinikums zum 1. Januar grundsätzlich begrüßt. SPD und Grüne stimmten gegen die Vorlage, weil sie über die rechtlichen Einwände und die finanziellen Konsequenzen hinaus auch den Verkauf an einen privaten Betreiber ablehnen. Ihr Antrag, die Privatisierung aus dem Gesetz zu streichen, lehnten Union und Liberale mehrheitlich ab.
»Dieses Gesetz ist falsch, und sie sollten es lassen«, sagte der SPD-Abgeordnete Thomas Spies (Marburg). Dass die Landesregierung darin ermächtigt werde, die Privatisierung am Parlament vorbei durch Rechtsverordnung zu beschließen, werde einer verfassungsrechtlichen Prüfung nicht standhalten. Wie die Interessen von Forschung und Lehre gewahrt werden sollten, bleibe völlig unklar. Zudem drohten dem Land finanzielle Risiken von bis zu 800 Millionen Euro, weil Nachzahlungen bei der Altersvorsorge der Landesbediensteten und Rückforderungen von Hochschulbaufördermitteln im Raume stünden. »Wir sind nicht gegen die Fusion, wollen aber, dass sie ordentlich gemacht wird«, sagte der Gießener SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel.
Ähnlich argumentierte Sarah Sorge für die Grünen. Ein von ihrer Fraktion gemeinsam mit der SPD eingebrachter zweiter Antrag, die Personalüberleitung der Klinikumsbediensteten rechtlich so zu regeln, dass keine Folgelasten bei der Alterssicherung drohten, lehnte die CDU-Mehrheit im Landtag ebenfalls ab.
Die Union habe die Chance verpasst, die offenen Fragen aufzuarbeiten, erklärte die FDP-Abgeordnete Nicola Beer. Damit würden auch die dringend benötigten privaten Kapitalgeber verschreckt. »Sie handeln ihrem eigenen Gesetzentwurf entgegen«, sagte sie in Richtung CDU. Weil auch kartellrechtliche Bedenken nicht rechtzeitig erörtert worden seien und Klagen gegen das Gesetz drohten, hätte die Union die Verabschiedung des Klinika-Gesetzes verschieben sollen. »Sie hasten heute und werden am Ende verlieren«, sagte Beer und prophezeite, dass die Privatisierung nicht zum 1. Januar 2005 kommen werde.
Die CDU habe die Einwände ausreichend berücksichtigt, meinte die CDU-Abgeordnete Anne Oppermann (Marburg). Bei der Privatisierung sei das Gesetz auch rechtlich unangreifbar. »Wir zerstören keine Strukturen, wir sichern sie«, betonte Oppermann. Alle Beteiligten - auch die Personalräte - seien in die Vorbereitungen für das neue Uniklinikum einbezogen worden. Druck erzeugten die Einsparungen im Gesundheitssystem. Dem Wissenschaftsrat zufolge seien von bundesweit 35 Unikliniken 15 gefährdet. »Wir wollen nicht, dass Gießen und Marburg zu diesen Kliniken gehören«, so die Unions-Abgeordnete. Ein privater Kapitalgeber sei nicht nur notwendig, weil Gießen einen Investitionsbedarf von rund 200 Millionen Euro habe. Auch in Marburg seien einige »Neubauten« schon 20 Jahre alt und müssten erneuert werden.
Wissenschaftsminister Udo Corts kündigte an, dass die Bereiche Forschung und Lehre in einem neuen hessischen Uniklinikengesetz gesichert werden sollen - das gültige Gesetz ist bis zum Ende dieses Jahres befristet. Auch bei der Altersvorsorge der Klinikumsbediensteten werde es eine Regelung geben. Die Entscheidung zur Fusion und Privatisierung sei eine sehr schwierige gewesen. »Wir wissen genau, war wir machen«, meinte Corts.
Mit der Fusion am 1. Juli werden die zwei Kliniken eine »Anstalt des öffentlichen Rechts« mit Sitz in Gießen und Marburg. Im gemeinsamen Vorstand werden die kompletten Vorstände beider Kliniken vertreten sein. Gleiches gilt für den Aufsichtsrat. Dieser wird die Geschäftsbereiche der Vorstandsmitglieder festlegen und bestimmen, wer den Vorsitz übernimmt. Die nichtwissenschaftlichen Beschäftigten werden an das neue Uniklinikum versetzt; die wissenschaftlichen Bediensteten gehören weiterhin ihren Universitäten an, erbringen die Dienstleistungen aber künftig für das »Universitätsklinikum Gießen und Marburg«. Der vom Land versprochene Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ist im Gesetz selbst nicht geregelt, soll nach dem Willen der Landesregierung aber als Bedingung in die Verhandlungen mit dem künftigen Betreiber eingebracht werden.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-10) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-14 bis 2005-08-14 |
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| Gießener Lungenforschung ist weltweit Spitze |
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Vielversprechende US-Zulassung von Potenzpillen-Wirkstoff bei Lungenhochdruck - Erfolg der Mount-Everest-Expedition
Gießen (if). Sie klagen bei körperlicher Belastung über Atemnot, Brustenge und Herzrasen. Ist ihr Lungenhochdruck erst einmal als Ursache erkannt, blieb Betroffenen bisher oft nur noch eine kurz bemessene Lebensspanne. Für rund 100 000 solcher bereits akut lebensgefährdeter Patienten gibt es jetzt neue Hoffnung: Die amerikanische Zulassungbehörde, die als äußerst kritisch bekannte Food and Drug Administration (FDA), hat dieser Tage Sildenafil, den Wirkstoff der Potenzpille Viagra, angesichts seiner inzwischen erwiesenen lebensrettenden Wirksamkeit unter dem Handelsnamen Revatio im Eilverfahren offiziell zugelassen. Mit der Zulassung in Deutschland ist in Bälde zu rechnen, betonte gestern der Lungenspezialist Prof. Friedrich Grimminger, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik V im Gießener Universitätsklinikum.
Vor wenigen Tagen erst kurzfristig zur Konsultation einer hochgestellten Persönlichkeit nach Saudi-Arabien eingeflogen, war Grimminger kurz zuvor von einer am Vorabend in New York angesetzten internationalen Pressekonferenz zurückgekehrt. Denn die der US-Zulassung zugrunde liegenden Arbeiten zur Entwicklung des neuen Behandlungskonzeptes wurden - beginnend mit der biochemischen Identifizierung der beteiligten Signalmoleküle bis hin zu klinischen Pilotstudien - am Uniklinikum und im Fachbereich Medizin im »Exzellenzzentrum Herz und Lunge« in Gießen durchgeführt. Für die Beschleunigung des Zulassungsverfahrens dürften dabei die Ergebnisse des Gießener Mount-Everest-Experiments den Ausschlag gegeben haben. Die spektakuläre Expedition in den Himalaya im Sommer 2003 ist jetzt schon in die Lehrbücher eingegangen. In ihrem Verlauf wiesen Prof. Grimminger und Oberarzt Dr. Ardeshir Ghofrani an gesunden Bergsteigern nach, dass Sildenafil unter extremen Höhenbedingungen gezielt die Lungengefäße erweitert, den Herzmuskel entlastet und gleichzeitig die Sauerstoffaufnahme verbessert.
Den entscheidenden Abschluss der Entwicklung des neuen Therapieansatzes stellte dann eine im Vorjahr veröffentlichte multizentrische Gießener Studie dar, deren Ergebnisse in renommierten Fachzeitschriften publiziert wurden. Aus Sicht der Experten ist die jetzt erfolgte Zulassung in USA Auftakt für eine vielversprechende weitere Entwicklung: 100 000 Patienten sind derzeit akut lebensbedroht, doch insgesamt sind von den verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks weltweit mindestens 100 Millionen Patienten betroffen.
Aus ihrem Stolz auf das gelungene Beispiel einer - von der Öffentlichkeit immer dringlicher geforderten - beschleunigten Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis machten gestern weder Prof. Wolfgang Weidner als ärztlicher Direktor des Klinikums noch sein Stellvertreter Prof. Werner Seeger, Präsident der renommierten Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und Mitglied des Wissenschaftsrates und der Max-Planck-Gesellschaft, einen Hehl. »Gießen ist heute weltweit führend auf dem Gebiet des Lungenhochdrucks«, betonte Seeger. Als »Lung Cluster« mit Sonderforschungsbereich, Forschergruppe und Graduiertenkollegs verfüge man auch über hervorragende Voraussetzungen für die Aufnahme in die Förderprogramme der EU. Die gezielte Neubegründung der Max-Planck-Institute in Bad Nauheim unter der Bezeichnung »Heart and Lung Institutes«, für die derzeit die Besetzungsverfahren für zwei Direktorenpositionen laufen, sei ebenfalls in diesem Zusammenhang zu sehen.
Bruno Kopp, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe »Pulmonale Hypertonie«, die derzeit rund 750 Mitglieder zählt, nannte Gießen gestern »einen wahren Leuchtturm« in der Behandlung seiner Krankheit, wobei er ausdrücklich die hier herrschende freundliche Atmosphäre hervorhob. Sein Befinden habe sich seit dem Einsatz von Revatio bemerkenswert gebessert, berichtete er auf Fragen im AZ-Gespräch. Die in Gießen betreuten rund 300 Patienten könnten diese Betreuung weltweit empfehlen.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-10) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-14 bis 2005-08-14 |
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| MVZ am Klinikum |
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Ambulante und stationäre Behandlung eng verzahnt
Gießen (if). Mit der Einrichtung eines eigenen »Medizinischen Versorgungszentrums« zum 1. April dieses Jahres hat das Universitätsklinikum Gießen in Deutschland eine Art Vorreiterrolle übernommen, indem es diese neue Möglichkeit zur engeren Verzahnung ambulanter mit stationärer Krankenversorgung nutzt. Planungen - das kündigten bei einer Präsentation der kaufmännische Direktor des Uniklinikums, Werner Soßna, und sein Vertreter Dr. Hans-Jürgen Hackenberg an - sähen über den Erwerb weiterer so genannter »Kassenarztsitze« eine Ausweitung des Arbeitsbereiches und eine Ergänzung zunächst um die Fachgebiete Innere Medizin und Urologie vor.
In der zu 100 Prozent im Besitz des Klinikums befindlichen GmbH sind zunächst die beiden Fachdisziplinen Gynäkologie und Labormedizin mit den Gynäkologen Dr. Klaus Zeh und Dr. Wilfried Zimmermann sowie dem Labormediziner Dr. Dieter Auch einbezogen. Die ärztliche Leitung hat Dr. Zimmermann übernommen. Das Versorgungszentrum ist räumlich an das Klinikum angebunden - in den ehemaligen Räumen der Ambulanz der Frauenklinik untergebracht, die in jüngster Zeit renoviert wurden. Die Ambulanz wurde ins Hauptgebäude verlegt. Nun hieß es, die MVZ-Patienten profitierten einerseits von der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen und Labormediziner und andererseits angesichts kürzerer Verbindungswege bei komplexen Krankheitsbildern von der angestrebten engen Kooperation mit sämtlichen benachbarten Abteilungen des Universitätsklinikums. Für die jeweiligen Fragestellungen stehe dort das erforderliche Know-how der Hochleistungsmedizin zur Verfügung.
Als ein Pluspunkt eines solchen an ein Krankenhaus angebundenen Medizinischen Zentrums wird die Vermeidung von Doppeluntersuchungen angeführt, womit eine wirtschaftliche Versorgung ermöglicht und Patienten geschont würden. Zudem könnten medizinische Großgeräte, deren Anschaffung sich in Praxen kaum rentiere, von einem MVZ mit genutzt werden.
Ganz neu ist das MVZ als Modell der ambulanten Krankenversorgung nicht: Wie Fragen ergaben, hat bereits einer der großen kommerziellen Krankenhauskonzerne an drei Standorten - in Jena, Gotha und Berlin-Buch von den Möglichkeiten der Gesetzgebung Gebrauch gemacht und solche Zentren geschaffen. Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zufolge sind in den neuen Bundesländern bisher insgesamt 30 ehemalige DDR-Polikliniken in Medizinische Versorgungszentren überführt worden.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-10) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-14 bis 2005-08-14 |
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| Opposition fordert Aufschub für Fusion und Privatisierung |
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Landtag debattiert Zukunft der Uni-Kliniken - Gesetz soll Donnerstag verabschiedet werden
Die umstrittenen Pläne zur Fusion und Privatisierung der Uni-Kliniken Gießen und Marburg hat der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) im Landtag gegen Kritik der Opposition verteidigt. Vor Beginn der zweiten Lesung des von der CDU eingebrachten Gesetzes nahm Corts in Wiesbaden rund 30000 Unterschriften gegen das Vorhaben entgegen. Die Personalräte beider Kliniken befürchten Personalabbau. Am Donnerstag soll das Gesetz in dritter Lesung endgültig beschlossen werden. SPD, FDP und Grüne forderten dagegen mehr Zeit und eine Veschiebung des Vorhabens, bis alle unklaren Fragen beantwortet seien.
Im Landtag betonte der Minister: "Wir gehen den korrekten Weg, damit wir nachher nicht verklagt werden können." Die Interessen von Forschung und Lehre würden im Uniklinik-Gesetz berücksichtigt.
"Dieses Gesetz gehört in den Reißwolf", meinte dagegen der Marburger Thomas Spies, gesundheitpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Die Fusion müsse "mit Ruhe und Besonnenheit" vorbereitet werden, und nicht "im Schweinsgalopp". Die Landesregierung handele sich derzeit ein Finanzrisiko von einer Milliarde Euro ein, sagte der Arzt. Er forderte, den Gesetzentwurf zurückzuziehen. Auch Sarah Sorge von den Grünen kritisierte das "Hauruck-Verfahren" und "die vielen ungeklärten Fragen". Der Zeitdruck müsse aus dem Verfahren genommen werden. Geplant ist bisher die Fusion zum 1. Juli 2005 und die Privatisierung zum 1. Januar 2006.
"Wir privatisieren hier nicht irgendein Kreiskrankenhaus", warnte die wissenschaftspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Nicola Beer. Die 17-stündige Experten-Anhörung habe bereits "mehr offene Fragen aufgeworfen, als beantwortet". Die FDP hat zudem verfassungsrechtliche Bedenken.
Für Unmut bei den SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Spies und Thorsten Schäfer-Gümbel sorgte zudem eine Äußerung des CDU-Abgeordneten Klaus-Peter Möller in der Sitzung des Hauptauschusses der Stadtverordnetenversammlung am Vorabend in Gießen. Dort hatte Möller geäußert, Änderungen am Gesetz als Konsequenz aus der Anhörung würden erst zur dritten Lesung am Donnerstag eingebracht. "Das ist im Umgang mit dem Thema eine Riesen-Sauerei", so die SPD-Poltiker. Wenn für Donnerstag tatsächlich Änderungsanträge geplant seien, werde die zweite Lesung des CDU-Gesetzes zur Makulatur. Die CDU müsse endlich mit offenen Karten spielen.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-08) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-08 bis 2005-08-08 |
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| »Oh Anneliese - ich liebe Deine Hypophyse . . . |
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. . . nicht mal so groß wie eine Bohne / lenkt sie das Fließen der Hormone« - Neurochirurg Dr. Oertel vor Medizin-Senioren
Gießen (if). Er machte einen Einschnitt in den oberen Gaumen, eröffnete die Nasenpassage, arbeitete sich bis zur Keilbahnhöhle vor, dann legte er die erbsengroße Drüse frei. Ein dunkler Klumpen und ockergelbes Tumorgewerbe wurden abgesogen. Das Leck schloss der Neurochirurg mit einem Stückchen subkutanen Bauchfetts. Durch die Nase in die Keilbeinhöhle bugsiert, wurde es durch eine Nasentamponade fixiert. So beschreibt in seinem Roman »Saturday« der britische Autor Ian McEwan eine Hypophysen-Operation, nachdem die junge Romanheldin nach Kopfschmerzen und Regelstörungen plötzlich ihr Sehvermögen eingebüßt hatte.
Die heute in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Gießen (Direktor Prof. Dieter-Karsten Böker) eingesetzte Operationsmethode bei Tumoren der Hirnanhangdrüse, die nicht oder nur unzureichend medikamentös behandelbar sind, beschrieb als Gast der Medizin-Senioren Oberarzt Dr. Matthias Oertel, nachdem er zuvor die Funktion des nur fingerkuppengroßen Steuerungsorgans geschildert hatte. Genau dort im Schädel gelegen, wo beidseits an den Schläfen angesetzte Zeigefinger sich im Kopf treffen würden, reguliert es direkt und indirekt über die Ausschüttung einer ganzen Reihe von Hormonen zahlreiche Lebensvorgänge.
Kommt es dabei zur Entwicklung von Tumoren, gerät das fein austarierte hormonelle Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht. Und dies zeigt sich - je nach Tumortyp - in unterschiedlichen gesundheitlichen Störungen. Fahle Hautfarbe beispielsweise zusammen mit Sehstörungen können auf ein Prolactinom, eine tumorbedingte Störung der Ausschüttung des Hormons Prolaktin, hindeuten, das beispielsweise die weibliche Brust zur Milchbildung benötigt. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten bei der Ausschüttung des Wachstumshormons, vergröbern sich bei der »Akromegalie« nicht nur die Gesichtszüge, sondern auch innere Organe, selbst die Zunge entwickelt sich überdimensional. Wie Morbus Cushing das Aussehen verändert, zeigte Dr. Oertel am Bild einer jungen Frau: Ihr Rücken rundet sich zu einem kleinen Buckel, weil ihre Knochen entkalken, sie bekommt Diabetes, sie verfettet, leidet leicht unter Blutungen und Regelstörungen, und das Behaarungsmuster wird männlich. Weniger zartfühlend: Sie entwickelt einen Damenbart. Mit 27 ist sie schließlich gestorben.
Beim Prolactinom - an dem vermutlich die zuerst erwähnte Romanheldin litt - ist heute eine medikamentöse Behandlung möglich. Beim Cushing (mit u nicht mit a auszusprechen) und bei der Akromegalie sind eher die Neurochirurgen gefragt. Dabei hängen die Erfolgsaussichten neben dem Allgemeinzustand des Patienten auch von der Erfahrung des Operateurs, der technischen Ausstattung der Klinik und der interdisziplinäre Zusammenarbeit ab, die Dr. Oertel vor Ort namentlich mit Bezug auf die Universitäts-Augenklinik als »beispielhaft« bezeichnete.
Abschließend zitierte der Gast aus der Neurochirurgie zum Entzücken seiner Hörer einen ebenso musisch wie pädagogisch versierten Medizinerkollegen zu dem Thema. »Oh meine liebe Anneliese / Ich liebe Deine Hypophyse«, gestand der seiner Angebeteten. »Ich bin nicht sicher, ob Du weißt / dass sie Hirnanhangdrüse heißt«. Um fortzufahren: »Sie hängt an Deinem Zwischenhirn / und kann Organe regulier´n. / Nicht mal so groß wie eine Bohne / lenkt sie das Fließen der Hormone. Ach meine liebe Anneliese / was wärst Du ohne Hypophyse?« - Was wären wir ohne Hypophyse?, fragten sich, ein gutes Stück klüger geworden, auf dem Heimweg auch die Medizin-Senioren.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-08) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-09 bis 2005-08-09 |
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| Klinika: Dritte Lesung notwendig |
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CDU und Opposition halten im Landtag an ihren bisherigen Positionen fest
Gießen/Wiesbaden (dpa/lhe). SPD und Grüne im Landtag haben die Entscheidung über die geplante Fusion der Universitätskliniken in Marburg und Gießen verzögert. Redner der Fraktionen warnten gestern im Landtag vor finanziellen Risiken von bis zu einer Milliarde Euro. »Sie machen das Falsche, und Sie machen es falsch. Ziehen Sie den Mist zurück«, forderte der SPD-Abgeordnete Thomas Spies.
SPD und Grüne nannten den CDU-Entwurf zur Fusion innerhalb von sechs Monaten übereilt und verfassungswidrig und beantragten eine zusätzliche dritte Gesetzeslesung. Auch die FDP, die die Privatisierung grundsätzlich befürwortet, sah gravierende Probleme unter anderem beim Kartellrecht und forderte eine Denkpause. Damit kann das Gesetz erst am Donnerstag beschlossen werden.
Der Minister wies die Kritik zurück. »Wir machen das Richtige, und wir machen es richtig«, sagte er. Die bundesweiten Einsparungen im Gesundheitssystem setzten die Universitätskliniken unter Druck. Die Fusion der nur knapp 30 Kilometer auseinander liegenden Häuser sei nötig, um ihre Zukunftssicherheit zu bewahren, sagte Corts. Das habe auch die überwiegende Mehrheit der Experten bei einer Landtagsanhörung gesagt. Die CDU-Abgeordnete Anne Oppermann betonte ebenfalls den Handlungsbedarf: »Die Fusion ist unumstritten notwendig«.
Laut Corts ist der Zeitplan für die Fusion der Krankenhäuser mit zusammen fast 10 000 Mitarbeitern nicht zu knapp. Nach Meinung der Grünen sind jedoch für eine handwerklich saubere Fusion rund zwei Jahre Zeit nötig.
Der Gesetzesentwurf der CDU regelt die Fusion der Kliniken. Zudem ermächtigt er die Landesregierung, die Privatisierung mit einer Rechtsverordnung und damit ohne Zustimmung des Parlaments zu regeln. Das stieß auf scharfe Kritik aller Oppositionsparteien. »Die Privatisierung muss den Weg durch das Parlament gehen«, sagte Sarah Sorge von den Grünen. Deshalb gebe es verfassungsrechtliche Bedenken.
Die FDP-Abgeordnete Nicola Beer forderte ebenfalls eine Regelung per Gesetz, um die Freiheit von Forschung und Lehre sicherzustellen. »Wir privatisieren hier nicht irgendein Kreiskrankenhaus«, sagte sie. Auch nach Meinung der Grünen ist die Forschungsfreiheit an den Unikliniken nach den derzeitigen Plänen nicht ausreichend gesichert. So könnten Private Einfluss auf die Ausrichtung der Forschung nehmen wollen, sagte Sorge.
Grüne und SPD sehen deswegen auch finanzielle Risiken von bis zu einer Milliarde Euro. Der Bund könnte 400 Millionen Euro Fördermittel für den Hochschulbau zurückfordern, wenn Forschung und Lehre an den privatisierten Kliniken nicht mehr gesetzlich gesichert würden, hatten die Grünen bereits vor einer Woche erklärt. Außerdem könnte eine Ablösung der bisherigen Altersversorgung mit 380 Millionen Euro zu Buche schlagen, und es bestehe einen Investitionsbedarf in Gießen von 200 Millionen Euro. »Sie verschleudern Landesvermögen. Das Risiko bleibt beim Land«, warf Spies deshalb Regierung und CDU im Landtag vor.
Am Nachmittag hatten die Personalräte der Kliniken 30 000 Unterschriften gegen die Privatisierung eingereicht. »Die Behandlung der Patienten richtet sich bei Privaten nicht nach der medizinischen Notwendigkeit, sondern nach dem Gewinnstreben der Betreiber«, sagte der Personalratsvorsitzende der Uniklinik Gießen, Klaus Hanschur. Außerdem sei ein Personalabbau von bis zu 30 Prozent zu befürchten. Nach den Plänen der Landesregierung sollen betriebsbedingte Kündigungen bis 2010 ausgeschlossen werden. Ein Personalabbau über natürliche Fluktuation ist aber möglich.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-08) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-09 bis 2005-08-09 |
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| Ehrendoktorwürde für einen "Freund der Universität" |
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Fachbereich Medizin würdigt Verdienste von Prof. Erol Düren - Dank an Mitarbeiter
"Wir beehren auch uns selbst, wenn wir sie als Doktor an unsere Fakultät aufnehmen". Prof. Hans Michael Piper, Dekan des Fachbereiches Medizin an der Justus-Liebig-Universität, war hörbar stolz, Prof. Erol Düren von der Universität Istanbul die Ehrendoktorwürde verleihen zu dürfen. Der Fachbereich ehre Düren damit für seine langjährigen Verdienste um die Beziehungen zwischen Medizinern in Gießen und Istanbul. Das Ereignis sei "selten und herausragend", innerhalb der vergangenen 20 Jahre habe der Fachbereich nur zehn dieser Titel verliehen. Als Gründungsmitglied des deutsch-türkischen Ärztevereins sei er unter anderem für die mittlerweile 18 Tagungen, die an beiden Orten bisher stattgefunden hätten, mitverantwortlich. Der Kontakt zur Universität Istanbul sei der erste des Fachbereichs Medizin zu einer ausländischen Universität gewesen. Düren gelte als "Fürsprecher für Deutschland in der Türkei", sei Träger des Verdienstordens erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland und Vorsitzender der European Society of Surgical Sciences. Außerdem sei er ein "hochanerkannter Arzt und Chirurg". Für sein großes Engagement verdiene er "die höchste wissenschaftliche Ehrenbezeichnung", die ihm der Fachbereich verleihen könne.
Prof. Wolfgang Weidner, Ärztlicher Direktor des Klinikums, betonte, dass die Auszeichnung an "einen Freund der Universität" gehe. Sehr viele Doktoren, Famulanten und Stipendiaten seien aufgrund seines Engagements aus der Türkei nach Gießen gekommen, um sich hier fortzubilden. Die türkischen Mitarbeiter hätten "einen wertvollen Beitrag zur Versorgung unserer Patienten geleistet".
"Es ist mit Sicherheit der Reichtum ihrer Gesinnung und ihres Handelns, der sie ehrt", sagte Prof. Henning Stürz in seiner Laudatio. Er ging auf den Lebensweg Dürens und seine Verdienste ein. Der heute 76-jährige kam 1961 als Gastdoktor zum ersten Mal nach Gießen. Zuvor hatte er in Großbritannien und den USA seine Ausbildung vollendet. Seit 1970 sei er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie mit dem Auftrag, die Beziehungen zur Türkei zu verbessern. Die Akademie der Naturforscher, die Leopoldiner, in Halle habe ihn 1998 aufgenommen.
Düren hob in seiner anschließenden Festrede hervor, dass er seine Arbeit "nur durch den Verdienst meiner deutschen und türkischen Mitarbeiter" habe machen können. Als er das erste Mal nach Deutschland gekommen sei, hätten viele gesagt, "ich sei der erste Türke, den sie kennen lernen". Inzwischen seien seine Landsleute hier keine Fremden mehr.
In seinem Vortrag gab er einen kurzen Überblick darüber, wie die Türkei sich bis in die 1930er Jahre entwickelte. Als Ende des 17. Jahrhunderts das Territorium des Osmanischen Reiches durch Kriege immer schneller schwand, habe der damalige Herrscher beschlossen, Akademien zu gründen, um das Militär besser auszubilden. 1834 sei nach innenpolitischen Tumulten eine neue Kriegsschule gegründet worden und der Herrscher habe es ebenfalls für wichtig gehalten, eine medizinische Hochschule ins Leben zu rufen. Ein gutes Militär brauche eine gute ärztliche Versorgung. Dafür habe der Herrscher sogar Fachleute aus Frankreich als Dozenten geholt. Mustafa Kemal habe als "Pragmatiker des nationalen Interesses nach dem ersten Weltkrieg viele Reformen durchgeführt, unter anderem habe er den Kalifatstaat abgeschafft. Dies habe nicht dazu geführt, dass sich die Türken vom Islam abgewendet hätten. Religiöse Fanatiker seien sie trotzdem nicht. Fanatiker seien diejenigen, die dem Islam "den größten Schaden" zufügten.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-08) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-13 bis 2005-08-13 |
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| Wenn das Gesichtsfeld halbseitig gelähmt ist |
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Dr. Matthias Oertel erläutert Medizin-Senioren Bedeutung der Hirnanhangdrüse - Kooperation mit Augenärzten und Internisten
Sie ist gerade einmal so groß wie eine Kirsche, und dennoch ist die Hypophyse aus dem Organismus nicht wegzudenken. Wie es schon die deutsche Bezeichnung Hirnanhangdrüse verrät, ist dieses aus drei Lappen bestehende Sekretionsorgan unterhalb des Gehirns lokalisiert und über einen dünnen Stil mit dem Zwischenhirn verbunden. Unter anderem werden in dieser endokrinen, ihre Substanzen direkt an das Blut abgebenden Drüse das Wachstumshormon sowie ebenfalls überlebenswichtige Hormone zur Steuerung der Schilddrüsenfunktion und der Geschlechtsorgane produziert. Was passieren kann, wenn sich in diesem engen Raum ein Tumor breitmacht, erläuterte jetzt Dr. Matthias Oertel im Rahmen des Senioren-Vorlesungsprogramms des Fachbereichs Medizin.
Der an der Gießener Neurochirurgischen Universitätsklinik tätige Funktionsoberarzt widmete sich dabei vor allem den Hypophyenadenomen und Krankheitsbildern wie der Akromegalie, dem Riesenwuchs. "Endokrinologisch aktive Tumore erkennt man meist erst durch eine Überfunktion des in einer bestimmten Region produzierten Hormons und die gleichzeitige Unterfunktion anderer dortiger Hormone", erläuterte der Mediziner. Häufig mache sich dieser in der Mehrzahl aller Fälle gutartige Tumor, der allerdings böse entarten könne, auch durch Druck auf die direkt darüber lokalisierte Sehnerven-Kreuzung bemerkbar. "Als Folge davon kommt es zu einer halbseitigen Einschränkung des Gesichtsfeldes." Nicht zuletzt deshalb sei eine Behandlung von Hypophysentumoren nur in Verbindung mit Augenärzten und Internisten möglich. Mittels eines Stimulationstests müsse zunächst einmal festgestellt werden, ob eine chirurgische Entfernung des sich vergrößernden Adenoms anzustreben sei, oder ob die Therapie auch auf nicht-operativem Weg, also durch Medikamente, erfolgen könne. Endokrinologische und augenärztliche Befunde sowie eine dreidimensionale Aufnahme des Gehirns mit einem Magnetresonanztomographen brächten zusätzliche Klarheit.
Für die wieder zahlreich anwesenden Medizin-Senioren dürfte es überraschend gewesen sein, zu hören und in einem Film zu sehen, dass die operative Entfernung heute über die Nase und die dahinter liegende Keilbeinhöhle vorgenommen wird. "Das alles passiert, ohne größeren Schaden anzurichten", sagte Oertel. Die Nasenatmung werde dadurch nicht beeinflusst, und schon nach spätestens drei Tagen könne der Patient wieder das Krankenhaus verlassen. Eine Bestrahlung bleibe dennoch eine Notwendigkeit, um womöglich zurückgebliebene Tumorzellen zu vernichten. Problematischer sieht es da bei der durch einen Hypophysentumor ausgelösten Überproduktion des Wachstumshormons aus, was wiederum zur Akromegalie führe. "Der Riesenwuchs, bei dem neben der Körpergröße auch Nase, Hände und innere Organe riesige Ausmaße annehmen, setzt bereits im jugendlichen Alter ein."
Symptome wie häufiges Rheuma oder während des Schlafs auftretende Atemnot zeigten sich schon lange, bevor das Krankheitsbild überhaupt diagnostiziert werde. Wie auch bei dem als "James Bond"-Bösewicht "Beißer" berühmt gewordenen Schauspieler Richard Kiel, der seiner immensen Größe allerdings gleichzeitig seine Bekanntheit verdanken dürfte.
Heute spricht der Nuklearmediziner Prof. Richard Bauer um 17 Uhr (Großer Hörsaal des Instituts für Anatomie und Zellbilogie, Aulweg 123) über das Thema "Radioistzope in der Medizin".
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-07) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-08 bis 2005-08-08 |
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| Auftakt zur »Istanbuler Woche« der Medizin |
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Seit 30 Jahren besteht »Deutsch-Türkischer Ärzteverein« - Direktor des »Alman Hastanesi« wird Gießener Ehrendoktor
Gießen (if). Das Gießener »Einstein-Festival« ist vorüber. Mit dem Eintreffen einer Professorendelegation der Cerrahpasah-Fakultät der Universitäts Istanbul zusammen mit einem halben Dutzend leitender Ärzte des früheren Deutschen Krankenhauses »Alman Hastanesi« in Istanbul beginnt heute die »9. Istanbuler Woche« der Mediziner. Kongresspräsident des damit verbundenen wissenschaftlichen Symposiums am Uniklinikum ist Prof. Henning Stürz, Vorsitzender des »Deutsch-türkischen Ärztevereins«, der zugleich sein 30-jähriges Bestehen begeht.
Den Auftakt für Fachvorträge, Klinikshospitationen und informelle Treffen bildet morgen Vormittag ein Festakt, in dessen Verlauf der Chirurg Prof. Erol Düren mit der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität ausgezeichnet wird. Anfang der 70er Jahre Gastdozent bei Prof. Vossschulte, zählt der heutige ärztliche Direktor des »Alman Hastanesi« zu den Begründern der Begegnungen, nachdem eine Gießener Delegation Ende der 60er Jahre erstmals in Istanbul Gastvorlesungen bestritten hatte.
Istanbuler und Gießener Wochen sind mittlerweile 18-mal veranstaltet worden. Seit Jahren schon fördert der Ärzteverein, der - ohne Subventionen, allein von privaten Initiativen getragen - inzwischen 95 Mitglieder zählt, mit Famulaturen für jeweils fünf Istanbuler Medizinstudenten die Kontakte der jungen Ärztegeneration.
Im Verlauf einer der »Gießener Wochen« in Istanbul hatten die Gäste auch das damals noch von einem eigenen Verein getragene schön gelegene und angesehene »Deutsche Krankenhaus« und dessen Nöte kennengelernt. 1852 ursprünglich zur Betreuung deutscher Handwerker am Bosporus gegründet und anfänglich von deutschen Ärzten und Kaiserswerther Diakonissen betreut, war das Haus über 100 Jahre später in Turbulenzen geraten, nachdem das Auswärtige Amt sich außer Stande gesehen hatte, es weiter finanziell zu unterstützen. In die Bemühungen, es dennoch zu erhalten, schalteten sich damals neben dem späteren Bundespräsidenten von Weizsäcker und Staatsekretär Sigismund von Braun auch maßgebliche Persönlichkeiten der Gießener Fakultät, an ihrer Spitze der damalige Dekan Prof. Dieter Ringleb, ein. Reizvollen Vorstellungen, eine Art Akademisches Lehrkrankenhaus der JLU am Bosporus zu etablieren, war allerdings kein Erfolg beschieden.
Dass über den heutigen Direktor Prof. Düren zumindest mittelbar ein Stück Tradition gewahrt werden konnte, erfüllt die Mitglieder des Vereins heute mit ebensoviel Genugtuung wie die mittlerweile eingetretene erfreuliche Entwicklung des modernisierten Hauses, das in bester - und teuerster - Lage Istanbuls, sich inzwischen vergrößert hat. Wie sich die Gießener Gäste beim letzten Besuch in Istanbul überzeugen konnten, führt es unter dem neuen Gießener Ehrendoktor mit seinem Anschluss an westliche Standards die Tradition des alten »Alman Hastanesi« würdig fort.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-06) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-06 bis 2005-08-06 |
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| Dekan: Gesetzentwurf zu Klinika bleibt unverändert |
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Gießen (si). Der von der CDU vorgelegte Entwurf für das »Universitätsklinikum Gießen und Marburg« wird nach Einschätzung von Medizin-Dekan Professor Hans Michael Piper auch in strittigen Fragen nicht nachgebessert. Vor der für nächste Woche geplanten abschließenden Lesung im Hessischen Landtag erwarte er allenfalls »marginale Korrekturen«. Daran habe auch die Anhörung vor zwei Wochen mit über 100 Experten nichts geändert, sagte Piper am Donnerstagabend bei der Sitzung des Fachbereichsrats Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität.
In diesem Gremium war der Entwurf, mit dem die für Juli geplante Fusion der beiden Häuser festgeschrieben wird, schon nach der Vorlage im März überwiegend begrüßt worden. Kritik gab es allerdings bei Details wie der Frage, wie die Nachfolge ausscheidender Vorstandsmitgliedern geregelt wird. Dass sie dem Vorschaltgesetz zufolge nicht ersetzt werden müssen, war auf Bedenken gestoßen - unter anderem, weil der Vertrag mit dem Ärztlichen Direktor der Gießener Uniklinikums, Professor Wolfgang Weidner, bis zum 31. Dezember dieses Jahres befristet ist. Der jetzige Marburger Klinikumsvorstand sei »völlig unbeeindruckt von Gießener Interessen« und werde sich wohl »kaum« für das hiesige Klinikum einsetzen, sagte Piper. Er habe das Problem mehrfach in Wiesbaden angesprochen, sei dort aber nur »vertröstet« worden, bemängelte er.
Nach dem Entwurf legt der Aufsichtsrat die Geschäftsbereiche und den Vorsitz im Vorstand fest. Dies sei präzisierungsbedürftig. Den Vorsitz müsse ein hochqualifizierter, ärztlicher Abteilungsleiter übernehmen, was auch der Wissenschaftsrat fordere. Hier sei der jetzige Gießener Amtsinhaber Professor Wolfgang Weidner seinem Marburger Pendant deutlich überlegen, meinte der Dekan.
Das Gießener Klinikum setze ganz auf die Privatisierung. »Für uns ist die Fusion eher Hypothek, die wir mitnehmen müssen«, erklärte Piper. Dass es dabei weiterhin zu Reibereien mit Marburg kommen werde, liege auf der Hand. Die Nachbarklinik fürchte nach wie vor die Privatisierung gemeinsam mit Gießen. Das sei teilweise sogar nachvollziehbar. »Wir sind für einen privaten Krankenhauskonzern der attraktivere Partner«, so der Dekan.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-04) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-06 bis 2005-08-06 |
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| Neues Kapitel Gießener Medizingeschichte |
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Freude über 500. Nierentransplantation - Führende Stellung ausgebaut - Patient erhielt bereits 1988 neues Herz im Klinikum
Pünktlich zum morgigen "Tag der Organspende" konnte das Transplantationszentrum des Universitätsklinikums den Empfänger der 500. Spenderniere vorstellen, die seit 1993 in Gießen eingepflanzt wurde. Mehr noch: Dem 18-jährigen Christian F. aus der Nähe von Dortmund wurde in einer knapp vierstündigen Operation die 125. "Gießener Lebendniere" übertragen - direkt von seinem Vater (44). Und noch eine Besonderheit: Bereits im Alter von knapp zwei Jahren hat Christian ein Stück Gießener Medizingeschichte geschrieben. Denn als erster Patient in Europa erhielt er ein intaktes Herz am Gießener Kinderherzzentrum. An der damaligen Operation waren Prof. Hans H. Scheld (jetzt Münster), Prof. Heinrich Netz (jetzt München-Großhadern) und der Gießener Kinderkardiologe Privatdozent Jürgen Bauer beteiligt. Prof. Rolf Weimer, der Leiter der Nierentransplantation und als Zentrumssprecher Nachfolger von Prof. Reinhard G. Bretzel, betonte, dass Gießen mit 77 Lebendnierentransplantationen in den Jahren 1998 bis 2004 in Hessen an der Spitze liege. In Frankfurt beträgt die Vergleichszahl 63, in Fulda 15 und in Marburg 11. Am Gießener Zentrum machen Nierentransplantationen neben Herz-, Lunge- und den nur in Gießen durchgeführten Inselzell-Transplantationen den weitaus größten Teil aller Organspenden aus.
Schon seit seiner Herztransplantation im frühen Kindesalter musste Christian als Dauermedikation so genannte Immunsuppressiva einnehmen, um die Abstoßungsreaktion des Immunsystems zu verhindern. "Dieses Ciclosporin A führt im Laufe der Jahre zu einer Schädigung der Nieren", sagt Weimer. Im Schnitt seien solche Nebenwirkungen im Verlauf von zehn Jahren bei etwa 15 Prozent der Patienten zu beobachten.
Dies betraf auch Christian, der sich seit mehr als einem Jahr zunehmend schlapp und appetitlos fühlte. Weitere Folgen waren erhöhter Blutdruck und häufige Übelkeit. Nach einem seiner regelmäßigen Kontrollbesuche im Kinderherzzentrum nahm Privatdozent Jürgen Bauer vom Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Kontakt zu Weimer auf. Danach wurde Christian am Transplantationszentrum mitbetreut und musste sich bis zu der Nierentransplantation am 10. Mai vier Wochen lang zweimal wöchentlich einer mehrstündigen Dialyse unterziehen.
"Als Spender haben sich beide Eltern zur Verfügung gestellt", berichtet Weimer. Die Entscheidung fiel auf den Vater. Im Falle direkter Verwandtschaft würden häufig drei von sechs wichtigen Kriterien für die Organverpflanzung erfüllt. "Bei nicht verwandten Spendern ist die Übereinstimmung eher eine Sache des Zufalls." Und bei Organspenden von Verstorbenen betrage die Wartezeit bis zu acht Jahren. Während der bis zur Operation nötigen Dialyse - üblicherweise dreimal pro Woche für je fünf Stunden - könne es zu Gefäßverkalkungen oder zur Schädigung anderer Organe kommen.
Die Nierenentnahme bei Christians Vater verlief ohne Probleme. "Aber die OP bei Christian war schwierig, weil er besonders zarte Gefäße aufweist", sagt Weimer. Dass Vater und Sohn anschließend in ein und demselben Zimmer lagen, erleichterte Christians Mutter die Besuche der beiden Patienten. Wegen einer Reihe vor- und nachbereitender Untersuchungen musste der junge Mann vier Wochen stationär bleiben, sein Vater zwei. Für diese Phase hatte die Mutter ein Zimmer in Gießen bezogen.
Erst am Donnerstag aus der "Station Schütterle" entlassen, war Christian gestern Morgen zur ersten Kontrolluntersuchung erneut am Zentrum. Wie schon in den vorangegangene Wochen führte Ambulanzärztin Yildiz Sevgi wieder eine Blutabnahme und eine Ultraschalluntersuchung durch. "Am Anfang ist eine engmaschige Betreuung von dreimal pro Woche nötig, um die Einstellung der Immunsuppression zu kontrollieren", sagt die junge Ärztin. Für Prof. Weimer liegen die bisher gemessenen Kreatininwerte von 1,1 bis 1,2 im Normbereich. "Die Bedingungen für Christians Genesung sind recht gut." Christians Eltern sind voll des Lobes über die ausgezeichnete Betreuung ihres Sohnes durch das Team des Transplantationszentrums. Dass der junge Mann in vielerlei Hinsicht Glück gehabt hat, beweisen 9196 Menschen, die im vergangenen Jahr auf der deutschlandweiten Warteliste für Nierentransplantationen stehen. Parallel dazu wurden rund 2500 Nierenverpflanzungen durchgeführt. Mit 40 Nierentransplantationen liegt Gießen hinter Frankfurt (75) hessenweit auf dem zweiten Platz. Bei Lebendnieren-Transplantationen liegen beide Standorte gleichauf (je 15). Weit abgeschlagen folgen in beiden Sektoren Fulda und Marburg.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-04) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-08 bis 2005-08-08 |
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| Die 500. Niere seit 1993 bekam Christian (18) |
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Der vorbildliche Einsatz für Organspenden im Transplantationszentrum des Uniklinikums Gießen wird offiziell gewürdigt
Gießen (if). Bereits am Vorabend des »Tages der Organspende« am kommenden Sonntag verließ der Gießener »Jubiläumspatient« - ein glücklicher 18-Jähriger - begleitet von einem strahlenden Vater (44) gestern früh die »Station Schütterle«, die Nierenstation der Medizinischen Universitätsklinik. Das Gießener Transplantationsteam hatte dem nierenkranken Christian F. vor einigen Tagen erfolgreich eine »neue Niere« implantiert. Diese seit 1993 mittlerweile 500. in Gießen eingepflanzte Spenderniere ist zugleich die 125. »Gießener Lebendniere«. Sie stammt von Christians Vater. Das berichtete Prof. Rolf Weimer, der Sprecher des Transplantationszentrums, am gestrigen Nachmittag zum Auftakt des jüngsten Transplantationskolloquiums im Hörsaal der Medizinischen Kliniken I und II.
Grüße zum Jubiläum überbrachte Privatdozent Dr. Dietmar Mauer. Zugleich machte er die mit lebhaftem Beifall aufgenommene Mitteilung, dass das Universitätsklinikum Gießen als einzige hessische Klinik in Kürze bei der Jahrestagung der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Saarbrücken für seinen hervorragenden Einsatz zugunsten der Organspende eine offizielle Auszeichnung erfahren wird.
Der Leitende Arzt der »Region Mitte« der DSO, der neben Hessen auch die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz angehören, plädierte in diesem Zusammenhang für die Schaffung eines hessischen »Landesausführungsgesetzes« zur Regelung der Organspende. Er begründete diese Forderung unter anderem mit der Tatsache, dass beispielsweise in Rheinland-Pfalz zwei von drei befragten Angehörigen einer Organentnahme zustimmten, während in Hessen lediglich jeder zweite diese Bitte erfüllte. Gleichwohl liegt Hessen bundesweit mit 13,7 Organspenden pro einer Million Einwohner zwischen Nordrhein-Westfalen mit lediglich 8,6 Organspenden und der Region Nordost mit 20,2 noch im Mittelfeld. Dass das Bundesland, was die tatsächlich transplantierten Organe angeht, nach Nordost an zweiter Stelle der Regionen rangiere, spreche indes für die Qualität der hier geleisteten Intensivmedizin.
162 Patienten warten auf eine Niere
Transplantations-Koordinatorin Inge Köhler berichtete anschließend, dass in Gießen derzeit 162 Patienten auf eine Nierentransplantation, 15 Patienten auf eine Inselzelltransplantation, insgesamt elf - darunter drei Kinder - auf eine Herztransplantation und vier Kranke auf eine Lungentransplantation warten. In den ersten Monaten des Jahres 2005 bekamen vier Kinder ein Spenderherz, drei Patienten erhielten eine Spenderlunge. Insgesamt 20 Nierentransplantationen wurden durchgeführt, darunter waren 15 Leichennieren, vier Lebendnierenspenden und eine Nieren-Inselzelltransplantation, die bekanntlich in Deutschland nur in Gießen durchgeführt werden.
Im Mittelpunkt des Kolloquiums stand die Frage der Behandlung der chronischen Hepatitis B im Zusammenhang mit einer Organtransplantation, wobei der Direktor des Instituts für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität, Prof. Wolfram Gerlich, die Bedeutung von Virusmutanten für Diagnose und Therapie erläuterte und Privatdozent Dr. Claus Straßburg (Hannover) auf die Behandlung der Hepatitis B vor und nach einer Transplantation einging.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-03) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-03 bis 2005-08-03 |
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| Reaktion auf Aberle |
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Ministerium: Zeitplan zur Klinika-Privatisierung bleibt
Gießen (si). Das hessische Wissenschaftsministerium beharrt darauf, dass die Planungen für die Fusion und Privatisierung der Universitätsklinika Gießen und Marburg »exakt im Zeitrahmen« liegen. Laut einer »aktuelle Stellungnahme« des Präsidenten des Bundeskartellamts sei weder weder die Fusion noch die Umwandlung der Klinika in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung kartellrechtlich bedenklich, schreibt Wissenschafts-Staatssekretär Professor Joachim-Felix Leonhard, der damit gestern auf Äußerungen des Gießener Volkswirtschafts-Professors Gerd Aberle in der Gießener Allgemeinen vom Mittwoch reagierte. Dieser hatte dort ausführlich erläutert, dass sich die bei der Klinika-Übernahme zwingend notwendige kartellrechtliche Prüfung mehrere Monate hinziehen werde und dass es bei Ausschöpfung der Rechtsmittel weit über ein Jahr bis zur Vertragsvollziehung dauern könne - und die Privatisierung deshalb nicht, wie von der Landesregierung geplant, zum 1. Januar 2006 wirksam werden könne.
Auf welche Stellungnahme des Kartellamts-Präsidenten Ulf Böge sich Leonhard bezieht, bleibt in der Pressemitteilung unklar. Bei der Landtagsanhörung vor zwei Wochen hatte Böge angekündigt, der Fall werde detailliert bewertet, wenn der Käufer feststehe. Zur zeitlichen Dauer des Prüfverfahrens hat sich bislang niemand aus dem Bundeskartellamt
geäußert.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-02) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-03 bis 2005-08-03 |
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| Weniger Schmerzen, schnellere Wundheilung |
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Klinische Studie in der Orthopädie: Forschungsgruppe überprüft neues Fremdblut-Sparverfahren bei Kniegelenksersatz
Gießen (if). »Die Patienten spüren deutlich weniger Wundschmerz«, berichtet Gretel Schneider, die Leitende Physiotherapeutin, »...und die Beweglichkeit im operierten Gelenk ist erheblich verbessert«, ergänzt Pflegedienstleiter Erwin Mühlhans: Sie berichten über ihre ersten Erfahrungen aus einer inzwischen abgeschlossenen Pilotstudie an der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie der Justus-Liebig-Universität (Direktor Prof. Henning Stürz). Rund zwei Dutzend Patienten hatten im Laufe des vergangenen Jahres ihre Einwilligung zur Gewinnung und zum Einsatz von so genanntem »Autologem Fibrinkleber« erteilt.
Ziel: Über eine Art »Versiegelung« mit körpereigener Substanz will man den üblicherweise nach dem Einbau eines künstlichen Kniegelenks zu erwartenden Verlust durch »Sickerblut« aus der Wundfläche reduzieren, Fremdblutgaben auf ein Mindestmaß beschränken und die Heilung beschleunigen (die AZ hatte darüber berichtet).
Aufgrund der dabei gewonnenen ersten positiven Erfahrungen haben - nach Zustimmung der Ethikkommission des Fachbereichs Humanmedizin - der Anästhesist Dr. Detlef Kuhn und der Orthopäde Dr. Erhan Basad jetzt die Vorbereitungen für eine kontrollierte, prospektive Doppelblindstudie getroffen. In die klinische Studie »Herstellung und Anwendung von körpereigenem Fibrinkleber zur Senkung des perioperaiven Blutverlustes« werden 80 Gießener Patienten - normalgewichtige Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren - einbezogen, bei denen ein Kniegelenksersatz mit einer zementierten, totalen Knie-Endoprothese vorgesehen ist.
»Es werden zwei Behandlungsgruppen mit jeweils 40 Patienten gebildet, die zuvor um ihre schriftliche Einwilligung gebeten wurden. Der Zufall entscheidet dann darüber, welcher Behandlungsgruppe der Patient zugeordnet wird«, erläutert Oberarzt Dr. Kuhn. Bei allen Teilnehmern werden am Vorabend des Tages, an dem der Eingriff geplant ist, im inzwischen mit Drittmitteln in der Orthopädischen Uniklinik eingerichteten Spenderplatz rund 500 Milliliter Blutplasma durch Plasmapherese gewonnen. Während die roten Blutkörperchen direkt wieder zurückfließen, werden aus dem Plasma Fibrinogen und Thrombin herausgefiltert und bis zum folgenden Morgen tiefgekühlt. »Der Operateur«, so Oberarzt Dr. Basad, »erfährt erst im OP, welcher Gruppe sein Patient angehört.« Zählt der zur eigentlichen Studiengruppe, wird der Orthopäde den Kleber, der sich aus Fibrinogen und Thrombin bildet, auf die Wundfläche auftragen und zusätzlich noch vor Schließung der Hautnaht ein aus den gewonnen Blutplättchen gewonnenes Gel einbringen. Es soll über eine darin enthaltene hohe Konzentration von Wachstumsfaktoren die Wundheilung beschleunigen. Der Beobachtungszeitraum umfasst den ersten bis siebten Tag nach der Operation.
Bisher liegt nach Angaben der Experten die Wahrscheinlichkeit, beim Kniegelenksersatz zum Ausgleich des Blutverlustes Fremdblut einsetzen zu müssen, bei rund 20 Prozent. Dr. Kuhn und Dr. Basad aus der IFA sind aufgrund der bisher schon vorliegenden ersten Erfahrungen zuversichtlich, dass sich dieser Wert über den Routineeinsatz des neuen Verfahrens, dem im vorigen Frühjahr bereits ein internationales Symposium im Uniklinikum gewidmet war, erheblich senken lässt. Im Interesse des Patienten - aber ebenso auch mit dem Ziel der Einsparung von Kosten: Fremdblut ist nicht nur knapp. Es ist auch teuer.
Dr. Basad und Dr. Kuhn erläutern ihre Studie zum Einsatz von Fibrinkleber.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-02) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-03 bis 2005-08-03 |
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| "Pilotstudie hat ermutigende Ergebnisse gezeigt" |
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Forschungsgruppe Autologer Verfahren (IFA) des Uni-Klinikums evaluiert Einsatz von autologem Fibrinkleber bei implantatchirurgischen Eingriffen
Für Aufsehen in der internationalen Fachwelt sorgt eine Interdisziplinäre Forschungsgruppe Autologer Verfahren (IFA) des Universitätsklinikums Gießen, die - erstmalig in Deutschland - den Einsatz von autologem Fibrinkleber bei großen implantatchirurgischen Eingriffen in einer klinischen Studie evaluiert. Vorausgegangen ist eine "Pilotstudie" mit 21 Patienten, die von der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (Leiter: Prof. Henning Stürz) und der Abteilung Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie (Leiter: Prof. Gunter Hempelmann) erarbeitet wurde.
"Diese Pilotstudie hat ermutigende Ergebnisse gezeigt", sagen die IFA-Mitglieder und Leiter der klinischen Prüfung, die Oberärzte Dr. Detlef Kuhn und Dr. Erhan Basad. Deshalb soll jetzt an der Orthopädischen Klinik der Einsatz eines "patientennahen, individuellen Blutmanagements" bei Knieoperationen nach streng wissenschaftlichen Kriterien im Rahmen einer randomisierten Doppelblind-Studie untersucht werden. Die Ethikkommission der Universitätsklinik hat grünes Licht gegeben. Damit kann die von der IFA konzipierte "konfirmative" Studie in diesen Tagen anlaufen.
Der am Universitätsklinikum klinisch eingesetzte körpereigene Wundkleber verschließt Operationswunden sofort und vermindert auf diese Weise stärkeren Blutverlust. Dies ist besonders bei den rund 200 Knie-Endoprothesen wichtig, die laut Stürz pro Jahr in der Orthopädischen Klinik implantiert werden.
Schon bei den bisherigen "orientierenden" Untersuchungen hätten sich klare Vorteile des Einsatzes von autologem Fibrinkleber gezeigt, berichten Basad und Kuhn. Der "Rohstoff" werde durch eine direkte Eigenblutentnahme des Patienten gewonnen: "Rund 800 Milliliter Liter Blut wird in seine Bestandteile aufgetrennt. Aus dem Plasma stammen Fibrinogen und Thrombin, die roten Blutkörperchen werden dem Patienten unmittelbar zurückgegeben."
Klar sei, dass autologer Fibrinkleber "kein Risiko einer Krankheitsübertragung" enthalte und in großen Mengen (16 bis 18 Milliliter) verfügbar sei. Bei künstlichen Kniegelenken könne nach den bisherigen Erfahrungen insbesondere der postoperative Blutverlust drastisch (von durchschnittlich einem Liter auf 500 Milliliter) gesenkt werden. Auch das Risiko einer Fremdblutgabe verringere sich von 20 Prozent auf fünf Prozent. Solcherart behandelte Patienten seien "leichter zu mobilisieren und schneller wieder unterwegs", berichten die Leitende Physiotherapeutin Gretel Schneider und der Pflegedienstleiter Orthopädie, Erwin Mühlhans. Weitere Pluspunkte: Verbesserte Qualität der Behandlung durch weniger Schmerzen, weniger Übelkeit, verringerter Pflegeaufwand, verbesserte Wundheilung und minimierter Bluterguss.
Für Kuhn ist die "Blutungscharakteristik bei Knieoperationen - im Wesentlichen postoperativ - ideal für die Verwendung des Fibrinklebers". Schon bisher wurde vereinzelt kommerzieller homologer Fibrinkleber als Wundkleber zur Blutstillung eingesetzt. Da er aber aus einem "Pool" fremder menschlicher und/oder tierischer Spender stammt, sind damit auch Gefahren in Bezug auf Infektübertragung und Immunisierung verbunden.
Aus diesem Grund wird in der Gießener IFA autologer Fibrinkleber mittels behördlich europaweit zugelassener und CE-zertifizierter Geräte aus dem eigenen Blut des Patienten gewonnen. Von den durch Apherese gewonnenen Bestandteilen sind Fibrinogen und Thrombin die wesentlichen Bestandteile, die wie ein "menschlicher Zweikomponenten-Kleber" für raschen Wundverschluss sorgen. Bei künstlichen Kniegelenken konnte auf diese Weise der Blutverlust um rund 50 Prozent gesenkt werden. Erste Ergebnisse der Gießener Untersuchung wurden beim Süddeutschen Orthopädenkongress 2004 mit einem wissenschaftlichen Preis prämiert.
Bei der jetzt anlaufenden breiten Studie zur wissenschaftlichen Erhärtung der bisherigen Erkenntnisse werden alle Patienten gescreent, aufgeklärt und nach ihrer Einwilligung zur Teilnahme gefragt. Jeder einzelne erhält ein umfangreiches Info-Paket und muss einen Fragebogen ausfüllen. Vorgesehen sind zwei aus je 40 Patienten bestehenden Gruppen, von denen eine den Fibrinkleber erhält, die andere nicht. Die Entscheidung fällt unmittelbar vor der Operation nach dem Zufallsprinzip und ohne Wissen des Patienten, wenn ein entsprechender Umschlag geöffnet wird. Die Möglichkeit des Anästhesisten "ganz nah am Patienten und ganz nah am Operateur das autologe (körpereigene) Blutmanagement zu planen und durchzuführen, gehört zu den Vorteilen der IFA am Universitätsklinikum Gießen", betont Kuhn.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-06-02) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-03 bis 2005-08-03 |
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| »Zeitplan für Klinika-Privatisierung nicht haltbar« |
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Wettbewerbs-Experte Aberle: Kartellamtsprüfung wird Monate dauern – Verfahren kann sich bis 2007 hinziehen
Gießen (si). Die Universitätsklinika Gießen und Marburg können nach Einschätzung des Ökonomen Professor Gerd Aberle nicht schon zum 1. Januar privatisiert werden, wie es die Landesregierung plant. Die bei Übernahme durch einen Betreiber zwingend notwendige kartellrechtliche Prüfung werde sich mehrere Monate hinziehen; bei Ausschöpfung der Rechtsmittel könne es weit über ein Jahr bis zur Vertragsvollziehung dauern, sagte der an der Justus-Liebig-Universität lehrende Experte für Wettbewerbstheorie und -politik der Allgemeinen Zeitung.
Unstrittig sei, dass in diesem Fall das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen in vollem Umfang greife; Kliniken würden dort wie jedes Unternehmen behandelt. Weil die Beteiligten zusammen Umsatzerlöse von jährlich mehr als 500 Millionen Euro erzielten, werde das Bundeskartellamt den Zusammenschluss prüfen und genehmigen müssen, sagte Aberle. Das »Universitätsklinikum Gießen und Marburg«, das zum 1. Juli durch Fusion entstehen solle, überschreite diesen Wert schon allein; ebenso die Krankenhauskonzerne Rhön-Klinikum, Helios und Asklepios, die bislang als mögliche Betreiber genannt worden seien.
Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Anzeige rechnet die hessische Landesregierung damit, dass das Bieterverfahren »voraussichtlich bis Ende Dezember« dieses Jahres – und nicht früher – abgeschlossen sein wird (die AZ berichtete gestern). Erst nach der Vertragsunterzeichnung werde das Bundeskartellamt den Zusammenschluss bewerten, sagte Aberle. Der zuständige Prüfsenat habe dafür nach dem Gesetz drei Monate Zeit. Deshalb sei eine Entscheidung kaum vor April zu erwarten. In schwierigen Verfahren könne auch deutlich mehr Zeit vergehen – dies sei im vorliegenden Fall durchaus nicht unwahrscheinlich, weil die Übernahme eines kompletten Universitätsklinikums bisher ohne Beispiel sei.
Wenn das Kartellamt die Übernahme verbiete und die Landesregierung Rechtsmittel einlege, werde der Zeitplan ganz ausgehebelt. »Ein Jahr und länger« könne es bis zu einer Entscheidung des zuständigen Oberlandesgerichts Düsseldorf dauern, sagte Aberle. Rechtlich gesehen, dürfe das Land dann auch noch den Bundesgerichtshof anrufen.
Wie das Bundeskartellamt tatsächlich entscheiden werde, sei schwer vorhersehbar, sagte Aberle. Grundsätzlich müsse der Zusammenschluss untersagt werden, wenn das Unternehmen durch die Übernahme eine marktbeherrschende Stellung erlange oder verstärke. Die in Gießen und Umgebung (Wetzlar, Lich) vorhandenen Klinika dürften schon wegen ihres eingeschränkten Fächerspektrums kaum geeignet sein, dem Uniklinikum Gießen und Marburg aus kartellrechtlicher Sicht Paroli zu bieten, meinte der Hochschullehrer.
Zentrales Problem werde es wohl sein, ob die Behörde das Uniklinikum Frankfurt als Wettbewerber in Betracht ziehe. In früheren Entscheidung, bei der Übernahme von Kliniken habe das Kartellamt den räumlichen Einzugsbereich der Häuser auf maximal 50 Kilometer begrenzt – damit würde das Uniklinikum Frankfurt nicht geeignet sein, den notwendigen Wettbewerb herzustellen.
Aberle erinnerte daran, dass Bundeskartellamts-Präsident Böge einen Verkauf der beiden Kliniken an zwei unterschiedliche Bewerber ins Gespräch gebracht habe. Dies könnte tatsächlich eine Variante sein, um die kartellrechtlichen Bedenken auszuräumen, meinte er.
Professor Gerd Aberle lehrt Volkswirtschaft an der Uni Gießen.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-06-01) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-06-02 bis 2005-08-02 |
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| Privatisierungsverfahren für Klinika eingeleitet |
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Land fordert Bewerber zur »Abgabe der Interessensbekundung« auf - Unterlagen sollen bis zum 23. Juni vorliegen
Gießen (si). Noch vor Verabschiedung des Gesetzes für das »Universitätsklinikum Gießen und Marburg« hat die Landesregierung jetzt eine erste große Weiche zur Privatisierung der Häuser gestellt. Mit einer in FAZ und Handelsblatt veröffentlichten Anzeige leitete sie das von Ministerpräsident Koch im Dezember angekündigte »strukturierte Bieterverfahren« ein, in dem das Land für die Kliniken einen Käufer finden will. Interessenten sind nun zur »Abgabe einer Interessensbekundung« aufgerufen. Ihre Unterlagen müssen sie bis zum 23. Juni einreichen. Das Verfahren solle voraussichtlich bis Ende Dezember abgeschlossen werden, heißt es in der Anzeige.
Bis zu 100 Prozent der Geschäftsanteile will das Land demnach an den »einen« Erwerber übertragen, wenngleich es sich ausbedingt, eine nicht näher bezifferte Minderheitsbeteiligung zur »Wahrung seiner Interessen« zu behalten - zum Beispiel zur langfristigen Sicherstellung von Forschung und Lehre. Von einem Käufer erwartet das Land, dass es diesen Bereich sowie die Krankenversorgung langfristig stärkt.
Als »Ziele und Rahmenbedingungen« werden genannt der Erhalt der beiden Standorte; die dauerhafte Sicherstellung des Versorgungsauftrags »auf höchstem medizinischen Niveau«; die dauerhafte Mitwirkung bei Forschungs- und Lehraufgaben sowie bei der Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses »auf höchstem wissenschaftlichen Niveau«; die wirtschaftliche Absicherung der Universitätsklinika an den beiden Standorten »durch ausreichende Kapitalausstattung, solide und zügige Umsetzung der notwendigen Investitionen«; die Stärkung der Wirtschaftskraft der Region Mittelhessen; die umfassende Regelung der Arbeitnehmerinteressen mit ausdrücklichem Hinweis auf den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2010; und schließlich ein »angemessener Kaufpreis«.
Interessenten sollen über Erfahrung bei der Führung von Akutkrankenhäusern »mindestens der Schwerpunktversorgung« und eine hinreichende finanzielle Leistungsfähigkeit sowie »möglichst« über Erfahrungen in der Kooperation mit Forschungseinrichtungen verfügen. Mit diesen Voraussetzungen dürften sich auch ausländische Betreiber angesprochen fühlen.
Geeigneten Bewerbern werden »nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung« weitere Informationen über die Unikliniken Gießen und Marburg sowie über den Verlauf des Bieterverfahrens zur Verfügung gestellt. Ansprechpartner ist die KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft in Frankfurt.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-31) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-31 bis 2005-07-31 |
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| "Risiken müssen abschätzbar sein" |
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Beer und Greilich zur Zukunft der beiden Unikliniken
Die hessische FDP will eine Aussetzung der für Donnerstag nächster Woche vorgesehenen 3. Lesung des CDU-Gesetzentwurfs zur Errichtung des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UK-Gesetz) erreichen. Angesichts vieler offener Fragen und Risiken gehe es nicht an, dass die Landesregierung vor der zum 1. Juli 2005 geplanten Fusion der beiden Universitätskliniken "hinter verschlossenen Türen" Fakten schaffe, betonten gestern die wissenschaftspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, Nicola Beer, und der Bezirksvorsitzende der mittelhessischen FDP, Wolfgang Greilich. In der am letzten Mittwoch auf Antrag der FDP durchgeführten Sondersitzung des Wissenschaftsausschusses seien viele ihrer rund zwei Dutzend Fragen unbeantwortet geblieben, sagte Beer. "Wir wollen ein erfolgreiches Modell in Mittelhessen", sind sich die beiden FDP-Vertreter einig. "Aber bisher fehlt es an einer fundierten sachorientierten Arbeit." Wegen der "völlig ungeklärten Datenbasis" könne es bei der ungebremsten Fortsetzung des Regierungskurses noch "ein böses Erwachen" geben. Den heimischen CDU-Landtagsabgeordneten attestierte Greilich "mangelndes Problembewusstsein".
Trotz grundsätzlicher Befürwortung einer Neuordnung der Universitätskliniken drohten "handwerkliche Fehler". Um so wichtiger sei es, "alle Gestaltungsalternativen zu bedenken", so Beer.
Noch immer ungeklärt seien die von der FDP gestellten Fragen zum Zeitpunkt der Fusion ("Warum das am 1. Juli passieren soll, ist nicht plausibel") und zur Beteiligung der neuen Anstalt an der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Die Landesregierung müsse jetzt entscheiden, was mit den 4600 (von insgesamt 60000) Landesbediensteten geschehen solle. "Klar ist, dass ein Verbleiben in der VBL für Mitarbeiter und Kaufinteressenten teurer ist als die Einbeziehung der Arbeitnehmer in eine private, kapitalgedeckte Altersversorgung." Falls das Landespersonal - wie im Gesetzentwurf geplant - in die fusionierte Anstalt übergeleitet werde, müsste diese bereits vorher endgültig aus der VBL ausscheiden. "Ansonsten drohen Ausgleichsforderungen der VBL von 200 bis 300 Millionen Euro."
Beim Thema Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) habe die Landesregierung Gespräche mit dem Bundesbildungsministerium und mit dem Wissenschaftsrat angekündigt. Ungeklärt sei derzeit, ob die neue Anstalt wieder in die Liste der "Universitätskliniken" aufgenommen werde. Falls nicht, drohe auch hier die Gefahr einer Rückzahlung von 247 Millionen Euro an HBFG-Fördermitteln.
Für Beer und Greilich ist es "grob fahrlässig" zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu wissen, ob die neue fusionierte Anstalt in der VBL bleibt oder nicht. Zu klären seien ferner kartellrechtliche Fragen, "da vom bestehenden Engagement der Kaufinteressenten im mittelhessischen Krankenhausmarkt abhängen könnte, ob das fusionierte Klinikum überhaupt an sie abgegeben werden kann oder bestimmte Teile wieder abgetrennt werden müssen". Vorstellbar sei auch, dass der getrennte Verkauf der beiden Universitätskliniken an zwei verschiedene Bewerber zu besseren Konditionen führe. Aus Sicht der FDP seien Gespräche mit den potenziellen Erwerbern über deren Konzepte und andere Beteiligungen überfällig.
Laut Expertenmeinung müssten die Freiheit von Forschung und Lehre und die Krankenversorgung "in einem Gesetz" und nicht in einer Rechtsverordnung stehen. Hier seien schließlich Grundrechte tangiert. "Wir wollen das Vorhaben grundsätzlich mittragen, doch die Risiken müssen abschätzbar sein", fassten Beer und Greilich ihre Kritikpunkte zusammen.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-31) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-03 bis 2005-08-03 |
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| Neu in Gießen: Schule für Schlüssellochchirurgie |
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OP-Kurse für Ärzte mit besonders breitem Spektrum - Bei Premiere mehr als 20 »Schülerinnen im Sari« aus ganz Indien
Gießen (if). Ein malerisches Bild bot sich am Vorabend des Fronleichnamstages auf Burg Gleiberg: Nahezu zwei Dutzend Damen in farbenprächtigen Saris besichtigten, begleitet vom indischen Generalkonsul in Frankfurt, Ahok Kumar, sowie Gießener Gastgebern aus der Universitätsfrauenklinik und aus der geburtshilflichen Veterinärklinik die Burganlage und bewunderten den Ausblick. Der 1. Vorsitzende des Gleibergvereins, Günter Feußner, hatte die Führung übernommen und vermittelte den Gästen einen informativen geschichtlichen Abriss.
Die 21 Gynäkologinnen aus Kliniken in allen Teilen des indischen Subkontinents, die - begleitet von drei männliche Kollegen - an diesem Wochenende nach einem Zwischenstopp bei Prof. Lieselotte Mettler in Kiel wieder die Heimreise antreten werden, hatten sich beim ersten Kurs der neuen »Gießener Schule für Endoskopische Schlüssellochchirurgie« (GSES) mit Verfahren und Einsatzmöglichkeiten der minimal-invasiven Chirurgie in der Frauenheilkunde vertraut gemacht. Sie ist maßgeblich von dem deutschen Gynäkologen Professor Semm entwickelt worden. Die wissenschaftliche Leitung des neuen Trainingszentrums, das von namhaften Unternehmen gesponsert wird, hat mit Prof. Hans-Rudolf Tinneberg auch ein »Semm-Schüler« inne. Dr. Mangeshikar (Indien) und Prof. Goolab (Südafrika) gehören dem Präsidium an.
Künftig sollen für chirurgisch tätige Ärzte viermal jährlich zweiwöchige Kurse in endoskopischen Operationsverfahren in der Frauenheilkunde sowie zusätzliche Kurse für endoskopisches Operieren in der Urologie ( mit Prof. Wolfgang Weidner) und in der Allgemeinchirurgie (mit Prof. Winfried Padberg) angeboten werden. Als »einmalig« gegenüber anderen Ausbildungstätten wird die Tatsache angeführt, dass in Gießen angesichts des besonderen Fächerprofils neben der Anatomie auch die Veterinärmedizin einbezogen werden kann.
Nach der offiziellen Begrüßung durch den Direktor der Uni-Frauenklinik, Prof. Tinneberg, und Privatdozent Dr. Reiner Hospes aus der geburtshilflichen Veterinärklinik (Prof. Bostedt) kam es im Laufe des Abends zwischen Gastgebern und Gästen zu einem lebhaften Erfahrungsaustausch. Generalkonsul Kumar, der, über Japan, Südafrika und Nepal gekommen, Indien seit fast zwei Jahren in Frankfurt vertritt, unterstrich im AZ-Gespräch die Bedeutung solcher wissenschaftlichen Kontakte für die wirtschaftlichen Beziehungen.
Die Burg Gleiberg lernten die Gäste aus Indien - mitsamt dem indischen Generalkonsul in Frankfurt, Ahok Kumar - an einem Sommerabend von ihrer schönsten Seite kennen.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-28) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-30 bis 2005-07-30 |
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| "Der Anästhesist ist der wichtigste Monitor" |
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Anästhesist Dr. Jörg Engel von der Abteilung für Anästhesiologie des Uni-Klinikums erläuterte Medizin-Senioren, wie heute bei Narkosen vorgegangen wird
Eine kleine Injektion, und schon kurz darauf schlummert der Patient im Reich der Träume. Bekommt von der Operation und all den Dingen, die um ihn herum geschehen, nichts mehr mit. Egal, ob Vollnarkose oder lokale Betäubung, die moderne Medizin verfügt heute über höchst effektive Verfahren, uns binnen kürzester Zeit Schmerzfreiheit während kleiner oder großer operativer Eingriffe zu verschaffen.
Noch in den 60er Jahren sah das vollkommen anders aus. Ein Äther-Tropf, der manuell kontrolliert wurde, musste ausreichen, um den Operierten für die Dauer des Eingriffs zu betäuben. Seitdem sind die Narkose-Techniken stetig weiter verbessert worden. Dr. Jörg Engel, Oberarzt in der Abteilung für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Gießener Universitätsklinikums, gab seinen Zuhörern am Dienstag beim Seniorenvorlesungsprogramm des Fachbereichs Medizin einen Überblick heute zu Verfügung stehender Verfahren.
"Ein Narkose-Medikament setzt sich aus drei Komponenten zusammen, einem Schmerz-, Entspannungs- und Schlafmittel", erläuterte der Mediziner. Damit solle eine eventuell durch Schmerzen verursachte Stressreaktion des Körpers so weit wie möglich reduziert werden. Das heutige Aufgabenfeld der Anästhesie, deren Abteilung im Uniklinikum 80 Ärzte, 100 Pflegekräfte und genauso viele Behandlungsplätze umfasse, gehe jedoch weit über die Verabreichung einer Narkose hinaus. So falle den Anästhesisten ebenfalls die Aufgabe zu, den Patienten während des Eingriffs gründlich zu überwachen. Das beinhalte sowohl die ständige Kontrolle des Elektrokardiogramms (EKG), des Blutdrucks, des Sauerstoffgehalts des Blutes und der Funktion der Organe, als auch die Beobachtung des Patienten selbst. Schwitzen zum Beispiel sei ein Zeichen für eine Stressreaktion, genauso eine Erweiterung der Pupillen. "Der Anästhesist ist der wichtigste Monitor", bekräftigte Dr. Engel, denn Sicherheit sei die oberste Prämisse während einer Operation.
"Unsere Tätigkeit hat einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis des Eingriffs." Komme es nämlich zu keinen größeren Stressreaktion und blieben die Blut- und sonstigen Werte innerhalb des Normalbereichs, garantiere man damit auch eine bessere Durchblutung und spätere Wundheilung. Das Risiko für eine womöglich auftretende Thrombose mit einhergehendem Gefäßverschluss werde dadurch ebenfalls gesenkt.
Bevor der Anästhesist jedoch entscheide, welches Verfahren am geeignetsten sei, müsse zunächst einmal eine genaue Untersuchung mit Aufzeichnung der Krankheitsvorgeschichte erfolgen. "Es soll sichergestellt werden, dass der Patient möglichst optimal in die OP geht." Eventuell vorliegende Herz-Kreislauf-Probleme oder andere Faktoren führten danach zu einer Einteilung in eine der fünf Risikogruppen. "In einem Vorgespräch erklären wir dann dem Patienten, was ihn erwartet und versuchen, ihm damit die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen."
Dank des intensiven Monitorings könne jeder sich dem Narkosearzt ohne Ängste anvertrauen, betonte Engel. Unverständnis zeigte der Anästhesist jedoch für aufkommende Forderungen, dass Anästhesisten aufgrund von Sparzwängen heute zwei Eingriffe gleichzeitig überwachen sollten. Damit würde man nicht nur am falschen Ende sparen, auch die Gesundheit des Patienten werde hierdurch gefährdet.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-28) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-01 bis 2005-08-01 |
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| "Ich war viel mobiler als beim ersten Mal" |
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Orthopädie wendet als einziges Zentrum beim Einsatz eines Hüftgelenks "minimal-invasive Implantationsmethode" an
Die Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie der Justus-Liebig-Universität (JLU) leistet Pionierarbeit. Als einziges orthopädisches Zentrum in Mittelhessen wendet sie beim Ersatz eines Hüftgelenks die "minimal-invasive Implantationsmethode" an. Dieses weichteil- und muskelschonendere Verfahren ist für die Patienten weniger belastend und verhilft ihnen zu schnellerer Genesung. "Ich war gleich viel mobiler als beim ersten Mal", sagt Gisela Schwarz, die sich wegen unerträglicher Schmerzen und Bewegungseinschränkungen schon vor einem Jahr einer Hüftoperation unterziehen musste. Als sie nicht mehr auf der rechten Seite liegen und keine Treppen mehr steigen konnte, wurde die Butzbacherin von ihrem Orthopäden in die Gießener Orthopädie überwiesen. Ein Blick auf die Röntgenbilder hatte den Ausschlag dazu gegeben. Damals sei ihr das Aufstehen am zweiten oder dritten Tag "sehr schwer gefallen", erzählt die 59-Jährige. Auch nach zwölf Tagen stationärem Aufenthalt und nach dreiwöchiger Rehabilitation in einer Bad Nauheimer Klinik habe sie noch zwei Gehstützen gebraucht. "Ich bin ein halbes Jahr mit einem Stock gelaufen."
Diesmal ist alles anders. Die Gehhilfen mit den lilafarbenen Griffen lehnen unbenutzt am Nachttisch. Vor einer Woche erhielt Frau Schwarz auch links ein neues Hüftgelenk. "Sie war die 50. Patientin, bei der wir minimal-invasiv vorgegangen sind", sagen Dr. Holger Haas, leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikleiter, und Oberärztin Dr. Iris Schleicher. "Direkt nach der OP ging es mir so blendend, dass ich hätte aufstehen können", strahlt die Patientin, die sich seit dem zweiten Tag nach dem Eingriff ohne jede Unterstützung und schmerzfrei bewegen kann.
"Nach dieser Operation ging es mir bedeutend besser, ich hab´ keinen Bluterguss gehabt und keine Wundschmerzen gehabt." All dies gehört zu den klaren Vorteilen der "minimal-invasiven Hüftendoprothetik", betonen Haas und Schleicher, die gemeinsam mit sechs weiteren Spezialisten, die in europäischen Zentren für Endoprothetik in der Schweiz, Italien, Belgien und Deutschland tätig sine, an der Fortentwicklung der modernen Operationstechnik arbeiten. Mit 150 000 bis 180 000 Fällen pro Jahr gehört das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks zu den häufigsten Operationen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gründe dafür sind vielfältig, denn die Funktionsfähigkeit dieses Kugelgelenks kann durch Arthrose, Entzündungen, Fehlbildungen, Deformierungen, Verletzungen und Überlastungen gestört sein. Zudem führt der krankhafte Verschleiß des Gelenkknorpels zu schmerzhaften, degenerativen Gelenkveränderungen. Auch die recht häufigen Schenkelhalsfrakturen bei älteren Menschen können das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks erforderlich machen.
Laut Haas und Schleicher ist eine Hüft-Totalendoprothese (HTEP) "der erfolgreichste Eingriff in der Orthopädie". An der Gießener Klink wird er seit rund 30 Jahren bis zu 400 mal im Jahr vorgenommen. Das neue minimal-invasive Verfahren werde weltweit noch ständig verfeinert, berichtet Schleicher, die vor zwei Jahren im Rahmen einer "Fellowship" in Brisbane selbst einer Arbeitsgruppe angehörte.
"Die Länge des Hautschnitts ist nicht entscheidend", betont Haas. Ein mit sechs bis elf Zentimeter nur noch halb so langer Schnitt wie bei der konventionellen Methode sei nur aus kosmetischen Gründen interessant. "Was zählt, ist der wesentlich schonendere Umgang mit den Muskeln, die das Hüftgelenk umgeben." In Gießen werde die minimal-invasive OP-Technik seit eineinhalb Jahren angewendet. "Das ist eine Besonderheit unseres Krankenhauses." Im Zuge der Verfeinerung der Operationstechnik seien auch neue Instrumente, zum Beispiel spezielle Wundhaken, entwickelt worden. Die Standard-OP-Methode erfolge in Gießen in Rückenlage des Patienten, die minimal-invasive Technik in Seitenlage.
"Der kürzere Schnitt ist problemlos erweiterbar auf einen Standardschnitt. Somit sind auch unvorhergesehene Situationen während der Operation beherrschbar", betonen die beiden Spezialisten. "Wir sind überzeugt, dass wir damit ein gutes Instrument an der Hand haben, im die Hüftprothesenimplantation noch erfolgreicher zu machen."
Bei der Auswahl eines für den jeweiligen Patienten geeigneten Implantats geht man in Gießen "keine Kompromisse" ein. "In unserer Klinik werden die bisher mit großem Erfolg verwendeten und im internationalen Vergleich bewährten, hochwertigen Prothesenmodelle auch über den neuen Zugang eingesetzt." Je nach Art der Verankerung der des künstlichen Hüftgelenks mit dem körpereigenen Knochen werden drei Prothesentypen unterschieden: die zementfreie Prothese, die zementierte Prothese und die so genannte Hybridprothese mit zementfreier Gelenkspfanne und zementiertem Schaft. Außergewöhnlich starke Zerstörungen des Hüftgelenks oder zu hohes Körpergewicht können ein Hinderungsgrund für die minimal-invasive Operationstechnik sein. Haas: "Die Entscheidung für das für den einzelnen Patienten anwendbare Verfahren muss individuell getroffen werden."
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-28) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-03 bis 2005-08-03 |
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| Seniorenvorlesung zur Narkose |
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Risiko? Gefährlicher ist der Straßenverkehr
Gießen (if). Dreimal dürfen Sie raten: Wer bekam die erste Narkose? Die Antwort steht in der Schöpfungsgeschichte: »Da ließ der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen, und er schlief ein«, heißt es in der Genesis, »er nahm seiner Rippen eine und er schloss die Wunde mit Fleisch«. Als Adam danach erwachte, hatte er in Eva eine Gefährtin bekommen. Der größten Abteilung des Uniklinikums Gießen zugehörend, versehen heute 80 Anästhesisten zusammen mit rund 100 Anästhesiepflegern an etwa hundert Narkosearbeitsplätzen in Operationssälen, auf der chirurgischen Intensivstation, auf Notarztfahrzeugen und in der Schmerzstation Dienst.
Nahtlos passend zu den mythischen Ursprüngen ihrer Disziplin wurde die Abteilung (Leiter Prof. Gunter. Hempelmann) dieser Tage durch einen veritablen Engel repräsentiert: Oberarzt Dr. Jürgen Engel verband als sympathischer Gast bei den »Medizin-Senioren« den informativen Einblick in seine und die Arbeit seiner Kolleginnen und Kollegen mit der Antwort auf die provozierende Frage von Prof. Hans-Joachim Oehmke: »Muss man vor einer Narkose Angst haben?« Die Antwort, kurz und bündig: »Wir haben heute sehr sichere Verfahren. Sie können sich dem Anästhesisten, der Ihre Narkose steuert, genau so gut anvertrauen wie dem Piloten, der Sie in den Urlaub fliegt«. Zwar gebe es kein »Null-Risiko« - aber laut Statistiken kommt es bei rund sieben bis acht Millionen Narkosen pro Jahr zu rund 40, im Straßenverkehr dagegen alljährlich zu 5800 Toten.
Gleichwohl haben - weiß Engel - 80 Prozent der Patienten Angst: Vor dem jeweiligen Eingriff selbst fürchten sich 35 Prozent, mit 60 Prozent ist die Angst vor der Narkose fast doppelt so groß. Dabei wäre Gelassenheit anzuraten: Angst kann sich zum Risikofaktor entwickeln und Herzrasen, Blutdruckanstieg und Rhythmusstörungen auslösen. Die Muskelspannung wächst, der Patient schwitzt oder zittert. Erstaunlicherweise sind - so erfuhren die Hörer - solche Angstreaktionen kulturabhängig: »Ich will nichts mitkriegen«, heißt es bei uns beim Wunsch nach der Vollnarkose. Asiaten dagegen legen Wert darauf, während eines Eingriffs zwar schmerzlos, aber bei Bewusstsein zu sein. Folge: In Fernost sind selbst bei größeren Eingriffen so genannte »Regionalanästhesien« häufiger.
Früher eine Horrorgeschichte
Die Geschichte der Schmerzbekämpfung bei Operationen ist bis ins 19. Jahrhundert eine Horrorgeschichte. Erst mit der Einführung der Äthernarkose hat sich das geändert. Heute »steuern« statt des Chirurgen, eines Anfängers oder statt einer äthertropfenden Schwester professionelle Anästhesisten an hoch technisierten Arbeitsplätzen die Narkose, machen den von ihnen entsprechend vorbereiteten Patienten medikamentös schmerzfrei, sorgen für Entspannung und Schlaf, überwachen seine Reaktionen und dokumentieren sein Befinden. Besonderes Augenmerk gilt dabei Stressreaktionen. Sie zu vermeiden, bedeutet die Wundheilung zu beschleunigen und das Thromboserisiko zu minimieren; das ist insgesamt eine wichtige Voraussetzung für ein optimales Operationsergebnis.
Wie sieht die Basisüberwachung während einer Narkose aus? Was sind die wichtigsten Anhaltspunkte für deren individuelle Steuerung? Bei welchen Eingriffen wird eine erweiterte Überwachung erforderlich? Fragen über Fragen, die Engel aufgriff. Die in Gießen eingesetzte Überwachung, das »monitoring« des Bewusstseinszustandes während und nach der Narkose, ist ein relativ neues Verfahren, das über die Ableitung von Hirnströmen einen aussagekräftigen so genannten »Bispectral«-Index liefert.
Vielleicht lässt sich damit auch die in der Diskussion angerissene Frage klären, wie nach Narkosen namentlich bei älteren Patienten gelegentlich auftretende Verwirrtheitszustände zustandekommen, sich verhindern oder zumindest verkürzen lassen? Der Forschung bedarf also auch das »junge«, primär auf Dienstleistung fokussierte Gebiet der Anästhesiologie.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-27) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-30 bis 2005-07-30 |
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| "Privatisierungsklamauk" kritisiert |
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Personalräte und Verdi rufen Land dazu auf, Gesetzesvorhaben zu Uni-Kliniken auszusetzen - "Die ziehen das durch"
Die hessische Landesregierung soll unverzüglich ihr Gesetzesvorhaben zur Fusion der Unikliniken Gießen und Marburg "aussetzen". Dies forderten Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der beiden Personalräte am Mittwoch beim 3. Pressegespräch zum Themenkomplex Fusion und Privatisierung im Bürgerhaus Lollar. "Nach der zweitägigen Experten-Anhörung im hessischen Landtag sind unsere Sorgen nicht geringer geworden", betonte der für die Gießener Uniklinik zuständige Gewerkschaftssekretär Jens Ahäuser. Vielmehr fühle sich Verdi durch viele Expertenmeinungen bestätigt. Klaus Hanschur, der als Personalratsvorsitzender des Gießener Uniklinikums selbst an der Anhörung beteiligt war, zeigte sich "erschüttert über die Privatisierungsbesoffenheit mancher Experten".
Wegen einer Vielzahl von offenen Fragen und nicht konkretisierten Auswirkungen auf die Arbeitnehmer fehlte den anweisenden Personalräten und Gewerkschaftlern jedes Verständnis für das von den CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Peter Möller (Gießen) und Anne Oppermann (Marburg) gezogene positive Fazit.
Dr. Dirk Gehrke, stellvertretender Personalratsvorsitzender am Uniklinikum Marburg und Sprecher der wissenschaftlichen Mitarbeiter, kritisierte, dass der jetzt vorliegende Gesetzentwurf in die "Grundrechte der Professoren" eingreife, weil es sogar den Verkauf der Kliniken auf dem Verordnungsweg vorsehe. Am Beispiel eines Kernspintomographen machte er klar, dass man Forschung, Lehre und Patientenversorgung "nicht streng von einander trennen" könne. Zu dem Argument von Ministerpräsident Roland Koch, es handle sich bei dem angepeilten Großklinikum Gießen-Marburg um ein "Leuchtturmprojekt" sagte Gehrke: "Was haben wir von einem Saftladen mit einer tollen Leuchtreklame?"
Aus Sicht von Verdi und der beiden Personalräte ist die Landesregierung "beratungsresistent". "Die zieht das durch." Und das, obwohl Experten "juristische Bedenken bis hin zur Verfassungswidrigkeit" geäußert hätten. Besonders groß sei die Gefahr einer Einschränkung von Forschung und Lehre. Vermutlich müssten auch "Millionen von Fördermitteln" zurückgezahlt werden. Nach wie vor fehle ein Arbeitnehmerüberleitungsvertrag. "Auch zu den Investitionen in Gießen ist nichts Konkretes gesagt worden."
Laut Gehrke müssten die Uniklinika Gießen und Marburg im Falle ihres Verkaufs einen neuen Förderantrag stellen und erklären, "dass Forschung und Lehre Priorität haben". Ein neues Großklinikum lasse sich nicht durch die bloße Zusammenlegung zweier Vorstände leiten, "die seit zwei Jahren in einer großen Konkurrenzsituation und jetzt schon fast handlungsunfähig sind". Roland Koch warf die Runde vor, er wolle "bewusst unsere Rechte nicht regeln", damit er die beiden Uniklinika besser verkaufen könne.
Auf 380 Millionen Euro bezifferte Gehrke den für die Ablösung der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) benötigten Betrag. "Der Arbeitgeber möchte sich das vom Hals schaffen." Falls die Summe vom Kaufpreis abgezogen würde, gingen beide Klinika "für´n Appel und ´n Ei" weg. Für die Weiterbeschäftigung des wissenschaftlichen Personals, das beim Land verbleibe, aber an einen privaten Arbeitgeber "verliehen" werde, müsste dieser 100 Millionen erwirtschaften.
Eine nach wie vor drohende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Absenkung des Tarifniveaus würden sich die Beschäftigten, einschließlich der Ärzte, nicht gefallen lassen, war sich die Runde einig. Es gehe nicht an, dass mit "rumänischen Billigärzten" Löcher gestopft würden. Dies grenze an "Privatisierungsklamauk".
Für Ahäuser müssen die Folgen der Privatisierung für die Beschäftigten "deutlich und klar in das Gesetz aufgenommen" werden. Gleiches gelte für das Tarifniveau. Aus Sicht Hanschurs droht nach wie vor ein Abbau des Personals um 30 Prozent. Die ursprünglich gegebene Zusage, dass es bis zum 31. Dezember 2010 keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle, stehe nicht im Gesetzentwurf.
Bei weiterhin enger Zusammenarbeit der beiden Personalräte mit Verdi und bei neuer Motivation nach der Marburger Demonstration von rund 3000 Betroffenen ist demnächst die Übergabe von knapp 26 000 in Marburg gesammelten Unterschriften an die Landesregierung und rund 2500 aus Gießen vorgesehen. Außerdem wird Verdi mit allen juristischen Möglichkeiten die Auswirkungen des Gesetzentwurfes auf die Arbeitnehmer überprüfen. Mit besonderer Spannung wird die Stellungnahme des Wissenschaftsrates erwartet.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-27) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-06-01 bis 2005-08-01 |
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| SPD setzt auf "solidarische Hilfe für Patienten" |
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Sozialdemokraten gründen Arbeitsgemeinschaft "Gesundheitswesen" - Beate Karl und Petra Menz zu Sprecherinnen gewählt
Beate Karl und Petra Menz stehen als Sprecherinnen der gegründeten Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen im Unterbezirk Gießen (AsG Gießen) vor. Schwerpunkte der Gründungsveranstaltung bildeten die Themen "Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik" und "Privatisierung des Uniklinikums". "Mit der Gründung setzt die SPD in klares Zeichen zur aktiven Einmischung in einer für das Gesundheitswesen schwierigen Zeit. Dies gilt insbesondere wegen der drohenden Privatisierung- und konzeptionslosen Fusionspolitik bei den Unikliniken", so der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel.
Die Sozialdemokraten sprachen sich deutlich gegen einen privaten Betreiber für die Universitätsklinken Gießen und Marburg aus. Ein solcher Betreiber müsse profitorientiert arbeiten und dies sei mit den Interessen des Gemeinwohls nicht vereinbar. "Denn", so der ehemalige Ärztliche Direktor des Gießener Uni-Klinikums und SPD-Vertreter, Prof. Klaus Knorpp, "die dahinter stehenden Konzepte, die den Patienten zum bloßen Kunden machen, erfassen etwas ganz Entscheidendes nicht: Dass nämlich einem wirklich Kranken oder Verletzten das wichtigste Merkmal eines ,Kunden` fehlt, die freie Wahlmöglichkeit. Und deswegen prägen nicht profitorientierte Markwirtschaft für Kunden, sondern solidarische Hilfe für Patienten das Konzept der SPD". Dass aber diese solidarische Hilfe professionell und ökonomisch richtig organisiert sein müsse um bezahlbar zu sein, gehöre zu den wichtigen Bedingungen solidarischen Handelns.
Die AsG will sich nach eigenen Angaben in nächster Zeit strukturellen und grundsätzlichen Fragen der Gesundheitspolitik nähern. Ziel sei es, das bestehende System zu verstehen und sich über Auswirkungen von Reformen und Systemveränderungen klar zu werden. Dabei sollen auch die praktischen Auswirkungen unterschiedlicher Reformvorhaben auf die betroffenen Menschen und Personengruppen ganz konkret betrachtet werden.
Stefan Sättler sprach in diesem Zusammenhang an, dass das eigentliche Problem des Gesundheitssystems im Bereich der Bevölkerungsentwicklung zu suchen sei. Hohe Arbeitslosigkeit beschleunigten die negative Entwicklung zusätzlich. "Man muss hier darauf achten, dass Reformen nicht nur zu einem Bremsen einer fortschreitenden Entwicklung führen sollten, wie dies bei zahlreichen Gesundheitsreformen der Vergangenheit der Fall war", so Sättler wörtlich.
Bei der Versammlung wurden ferner die Arbeitsgruppen (AG) "Fusion/Privatisierung Uni-Klinikum" und "Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik" ins Leben gerufen. Sie sollen unter dem Dach der AsG Gießen arbeiten, wo sich in regelmäßigen Treffen über die Ergebnisse der Arbeitsgruppen ausgetauscht werden soll. Die AG "Fusion/Privatisierung Uniklinikum" wird von Prof. Klaus Knorpp geleitet und die AG "Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik" von Stefan Sättler.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-24) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-25 bis 2005-07-25 |
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| Hüft-Endoprothesen zeigen große Erfolge |
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Zum Auftakt des Seniorenvorlesungsprogramms sprach Prof. Henning Stürz über den heutigen Stand künstlicher Hüftgelenke
Ist ein Gelenk durch eine Arthrose oder andere degenerative Erkrankung so weit verschlissen, dass Kapsel, Knorpel sowie der darunter liegende Knochen irreparable Schäden zeigen, bleibt in vielen Fällen ein künstliches Gelenk als letzter Ausweg. Alleine an der Orthopädischen Universitätsklinik in Gießen werden jährlich über 400 Hüft- und etwa 270 Knieprothesen implantiert. Diese Zahlen nannte Prof. Henning Stürz zum Auftakt des Seniorenvorlesungsprogramms des Fachbereichs Medizin. "Da sich Knorpel nicht erneuert, kann die Funktion des Gelenks nur durch das Einsetzen einer künstlichen Prothese wiederhergestellt werden", sagte der Leiter der Orthopädie.
Mit der Implantation einer so genannten Hüft-Endoprothese, bei der man sowohl den Oberschenkelkopf als auch die Gelenkpfanne des Hüftknochens ersetze, verfolge man gleich mehrere Ziele. "Vor allem soll damit dem Patienten ermöglicht werden, wieder schmerzfrei stehen und sich bewegen zu können." Da der hierzu notwendige Eingriff weiterhin eine große Operation darstelle, werde außerdem ein dauerhafter Halt angestrebt. "Statistiken zeigen, dass 80 von 100 künstlichen Hüftgelenken auch nach 20 Jahren noch einwandfrei funktionieren." Ermöglicht werde dies nicht nur durch die Verwendung hochwertiger Materialien, sondern ebenso durch die Qualitätssicherung, zu der jede Klinik verpflichtet sei. "Das alles ist sehr strikt geregelt und dient dem Schutz des Patienten, dem damit eine sorgfältige Behandlung garantiert wird", betonte Stürz. Dennoch seien Nebenwirkungen nie ganz auszuschließen.
So komme es nach dem Eingriff am häufigsten zu einer Venenthrombose, die man wiederum mit Heparin-Spritzen therapieren könne. Weitaus seltener sei dagegen eine Lungenembolie oder Herzinfarkt. Nur in sieben beziehungsweise vier Fällen unter 1000 Operationen zeigten sich derartige Folgewirkungen.
"Da natürliches Gewebe durch Metall ersetzt wird, ist das Infektionsrisiko in der Umgebung um das zehn- bis 15-fache erhöht", nannte der Mediziner als Ursache für immer wieder einmal anzutreffende Entzündungen, die aber nur bei drei von 100 Eingriffen eine Revisions-OP erforderten. Eine Patienten-Zufriedenheit von 90 Prozent nach Implantation einer Prothese zeigten jedoch den heutigen hohen Standard dieser Behandlungstechnik.
Angesichts 450 verschiedener Implantat-Typen mit unterschiedlichen Schaftlängen müsse vor der Operation sorgfältig abgewägt werden, was damit erreicht werden solle, gab Stürz zu bedenken. "Von eminenter Wichtigkeit ist, dass so wenig Abrieb wie möglich erzeugt wird." Implantate aus Keramik seien qualitativ am hochwertigsten, verursachten aber auch die höchsten Kosten. Weil jede Klinik nach Fallpauschalen bezahlt werde, verwende man Keramik vor allem für jüngere Patienten, während Ältere weniger teure Prothesen aus Metall beziehungsweise dem Kunststoff Polyethylen erhielten.
Für letztere sei damit allerdings "kein Nachteil" verbunden, da sie sich weniger bewegten und somit ein weitaus geringerer Abrieb innerhalb des Gelenks erzeugt werde. Eine Einzementierung des Prothesen-Schafts im Oberschenkelknochen empfehle sich zudem nur bei einer ausgeprägten Osteoporose. Um dem Entstehen einer Lockerung der Prothese oder Fremdkörper-Granulomen, die von Kunststoff-Ablagerungen verursacht würden, vorzubeugen, empfahl der Orthopäde, alle zwei Jahre eine Röntgen-Überprüfung des Gelenks vornehmen zu lassen. Bild: Docter
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-21) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-23 bis 2005-07-23 |
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| "Uniklinik-Gesetz verfassungswidrig" |
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Schäfer-Gümbel übt harsche Kritik an Landesregierung
Harsche Kritik an der Landesregierung hat der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel nach der Anhörung zum Universitätsklinikumsgesetz geäußert. "Fakt ist nach der Anhörung, dass das vorliegende Gesetz handwerklich massive Mängel beinhaltet. In den Fragen von Forschung und Lehre ist das Gesetz sogar verfassungswidrig" so Schäfer Gümbel. Dies hätten beide Sachverständige unmissverständlich klar gestellt. "Ich lege großen Wert auf die Feststellung, dass zwei Bereiche konsequent getrennt werden müssen: erstens die politische Linie und zweitens die Umsetzung im vorliegenden Gesetzentwurf der CDU-Landtagsfraktion", erklärte der SPD-Politiker. Das Umsetzungsgesetz sei schlicht durchgefallen. Das von der SPD vorgeschlagene Alternativmodell erweise sich angesichts der Anhörung als eindeutig überlegen. "Die enormen Risiken des CDU-Vorschlags können nur ausgeschlossen werden, wenn die Klinika in einem Modell von Public-Private-Partnership weiterentwickelt werden. Dabei wurden auch sehr interessante Rechtsfiguren vorgeschlagen", so Schäfer-Gümbel.
Auch die arbeitsrechtliche Seite in dem Gesetzentwurf sei katastrophal. Wenn ein Sachverständiger erkläre, dass Hessen sich nicht über Bundes- und EU-Recht hinwegsetzen könne, sei dies eine schallende Ohrfeige.
Die finanziellen Risiken seien enorm. Dies gelte sowohl für die Versorgungs-Problematik (VBL) als auch für die mögliche Rückforderung von Hochschulbauförderungsmitteln. Beide Komplexe seien auf jeweils 350 Millionen Euro beziffert worden.
Der Verkaufspreis werde nach Einschätzung einiger Sachverständiger Null oder sogar negativ sein. Der Buchwert liege aber bei 600 Millionen Euro.
Zudem hätten nahezu alle Sachverständigen erklärt, dass man andere Entscheidungsstrukturen brauche und die vorgeschlagene Zusammenführung der bestehenden Vorstände ungeeignet sei. Dies beziehe auch die Zusammenlegung der Fachbereiche ein. Dazu gehöre auch, dass einige Sachverständige ausgeführt hätten, dass eine gleichberechtigte Fusion zweier Standorte mit anschließender Privatisierung nicht funktioniere. Deshalb sei eine Schwerpunktsetzung bei der Standortfrage eingefordert worden.
Das sei zwar nicht das Modell der SPD, aber man müsse mindestens zur Kenntnis nehmen, dass die von den Universitäten und Klinikumsvorständen vorgetragene Position von fast allen Experten für nicht tragfähig gehalten werde.
Die Anhörung habe glasklar gezeigt, dass der Gesetzentwurf "völlig ungeeignet" sei, so das Fazit des SPD-Politikers. Hinsichtlich der politischen Grundlinie sei klar, dass "auch die Privatisierungsbefürworter eindeutig von Risiken gesprochen haben, die sie allerdings für gestaltbar halten". Die SPD habe eine vernünftige Alternative vorgeschlagen, die die finanziellen Fragen beantworte.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-21) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-23 bis 2005-07-23 |
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| Professor von Eiff: »Eine Privatisierung ist kein Allheilmittel« |
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Zukunft der Klinika: AZ-Interview mit dem Ex-Gießener und Krankenhausmanagement-Experten Wilfried von Eiff - Gegen »leistungsfeindliche« BAT-Bezahlung
AZ: Die Kostenprobleme von deutschen Unikliniken sind bekannt. In Hessen wird derzeit versucht, die Kliniken Gießen und Marburg zu verschmelzen und dann an eine private Krankenhauskette zu verkaufen. Ist Privatisierung ein sinnvoller Weg?
von Eiff: Privatisierung ist kein Allheilmittel, schon gar nicht für Unikliniken. Sie erfüllen eine Hoheitsaufgabe in Forschung, Lehre, Regel- und Maximalversorgung. Diese vier Säulen dürfen nicht voneinander unabhängig betrieben werden, es sei denn, man nimmt in Kauf, dass Forschung und Lehre zu Abfallprodukten einer auf Gewinn ausgerichteten Krankenversorgung degenerieren. Forschung und Lehre muss unabhängig von den Interessen und dem Einfluss Dritter garantiert sein; Gleiches gilt für eine universitäre klinische Versorgung, die aus Gründen der Qualitätssicherung und Innovation nicht einseitig nach den Maßstäben der medizinischen Angemessenheit, der klinische Evidenz und der Wirtschaftlichkeit bemessen werden darf.
Nun soll aber nicht der komplette Betrieb verkauft werden, sondern ausschließlich der Teil der Krankenversorgung. Eine Trennungsrechnung würde Transparenz herbeiführen über die Leistungsstrukturen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Dann wäre doch die von Ihnen geforderte Hoheitsfunktion von Forschung und Lehre gewährleistet.
Eine Trennungsrechnung ist auf dem Papier vollziehbar, aber in der Realität bleiben Forschung, Lehre und Krankenversorgung in weiten Teilen eine Einheit. Nehmen Sie den Bereich der Orthopädie. Eine Uniklinik mit dem Anspruch, Hochleistungsmedizin zu betreiben, wird zum Beispiel unter den Aspekten Forschung und Hochleistungsmedizin einen Bereich Tumorchirurgie vorhalten und aus Gründen der Lehre auch Totale Endoprothesen, Knie und Schultern operieren. Eine private Kette könnte hier möglicherweise daran interessiert sein, die aufwändige Tumorchirurgie zugunsten eines höheren Volumens von Endoprothesen einzuschränken. Ähnliche Angebotsverschiebungen sind unter privatwirtschaftlicher Führung denkbar in der Kardiologie, wo etwa »Schirmchen« zur Verschließung von Ventrikelseptum-Defekten erst dann zum Einsatz kommen, wenn deren Evidenz (in anderen Unikliniken natürlich) bewiesen und die Finanzierung durch die Kostenträger gesichert ist. Immerhin ersetzen solche innovativen Verfahren die klassische Operation am offenen Herzen.
Gibt es weitere Beispiele für die Interessenkollison zwischen Wirtschaftlichkeit und Hochleistungsmedizin?
Ja, dies gilt auch für teure klinische Anwendungsforschung auf dem Gebiet der präventionsorientierten Diagnose. Auch die Forschung auf dem Gebiet der komplexen Zuckermoleküle zur Analyse der Krankheitsverbreitung bei Tumoren ist eine zukunftsweisende Aufgabe von Unikliniken, die nur im Zusammenspiel mit der klinischen Arbeit am Patienten erfolgreich gestaltbar ist. Ein weiteres Beispiel betrifft die Schlaganfallversorgung: eine Uniklinik setzt in der Regel sowohl Computer-Tomographie (CT) als auch Magnet-Resonanz-Tomographie zur exakten Diagnose ein, während »normale« Krankenhäuser sich auf das CT beschränken. Die Erfahrung zeigt, dass überall dort, wo eine Privatisierung universitärer Klinikeinrichtungen stattfand, die Personalkapazitäten in Forschung und Lehre dazu missbraucht werden, Rationalisierung in der Patientenversorgung aufzufangen.
Nach Aussage der Landesregierung droht den Kliniken Gießen und Marburg der Konkurs: von 30 Millionen Euro Betriebsverlust und einem Investitionsstau in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro ist die Rede. Woran liegt es, dass Unikliniken beängstigende Finanzierungslücken haben? Fehlt es am Kostenbewusstsein von Ärzten und Pflegekräften? Mangelt es an Managementfähigkeit?
Einerseits sind die Fehler in der Vergangenheit zu suchen. Bereits im Jahr 1977 erhielt der Krankenhausarchitekt Heinle, Wischer und Partner den Auftrag, den Neubau des Klinikums Gießen zu planen; außer Papier ist in 30 Jahren nichts bewegt worden. Die Gesundheitspolitik in Hessen war im Hinblick auf die Universitätskliniken über diesen langen Zeitraum nur stümperhaftes Stückwerk und hat versagt. Dies ist bedauerlich, weil ansonsten Hessen in vielen Bereichen Vorbildcharakter hatte. Andererseits haben Unikliniken eine Besonderheit, die ihren Betrieb im Vergleich zu einem Regelversorgungs-Krankenhaus verteuert: Sie nehmen Patienten auf, die andere nicht behandeln können oder wollen. Dieses Problem haben alle so genannten Medizinischen Kompetenzzentren. Entsprechend hoch sind die Vorhaltekosten, die in das Abrechnungssystem aber bisher nicht eingebaut sind.
Dazu kommt die Ausbildung des Mediziner-Nachwuchses?
Ja, hier kommt es selbstverständlich zu höheren Kosten. Eingriffe von jungen Ärzten müssen unter direkter Aufsicht erfahrener Fachärzte durchgeführt werden. Unerfahrene Ärzte neigen zur Absicherungsdiagnostik. Aus Gründen des Lernens und der Absicherung schwieriger medizinischer Entscheidungen werden für etwa 20 Prozent der Fälle gezielt Doppeldiagnosen gestellt, ein in Unikliniken und Kompetenzzentren übliches und aus Qualitätsgründen wünschenswertes, aber kostentreibendes Verfahren. Uniklinikums-Ärzte sollen forschen; dies schlägt sich mit 15 bis 25 Prozent der Arbeitszeit nieder. Höhere Kosten je Fall sind die Folge. Der Bundesangestelltentarif ist ein gravierender Hemmschuh. Jährlich werden zwei bis vier Prozent des Budgets durch diesen leistungsfeindlichen Bequemlichkeitstarif verschwendet. Die Kliniken sind durch das Verschulden der öffentlichen Träger seit Jahren chronisch unterfinanziert. 70 Prozent der Bausubstanz ist überholungsbedürftig bzw. weist baulich-funktionale Strukturen auf, die effektive Arbeitsflüsse nicht zulassen. Mit anderen Worten: Es geht nicht an, dass wir Spitzenmedizin und Spitzenmediziner fordern, aber den Unikliniken die Refinanzierung verweigern.
Die privaten Ketten wachsen und vergrößern ihren Marktanteil Jahr für Jahr. Eine Uniklinik im Vermögensbestand zu haben, verbessert das Image bezüglich medizinischer Fähigkeiten. Also ist sie doch ein lohnendes Kaufobjekt?
Die Übernahme einer Uniklinik wird zur wahren Herausforderung für die auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz getrimmten Privaten. Diese werden ihren Marktanteil gezielt ausdehnen. Dabei wird es nicht mehr um die Strategie »Mehr vom Gleichen« gehen, also die Akquisition zusätzlicher Akuthäuser und Rehakliniken, sondern um den Erwerb von Ressourcen zur Sicherstellung von Desease-Management-Programmen, Fall-Management-Konzepten und integrierten Versorgungsnetzwerken. Und es geht um den attraktiven Markt ausländischer Patienten. Die Privaten müssen in Zukunft mehr an Beweisen ihrer innovativen medizinischen Kompetenz arbeiten, um nicht in die Ecke des einseitigen Kostenkillers gestellt zu werden. Daher stellt die Übernahme und Konsolidierung von Unikliniken und Forschungskrankenhäusern sowie der Aufbau von Netzen akademischer Lehrkrankenhäuser eine besondere Herausforderung dar. Hier gilt es, die Altlasten der BAT-Kultur abzubauen, eine strukturelle Konsolidierung des Medizinangebots in einer Region vorzunehmen und leistungsorientierte Vergütungssysteme einzuführen.
Das sind sicherlich alles gute Gründe, um die hohen Kosten einer medizinischen Versorgung auf Uniklinik-Niveau zu rechtfertigen. Gibt es auch Möglichkeiten der Kostensenkung, gibt es Optimierungspotenziale in den Häusern?
Natürlich verfügen Unikliniken über ein enormes Leistungspotenzial, das wirtschaftlich optimiert und auch unternehmerisch genutzt werden kann. Einsparmöglichkeiten bietet der Beschaffungsbereich. Einkaufsgemeinschaften, die auch die Standardisierung vorantreiben, sind unverzichtbar. Durch Entwicklung neuer Angebote im Vorsorge- und Screening-Bereich ebenso wie in der Reha lassen sich lukrative Geschäftsfelder erschließen. Zu denken ist an Früherkennung von Gebärmutterkrebs, frühzeitige Detektion von Hämochromatose-Patienten sowie Risikoprognose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Notwendig wird auch die Abstimmung von Leistungsschwerpunkten mit anderen Maximalversorgern. Die Uniklinik Gießen ist hier auf dem richtigen Weg, wie etwa der Verbund im Bereich Kinderonkologie mit der Uniklinik Münster oder im Bereich Rheumatologie, Kardiologie, Kardiochirurgie mit der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim zeigt. Chancen gibt es auch im Forschungsverbund mit der Medizinindustrie. Hier muss es zu anderen Formen der Zusammenarbeit kommen, im Sinne eines transparenten, auf direktes Nutzen-Controlling ausgerichteten Projekt-Managements. Chancen bestehen insbesondere auch in der internationalen Ausweitung des Angebots von Forschung, Lehre und hochspezialisiertem Klinikbetrieb. Dazu gehört die Entwicklung internationaler Kooperationen. Der Wirtschaftsraum Tschechien, Ungarn, Österreich wird sich in den Bereichen Medizin, Rehabilitation und Kurwesen in absehbarer Zeit zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz entwickeln. Medizinische Forschung und Weiterbildung ebenso wie spitzenmedizinische Leistungen sind die Exportgüter der Zukunft, was Krankenhausmanager in Singapur, Japan und USA längst begriffen haben.
Welche Organisationsmodelle sind für Unikliniken zukunftsträchtig? Gibt es innovative Erfolgsmodelle?
Zukunftsträchtig sind Modelle, bei denen der Vorteil von Vernetzungen aktiviert wird: Forschungsnetzwerke mit Leitkliniken, die den Forschungs- und klinischen Anwendungsverbund steuern. Immer wichtiger werden eingriffsbezogene Benchmarking-Initiativen, die eine klare Leitlinienentwicklung für komplexe Krankheiten mit individuell einzustellenden Therapieregimen (zum Beispiel in der Onkologie und der Schlaganfallversorgung) durchführen. Wichtig ist auch die Bildung von regionalen Medizin-Clustern, durch die eine Integration von Grundlagenforschung, klinischer Anwendungsforschung, Industriebeteiligung und herausragenden Behandlungsangeboten sichergestellt wird. Auf dieser Infrastruktur entstehen Kompetenzzentren für Onkologie, Präventions- und Therapiezentren für Brustkrebs und Desease-Management-Strukturen. Aber gerade auf dem Gebiet »Clustermanagement: Medizin und Gesundheitswirtschaft« ist die Region Oberhessen noch stark verbesserungsbedürftig aufgestellt.
Den privaten Ketten wird nachgesagt, sie seien besonders innovativ auf den Gebieten Organisation und Management. Ist dies auch Ihre Erfahrung?
Visionäre Ideen wie das Portal-Kliniken-Konzept, die Auflösung der klassischen Abteilung, aber auch Refinanzierungsmodelle wie die Mietertragsmethode oder die ganzheitliche Patientenversorgung durch das Primary-Nursing-Konzept wurden von unternehmerisch denkenden Managern privater Ketten ersonnen. Nicht dass Uniklinikums-Managern die Qualifikation fehlt, um solche Konzepte zu erfinden und zu realisieren; die Fesseln des öffentlichen Verwaltungs- und Politikapparats und die chronisch klammen Staatsfinanzen standen bisher ihrer Weiterentwicklung entgegen.
Können es die Privaten richten?
Die Privaten können die Einheit von Forschung, Lehre und innovativer Maximalversorgungsmedizin ohne Drittmittel vom Staat auch nicht sicherstellen. Entscheidend ist, dass die Balance gefunden wird, zwischen Hoheitsaufgaben (Forschung/Lehre), Maximalversorgungsmedizin und Wirtschaftlichkeit. Die Frage darf nicht sein: »Wie kann man Kosten sparen?«, sondern »Welche Leistungen werden von einer Uniklinik erwartet, und wie können diese Leistungen ohne Verschwendung erbracht werden?« Wenn Privatisierung dazu führt, dass Entscheidungsprozesse unternehmerisch geprägt ablaufen, ist dieser Schritt zu begrüßen. Wenn erreicht wird, dass Aufsichtsräte auf fünf Profis reduziert und nicht mehr nach politischem Proporz besetzt werden sowie Geschäftsführer nicht nach Parteibuch, dann haben die Anstrengungen Früchte getragen.
Wie sehen Ihre abschließenden Empfehlungen aus?
Erstens ist es sachlich und ökonomisch vernünftig, die Unikliniken Gießen und Marburg zusammenlegen. Zweitens empfehle ich, vor einem Verkauf »die neue Braut schön zu machen«, also durch eine Vorwärtsstrategie auf Erfolgskurs zu bringen -und dann ist zu entscheiden, ob eine Privatisierung durch Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung für das Land Hessen der beste Weg ist. Denn wenn man die Sanierungsarbeit auf den Käufer überträgt, wirkt sich das auf den Preis negativ aus. Eine Privatisierung bringt nur dann die gewünschten versorgungsstrukturellen und ökonomischen Wirkungen, wenn
- unternehmerische Handlungsfreiheit für die neue Führungsmannschaft eingerichtet wird und nicht viele politisch begründete Einschränkungen den Vertrag belasten; ein Besitzstandswahrungspakt über fünf und mehr Jahre wäre ein strategisches Armutszeugnis.
- ein sozialverträglicher schrittweiser Ausstieg aus der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder und ein Abschied von dem Bequemlichkeitstarif BAT verfolgt wird.
- dem neuen Klinikum die vertraglich zugesicherten Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur und der Bausubstanz bereits in den nächsten zwei Jahren zugeführt werden.
- die Einheit von Forschung und Lehre sowie Krankenversorgung auf Spitzen- und Regelniveau erhalten bleibt.
- vertraglich geregelt wird, dass keine Patientenströme aus Hessen »weggesteuert« werden bzw. die Ziele der Integrierten Versorgung in Hessen nicht durch eine standortfeindliche Konzernpolitik einer Kette konterkariert werden.
- in die strukturpolitischen Überlegungen auch andere medizinische Leistungszentren wie die Kerckhoff-Klinik eingebunden werden.
- die private Kette verpflichtet wird, keine kontraproduktiven Desinvesitionsstrategien zu verfolgen (etwa Reduktion der Schlaganfallversorgung).
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Prof. Wilfried von Eiff: Ein ausgewiesener Fachmann
Zu den Experten, die am Dienstag und Mittwoch im hessischen Landtag ihre Meinung zur geplanten Fusion und Privatisietung der Universitätsklinika Gießen und Marburg äußerten, gehörte auch Prof. Wilfried von Eiff, der Leiter des Centrums für Krankenhaus-Management der Universität Münster. Der ehemalige Verwaltungsdirektor des Uniklinikums Gießen (1977 bis 1980), der anschließend lange Organisationschef bei Audi in Ingolstadt war, wurde 1994 als Professor für Betriebwirtschaftslehre nach Westfalen berufen. Der 57-Jährige gehört mehreren Aufsichtsräten in Industrie und Krankenhauswesen an, darunter dem der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim.
Von Eiff gilt als politisch unabhängiger und exzellenter Kenner des Gesundheitswesens insbesondere auf dem Gebiet des Managements von Krankenhäusern. Mit ihm führte die AZ-Medizinexpertin Isolde Feez dieses Interview. Der ehemalige Gießener skizziert darin die Chancen einer Privatisierung und nennt die seiner Meinung nach unabdingbaren Voraussetzungen: Die Einheit von Forschung, Lehre, Maximal- und Regelmedizin ist sicherzustellen. Und es muss die Garantie geben, dass eine private Kette nicht aus ökonomischen Gründen Patienten in andere Kettenkrankenhäuser verlegt.
Prof. von Eiff: »Ein Besitzstandswahrungspakt über fünf oder mehr Jahre wäre ein Armutszeugnis.«
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| Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung (2005-05-20) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-20 bis 2005-07-20 |
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| "Uni-Kliniken in bedrohter Situation" |
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Braun: Veränderung nötig - Arbeitsgruppe tagte in Gießen
"Die Universitätskliniken in Deutschland befinden sich in einer bedrohten Situation. Daher ist Veränderung notwendig." Dies ist für den Gießener CDU-Bundestagsabgeordneten Helge Braun die zentrale Botschaft, wenn es um die Frage von Fusion und Privatisierung der Uni-Kliniken Gießen und Marburg geht. Das Neuland müsse dabei "sehr behutsam" beschritten werden, so Braun bei einer Pressekonferenz mit der bildungs- und forschungspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche. Diese hatte zuvor gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der Fraktion die Uni-Klinik, das Liebig-Museum und das Mathematikum besucht. Die angestrebte Privatisierung der mittelhessischen Uni-Kliniken bezeichnete Reiche als "innovativen Weg", den man in Berlin "sehr genau beobachten" werde. Reiche: "Wenn es klappt, könnte es ein Modell für andere Bundesländer sein."
Schließlich steckten alle 38 deutschen Universitätskliniken - nicht zuletzt wegen der Abrechnung nach Fallpauschalen - in Schwierigkeiten. Damit stelle sich die Frage: "Schließen wir Kliniken oder nutzen wir die Potenziale anders?" Insgesamt könne man "auf positive Impulse für die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft hoffen".
Braun beklagte, dass angesichts des erhöhten Arbeitsdrucks "medizinische Forschung immer mehr zu Feierabendforschung" werde. In der Privatisierung der Uni-Kliniken liege daher auch die Chance, dass "Forschungsmittel in Zukunft tatsächlich wieder in die Forschung gehen, und nicht für Defizite in der Krankenversorgung benutzt werden".
Zuvor hatte die Arbeitsgruppe eine Multimedia-Übertragung aus dem Kinderherzzentrum sowie aus dem Labor für Inselzelltransplantation verfolgt. Dabei habe man Einblicke in wissenschaftliche Schwerpunkte erhalten, "die sich sehen lassen können", so Braun.
Doch es ging bei der Klausurtagung nicht nur um Hochschulmedizin, sondern auch um andere Bereiche von Forschung und Lehre. So bekräftigte Reiche, dass der Bologna-Prozess mit den internationalen Abschlüssen Bachelor und Master zu mehr Flexibilität führe, jedoch nicht als Sparmodell missbraucht werden dürfe.
Bei den Studiengebühren gehe es heute nicht mehr um die Frage, ob sie erhoben werden, sondern nur noch darum, wie. Die Union favorisiere dabei ein System der nachgelagerten Gebühren, die erst dann zu zahlen seien, wenn der Hochschulabsolvent auch einen Job gefunden habe. Das so eingenommene Geld müsse den Hochschulen für Stipendien und die Verbesserung von Forschung und Lehre zur Verfügung stehen. Bessere Bedingungen forderte Reiche auch für Hochschullehrer. Die klügsten Köpfe der Welt würden immer noch von den USA angezogen. Das deutsche System habe darauf bisher keine Antworten. Reiche: "Die USA sind das Land, wo die Post abgeht."
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-20) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-23 bis 2005-07-23 |
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| "Chance ausschließlich in Privatisierung" |
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Gießener Klinikumsvorstand drängt auf schnellen Verkauf - Marburger Klinikum betont Probleme mit Mehrwertsteuer
Einen Tag nach der Anhörung im Landtag zum Gesetzentwurf zur Fusion und Privatisierung der Uni-Kliniken Gießen und Marburg drängt der Gießener Krankenhausvorstand auf einen raschen Verkauf beider Häuser an einen privaten Betreiber. Der Ärztliche Direktor Prof. Wolfgang Weidner warnte vor einem Stillstand nach der zum 1. Juli vorgesehenen Zusammenlegung. "Unsere Chance liegt nicht in der Fusion, sondern nur in einer Fusion mit anschließender Privatisierung." Grundsätzlich sei Gießen auch bereit, sich alleine verkaufen zu lassen, bekräftigte Weidner. Nach Ansicht von Dekan Prof. Hans Michael Piper müsse in dem Vorschaltgesetz zur Fusion zwingend geregelt sein, dass nur jemand an der Spitze des neu errichteten Klinikums stehen kann, der in akademischer Leitungsfunktion bereits Verantwortung getragen hat. Außerdem sei eine klare Budgettrennung zwischen Forschung und Lehre sowie der Krankenversorgung Voraussetzung. Weiter muss nach Pipers Worten gesichert sein, dass auch die Dekane dem Vorstand angehören und dort Vetorecht haben. Der Sprecher des Fakultät sieht seine Forderung im Übrigen gestützt durch die Stellungnahme des Wissenschaftsrats zu den Hochschulmedizinplänen des Landes.
Entgegen der Einschätzung von Fachleuten geht Pflegedirektorin Waltraut Horch davon aus, dass eine Privatisierung nicht zu Lasten des Personals gehen wird. "Wir glauben vielmehr, dass dann noch Leute eingestellt werden."
Zugleich gab der Kaufmännische Direktor Werner Soßna bekannt, dass das Gießener Klinikum sein Defizit im vergangenen Jahr weiter abgebaut habe. "Statt eines kalkulierten Fehlbetrages in Höhe von 2,5 Millionen Euro lag der Verlust bei knapp 2,4 Millionen Euro." Noch im Jahr 2003 betrug das Defizit fünf Millionen Euro. Soßna machte in erster Linie die marode Bausubstanz für das Minus verantwortlich. "Ohne einen zentralen Neubau werden wir kein positives Ergebnis erzielen können." Als Beispiel nannte Soßna alleine 60 Autos und 70 Fahrstühle, "die wir unterhalten müssen. Diese Kosten würden entfallen, wenn wir ein effizient gebautes Klinikum hätten." Mit rund 40 000 stationären und 150 000 ambulanten Patienten habe sich an der Zahl der behandelten Personen im vergangenen Jahr nichts geändert. Die Zahl der Beschäftigten hat sich 2004 im Vergleich zum vorvergangenen Jahr von 5400 auf 5000 verringert. Die Personalkosten liegen in einer Höhe von 68 Prozent des Umsatzes.
Vorstandskollege Weidner informierte, dass die Abteilungen auch in diesem Jahr mit einer Budgetkürzung von einem Prozent leben müssen. "Diejenigen Abteilungen, die sich nicht daran halten, werden bei Stellennachbesetzungen nicht berücksichtigt." Erfreut zeigte sich Weidner über die Einigung mit Marburg bei der so genannten Fächertapete, in der die Standortanordnung der Disziplinen nach der Fusion festgeschrieben ist. "Geringe Diskussionspunkte" gebe es lediglich noch bei der Labormedizin sowie der Humangenetik.
Unterdessen erklärte der Ärztliche Direktor des Marburger Uni-Klinikums, Prof. Matthias Schrappe, die Landtagsanhörung habe verdeutlicht, dass "Hochschulmedizin nicht mehr wie bisher finanzierbar ist" und ökonomischer Handlungsbedarf kein Sonderproblem von Marburg, Gießen oder Frankfurt sei. Erstaunlich sei gewesen, wie deutlich die Experten vor einer Fusion der Kliniken mit zwei weiter bestehenden Fachbereichen gewarnt hätten. Allerdings stehe die Zusammenlegung der Fachbereiche nicht auf der politischen Agenda.
Dekan Prof. Bernhard Maisch sprach in diesem Zusammenhang vom "längsten Krankenhausflur mit zwei an den Enden angedockten Fachbereichen". Dies mache die Sache zwar komplizierter, doch könne man gewachsene Strukturen und Traditionen nicht einfach über Bord werfen.
Große Probleme sieht die Marburger Klinikumsspitze bei einer Privatisierung der Kliniken in der Frage der Mehrwertsteuer. Denn entweder müsse der Klinikumsbetreiber anteilige Gehälter für das Universitätspersonal an das Land zahlen oder umgekehrt. In beiden Fällen müsse Mehrwertsteuer gezahlt werden, die das Klinikum nicht erwirtschaften könne. Schrappe: "Eine Lösung sehen wir in diesem Punkt noch nicht."
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-20) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-23 bis 2005-07-23 |
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| Kartellamt lässt alle Möglichkeiten offen |
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Experten sprechen sich bei Anhörung zu Klinikgesetz für Zusammenlegung der Fachbereiche aus - Demo am Freitag
Dr. Ulf Böge ließ es bei grundsätzlichen Bemerkungen bewenden. "Wenn jemand noch nicht in der Region engagiert ist, wird es aus kartellrechtlicher Sicht keinen Grund geben, die Fusion der beiden Kliniken Gießen und Marburg zu untersagen", erläuterte der Präsident des Bundeskartellamtes am zweiten Anhörungstag zum Gesetzentwurf für die hessischen Universitätskliniken. Die Pläne des Landes sehen vor, die beiden Krankenhäuser zum 1. Juli zusammenzulegen und am 1. Januar 2006 an einen privaten Betreiber zu verkaufen.
Mit seiner Aussage spielte Böge auf die beiden Unternehmen Asklepios und Helios an, die Interesse bekundet haben, die fusionierten Kliniken zu kaufen. Allerdings sind beide privaten Krankenhausbetreiber bereits in der Region ansässig. Aber auch diese Tatsache muss nach Angaben des obersten Wettbewerbshüters noch nicht das Aus für die Übernahmeambitionen bedeuten. Wie allerdings eine Regelung aussehen müsste, dass einer der beiden Interessenten doch zum Zug kommen könnte, ließ Böge bei der gestrigen Zusammenkunft im hessischen Landtag weitgehend offen. Zur Vermeidung einer marktbeherrschenden Stellung sei zum Beispiel vorstellbar, beide Häuser an unterschiedliche Betreiber zu veräußern. "Der Krankenhausmarkt ist ein eigenständiger relevanter Markt", betonte er.
Nicht stehen lassen wollte Böge die Behauptung, eine Fusion erschwere die Privatisierung. "Aus kartellrechtlichen Punkten trifft dies nicht zu." Aus fusionskontrollrechtlicher Sicht bestehe kein Unterschied, "ob ich zuerst fusioniere und dann verkaufe oder umgekehrt". Dieser Aspekt sei vielmehr von wettbewerbspolitischer Bedeutung. Der Kartellamtspräsident kündigte eine umfangreiche Bewertung an, wenn feststehe, welcher Betreiber den Zuschlag erhalten solle. "Erst dann können wir wirklich etwas dazu sagen."
Den Gutachten des Kartellamtes und des Wissenschaftsrats - dessen Vorsitzender Prof. Karl Max Einhäupl äußerte sich am Dienstag zu den Plänen des Landes - kommt deshalb eine so große Bedeutung zu, weil nach Expertenmeinung nur diese beiden Einrichtungen die Privatisierung der Kliniken verhindern können.
Einigkeit herrschte bei den Fachleuten darin, neben den Krankenhäusern auch die Fachbereiche zusammenzulegen. "Alles andere macht keinen Sinn", riet etwa der Bayreuther Ökonom Prof. Peter Oberender. Prof. Norbert Krüger vom Medizinischen Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig ging noch einen Schritt weiter: Er plädierte für einen Klinikumstandort, wobei Krüger Gießen aufgrund der geographischen Lage am Rande des Rhein-Main-Gebietes und der besseren verkehrlichen Anbindung leichte Vorteile gegenüber Marburg einräumte.
Der ehemalige hessische Sozialminister Armin Clauss (SPD) sprach am Rande der Anhörung von einem strukturpolitischen Problem der Region. "Gießen und Marburg haben große Chancen, gemeinsam in der Hochschulmedizin vorne mitzuspielen." Dafür allerdings müsse die Landesregierung endlich ein Gesamtkonzept für den Gesundheitsstandort Mittellhessen vorlegen.
Derweil ruft die Diensteistungsgewerkschaft Verdi für Freitag, 20. Mai, zu einer großen Demonstration gegen die Privatisierung der Uni-Kliniken Marburg und Gießen in Marburg auf. Treffpunkt ist um 17 Uhr der Parkplatz des Georg-Gaßmann-Stadions. Für 18.30 Uhr ist eine Kundgebung auf dem Marktplatz in der Oberstadt vorgesehen. Dort werden unter anderem die beiden Personalratsvorsitzenden Wilfried Buckler (Marburg) und Klaus Hanschur (Gießen) sowie der Marburger Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer sprechen. Für Teilnehmer aus dem Raum Gießen fahren Busse um 16 Uhr vom Parkplatz Aulweg/Uniklinikum und um 16.15 Uhr vom Messeplatz nach Marburg.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-19) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-23 bis 2005-07-23 |
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| Wissenschaftsrat warnt vor Schaden für Uni-Kliniken |
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Erster Anhörungstag zu geplanter Fusion und Privatisierung - "Interessantes Experiment"
Sein Auftreten war mit Spannung erwartet worden. "Das Schlimmste wäre, das Ganze kaputtgehen zu lassen. Das sollten sie sich als Land nicht leisten", diktierte Prof. Karl Max Einhäupl der Landesregierung ins Stammbuch. Mit Einhäupl äußerte sich am Dienstag in Wiesbaden zum ersten Mal der Wissenschaftsrat in Person seines Vorsitzenden zu der vom Land geplanten Fusion und Privatisierung der beiden Uni-Kliniken Gießen und Marburg. Beide Häuser gehörten zwar nicht zu den fünf Spitzenstandorten in Deutschland, verfügten jedoch über exzellente Abteilungen, die im internationalen Vergleich eine führende Stellung einnähmen. In Gießen seien dies vor allem der Bereich Herz-Lunge sowie die Kinderklinik. "Es wäre jammerschade, wenn die Forschung an beiden Standorten Schaden nehmen würde", sagte Einhäupl am ersten Anhörungstag zum Gesetzentwurf der CDU für die hessischen Uni-Kliniken, an dem Vertreter der Wirtschaft, aus der Ärzteschaft, von Kliniken sowie der Kommunen ihre Stellungnahmen abgaben. Allerdings wollte der hochkarätige Gutachter seine Aussagen nur als persönliche Einschätzung verstanden wissen. Denn: "Offiziell hat sich der Wissenschaftsrat noch gar nicht mit dem Thema befasst", führte der Mediziner aus und widersprach damit zugleich der CDU-Regierung, deren Vertreter mehrfach betont hatten, das Gremium sei von Anfang an in die Beratungen über die Zusammenlegung und den Verkauf der beiden Krankenhäuser eingebunden. Einhäupl merkte an, dass eine Fusion im Wissenschafts- und Hochschulbereich bisher immer zum Abbau geführt habe. Jedoch gebe es in Deutschland erst wenige Beispiele. Der Impuls für die Maßnahme des Landes sei ein Investitionsrückstand in Gießen. "Das ist das eigentliche Motiv."
Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats bezweifelte, dass ein Investor 200 Millionen Euro zur Verfügung stelle. Dennoch sprach Einhäupl von einem interessanten Experiment, das "sehr, sehr gut durchdacht und gründlich gemacht sein will". Aus seiner Sicht könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognose über das Gelingen abgeben. Einhäupl machte keinen Hehl daraus, dass für den Wissenschaftsrat ein privatisiertes Universitätsklinikum nur die zweitbeste Lösung sein könne. "Natürlich wären zwei vom Land gut finanzierte, getrennt arbeitende und bei der Forschung stärker kooperierende Kliniken wünschenswert." Den Reiz für Betreiber liege darin, zwei sehr angesehene Kliniken zu erwerben. "Die Unternehmen sind leidensfähig, weil sie diese Chance nutzen wollen." An das Land appellierte der Experte, den Prozess so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. An beiden Standorten herrsche große Unsicherheit. "Wer lässt sich im Moment schon nach Gießen berufen." Als Voraussetzungen für eine Zustimmung nannte Einhäupl die Sicherstellung von Forschung und Lehre. Zudem müssten die Betreiber die Gewinne wieder reinvestieren. Weiterhin sei es zwingend notwendig, auch die Fakultäten zusammenzulegen.
Dr. Ursula Stüwe bekräftigte die ablehnende Haltung der Landesärztekammer zu den Plänen des Landes. Sie befürchtete, "dass nicht lukrative Abteilungen kleingemacht werden". Es bestehe die Gefahr, dass sich die Unternehmen künftig "lohnende und nicht lohnende Patienten" aussuchten. Zudem sei nicht geklärt, was bei einer möglichen Insolvenz des Betreibers geschehe. Erhebliche Nachteile erwartet die Präsidentin der Landesärztekammer auch für die Qualität der Wissenschaft. "Es ist mir keine bahnbrechende wissenschaftliche Arbeit aus einem privat geführten Klinikum bekannt." Für eine Privatisierung sprach sich Dr. Joachim von Harbou, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt und Mitglied des Aufsichtsrats des Gießener Uni-Klinikums, aus. Beide Krankenhäuser seien in ihrer heutigen Verfassung nicht zukunftsfähig. Außerdem hätten Studien gezeigt, dass bei einem privat betriebenen Klinikum "mehr Mitarbeiter am Patienten arbeiten".
Die Anhörung wird heute fortgesetzt. Zu Wort kommt unter anderem der Präsident des Bundeskartellamts, Dr. Ulf Böge.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-18) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-19 bis 2005-07-19 |
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| Auch das Familienklima wird entspannter |
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Studie belegt: Gießener Schulungskonzept kann die Bewältigung der Neurodermitis für Kinder und Eltern erleichtern
Gießen (if). Die quälenden nächtlichen Juckattacken werden weniger, die genervten Angehörigen - namentlich die gestressten Mütter - fühlen sich besser, das gesamte Familienklima ist entspannter: Standardisierte Schulung im Umgang mit dem »atopischen Ekzem« , der Neurodermitis, kann nicht nur das Leben der Patienten erleichtern, sondern übt offenbar auch einen günstigen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit aus. Das sind Ergebnisse der von Professor Uwe Gieler und Privatdozent Dr. Jörg Kupfer (beide Justus-Liebig-Universität) zusammen mit einer Hannoveraner Gruppe durchgeführten, bundesweiten »GADIS«, der Studie »German Atopic Dermatitis Intervention«.
Die Studiengruppe gelangt zu der Empfehlung, dass angesichts der positiven Erfahrungen solche Schulungsprogramme in die Routineversorgung einbezogen werden sollten. Das geht aus den Ergebnissen hervor, die Professor Gerhard Schmid-Ott (Hannover) dieser Tage im Senatssaal zum Abschluss des 11. Internationalen Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Dermatologie und Psychiatrie erstmals vorstellte.
Wie Prof. Gieler aus dem Zentrum für Psychosomatik - Tagungspräsident und Gastgeber des Kongresses - ergänzend auf Anfrage berichtete, werden aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse von einer der großen hessischen Kassen bereits solche Schulungen finanziert. Ob das künftig auch in den anderen Bundesländern der Fall sein wird, werde sich erst noch entscheiden.
Neurodermitis ist im Zunehmen begriffen: Man geht von drei Millionen Betroffenen in Deutschland aus. Zwar gibt es eine Vielfalt von Behandlungsmaßnahmen, doch ein »Patentrezept« zur Heilung ist - noch - nicht darunter. In dem groß angelegten, vom Bundesgesundheitsministerium schon 1996 angeregten und seit 2000 zusammen mit Krankenkassen finanzierten Projekt, haben Kinderärzte, Hautärzte und Psychologen zusammen mit Diätberaterinnen und Krankenschwestern an den Universitätskliniken in Gießen, Berlin, Erlangen, Köln, Osnabrück, Heidelberg und München sowie auf Sylt Betroffene und ihre Familien im Umgang mit der Krankheit geschult.
Das Schulungsprogramm sah vor, dass an jeweils sechs zweistündigen Terminen im Abstand von ein bis zwei Wochen mit dem Krankheitsbild vertraut gemacht wurden, wobei ihnen Entspannungstechniken vermittelt und sie zugleich über den richtigen Umgang mit Stress, mit Juckreiz und Schlafstörungen informiert wurden. Zusätzlich standen Erkennung und Vermeidung von Faktoren, die einen Schub auszulösen imstande sind, ebenso auf dem Stundenplan wie die tägliche Hautpflege und die Behandlung von spezifischen Symptomen. In der Altersgruppe bis zu sieben Jahren konzentrierte sich die Schulung allein auf die Eltern. Bei Acht- bis Zwölfjährigen kamen Eltern und Kinder zusammen, wurden aber getrennt geschult, während die Heranwachsenden ab dreizehn ihre Probleme - beispielsweise auch was die spätere Berufswahl angeht - allein ansprechen konnten.
Die Auswertung erfolgte zwölf Monate nach Ende der Schulung. Sie ergab beispielsweise, dass sich die Lebensqualität der Eltern erhöht hatte - parallel zu der Fähigkeit, die Krankheit zu akzeptieren. Sie hatten zuvor vielfach geklagt, die Krankheit des Kindes belaste nicht nur die Familie, sondern auch die Paarbeziehung. Die Kinder hatten indes gelernt, den für Neurodermitis charakteristischen Juckreiz besser zu beherrschen und damit die Kratz-Attacken zu verringern.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-18) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-23 bis 2005-07-23 |
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| Wenn Kinder wieder lachen können |
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Abteilung Hämatologie/Onkologie der Gießener Kinderklinik verzeichnet rasanten Anstieg von Blutstammzelltransplantationen
Auf der Station Peiper der Uni-Kinderklinik herrscht reger Betrieb. Immer wieder ist Kinderlachen zu hören. Was nicht selbstverständlich ist, können doch alle hier betreuten krebskranken Kinder und Jugendlichen eine mehr oder weniger lange Leidensgeschichte vorweisen. Darunter sind auch immer wieder junge Patienten, welche für die im Juni 2001 neu eingeführte Transplantation von Blutstammzellen aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar dem Ausland nach Gießen anreisen. 61 kleine Patienten konnten seit Juni 2001 auf diese Weise behandelt und die meisten von ihnen gesund entlassen werden. "Bei 18 anderen Kindern sind wir entweder momentan dabei oder sie stehen auf der Liste für eine baldige Transplantation", kann Prof. Alfred Reiter, Leiter der Abteilung Hämatologie/Onkologie, von einem weiteren Anstieg der Behandlungszahlen berichten. Mit diesem erfolgreich angewandten Verfahren soll vor allem Kindern und Jugendlichen geholfen werden, bei denen es nach der ersten Behandlung eines bösartigen Lymphknotenkrebses (Non-Hodgkin-Lymphom) zu einem Rückfall gekommen ist. Die Erforschung der Biologie und der Behandlungstrategienen der Non-Hodgkin-Lymphome, die vierthäufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen, ist ein Schwerpunkt der Kinderkrebsabteilung. Dank der inzwischen hocheffektiven unter der Federführung von Reiter entwickelten Behandlungstrategien für diese Erkrankung sind Rückfälle selten geworden. Dafür aber hatten diese Patienten dann eine Überlebenschance von "nahezu Null". Deshalb haben sich die Gießener Kinderonkologen dieser Patientengruppe verschrieben, um Wege zu finden, ihre Überlebenschancen zu verbessern und dabei inzwischen auch erste Erfolge erzielt. Aus diesem Grunde kommen inzwischen Patienten auch aus weiten Teilen Deutschlands zur Behandlung nach Gießen. "Wir konnten Methoden entwickeln, mit denen sich sehr genau nachweisen lässt, ob noch erkrankte Zellen im Körper zurückgeblieben sind."
Gerade Rezidiv-Patienten profitierten enorm von diesem Fortschritt. Aber auch Patienten mit soliden Tumoren oder Leukämien kämen für die Verpflanzung der meist aus dem Knochenmark der Hüftknochen gewonnenen Blutstammzellen in Frage. "Hierbei wird unterschieden zwischen einer autologen Transplantation, bei der die Zellen vor einer Chemo- oder Strahlentherapie vom Patienten selbst entnommen und aufbewahrt werden, und der allogenen Transplantation", erläutert der Mediziner. Bei letzterer, wesentlich häufiger angewandter Variante entnehme man die Zellen oftmals von den Geschwistern. Die autologe Form garantiere dagegen, intakte Zellen aus dem Knochenmark zu gewinnen, die sonst während der Therapie vernichtet würden.
Spenderzellen ermöglichten jedoch den wichtigen Effekt, somit ein neues Immunsystem zu transplantieren, das den Organismus in die Lage versetze, womöglich noch vorhandene Krebszellen selbst zu bekämpfen. "Das Sterblichkeitsrisiko bei einem allogenen Transplantat ist allerdings viel höher", gibt Reiter zu bedenken. Denn die Gabe von Immunsuppressiva zur Vermeidung einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion führe dazu, dass angesichts des geschwächten Abwehrsystems schon ein einfacher Schnupfen lebensgefährliche Folgen haben könne. Besonders wichtig ist dem Onkologen deshalb, dass das Sterblichkeitrisiko in Gießen im nationalen und internationalen Vergleich sehr gut liegt, trotz der oft erheblich vorbelasteten Patienten. "Ein solcher Erfolg ist nur mit einer hochleistungsfähigen Kinderklinik und durch die Kooperation aller benötigten Disziplinen zu bewerkstelligen", lobte Reiter das hervorragende Klima in Gießen. Sein besonderer Dank geht dabei an das Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin, und dort an Privatdozent Holger Hackstein. Das Institut bereite nicht nur die Stammzellen auf und lagere sie, sondern könne aufgrund des ständigen Kontakts mit dem zentralen Knochenmark-Spenderegister relativ rasch weltweit einen Spender mit dem passenden Gewebetyp ausfindig machen.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-17) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-17 bis 2005-07-17 |
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| Hüftgelenk bis Hypophyse |
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Heute Start des Medizin-Seniorenprogramms
Gießen (if). Worauf viele treue Hörer bereits seit Wochen ungeduldig gewartet haben: Jetzt ist das Semesterprogramm der Seniorenvorlesungen des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität komplett. Wie Professor Hans-Joachim Oehmke mitteilte, wird bereits heute Nachmittag Professor Henning Stürz, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik, den Auftakt der zunächst vorgesehenen vier Vorlesungen im Sommersemester 2005 bestreiten. Sein Thema »Künstliche Hüftgelenke - heute besser als je zuvor« klingt vielversprechend und dürfte auf großes Interesse stoßen. Kommende Woche, am Dienstag , 24. Mai, wird der Anästhesie-Oberarzt Dr. Jörg Engel in der zweiten Vorlesung auf eine Frage eingehen, die sich sicher schon so mancher Ältere gestellt haben wird: »Moderne Narkoseverfahren - Muss man Angst vor der Narkose haben?« lautet das spannende Thema. Nur kirschgroß ist die Drüse im Gehirn, um die die folgende Vorlesung kreisen wird. Am Dienstag, 31. Mai, beschreibt Dr. Oertel aus der Neurochirurgie »Die Hypophyse - das internistische Zentralorgan«, wobei er zugleich Möglichkeiten der neurochirurgischen Behandlung erörtert.
Am 7. Juni schließlich wird Professor Richard Bauer, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin im Zentrum für Radiologie, die Rolle der »Radioisotope in der Medizin« und ihren Einsatz in Diagnostik und Therapie beispielsweise am Herzen, der Schilddrüse, in den Gelenken und bei Tumoren schildern. Die Vorlesungen beginnen wieder jeweils um 17 Uhr im Großen Hörsaal des Instituts für Anatomie und Zellbiologie im Aulweg
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-17) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-17 bis 2005-07-17 |
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| Patienten gehen häufig zu spät zum Arzt |
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An der Uniklinik für Unfallchirurgie widmet man sich auch der Behandlung der "rheumatisierten Hand"
Unsere Hand - ein Wunder der Natur. Ihre komplexe Struktur aus Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern erlaubt die vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten. Gleichzeitig aber ist sie dadurchanfällig für Verletzungen und Verschleißerscheinungen, die unbehandelt zu starken Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen können. An der Gießener Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie ist man auch auf die Behandlung der "rheumatisierten Hand" sowie anderer krankhafter Veränderungen spezialisiert. Hier arbeiten nicht nur drei erfahrene Handchirurgen, es gibt sogar eine eigene Hand-Sprechstunde, in der sich betroffene Rheuma-Patienten ärztlich beraten lassen können. Immer wieder hat man es dort mit zumeist älteren Menschen zu tun, die über neu aufgetretene Beschwerden wie Morgensteifigkeit der Hände, Schwellungen oder heftige Schmerzen klagen. Und denen einfache Erledigungen wie das Öffnen einer Tür oftmals große Schwierigkeiten bereiten.
"Das alles kann ein Frühzeichen für Rheuma sein", gibt der leitende Oberarzt Dr. Jens-Peter Stahl zu bedenken. Gemeinsam mit Orthopäden und Rheumatologen sei man in der Lage, die eigentliche Ursache binnen kürzester Zeit herauszufinden. Denn entzündliche Veränderungen der Hand ließen sich auf verschiedenste Krankheitsbilder zurückführen. Um rasch die jeweils erfolgsversprechende Therapie einleiten zu können, empfiehlt der Mediziner, nicht zu viel Zeit bis zum Aufsuchen eines Facharztes verstreichen zu lassen. Dr. Thomas Giesler vom Klinikum Hildesheim, der wie Stahl der Mitteldeutschen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie (MAH) - auf einer Fortbildungsveranstaltung in Gießen tauschte man kürzlich neue Erkenntnisse aus - angehört, warnt ebenfalls davor, solche vielfach anfangs noch harmlos erscheinenden Beschwerden zu unterschätzen. "Patienten gehen damit häufig viel zu spät zum Arzt." Hinzu komme, dass gerade ältere Ärzte nicht selten die weitergehende Behandlung mit dem Argument ablehnten, eine Funktionseinschränkung sei angesichts des Alters normal.
"Ein kleiner operativer Eingriff, der zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird, kann Schlimmeres verhindern", weiß Jens-Peter Stahl. Noch seien jedoch zahlreichen Kollegen die heute zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten unbekannt, wodurch wiederum vielen Betroffenen eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensqualität versagt bleibe. Dem Patienten müsse allerdings von Anfang an klar gesagt werden, dass der Behandlung je nach Schweregrad der Bewegungsstörung sowie Fehlstellung der Knochen und Gelenke Grenzen gesetzt seien. "Sind die Veränderungen in Folge von Rheuma oder anderer degenerativer Prozesse zu weit fortgeschritten, bleibt nur die Reparatur." Die bei einem operativen Eingriff gleichzeitig durchgeführte Entfernung entzündeten Gewebes ermögliche es jedoch, einen "zeitlich begrenzten positiven Effekt" zu erzielen und die Neubildung aufzuschieben, wozu auch die Gabe entzündungshemmender Medikamente beitrage.
Gerade die Kooperation von Rheumatologen und Chirurgen ist hierbei von außerordentlicher Wichtigkeit, wurde auf der Tagung der MAH betont. So existiert in Gießen eine internistische Rheuma-Sprechstunde bei Dr. Matthias Noehte in der Medizinischen Poliklinik, mit dem die Handchirurgen eng zusammenarbeiten. "Ein Rheuma-Patient ist für jeden Grad der Verbesserung der Funktionsfähigkeit seiner Hand dankbar", erklärt Stahl weiter. Für die nahe Zukunft verspricht sich der Mediziner zudem eine Übertragung der für die Hand entwickelten Therapieverfahren auf das Knie und die Hüfte, zwei ebenfalls vom Rheuma oftmals schwer in Mitleidenschaft gezogene Körperregionen.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-14) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-17 bis 2005-07-17 |
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| Lernstrategien für Studierende der Medizin vermittelt |
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Lehrbuchautoren Melanie Königshoff und Rainer Voß gaben interessierten Studierenden der Humanmedizin nützliche Tipps für die Prüfungsvorbereitung
Die Gießener Mediziner, erfahrene Medi-Learn-Dozenten und Lehrbuchautoren Melanie Königshoff und Rainer Voß gaben in Lehmanns Fachbuchhandlung interessierten Studierenden der Humanmedizin nützliche Tipps für die Prüfungsvorbereitung und stellten ihre vorklinischen Kurzlehrbücher Biochemie und Anatomie vor. Da Medizin als anstrengendes Fach gilt und sehr viel Stoff bewältigt werden muss, sind Hinweise zum richtigen Lernen jederzeit willkommen.
Sabine Schönfelder, Niederlassungsleiterin der Buchhandlung, begrüßte zunächst die Gäste und stellte die Autoren vor. Beide sind von der ZVS zum Studium nach Gießen gekommen und geblieben, weil sie die Stadt kennen und lieben gelernt haben. Gemeinsam ist beiden auch, dass sie bei der Marburger Institution Medi-Learn, die Kurse zur optimalen Vorbereitung der Prüfungen anbietet, unterrichten. Völlig unterschiedlich sind die Fachrichtungen, die beide gewählt haben. Rainer Voß befindet sich in der Weiterbildung zum Chirurgen und Melanie Königshoff ist Assistenzärztin in der Inneren Abteilung.
In ihrem Referat "Lernen wie die Profis" sprachen sie alle wichtigen Punkte an, wie die Studenten das umfangreiche Pensum bewältigen können. Einen Tagesplan mit festen Arbeitszeiten zu erstellen, steht natürlich an erster Stelle, und dabei die Pausen nicht zu vergessen. Jeder Medizinstudent steht zu Beginn des Studiums auch der Frage gegenüber, welches der zahlreich zu jedem Fach erschienen Lehrbücher das "richtige" sei. Am sinnvollsten sei es, so Rainer Voß, sich zwei bis drei Bücher genau anzuschauen, eventuell mit nach Hause zu nehmen und sich dann für ein Buch zu entscheiden.
In der Fünf-Schritt-Methode sehen die Referenten die geeignete Lesetechnik der Texte: Zuerst sollte man einen Überblick gewinnen, dann Zusammenfassungen lesen, Fragen stellen, lesen oder den Stoff durcharbeiten und abschließend rekapitulieren. Fast jede schriftliche Prüfung im Fach Medizin ist eine Multiple Choice Klausur. Daher gab Melanie Königshoff noch Hilfestellungen zur richtigen Herangehensweise, damit die Studenten das "Kreuzen" in den Griff bekommen können. Auch die mündlichen Prüfungen waren ein Thema des Referats. An oberster Stelle stehe hier das Gebot, Blickkontakt zum Prüfer aufzunehmen und zu halten, laut, deutlich und in angemessenem Tempo zu sprechen. In der Antwort gehe man dann am besten vom Allgemeinen zum Speziellen, denn als Faustregel gelte auch hier Allgemeinwissen gehe vor Detailwissen.
Anschließend an den Vortrag stellten die Autoren ihre Bücher vor. Die grundlegenden Ziele der neuen Kurlehrbücher, die im Thieme Verlag erschienen sind, sind eine klare Gliederung, Verständlichkeit, Vermittlung von prüfungsrelevantem Wissen, anschauliche Gestaltung, die an der neuen Approbationsordnung orientierte Verbindung von Vorklinik und Klinik. Rainer Voß, Koautor des Kurzlehrbuches Anatomie berichtete, dass er großen Wert darauf lege, das umfangreiche Wissen im Fach Anatomie nicht am Lernalltag vorbei, sondern prägnant, präzise und anschaulich darzustellen. Melanie Königshoff widmete sich der Biochemie. Ihr ging es neben übersichtlicher Vermittlung von Fachwissen auch darum, die Motivation für dieses eher unbeliebte Fach zu stärken und die Studenten beim Lernen zu unterstützen.
Höhepunkt der Veranstaltung war die Verlosung der Kurzlehrbücher und einiger Arbeitshefte. Abschließend konnten die Studenten noch Fragen an die Autoren und Referenten stellen.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-14) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-19 bis 2005-07-19 |
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| DGB Hessen sagt "Nein" zu Privatisierung der Kliniken |
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Vorsitzender Körzell: Sind für eine Einheit an zwei Standorten
Für eine Einheit an zwei Standorten und die Fortführung unter öffentlicher Trägerschaft hat sich gestern nach einem Gespräch mit dem Personalrat der Universitätsklinik Marburg der hessische DGB-Vorsitzende Stefan Körzell ausgesprochen. Einig war man sich, dass "eine Verschmelzung der beiden Universitätskliniken einer längeren Zeit der Vorbereitung bedarf, als dies derzeit vorgesehen ist", so der DGB in einer Presseerklärung. Eine klare Absage erteilte der hessische DGB-Chef jedoch einer Privatisierung der beiden Universitätskliniken. Es sei zu befürchten, dass die Kliniken mit einem Buchwert von 1,2 Milliarden Euro zu einem Schleuderpreis verhökert würden. Sie seien aber öffentliches Gut, das der Allgemeinheit gehöre. Körzell sieht die Gefahr, dass "die Krankenversorgung sowie Forschung und Lehre dem Ziel eines privaten Trägers Gewinn zu erwirtschaften, untergeordnet wird. Eine Privatisierung bedeutet gleichzeitig eine potenzielle Bedrohung für die Freiheit von Forschung und Lehre, die verfassungsrechtlich gewährleistet ist." Ein privater Träger werde erfahrungsgemäß beim Versuch der Kostenreduzierung "die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten vorrangig im nichtärztlichen Bereich verschlechtern. Zudem sind Nachteile für die Beschäftigten bei der Einkommenshöhe zu befürchten." Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Beschäftigten stärker reduziert würde, als dies ein öffentlicher oder gemeinnütziger Krankenhausbetreiber tun würde. Körzell: " Wenn hiervon nur ein Drittel der Beschäftigten betroffen sind, wäre das für die Region Mittelhessen von erheblicher negativer Bedeutung. Die Kaufkraft würde weiter sinken." Er verwies darauf, dass auch die Landesärztekammer sich negativ zu einer Privatisierung der Unikliniken geäußert habe.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-12) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-12 bis 2005-07-12 |
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| Körperspender "dachten an das Leben anderer" |
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Auf Gräberfeld am Neuen Friedhof wurden 33 Verstorbene feierlich beigesetzt - "Großer Mut und enormes Vertrauen"
Abschied von 33 Menschen, die nach ihrem Tod als Körperspender ihren Leichnam der Wissenschaft und Forschung zur Verfügung stellten, haben gestern Angehörige, Mitarbeiter des Instituts für Anatomie und Zellbiologie und zahlreiche Studierende in einer bewegenden Trauerfeier in der Kapelle des Neuen Friedhofs genommen.
Pfarrerin Gabriele Dietzel, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Pfarrer Matthias Schmid durch den ökumenischen Trauergottesdienst führte, dankte den Männern und Frauen, die ihren Körper gespendet hatten. "Sie dachten an das Leben anderer", sagten die beiden Geistlichen. Prof. Eveline Baumgart-Vogt sprach als Vertreterin der Institutsangehörigen von dem großen Mut und dem enormen Vertrauen, den gerade die Angehörigen der Verstorbenen den Lehrerenden und Studierenden entgegengebracht hätten. Denn für die Hinterbliebenen sei es am schwersten, um den geliebten Menschen nicht direkt am Grab trauern zu können, sondern erst Monate später. "Durch die Entscheidung der Verstorbenen zur Körperspende ist es uns möglich gewesen, den Medizinstudenten das notwendige Verständnis vom menschlichen Körper zu geben", sagte sie. Denn die genaue Kenntnis des menschlichen Körpers versetze einen Arzt in die Lage, eine genaue, eine richtige Diagnose zu stellen um später selbst Leben retten zu können. "Die Verstorbenen haben mit ihrer wichtigen Entscheidung, ihren Körper zur Verfügung zu stellen, vielen anderen Menschen gedient". Großen Dank drückte auch Philip Grant als Vertreter der Studierenden aus. "In dem Anatomieunterricht wurde uns angesichts der Toten der Wert des Lebens bewusst". Die Spender hätten über den Tod hinaus dazu beigetragen, den großen Wert des Lebens schätzen zu lernen und neben dem anatomischen Fachwissen zur Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit geführt. Tröstende, starke Worte fand Pfarrer Matthias Schmid in seiner Predigt. "Wir wissen, dass der Tod unabwendbar ist, und doch glauben wir als Christen, dass der Tod nicht das Ende sein kann".
Musikalisch gestalteten der Chor der Studierenden und die Instrumentalgruppe unter der Leitung von Susanne Bund den Gottesdienst. An der Orgel spielte Olga Kallasch. Nachdem zur Ehrung und zum Gedenken der Verstorbenen alle 33 Namen verlesen worden waren, geleitete ein großer Trauerzug die Urnen der Verstorbenen zum Gräberfeld im unteren Teil des Neuen Friedhofs.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-11) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-12 bis 2005-07-12 |
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| FDP gegen "hektische Fusion" der Kliniken |
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Bei Fortsetzung des Kurses Millionen-Schäden befürchtet - Klares "Ja" zur Privatisierung
Das klare "Ja" der FDP zur Privatisierung der Universitätskliniken in Gießen und Marburg hat der Bezirksvorsitzende der mittelhessischen FDP, Wolfgang Greilich, bekräftigt. "Kritisch sehen wir die überstürzte und bis heute mit keinem Wort sinnvoll begründete Fusion der beiden Universitätskliniken", stellte der Liberale mit Blick auf eine missverständliche Agenturmeldung klar.
Die Zukunftschancen beider Medizinstandorte lägen in einer sinnvoll vorbereiteten und umgesetzten Privatisierung, wie zumindest die meisten führenden Akteure an den beiden Standorten sehr wohl auch verstanden hätten. Das Problem sei der Dilettantismus, mit dem die Landesregierung zu Werke gehe. Die bekannt gewordenen Mahnungen des Bundeskartellamtes für den Fall einer Privatisierung nach einer Fusion stützten die Befürchtungen der FDP, dass bislang die rechtlichen Konsequenzen, die sich aus einer Fusion ergeben könnten, ebenso wenig Eingang in die Überlegungen der Landesregierung gefunden hätten wie wirtschaftliches Denken. Wer sorgfältig handeln und abwägen wolle, der könne eben die Fusion nicht nach wenigen Monaten Vorbereitung und einer hektischen Anhörung übers Knie brechen und damit unumkehrbare Fakten schaffen.
"Die Schäden, die die CDU-Mehrheit im Landtag anrichtet, wenn sie bei ihrem Zeitplan bleibt, können mehrere hundert Millionen Euro betragen", erklärte Greilich weiter. Das größte Gefahrenpotential gehe dabei von der Personalüberleitung schon zum 1. Juli auf das dann fusionierte Klinikum aus, wie sich unter anderem aus der Stellungnahme der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder zur Landtagsanhörung in der nächsten Woche ergäbe. In dieser sind eventuelle Ausgleichsforderungen angekündigt, die "voraussichtlich in dreistelliger Millionenhöhe" anfallen sollen, wenn die noch beim Land Hessen beschäftigten Arbeitnehmer der Kliniken zum fusionierten Klinikum übergeleitet würden und im Zuge der Privatisierung dann bei einem privaten Träger zusatzversichert würden.
"Ich appelliere an die CDU und insbesondere ihre mittelhessischen Abgeordneten, sich den Fakten nicht zu verschließen und sich nach der Anhörung in der zweiten Jahreshälfte Zeit für eine sorgfältige Prüfung aller Tatsachen und Bedenken zu nehmen", so der FDP-Politiker. Die Verhandlungen zur Privatisierung könnten auch ohne Vorschaltgesetz in der vorliegenden Form und vor allem auch ohne die hektische Fusion und Personalüberleitung konzentriert geführt werden. Damit werde eine zügige Privatisierung, aber auch Qualität des Erreichten sichergestellt.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-11) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-12 bis 2005-07-12 |
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| Abschied mit Dankbarkeit und Respekt |
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Über 200 Gießener Medizinstudenten begleiteten gestern 33 Körperspender zur letzten Ruhe
Gießen (if). Kühler Hauch des Abschieds, durchwirkt nur von blassem Sonnenlicht: Auf dem Neuen Friedhof begleiteten gestern Vormittag weit über 200 dunkel gekleidete Studierende der Medizin der Justus-Liebig-Universität zusammen mit ihren Hochschullehrern im Beisein trauernder Angehöriger 33 Körperspender zu dem schlichten Gräberfeld, wo sie ihre letzte Ruhe finden sollten.
Im Rahmen einer bewegenden ökumenischen Trauerfeier des Instituts für Anatomie und Zellbiologie, in deren Verlauf letztmals ihre Namen fielen, hatten zuvor in der überfüllten Friedhofskapelle die künftigen Ärzte und ihre Lehrer jenen zwanzig Männern und dreizehn Frauen Dankbarkeit und Respekt bekundet, die den großherzigen Entschluss gefasst hatten, nach dem eigenen Ableben ihren Körper zur Ausbildung junger Mediziner zur Verfügung zu stellen. Als ein Zeichen von Mut und Vertrauen gegenüber Lehrenden und Studierenden wertete Professor Eveline Baumgart-Vogt diese großherzige Geste, die es ermöglicht habe, den Studierenden den Aufbau des menschlichen Körpers in all seiner Schönheit, aber auch Hinfälligkeit als Grundlage für korrekte Diagnosen zu vermitteln. In ihren Dank schloss die Anatomieprofessorin ausdrücklich auch die Hinterbliebenen ein, die die ungewöhnliche Entscheidung ihrer Angehörigen mitgetragen haben.
Die Wichtigkeit der Kenntnis des Körpers und damit die Bedeutung der anatomischen Ausbildung als unverzichtbare Grundlage, um anderen Menschen helfen zu können, unterstrich der Medizinstudent Philip Grant, der sich zum Sprecher seiner Kommilitonen machte. Die untrennbar damit verbundene Auseinandersetzung mit dem Tod bilde zugleich die Basis zu einer Auseinandersetzung mit dem Leben und dessen Einzigartigkeit. Obgleich aus dem »unentdeckten Land«, wie Shakespeares Hamlet den Tod nannte, niemand zurückkehre, könne doch aus dem Wissen darum Orientierung für den Lebensweg erwachsen.
Pfarrerin Gabriele Dietzel und Pfarrer Matthias Schmidt zitierten aus Psalm 91 und lasen aus der neutestamentlichen Offenbarung (»Ich bin das Alpha und das Omega«). Die musikalische Ausgestaltung hatte ein Chor der Studierenden zusammen mit einer Instrumentalgruppe unter Leitung von Susanne Bund übernommen, Olga Kallasch umrahmte an der Orgel mit Vivaldi und Händel die würdige und eindrucksvolle Trauerfeier.
In einem Gräberfeld auf dem Neuen Friedhof wurden die Spender beigesetzt.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-11) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-13 bis 2005-07-13 |
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| Für Diagnose Krebs reicht Blick in die Augen nicht |
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Samer El-Safadi stellte beim Onkologischen Patientenseminar Ergebnisse seiner Doktorarbeit vor - Heilpraktiker getestet
Lässt sich ein Krebstumor tatsächlich schon mit einem tiefen Blick in die Augen des Gegenüber diagnostizieren? Geht es nach den Versprechungen mancher Heilpraktiker, soll dieses unkonventionelle Erkennungsverfahren, bei dem nach charakteristischen Pigment-Veränderungen gesucht wird, wirklich funktionieren. Um die wahre Aussagekraft dieser als Iris-Diagnostik bezeichneten Methode zu überprüfen, hat der an der Gießener Uni-Frauenklinik tätige Samer El-Safadi im Rahmen seiner Doktorarbeit einen Heilpraktiker mit dessen Einverständnis getestet. Gemeinsam mit seinem Doktorvater, Oberarzt Prof. Karsten Münstedt, stellte der junge Mediziner die Ergebnisse beim Onkologischen Patientenseminar erstmals der Öffentlichkeit vor. Untersucht hatte El-Safadi zudem, inwieweit sich durch die Dunkelfeldmikroskopie eine akute Krebsgefahr schon in einem frühen Stadium erkennen lässt.
"Beide Verfahren waren vorher noch nie naturwissenschaftlich überprüft worden", sagte der Doktorand. Von positiven Resultaten wisse man daher nur aus individuellen, unbewiesenen Beobachtungen. Dass beide, obwohl von der Schulmedizin nicht anerkannt, dennoch unter Patienten eine hohe Akzeptanz genießen würden, liege am Verzicht auf invasive und damit unangenehme Maßnahmen sowie der Darstellung als der Kliniksmedizin überlegenes Verfahren, vermutete El-Safadi.
Um jegliche Beeinflussung auszuschließen, waren alle 110 Testpersonen, wovon 70 tatsächlich Krebs hatten, dem Heilpraktiker, der keine der Diagnosen vorher kannte, vermummt und nur mit freien Augenschlitzen vorgeführt worden. Und das ohne ein Wort äußern zu dürfen. "Von den 70 Krebspatienten hatte der Heilpraktiker letztendlich nur drei herausgefunden", musste El-Safadi dieser Methode ein vernichtendes Urteil ausstellen.
Auch im Falle der Dunkelfeldmikroskopie, bei der ein kleiner Blutstropfen aus der Fingerkuppe entnommen wird, sah das Resultat kaum besser aus. Hier habe der Heilpraktiker drei unter zwölf Personen richtig diagnostiziert. "Hätte man gewürfelt, wäre man ungefähr zum selben Ergebnis gekommen", meinte der angehende Mediziner. Münstedt zeigte sich trotz des deutlichen Beweises realistisch: "Wir werden die Klientel, die obskure medizinische Verfahren anbietet, auch zukünftig nicht vollkommen loswerden können."
Eine weitaus größere Aussagekraft bietet da die immer weiter voranschreitende Tumorgenetik. Dr. Klaus Wilke, Biochemiker beim Pharmakonzern "Agendia", stellte hierzu eine Methode vor, mit der die Heilungschancen beim Brustkrebs besser erkannt und für die Planung einer Chemotherapie einbezogen werden können. Der Gentest richtet sich an Patientinnen mit einem Alter unter 55 Jahren, einer Tumorgröße unter fünf Zentimeter sowie bislang nicht befallenen Lymphknoten. "Nach den klassischen Kriterien erhalten etwa 80 Prozent aller Frauen eine Chemotherapie. Da jedoch nur 30 Prozent Metastasen entwickeln, werden mehr als die Hälfte überbehandelt" sagte Wilke. Der etwa 2150 Euro teure Test erlaube nun, anhand einer Gewebeprobe das Risiko zu erkennen, mit dem sich später tatsächlich Metastasen bildeten. Als Endergebnis ließe sich schließlich vielen Frauen eine Chemotherapie mit ihren Nebenwirkungen sowie den Krankenkassen immense Kosten ersparen, sagte Wilke.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-10) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-10 bis 2005-07-10 |
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| Pflegeausbildung |
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Uniklinikum kooperiert mit DRK-Schwesternschaft Marburg
Gießen (si). Das Universitätsklinikum Gießen geht bei der Ausbildung seiner Pflegekräfte neue Wege. Zwar werden die Nachwuchskräfte dort weiterhin das für Theorie und Praxis nötige Rüstzeug erhalten. Angestellt sind sie jedoch künftig bei der DRK-Schwesternschaft Marburg. Den »Gestellungsvertrag« unterzeichneten am Mittwoch Professor Wolfgang Weidner, Ärztlicher Direktor des Klinikums und Marie-Luise Koch, Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft. Die ersten 40 Gesundheits- und Krankenpfleger/innen und 20 Krankenhelfer/innen, für die der Vertrag gilt, werden ihre Ausbildung zum 1. Oktober beginnen. Peu á peu sollen alle 324 Pflege-Azubi-Stellen am Gießener Klinikum nach diesem Modell besetzt werden.
Mit der Entscheidung könne die Ausbildung in der Pflegeberufen am Klinikum in vollem Umfang erhalten werden. Gleichzeitig würden Kosten gespart, sagten Weidner und Pflegedirektorin Waltraud Horch vor Pressevertretern. Die Schwesterschaft sei ein erfahrener Partner, sie bilde schon seit 85 Jahren Pflegekräfte für das Marburger Klinikum aus. Dass das Rote Kreuz hinter der Einrichtung stehe, erhöhe nicht zuletzt die Aussichten der Absolventen auf einen Arbeitsplatz, eventuell auch in anderen Pflegesektoren, so die Vorsitzende Koch.
Die Kooperation ist auch im Zusammenhang mit der geplanten Fusion und Privatisierung der beiden mittelhessischen Unikliniken zu sehen. Dabei wurde schon im vergangenen Jahr ein umfassendes Konzept für eine »Akademie für Gesundheitsberufe« entwickelt«, die ihren Sitz mit großer Wahrscheinlichkeit in Marburg haben wird.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-07) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-09 bis 2005-07-09 |
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| Würdigung der Verdienste Gießener Psychosomatiker |
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Experten suchen an der Justus-Liebig-Universität nach neuen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie bei Hautkrankheiten und deren psychischen Aspekten
Dass der 11. Kongress der European Society for Dermatology and Psychiatry (ESDaP) von Donnerstag bis heute an der Justus-Liebig-Universität (JLU) stattfindet, ist eine internationale Würdigung der am Universitätsklinikum Gießen, insbesondere an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Leitung: Prof. Christian Reimer) geleisteten Forschungsarbeit. Rund 120 Hautärzte, Psychologen und Psychiater aus Europa, viele davon aus osteuropäischen Ländern, aus den USA, Japan und Israel suchten in Vorträgen, Workshops, Seminaren und Symposien nach neuen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie bei Hautkrankheiten und deren psychischen Aspekten. "Wir freuen uns über den intensiven fachwissenschaftlichen Austausch", sagte Prof. Uwe Gieler von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Gemeinsam mit dem Mitglied des Organisationskomitees, Privatdozent Jörg Kupfer von der Abteilung Medizinische Psychologie, empfand er es als "etwas ganz Besonderes", dass nach Paris, Amsterdam, Florenz, Brüssel, Barcelona und Halle diesmal Gießen als Tagungsort auserkoren wurde.
Das dicht gefüllte Tagungsprogramm der ESDaP, einer Tochter-Gesellschaft der Europäischen Akademie für Hautärzte, befasste sich mit wissenschaftlichen Grundlagen wie beispielsweise die neurogene Entzündung (Privatdozent Rainer Haberberger vom Institut für Anatomie und Zellbiologie der JLU und der Gießener Dermatologe Dr. Volker Niemeier), mit moderner Hirnforschung und der Epidemiologie von psychischen Störungen bei Hautproblemen (Dr. Bertram Walter vom Bender Institute of Neuroimaging an der JLU unter Leitung von Prof. Dieter Vaitl), aber auch mit klinischen Aspekten der Diagnostik, mit neueren Psychotherapieverfahren und -strategien sowie mit der Wissensvermittlung an Ärzte und Psychotherapeuten im Umgang mit Hautproblemen. Dr. Burkhard Brosig von der Gießener Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie stellte den von ihm als "Dorian-Gray-Syndrom" bekannt gemachten krankhaften Wahn von Narzissmus und ewiger Jugend vor. Über Selbstpsychologie bei Hautpatienten sprach Prof. Wolfgang E. Milch. Für seine besonderen Verdienste auf dem Gebiet der Psychodermatologie erhielt der als scharfer Kritiker der Heilsversprechen der Kosmetikindustrie bekannt gewordene Brite Dr. John Cotterill (Leeds) den zum vierten Mal vergebenen Herman-Musaph-Ehrenpreis.
Die nach einem jüdischen Psychologen, der als Kind ein Konzentrationslager überlebte und sich später in den Niederlanden mit psychischen Aspekten von Hautkrankheiten beschäftigt hat, benannte Auszeichnung wurde 1999 zum ersten Mal an Prof. Gieler von der JLU verliehen.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-07) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-10 bis 2005-07-10 |
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| Wie kommen Gefühle in die Haut? |
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120 Hautärzte, Psychologen und Psychiater tagen seit gestern in der Uni-Aula
Gießen (if). Wie kommen Gefühle in die Haut? Warum haben manche Menschen den Eindruck, dass Stress die Haut verschlechtert oder gar krank macht? Warum fühlen sich so viele in ihrer Haut nicht wohl? Seit gestern und noch bis morgen befassen sich rund 120 Hautärzte, Psychologen und Psychiater aus zwanzig Ländern der Welt im Unihauptgebäude mit diesen Fragen: Nach vorangegangenen Tagungen in Wien, Paris, Amsterdam, Florenz, Brüssel und Barcelona hält die 1993 in Wien gegründete »European Society for Dermatology and Psychiatrie« (ESDaP) zusammen mit der US-Fachgesellschaft und dem deutschen »Arbeitskreis Psychosomatische Dermatologie APD« ihren elften Kongress in Gießen ab.
Die Gesellschaft - »Tochter« der europäischen Akademie für Hautärzte - hat sich zum Ziel gesetzt, in internationaler Zusammenarbeit Hautkrankheiten und deren psychische Komponenten zu erforschen und zu verdeutlichen, um für die Betroffenen neue Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung zu entwickeln.
Gastgeber Prof. Dr. Uwe Gieler aus der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Justus-Liebig Universität, die sich als ein führendes Zentrum für Klärungen von Fragen auf den Gebieten »Haut und Stress« und »Haut als Spiegel der Seele« profiliert hat, wertet die Entscheidung pro Gießen als Anerkennung der hier geleisteten Arbeit. Die Tagung, so kündigte er bei der Eröffnung an, werde sich sowohl mit wissenschaftlichen Grundlagen als auch mit klinischen Aspekten der Diagnostik und neuen Psychotherapieverfahren beschäftigen.
Nach dem gestrigen Auftakt wird heute abend in der Kongresshalle in festlichem Rahmen der »Herman Musaph Award« vergeben. Erster Träger der von dem jüdischen Psychologen gleichen Namens gestifteten Auszeichnung, der sich in den Niederlanden mit den seelischen Aspekten von Hautkrankheiten befasste und als einer der Begründer der Psychodermatologie gilt, war 1999 Prof. Gieler.
Träger des »Musaph Award 2005« ist der britische Dermatologe Dr. John Cotterill aus Leeds. Zum Auftakt des Tagungsprogrammes beschäftigte er sich gestern bereits selbstkritisch mit der Rolle seines Faches. Dabei zog er gegen Auswüchse der kosmetischen Dermatologie zu Felde und kritisierte eine unheilvolle Allianz ökonomischer und anderer Interessen, wobei er gleichzeitig die heikle Frage aufwarf, warum so viele Menschen mit gestörtem Selbstwertgefühl darauf bauen, nur mit Hilfe der kosmetischen Dermatologie und der Schönheitschirurgie ihre Probleme lösen zu können.
Zuvor hatte Dr. Rainer Haberberger aus dem Institut für Anatomie und Zellbiologie zusammen mit Dr. Volker Niemeier (Psychosomatische Medizin) in Gießen gewonnene Erkenntnisse über das Zustandekommen entzündlicher Hautveränderungen auf molekularer Ebene vorgestellt. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt stützt die Annahme, dass ein gestörtes Zusammenspiel zwischen neuronalen Zellen und Hautzellen die Entwicklung von Schuppenflechte und Ekzemen begünstigt, woraus sich möglicherweise neue Ansätze für deren Behandlung gewinnen lassen. Welche Vorgänge sich im Gehirn beim Zustandekommen des quälenden Juckreizes abspielen, untersucht derzeit eine Gruppe um Dr. Bertram Walter im Gießener »Bender Institute of Neuroimaging« (Direktor Prof. Dieter Vaitl.)
Nach dem Hauptvortrag »Skin and Brain Connection« am Morgen war diesem Thema dann am Nachmittag unter Vorsitz des japanischen Professors Makoto Hashiro ein ganzes Symposium gewidmet, ehe die Teilnehmer des Kongresses im »Mathematikum« den Tag ausklingen ließen.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-06) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-09 bis 2005-07-09 |
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| Uniklinik kooperiert mit Schwesternschaft |
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Marburger übernehmen Ausbildung des Pflegepersonals
Neue Wege geht das Universitätsklinikum Gießen in Zukunft bei der Ausbildung seines Pflegepersonals. Ab Oktober sind die neuen Lehrlinge nicht mehr am Klinikum angestellt, sondern werden von der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes Marburg gestellt. Auf diese Weise blieben alle Ausbildungsplätze erhalten und die Uniklinik könne sich den ändernden Anforderungen der Krankenhauslandschaft anpassen, sagte Waltraud Horch, Pflegedirektorin am Klinikum der Justus-Liebig-Universität. Schon Mitte der neunziger Jahre habe die Klinik erkannt, dass viele kleine Ausbildungsstätten ungünstig seien und habe daraufhin das erste Ausbildungszentrum in Hessen gegründet. Auch seien die Verantwortlichen dazu übergegangen, die Teilnehmer der einjährigen Ausbildung zum Krankenpflegehelfer mit denen der dreijährigen Pflegerlehre zusammenzubringen, um einen Übergang zu erleichtern.
Nach dem derzeitigen Trend blieben die Patienten immer kürzer in den Krankenhäusern, weshalb dort weniger Personal gebraucht werde. Dieses werde dann vor Ort zur Nachsorge gebraucht. Die veränderte Ausbildungsordnung trage dem Rechnung, indem die Schüler 30 Prozent ihrer Zeit außerhalb des Klinikums zum Beispiel bei ambulanten Pflegediensten arbeiten müssten.
Die Kosten seien für das Klinikum immens, während die Arbeitgeber, die die Schüler übernähmen, "Arbeitskräfte zum Nulltarif" bekämen. "Wir haben 324 Auszubildende, denen wir für die Arbeit in der Peripherie die Fahrtkosten zahlen müssen", sagte Horch.
Die Kooperation mit der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes verringere die finanzielle Belastung, während die Klinik weiterhin "über den eigenen Bedarf" ausbilde. Auf diese Weise könne sie dazu beitragen, dass außerhalb des Krankenhauses geschultes Personal die Patienten weiter versorge.
Schon seit 1920 bilde die DRK Schwesternschaft für die Uniklinik Marburg aus, so deren Vorsitzende Marie-Luise Koch. Der Vorteil des Roten Kreuzes sei, dass es die Schüler nach deren Ausbildung in andere Pflegesektoren weitervermitteln könne. Die jungen Menschen stünden auch finanziell nicht schlechter dar. Zwar sei das Gehalt geringer, doch könnten die Auszubildenden Kindergeld beantragen, was bisher nicht der Fall war. Dadurch bekämen sie letztendlich mehr Geld. Geplant sei eine Akademie in Zusammenarbeit mit den Kliniken in Gießen und Marburg.
Den Beginn zum 1. Juli anzusetzen, sei aber "illusorisch". Die Beteiligten müssten zunächst die Privatisierung zum 1. Januar 2006 abwarten. Die Einrichtung war im Gießener Klinikumsvorstand "lange nicht unumstritten", wie der Ärztliche Direktor, Professor Wolfgang Weidner, zugab. "Aber wie wir erkannt haben, werden Gießen und Marburg in der Akademie gleichberechtigt vertreten sein."
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-06) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-10 bis 2005-07-10 |
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| Damit "nicht nur Ärzte gravierende Störungen erkennen" |
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Über 100 Teilnehmer beim EKG-Seminar am Uni-Klinikum - Vorträge und Workshops
P, Q, R, S, T und U - mit diesen sechs Buchstaben werden in der Elektrokardiographie (EKG) die einzelnen Erregungsabschnitte der Herztätigkeit beschrieben. Schon die kleinste Abweichung von der Normalkurve kann auf einen schweren Herzfehler hinweisen. Beim alle Jahre wieder am Uniklinikum stattfindenden EKG-Seminar, das jetzt seine siebte Auflage erfuhr, wird auch Medizinisch-Technischen Assistenten (MTA), Arzthelferinnen und Pflegepersonal beigebracht, die Kurve richtig zu deuten. "Nicht nur Ärzte sollten gravierende und bedrohliche Situationen im EKG erkennen können", ist Jürgen Häbe überzeugt. Zumal die medizinisch Verantwortlichen bei der Hektik im Kliniksalltag auch einmal etwas übersehen könnten und es oftmals auf Minuten ankomme, eine überlebenswichtige Behandlung einzuleiten. Der am Klinikum Villingen-Schwennigen tätige EKG-Experte war einer der Referenten beim Seminar in den Räumen der Uni-Kinderklinik. Mehr als 100 überwiegend weibliche Teilnehmer waren vor allem aus Mitteldeutschland angereist, um "Altes aufzufrischen und Neues zu erlernen", so der Text in der verschickten Einladung. Die Idee zu dieser Fortbildungsreihe hatten einst Gießener Pflegekräfte und MTA, die auch dieses Mal wieder für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Nach Vorträgen von Kardiologen und EKG-Spezialisten konnte man sich in zwei Workshops sowohl Grundsätze und Systematik der Auswertung von Elektrokardiogrammen als auch die Methoden der Invasiven Elektrophysiologie zeigen lassen. Letztere Aufgabe oblag Dr. Ali Erdogan, Oberarzt am Zentrum für Innere Medizin des Uniklinikums.
"Ein plötzlicher Herztod durch Herzrhythmusstörungen ist keine Seltenheit", gab er zu bedenken. Denn manche Menschen verfügten anatomisch über eine doppelte Anlage der erregungsleitenden Abschnitte des Herzens, ausgehend vom primären Taktgeber, dem Sinusknoten, bis hin zu den sogenannten Purkinje-Fasern, über welche die Erregung zum Muskelsystem des Herzens geleitet werde. "Symptom ist häufig ein bis zu dreifach beschleunigtes Herzrasen." Mit der Einsetzung eines Implantierbaren Cardioverter Defibrillators (ICD) könne die Herztätigkeit bei sich abzeichnender doppelter Erregung jedoch sofort wieder synchronisert und somit Herzrasen verhindert werden. Seinen Zuhörerinnen erläuterte der Arzt zudem, wie sich ein Katheter mittels durch neue bildgebende Verfahren erzeugte dreidimensionale Herzaufnahmen an das Organ heranführen lasse. "Der Vorteil ist, dass man weniger röntgen muss und damit den Patienten schonen kann."
Über die Leistungsfähigkeit moderner Schrittmacher referierte schließlich Andreas Schneider, leitender Pfleger im Herzkatheterlabor der Inneren Abteilung. "Heutige Geräte sind in der Lage, ein bis zu 22 Minuten langes intrakardiales EKG aufzunehmen", nannte er als eine der wichtigsten Weiterentwicklungen der gerade einmal noch um die 70 Gramm wiegenden künstlichen Taktgeber. Trotz des vereinfachten Einsetzens unter Lokalanästhesie sei Pflegepersonal wie Ärzte nach wie vor dazu verpflichtet, die strengen hygienischen Vorschriften einzuhalten. In Gießen habe man deshalb OP-Bedingungen geschaffen, was sowohl eine strikte Hände-Desinfektion als auch von Luftpartikeln möglichst frei gehaltene Behandlungsräume erfordere.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-05) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-10 bis 2005-07-10 |
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| "Innovative Arbeiten und weltweite Kontakte" |
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Prof. Ulf Müller-Ladner hielt Antrittsvorlesung an JLU - Leiter der Rheumatologischen Abteilung der Kerckhoff-Klinik - Professur für Innere Medizin
An gleich zwei fundamentale Veränderungen in seinem Leben muss sich derzeit Prof. Ulf Müller-Ladner gewöhnen. Denn: Der 40-jährige Sindelfinger ist seit Anfang Januar nicht nur der Leiter der Rheumatologischen Abteilung der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik, sondern gleichzeitig auch Inhaber der Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie am Gießener Uniklinikum. Im Rahmen seiner Antrittsvorlesung vermittelte er nun einen Überblick beider Arbeitsfelder.
Bevor sich Müller-Ladner jedoch seinem Spezialgebiet, der Therapie und Erforschung rheumatoider Erkrankungen und derer Ursachen, widmen konnte, stellte der Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU), Prof. Hans Michael Piper, den Nachfolger von Prof. Klaus L. Schmidt im Hörsaal der Neuen Chirurgie den Zuhörern, darunter zahlreiche Direktoren anderer Gießener Kliniken, zunächst einmal vor. "Wir sind stolz darauf, dass es uns gelungen ist, mit ihnen einen national und international renommierten Experten gewonnen zu haben", freute sich Piper über die Verpflichtung des erfahrenen Internisten. Wie kein anderer der zur Auswahl gestandenen Kandidaten habe Müller-Ladner das mitgebracht, was man sich von einer Neuverpflichtung erwartet habe. So sei er zwar der Jüngste unter den Bewerbern gewesen, habe mit seinen "innovativen Arbeiten und weltweiten Kontakten" aber schnell die Berufungskommission überzeugt. Piper verspricht sich vom neuen Leiter der bis vor sechs Jahren noch dem Gießener Uniklinikum angehörigen Rheumaklinik vor allem eine Ausweitung interdisziplinärer Forschungsprojekte.
Eine "engere Verknüpfung von Krankenversorgung, Lehre und Forschung" hat sich auch Prof. Müller-Ladner zum Ziel gesetzt. Hierzu beitragen soll die durch das Land Hessen langfristig geförderte Kooperation zwischen der Kerckhoff-Klinik, dem Uniklinikum Gießen und dem Max-Planck Institut in Bad Nauheim. In der medizinischen Versorgung werde er vorrangig die Gebiete Rheumatologie und Molekularbiologie abdecken, teilte der Chefarzt mit. Um die Balneologie wird sich sein Kollege Dr. Uwe Lange kümmern. In seiner Antrittsvorlesung vermittelte Müller-Ladner, bisheriger Leiter der Rheumatologie an der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Regensburg, einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand des Entstehens rheumatoider Arthritis. "Bisher ist nur wenig über die Ursache dieser Erkrankung bekannt, und das obwohl etwa zwei Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind." Man habe allerdings herausgefunden, dass Retroviren, die in den Organismus eindringen, dort körpereigene Enyme aktivieren und so letztlich zur Schädigung von Korpel und Knochen führen, die eigentlichen Auslöser sind. Im Tierexperiment habe man zudem nachweisen können, wie sich die zerstörerisch wirkenden Zellen vorrangig in den Pfoten festsetzten, ähnlich der Haupterscheinungsform in den Bein-Gelenken beim Menschen. Ein schweres Problem bei der Therapie dieser "heimtückischen Krankheit" sei, dass "uns das Immunsystem im Nacken sitzt". Und so habe man bislang noch kein Weg entdeckt, das Fortschreiten rheumatoider Arthritis komplett aufzuhalten.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-04) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-04 bis 2005-07-04 |
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| "Innovative Arbeiten und weltweite Kontakte" |
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Prof. Ulf Müller-Ladner hielt Antrittsvorlesung an JLU - Leiter der Rheumatologischen Abteilung der Kerckhoff-Klinik - Professur für Innere Medizin
An gleich zwei fundamentale Veränderungen in seinem Leben muss sich derzeit Prof. Ulf Müller-Ladner gewöhnen. Denn: Der 40-jährige Sindelfinger ist seit Anfang Januar nicht nur der Leiter der Rheumatologischen Abteilung der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik, sondern gleichzeitig auch Inhaber der Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie am Gießener Uniklinikum. Im Rahmen seiner Antrittsvorlesung vermittelte er nun einen Überblick beider Arbeitsfelder.
Bevor sich Müller-Ladner jedoch seinem Spezialgebiet, der Therapie und Erforschung rheumatoider Erkrankungen und derer Ursachen, widmen konnte, stellte der Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (JLU), Prof. Hans Michael Piper, den Nachfolger von Prof. Klaus L. Schmidt im Hörsaal der Neuen Chirurgie den Zuhörern, darunter zahlreiche Direktoren anderer Gießener Kliniken, zunächst einmal vor. "Wir sind stolz darauf, dass es uns gelungen ist, mit ihnen einen national und international renommierten Experten gewonnen zu haben", freute sich Piper über die Verpflichtung des erfahrenen Internisten. Wie kein anderer der zur Auswahl gestandenen Kandidaten habe Müller-Ladner das mitgebracht, was man sich von einer Neuverpflichtung erwartet habe. So sei er zwar der Jüngste unter den Bewerbern gewesen, habe mit seinen "innovativen Arbeiten und weltweiten Kontakten" aber schnell die Berufungskommission überzeugt. Piper verspricht sich vom neuen Leiter der bis vor sechs Jahren noch dem Gießener Uniklinikum angehörigen Rheumaklinik vor allem eine Ausweitung interdisziplinärer Forschungsprojekte.
Eine "engere Verknüpfung von Krankenversorgung, Lehre und Forschung" hat sich auch Prof. Müller-Ladner zum Ziel gesetzt. Hierzu beitragen soll die durch das Land Hessen langfristig geförderte Kooperation zwischen der Kerckhoff-Klinik, dem Uniklinikum Gießen und dem Max-Planck Institut in Bad Nauheim. In der medizinischen Versorgung werde er vorrangig die Gebiete Rheumatologie und Molekularbiologie abdecken, teilte der Chefarzt mit. Um die Balneologie wird sich sein Kollege Dr. Uwe Lange kümmern. In seiner Antrittsvorlesung vermittelte Müller-Ladner, bisheriger Leiter der Rheumatologie an der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Regensburg, einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand des Entstehens rheumatoider Arthritis. "Bisher ist nur wenig über die Ursache dieser Erkrankung bekannt, und das obwohl etwa zwei Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind." Man habe allerdings herausgefunden, dass Retroviren, die in den Organismus eindringen, dort körpereigene Enyme aktivieren und so letztlich zur Schädigung von Korpel und Knochen führen, die eigentlichen Auslöser sind. Im Tierexperiment habe man zudem nachweisen können, wie sich die zerstörerisch wirkenden Zellen vorrangig in den Pfoten festsetzten, ähnlich der Haupterscheinungsform in den Bein-Gelenken beim Menschen. Ein schweres Problem bei der Therapie dieser "heimtückischen Krankheit" sei, dass "uns das Immunsystem im Nacken sitzt". Und so habe man bislang noch kein Weg entdeckt, das Fortschreiten rheumatoider Arthritis komplett aufzuhalten.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-04) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-10 bis 2005-07-10 |
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| Klinikärzte tragen Frust über Arbeitssituation auf die Straße |
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600 Mediziner nehmen in Gießen an Protestzug teil - Weidner: Notfallversorgung gesichert
Sie kamen im Kittel, mit Trillerpfeife und hielten Spruchbänder in der Hand. "Das Maß ist voll" stand auf einem der Transparente. Für die meisten von ihnen war es eine Premiere. Lautstark demonstrierten am Montagabend rund 600 Klinikärzte aus Gießen, Frankfurt und Marburg in der Innenstadt gegen Lohnkürzungen und eine Verlängerung der Arbeitszeit. Im Mittelpunkt der bundesweiten Protestaktionen stand Gießen: hier hatte die Krankenhausärztegewerkschaft Marburger Bund zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Die Notfallversorgung am Klinikum sei jedoch zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen, gab der Ärztliche Direktor Prof. Wolfgang Weidner am späten Nachmittag Entwarnung. So habe auch eine Kinderherztransplantation wie geplant durchgeführt werden können. Es habe sich gezeigt, dass ein hoher Anteil der Gießener Ärzte dem Aufruf gefolgt sei. Die Patienten hätten weitgehend Verständnis gezeigt. "Viele von ihnen stehen den berechtigten Anliegen der Ärzte positiv gegenüber", so Weidner. Diese Einschätzung bestätigte ein 72-jähriger Patient aus der Kardiologie: "Die hätten schon viel früher streiken müssen. Kaum einer bekommt so wenig Geld und muss so viel dafür arbeiten."
Bereits um acht Uhr hatten sich etwa 300 der rund 700 am Gießener Uni-Klinikum angestellten Mediziner vor der Neuen Chirurgie versammelt. Ausgestattet mit orangen Streikkappen und Flugblättern machten sie einen Tag vor Beginn des 108. Deutschen Ärztetages in Berlin ihrem Unmut Luft. Im Blickpunkt der Kritik: die Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 42 Stunden, die Streichung beziehungsweise Kürzung von Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld sowie die unzureichende Abgeltung von Überstunden. Privatdozent Andreas Scholz (Gießen), Bezirksvorsitzender des Marburger Bundes Gießen sowie stellvertretender Landesvorsitzender, sprach von Gehaltseinbußen in Höhe von zehn Prozent. Der hessischen Landesregierung warf Scholz vor, die derzeitige Arbeitssituation der angespannten und oft überbelasteten Ärzte als "Ist-Zustand" festschreiben zu wollen. "Wie anders lässt sich sonst eine Erhöhung von Arbeitszeit verstehen, wenn Budgets nicht den tatsächlichen Kosten folgen", sagte Scholz. Alleine am Gießener Uni-Klinikum hätten Ärzte in der Vergangenheit unbezahlte Mehrarbeit in einem Wert von rund 20 Millionen Euro geleistet. "Anständige Leistung muss gerecht vergütet werden", forderte der Gewerkschaftsvertreter.
Die Ärzte in den hessischen Universitätsklinken müssen im Falle einer Neueinstellung oder bei der Verlängerung eines befristeten Arbeitsvertrages auf Urlaubsgeld und einen Teil des Weihnachtsgeldes (Zuwendung) verzichten sowie eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf bis zu 42 Stunden hinnehmen. Das führt nach Berechnungen des Marburger Bundes zusammen zu einem Einkommensverlust von etwa zehn Prozent und zu einem zu erwartenden Stellenabbau. Nach Ansicht der Ärztegewerkschaft tragen die Länder die Verantwortung für die verschlechterten Bedingungen an den Krankenhäusern, nachdem Landesregierungen Tarifverträge gekündigt haben und aus dem Arbeitgeberverband TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) ausgetreten sind.
Seinen Abschluss fand der Warnstreik am Abend mit einem Protestzug vom Klinikum über die Frankfurter Straße, durch den Seltersweg zum Kirchenplatz. Dort richtete der Gießener Arzt Olav Böning kritische Worte an die Adresse der Gesundheitspolitiker und Funktionäre. "Sie predigen Wasser und trinken selbst Wein." Die Kollegen seien nicht länger bereit, die Umstände, unter denen sie arbeiten müssten, hinzunehmen. "Wir sind nicht die Großverdiener, als die manche uns hinstellen", betonte Böning. Im europäischen Vergleich stünden deutsche Ärzte am schlechtesten da. Dr. Elmar Lindhorst (Marburg), Vorstandsmitglied des Marburger Bundes, rief dazu auf, "über Wochen aktiv zu bleiben".
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-03) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-03 bis 2005-07-03 |
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| Genereller Test gefordert |
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Schwangerschaftsdiabetes: »Urintest reicht nicht«
Gießen-Kleinlinden (if). Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Typ-I-Diabetikerinnen vor einer Schwangerschaft gewarnt - mit der Folge, dass viele junge Frauen zwar ungewollt, aber bewusst auf Kinder verzichteten. Die Zuckerkrankheit stellt auch heute noch ein Risiko für Mütter und Kinder dar, doch bei optimaler, bereits vor Eintritt der Schwangerschaft begonnener Betreuung können Risiken heute weitgehend minimiert werden. Das war die beruhigende Botschaft, die dieser Tage rund 100 heimische Ärzte aus einer Fortbildung der Ärztekammer im Bürgerhaus Kleinlinden mitnahmen.
Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von Prof. Reinhard G. Bretzel und Oberarzt Dr. Michael Eckhard von der III. Medizinischen und Poliklinik - Endokrinologie/ Diabetologie - des Gießener Universitätsklinikums. Zum Kinderwunsch bei Diabetikerinnen hieß es, die ärztliche Betreuung durch Hausärzte zusammen mit Diabetologen solle schon vor der Schwangerschaft beginnen. Sie solle gynäkologische Zentren mit geschulten Hebammen und erfahrenen Neugeborenenmedizinern einschließen.
Grund zu Sorge bietet allerdings mehr und mehr ein anderer Sachverhalt: Eine unerkannt bestehende Glukose-Stoffwechselstörung kann sich erstmals in einer Schwangerschaft ausprägen und dann Mutter und Kind in Form eines »Gestationsdiabetes« gefährden. Inzwischen weiß man, dass die Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes weltweit im Wachsen begriffen ist, muss indes - wie Oberarzt Dr. Frank Oehmke von der Uni-Frauenklinik seinen Kollegen berichtete - von einer ganz erheblichen Dunkelziffer ausgehen. Denn ungeachtet von Forderungen der Fachgesellschaften gehöre eine generelle Untersuchung aller Schwangeren mit dem Glukosetoleranztest noch immer nicht zur erweiterten Mutterschaftsvorsorge.
Während in der Literatur die Häufigkeit in Deutschland mit drei bis fünf Prozent angegeben wird, wurde schon vor einigen Jahren in Gießen mit rund sieben Prozent ein doppelt so hoher Prozentsatz ermittelt. Insgesamt sei bei rund 800 000 Geburten in Deutschland jährlich von mindestens 36 000 Fällen von Schwangerschaftsdiabetes auszugehen, schätzt Oehmke. Und Dr. Simone Stoll-Becker, Neugeborenenspezialistin aus der Kinderklinik, geht auf Grund dieser Schätzungen von jährlich 14 000 Fällen einer drohenden »diabetischen Fetopathie« - einer Schädigung schon des Ungeborenen - aus. Manchmal, so berichtete sie in diesem Zusammenhang, stellt sich der bis dahin unerkannte mütterliche Diabetes erst dann heraus, wenn das Kind, gerade eben geboren, noch im Kreißsaal einen Krampfanfall erleidet: Folge einer akuten Unterzuckerung.
Als Indiz für die Häufung unerkannter mütterlicher Stoffwechselentgleisungen verbunden mit einer Glukose-Überversorgung des Ungeborenen betrachten Frauenärzte die Zunahme der durchschnittlichen Geburtsgewichte: Bei Vier-Kilo-Babys - heute keine Seltenheit - kann es zu Geburtsverletzungen kommen. Die Lungenreife kann bei solchen »Wonneproppen« verzögert, das Risiko der Neugeborenengelbsucht erhöht sein. Dem Kind droht die Gefahr späteren krankhaften Übergewichtes. Schwangere mit Gestationsdiabetes weisen ein erhöhtes Risiko von Harnwegsinfekten und Bluthochdruck auf. Es kommt häufiger zu Eklampsie und zu operativen Entbindungen.
Aus all diesen und einer Reihe weiterer Argumente resultieren die Forderungen nach dem Glukosetoleranztests bei allen Schwangeren. »Ein Urintest« , so warnt Dr. Oehmke, »reicht nicht aus.« Liegen Risikofaktoren vor - Diabetes bei Eltern oder Geschwistern, Übergewicht, mehrere vorangegangene Fehlgeburten -, sollte das Screening bereits im ersten Drittel der Schwangerschaft erfolgen. Sonst sieht das »Betreuungskonzept Gestationsdiabetes«, das vom Schulungszentrum der Medizinischen und Poliklinik III zusammen mit dem Zentrum für Frauenheilkunde entwickelt wurde, den Test in der 24. bis 28. Woche vor. Sind die Werte normal, sollte sicherheitshalber ein weiterer Test in der 32. bis 34. Schwangerschaftswoche erfolgen. Zeigt bereits der erste Test pathologische Werte, müssen konsequent normale Blutzuckerwerte angesteuert werden. Eine Aufgabe, die ein geschultes Team voraussetzt, das die künftige Mutter mit dem Krankheitsbild selbst und allen erforderlich werdenden Maßnahmen bis hin zu Ernährungsprotokoll und Blutzuckerselbstkontrolle vertraut macht. Jährlich, so berichteten Dr. Jutta Liersch und Dr. Michael Eckhard, werden in der III. Medizinischen und Poliklinik rund 200 junge Frauen speziell nach diesem Konzept auf die Geburt ihres Kindes vorbereitet.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-03) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-06 bis 2005-07-06 |
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| Proteste gegen Mehrarbeit und Gehaltskürzung |
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Am Uniklinikum folgte jeder zweite Arzt dem Streikaufruf des Marburger Bundes - Notfallversorgung war sichergestellt
Gießen (si). Die Kündigung der Tarifverträge im öffentlichen Dienst durch das Land Hessen hat dem Gießener Universitätsklinikum gestern den ersten Ärztewarnstreik seiner Geschichte gebracht. Rund 350 angestellte Mediziner - mehr als jeder zweite dort beschäftigte Arzt - folgten dem Aufruf der Krankenhausärzte-Gewerkschaft Marburger Bund und legten die Arbeit nieder. Die ärztliche Versorgung war während des ganzen Tages auf den Notfallbetrieb beschränkt. Der Ausstand hatte morgens mit einer Kundgebung vor der Neuen Chirurgie begonnen. Gegen 18 Uhr zogen die Mediziner - unterstützt von rund 200 Kollegen der Universitätskliniken Marburg und Frankfurt - über Frankfurter Straße, Fußgängerzone und Sonnenstraße zum Kirchenplatz, wo es eine Abschlusskundgebung gab.
Die angestellten Krankenhausärzte seien von der Tarifvertragskündigung besonders betroffen, weil überdurchschnittlich viele befristete Verträge hätten. Bei einer Vertragsverlängerung würden für sie und alle neu eingestellten Ärzte durchweg die künftig wesentlich schlechteren tariflichen Bedingungen gelten, sagte Dr. Andreas Scholz, Bezirksvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender des Marburger Bundes. Die wöchentliche Arbeitszeit verlängere sich von 38,5 auf 42 Stunden. Gleichzeitig würden Weihnachts- und Urlaubsgeld gestrichen, wodurch das Einkommen der Betroffenen um zehn Prozent sinke. Längst arbeiteten deutsche Ärzte bis zu 80 Stunden und mehr pro Woche; allein am Gießener Klinikum leisteten sie jährlich Überstunden im Werte von 20 Millionen Euro. Die Ärzte seien nicht mehr bereit, die Krankenversorgung, Forschung und Lehre durch nicht bezahlte Überstunden zu subventionieren, erklärten Scholz, Dr. Olaf Böning (beide Uniklinikum Gießen) und Dr. Elmar Lindhorst (Marburg).
Die Arbeitszeitverlängerung werde zu einem Stellenabbau führen, durch den sich auch die Patientenversorgung verschlechtere. Schon jetzt wanderten deutsche Ärztinnen und Ärzte aus ihrer Heimat in das europäische Ausland ab, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfänden. Erfasst werden müssten alle Arbeitszeiten. Zudem sollten Weiterbildungsverträge für die komplette Ausbildungszeit abgeschlossen werden und anschließende Arbeitsverträge über mindestens fünf Jahre laufen, unterstrichen die Gewerkschafter. Sie forderten die öffentlichen Arbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Ihre Forderungen hatten die Mediziner schon bei der ersten Kundgebung vor der Neuen Chirurgie deutlich gemacht - begleitet von mehreren Fernsehteams, ein Beitrag lief im ARD-Morgenmagazin. Etliche Ärzte - von denen viele das erste Mal an einem Warnstreik teilnahmen - besuchten dann einen der vom Marburger Bund angebotenen Vorträge zu tarifvertraglichen Themen (»Überstunden geltend machen«). Ganztags wurden auch Patienten und andere Mitarbeiter informiert. Viele hätten großes Verständnis für die Forderungen gezeigt, sagte Andreas Schulz für die Streikleitung.
Beim Gießener Klinikumsvorstand stieß der Warnstreik auf ein geteiltes Echo. Man sehe »grundsätzlich die Notwendigkeit, die Arbeitsbedingungen unserer Ärztinnen und Ärzte zu verbessern«. Wegen der besonderen wirtschaftlichen Situation sei ein Streik derzeit jedoch nicht sinnvoll, erklärte der Ärztliche Direktor Professor Wolfgang Weidner auf Anfrage. Der Vorstand werde den Teilnehmern die Möglichkeit geben, die gestern nicht geleisteten Arbeitsstunden mit dokumentierten Mehrarbeitsstunden zu verrechnen.
Im Klinikum seien wegen des Warnstreiks vorab Routine-Untersuchungen und -Operationen abgesagt worden, sagte der Vorstandssprecher. Die Notfallversorgung habe ohne Einschränkungen funktioniert.
Rund 350 Ärzte des Gießener Klinikums und etwa 200 Kollegen der Unikliniken Marburg und Frankfurt zogen gestern am frühen Abend über die Frankfurter Straße zur Abschlusskundgebung auf den Kirchenplatz.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-05-03) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-06 bis 2005-07-06 |
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| "Grundsätzlich ist jede Geburt toll" |
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Ausbildung zur Hebamme: Sonja Weihrauch berichtet - Frauenklinik lädt am Mittwoch ab 10 Uhr zu Aktionstag ein
Mareike Neumann macht es sich auf dem großen Liegestuhl im Kreißsaal bequem. In wenigen Tagen kommt ihr erstes Kind zur Welt. Sonja Weihrauch, leitende Hebamme an der Frauenklinik des Universitätsklinikums, misst noch einmal die Herztöne und ertastet die Lage des Fötus. "Ich wollte schon immer etwas machen, wo ich mit Menschen zu tun habe", begründet sie ihre Berufswahl. Ihre Ausbildung hat sie an der Gießener Hebammenschule gemacht, die am 4. Mai zu einem Tag der offenen Tür einlädt. "Ich wollte eine Arbeit, die mich befriedigt und wusste damals nur die Richtung", so Weihrauch. Eine Bekannte habe sie auf Hebamme gebracht. Das Besondere an diesem Beruf sei, dass sie sich "mit der Entstehung von neuem Leben" beschäftige und nicht in erster Linie mit Kranken, wie das in ihrem vormaligen Berufswunsch Krankenschwester der Fall sei. Das Einsatzgebiet einer Hebamme reiche von der Schwangerenvorsorge bis zur Nachsorge zuhause. Sie selber arbeite hauptsächlich im Kreißsaal, betreue die werdenden Mütter während der Geburt und versorge sie und die Neugeborenen kurz danach. "Eine Hebamme dürfte vom Gesetz aus eine normale Geburt alleine durchführen, ein Arzt muss immer eine Hebamme dabei haben", erklärt sie den rechtlichen Hintergrund. Im Uniklinikum sei aber bei jeder Geburt ein Arzt dabei.
"Grundsätzlich ist jede Geburt toll, weil man als erste das Kind in den Händen hält", beschreibt sie ihre Arbeit. Ein sehr schönes Erlebnis sei eine komplikationslose Geburt auf der Wöchnerinnen-Station gewesen. Die Frau habe wegen vorzeitiger Wehen schon länger dort gelegen. Um nicht schon wieder an den Tropf zu müssen, habe sie nicht Bescheid gesagt, als ihre Wehen einsetzten. "Sie hat erst gerufen, als das Kind schon fast draußen war." Da habe sie das Kind "ratzfatz" im Dreibettzimmer statt im Kreißsaal zur Welt gebracht.
Viele Leute fragten, ob ihr der Geschmack auf eigene Kinder nicht vergehe, wenn sie ständig die Schmerzen miterlebe. "Gar nicht, weil ich die Freude hinterher sehe", könne sie dazu nur sagen. Die Ausbildung, die sie an der Gießener Hebammenschule gemacht hat, dauert drei Jahre. In dieser Zeit hat sie, wie alle Schülerinnen, gelernt, was sie über Geburtshilfe, Wochen-, Säuglings- und Krankenpflege, Anatomie und Gynäkologie wissen muss. Dazu kommen Unterricht in Recht- und Gesetzeskunde, Arzneimittellehre, Psychologie und Berufskunde. "Der Unterricht teilt sich in ein Drittel Theorie und zwei Drittel Praxis", so Weihrauch. Die Schülerinnen seien von Anfang an im normalen Betrieb eingeplant, müssten also, wie andere Mitarbeiter auch, zwischen Tages-, Spät- und Nachtschicht wechseln. Sie arbeiteten im Kreißsaal, mit den Neugeborenen und hätten unter anderem auch Einsätze in der Kinderintensivstation und der Schwangerenberatung. Sonja Weihrauch hat Glück gehabt. Sie stammt aus der Nähe von Gießen, hat hier ihre Ausbildung gemacht und sofort auch hier einen Arbeitsplatz bekommen. Doch die Schülerinnen kommen auch aus anderen Bundesländern.
Kirsten Krüger und Wihega Delor sind seit anderthalb Jahren an der Schule. Krüger kommt aus der Nähe von Berlin, Delor aus dem Allgäu. Beide hatten sich deutschlandweit beworben. Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, seien nicht sehr groß, sagen beide. Während der Ausbildung aber ist einiges möglich. Krüger hat ihr "Externat", ein Pflichtpraktikum bei einer freiberuflichen Hebamme, in London verbracht. Beide würden nach ihrer Ausbildung gerne noch eine Weile in einer Klinik arbeiten, "um Erfahrung zu sammeln". Die Berufsaussichten seien "nicht so rosig", da die Geburtenzahlen zurückgingen. Aber mit entsprechender Eigeninitiative werde sie schon etwas finden, gibt sich Delor optimistisch. Interessierte, die die Frauenklinik näher kennen lernen wollen, laden die Hebammen am Mittwoch, den 4. Mai, ab 10 Uhr zu einem Aktionstag mit Kreißsaalbesichtigung, Gründung eines Stillcafés und Babymassagen in die Frauenklinik ein. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0641/ 99 45 191.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-05-02) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-02 bis 2005-07-02 |
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| Kartellamt sieht "marktbeherrschende Stellung" |
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Verkauf des Uni-Klinikums Gießen und Marburg droht an Veto der Kontrollbehörde zu scheitern - SPD spricht von Bestätigung
Die von der Landesregierung geplante Privatisierung eines fusionierten Universitätsklinikums Gießen und Marburg droht am Veto des Bundeskartellamtes zu scheitern. "Da die Zusammenführung der beiden Universitätskliniken Gießen und Marburg durch das Land Hessen nicht der Fusionskontrolle unterliegt, würde bei einer anschließenden Veräußerung dem potenziellen Erwerber der Eintritt in eine marktbeherrschende Stellung ermöglicht", heißt es - vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung - in der Stellungnahme des Kartellamtes zur Anhörung über den Gesetzentwurf zur Errichtung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg. Die von dem Verkauf des Großkrankenhauses ausgehenden Auswirkungen auf die regionale Krankenhausstruktur und andere in der Region tätige Leistungserbringer sowie auf die Auswahlmöglichkeiten der Patienten wären dahingehend abzuwägen, ob die angestrebten Ziele nicht auch erreicht werden könnten, wenn die Uni-Kliniken an verschiedene private Träger veräußert würden, so die Kontrollbehörde weiter.
Der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel sieht die Position seiner Fraktion durch die Einschätzung des Bundeskartellamtes bestätigt. Die SPD habe ein Konzept zur Zusammenarbeit der mittelhessischen Gesundheitseinrichtungen vorgelegt, weil es Kooperationsbeziehungen und -notwendigkeiten gebe. Das Bundeskartellamt habe nun die Veräußerung der beiden Häuser an unterschiedliche private Träger ins Spiel gebracht. Die Stellungnahme stelle den ganzen Prozess in Frage. Der Vorschlag des Kartellamtes unterstreiche auch, dass die Landesregierung den Prozess offenbar überhaupt nicht überblicke.
"Interessant ist auch, dass der Ministerpräsident öffentlich von einer Übereinstimmung mit den Personalräten der Kliniken nach der Kabinettssitzung in Rauischholzhausen gesprochen hat", sagte Schäfer-Gümbel. Nach Informationen seiner Partei habe Ministerpräsident Roland Koch auf die zentralen Fragen der Beschäftigten keine oder nur ausweichende Antworten gegeben. Die Arbeitsgruppe Personal im Rahmen des Prozesses habe in der vergangenen Woche das erste Mal überhaupt getagt. "Sagen dürfen die Kollegen aber öffentlich nichts mehr. Andernfalls wird gleich mit dem Disziplinarrecht gewunken. In einigen Fällen ist dies bereits geschehen", so der SPD-Politiker.
Derweil hat Landrat Willi Marx (SPD) in seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf seine Bedenken gegen eine Privatisierung deutlich gemacht. "Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass im Rahmen einer strukturpolitisch veränderten Investitionsgewichtung der Universitätsstandort Gießen auch mit Landesmitteln hätte gesichert werden können, ohne dass es dazu einer Fusion mit Marburg und danach einer Privatisierung bedurft hätte." Sowohl bei einer Fusion als auch bei einer späteren Privatisierung sei in keinem Falle auszuschließen, dass damit gleichzeitig ein Arbeitsplatzabbau einhergehe. "Auch und gerade dieser Aspekt ist aus strukturpolitischer Sicht im Vergleich zu der Wirtschaftskraft im Rhein-Main-Gebiet für unseren Wirtschaftsraum nicht vertretbar."
Schon heute wolle er darauf hinweisen, dass nach einer Übernahme eines privaten Betreibers grundsätzlich eine mögliche Insolvenz des Unternehmens nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Marx: "Insofern kommt das Land nicht umhin, auch für einen solchen Fall Vorsorge zu treffen und von Beginn an eine Ausfallbürgschaft zu erklären, beziehungsweise zu garantieren." Es könne und dürfe nicht sein, dass nach einem Rückzug durch das Land Hessen im Falle einer Insolvenz, dann die "kommunale Familie im heimischen Raum", den Versorgungsauftrag erfüllen soll. Dies werde in keinem Falle möglich sein.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-30) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-02 bis 2005-07-02 |
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| Herz- und Lungenforschung in einem Zentrum |
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Uni und Klinikum Gießen, Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik und Max-Planck-Institut rücken zusammen - Land stimmt zu
Gießen (si). Der Fachbereich Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität, das Gießener Uniklinikum, die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik und das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung wollen bei Forschung und Krankenversorgung auf dem Gebiet der Herz-, Lungen- und Gefäßmedizin noch enger zusammenarbeiten und gemeinsam ein »Hessisches Zentrum für Herz- und Lungenforschung« gründen. Vorgesehen ist auch die Beteiligung der Universität und des Uniklinikums Frankfurt. Die Aufnahme weiterer medizinischer Einrichtungen soll grundsätzlich möglich sein. Mit dem Zentrum entstehe ein Medizinschwerpunkt von nationaler und internationaler Bedeutung, heißt es in einer vom Gießener Medizin-Dekan Prof. Hans Michael Piper und dem Ärztlichen Direktor Prof. Wolfgang Weidner unterzeichneten Projektskizze. Alle Beteiligten einschließlich der hessischen Landesregierung haben das Konzept bereits gebilligt und unterstützen es.
Zwischen den Standorten Gießen, Bad Nauheim und Frankfurt bestehen bereits seit langem enge akademische Verbindungen. So werden Promotionen und Habilitationen von Mitarbeitern der Kerckhoff-Klinik und des Max-Planck-Instituts in aller Regel an den Medizin-Fachbereichen in Gießen und Frankfurt abgeschlossen. In den vergangenen Jahren hat die Kerckhoff-Klinik gemeinsame Unternehmungen durch Mittel aus dem eigenfinanzierten Förderprogramm »Hessisches Zentrum für vaskuläre Medizin« unterstützt. Durch die Verzahnung der wissenschaftlichen und klinischen Schwerpunkte auf dem Gebiet der Herz- und Lungenmedizin am Gießener Fachbereich Medizin und am Standort Nauheim sei bereits eine in Deutschland einmalige Konzentration für die Herz- und Lungenforschung entstanden, heißt es in dem Papier, das auch auf abgestimmte Berufungsverfahren verweist.
Mit der Einrichtung werde ein »internationales Exzellenzzentrum« der Grundlagenforschung und klinischen Forschung von Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems sowie der Lunge entstehen. Es weise bundesweit »Alleinstellungsmerkmale« auf, die Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Hessens werde erheblich gesteigert. Selbst international werde das Zentrum eine »Sogwirkung« ausüben. Es werde sich auch wirtschaftlich rechnen, prophezeien die Beteiligten.
Bereits vereinbart wurden inhaltliche Schwerpunkte für die Standorte Gießen und Bad Nauheim, »ohne dass bestehende Strukturen aufgegeben werden« sollten. In Gießen sind das Kinderherzchirurgie, Kardiologie, Kinderkardiologie, Pulmonologie und Lungenchirurgie - und auch die Erwachsenenherzchirurgie mit Aorten- und Gefäßchirurgie, die Bad Nauheim gerne bei sich gesehen hätte; angeblich ließ sich das Wissenschaftsministerium die Zuordnung nach Gießen nur mit Mühe abringen. Als Schwerpunkte in Bad Nauheim sind nun Erwachsenenherzchirurgie mit Koronar- und Klappenchirurgie sowie Kardiologie vorgesehen.
Für die künftige Besetzung der Herzchirurgie und der Kardiologie an der Kerckhoff-Klinik sind gemeinsame Berufungsverfahren geplant. Die Professuren werden als Stiftungslehrstühle finanziert. Bei Berufungsverfahren in der Kardiologie, Herzchirurgie und Pulmonologie an der Justus-Liebig-Universität sollen auch Professoren aus Bad Nauheim in der Kommission vertreten sein.
Der private Betreiber des »Universitätsklinikums Gießen und Marburg« werde die Vereinbarung mittragen müssen, sagte Medizin-Dekan Piper in der jüngsten Fachbereichsrats-Sitzung. Dies habe die Landesregierung den am Zentrum Beteiligten zugesichert.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-30) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-05-02 bis 2005-07-02 |
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| Fusion der Kliniken gerät immer mehr zur Nervenschlacht |
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Fachbereichsrat stärkt Piper bei Kritik an Marburg - Erwachsenenherzchirurgie gerettet
Die Zusammenführung der benachbarten Universitätskliniken Gießen und Marburg gerät immer mehr zu einer Nervenschlacht. Wenige Wochen vor der zum 1. Juli geplanten Fusion ist zwischen beiden Seiten ein heftiger Streit über die Besetzung wichtiger Professuren entbrannt. So hat der Gießener Medizin-Fachbereichsrat am Abend dem Marburger Klinikumsvorstand vorgeworfen, Ausschreibungen und Stellenbesetzungen am heimischen Standort "systematisch zu blockieren". Vor diesem Hintergrund beauftragte das Gremium Dekan Prof. Hans Michael Piper offiziell beim hessischen Wissenschaftsminister gegen das Verhalten Marburgs zu protestieren. Vor allem das Veto aus der Philipps-Universität gegen die geplante Professur für Pränatalmedizin mit dem Schwerpunkt Diagnostik vorgeburtlicher Herzfehler stößt in Gießen auf großes Unverständnis. Prof. Hans-Rudolf Tinneberg, Direktor der Frauenklinik, und der Leiter des Kinderherzzentrums, Prof. Dietmar Schranz, sagten, es drohe die Gefahr, dass Frauen künftig bis nach Berlin geschickt werden müssten. Die Professur füge sich hervorragend in das Fächerspektrum des Gießener Klinikums ein. Auch die immer noch ausstehende Stellungnahme zur Nachfolge von Prof. Herbert Kaufmann an der Spitze der Augenklinik, zog scharfe Kritik nach sich. Es sei klar abgesprochen, dass Gießen weiterhin den Schwerpunkt Schielbehandlung vertrete. "Der aus Marburg angemeldete Klärungsbedarf ist nicht nachzuvollziehen", meinte Dekan Piper, der damit seine in der vorangegangenen Sitzung des Fachbereichsrats erhobene Kritik am Marburger Klinikumsvorstand bekräftigte. "Diese Häufigkeit, mit der dort versucht wird, die Besetzung von Professuren zu blockieren, lässt ein gewisses Muster erkennen."
Deutlich schärfer formulierte Prof. Günter Weiler seine Wertung: "Marburg versucht, regelmäßig unsere Funktionsfähigkeit zu schädigen. Das kann man nicht länger hinnehmen." Ins Visier rückte der Rechtsmediziner dabei besonders Wissenschaftsstaatssekretär Prof. Joachim-Felix Leonhard, zugleich Vorsitzender der Aufsichtsräte beider Uni-Kliniken. "Seit gut zwei Jahren betreibt Leonhard Rufschädigung von Klinikum und Fachbereichsrat in Gießen. Dieser Mann ist hemmungslos parteiisch."
Dennoch zeigte Piper sich optimistisch, dass man die Stellen, wie geplant, besetzen könne. "Ich glaube nicht, dass der Marburger Vorstand das durchhalten kann." Zugleich wies der Dekan daraufhin, dass Gießen bislang bei keiner am Nachbarstandort zu besetzenden Stelle Einspruch erhoben habe. Der Erlass der hessischen Landesregierung sieht vor, dass die drei Uni-Kliniken Gießen, Frankfurt und Marburg nur in Absprache Professuren einrichten oder besetzen dürfen.
Offenbar im letzten Moment haben die Gießener Verantwortlichen eine drohende Verlagerung der Erwachsenenherzchirurgie sowie Erwachsenenkardiologie an die Kerckhoff-Klinik nach Bad Nauheim verhindern können. Das Konzept für ein "Hessisches Zentrum für Herz- und Lungenforschung" sieht nunmehr eine Aufteilung in der Chirurgie vor. So sollen die Schwerpunkte Aorten- und Gefäßchirurgie weiterhin von Gießen wahrgenommen werden, während die Bad Nauheimer Operateure in erster Linie die Koronar- und Klappenchirurgie vornehmen. Die Kardiologie soll den Vorstellungen zufolge an beiden Orten vertreten bleiben
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-29) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-02 bis 2005-07-02 |
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| Ärzte am Uni-Klinikum wollen Montag streiken |
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Protest gegen verschlechterte Bezahlung und Arbeitsbedingungen - Notfallversorgung soll gewährleistet sein - Demonstration
Der Ärzteverband Marburger Bund hat alle im Landesdienst angestellten Ärzte im Uni-Klinikum Gießen für kommenden Montag zu einem Warnstreik aufgerufen. Der Protest richtet sich gegen den Austritt Hessens aus der Tarifgemeinschaft der Länder sowie die verschlechterte Bezahlung von Ärzten bei Neueinstellungen oder Verlängerung befristeter Verträge. "Diese Lohnkürzung von rund zehn Prozent kann nicht länger hingenommen werden", heißt es in dem Streikaufruf. Sie führe im Ergebnis dazu, dass Ärzte an den hessischen Universitätskliniken nach dem Willen der Landesregierung Spitzenmedizin erbringen sowie Forschung und Lehre gewährleisten sollen, ihnen jedoch schlechtere Arbeitsbedingungen als in den Kreiskrankenhäusern geboten würden. Im Anschluss an den Streik am 2. Mai ist um 17 Uhr ein Demonstrationszug durch die Gießener Innenstadt geplant. Die Ärzte am Marburger Uni-Klinikum, die am 8. März gestreikt hatten, wollen am Montag mit einer "aktiven Mittagspause" ihre Solidarität mit der Aktion in Gießen bekunden.
Nachdem der Marburger Streik der erste von Krankenhausärzten seit über 30 Jahren gewesen sei, habe es nun nicht einmal zwei Monate gedauert, bis Ärzte an einer weiteren hessischen Universitätsklinik die Arbeit für einen Tag niederlegen, so der Marburger Bund. "Dies macht die steigende Unzufriedenheit einer Berufsgruppe deutlich, die bereits seit langem durch unbezahlte Mehrarbeit und Marathon-Dienste von 24 Stunden und mehr die Krankenversorgung subventioniert. Die Kollegen sind nicht mehr bereit, dies so hinzunehmen", erklärte die Vorsitzende des Landesverbandes, Dr. Ursula Stüwe.
Der Gießener Klinikumsvorstand erklärte zum geplanten Streik der Ärzte, er sehe grundsätzlich die Notwendigkeit, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Konkret gehe es um die Wiederherstellung tariflich gesicherter Arbeitsbedingungen, angemessene Vergütung sämtlicher Arbeitsleistungen, Entlastung von unnötigen bürokratischen Arbeiten sowie die Gleichbewertung von klinischen Tätigkeiten mit Forschung und Lehre.
Zugleich heißt es in der Erklärung des Klinikumsvorstands jedoch auch, dass "aufgrund der besonderen wirtschaftlichen Situation" ein Streik derzeit nicht sinnvoll sei. Für die Zeit des Streiks werde keine Vergütung erfolgen. Jedoch werde die Möglichkeit geboten, "die nicht geleisteten Arbeitsstunden mit dokumentierten Mehrarbeitsstunden zu verrechnen.
Darüber hinaus seien die Abteilungsleiter darüber informiert worden, dass die Notfallversorgung der Patienten durch den Streik nicht beeinträchtigt werden dürfe.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-28) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-28 bis 2005-06-28 |
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| "Entscheidungen im Vorstand nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit" |
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Senat und Präsidium verständigen sich auf Erklärung zum Entwurf des hessischen Klinikgesetzes
Senat und Präsidium der Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU) haben sich gestern Nachmittag bei der Senatssitzung auf eine gemeinsame Erklärung zum Entwurf des von der CDU-Landtagsfraktion vorgelegten Gesetzes über die Errichtung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg verständigt. In der Stellungnahme, die auf Aufforderung des Vorsitzenden des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst des hessischen Landtags, Hartmut Holzapfel (SPD), bis zum 1. Mai fertig ausformuliert vorliegen soll, knüpfen beide Hochschulgremien Bedingungen an eine Zustimmung zu dem Gesetzentwurf. So soll auf Anregung der Frauenbeauftragten Gerda Weigel-Greilich die Überleitung des Personals nach dem 31. Dezember 2010 - bis zu diesem Tag sollen betriebsbedingte Kündigungen an den beiden Standorten Gießen und Marburg ausgeschlossen sein - in das Gesetz einfließen. Ferner votierte der Senat dafür, dass alle Vorstandsentscheidungen des fusionierten Klinikums mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit getroffen werden. Außerdem sprachen sich die Mitglieder auf Vorschlag des Politikwissenschaftlers Prof. Klaus Fritzsche mit großer Mehrheit für die Formulierung aus, "in der gegebenen Situation werden die Pläne der hessischen Landesregierung, die Klinika in Gießen und Marburg zu fusionieren und dann zu privatisieren, unterstützt". Lediglich Tobias Cepok und Georg Zimmermann von der Juso-Hochschulgruppe stimmten gegen die Erklärung. "Die frühzeitige Festlegung auf eine Privatisierung schwächt die Verhandlungsposition des Landes", argumentierte Zimmermann. Stattdessen machten sich die beiden Juso-Vertreter für die Gründung einer regionalen Finanzierungsgesellschaft stark, deren Aufgabe es sein sollte, Kapital zur Behebung des Investitionsstaus im baulichen und apparativen Bereich zu beschaffen. "Wir sind da näher an Marburg dran", so Cepok in Anspielung auf die maßgeblich von Vertretern der Nachbarstadt getragene Bürgerinitiative "Rettet die Klinika".
Der Verwaltungsrechtler Prof. Thomas Groß sprach mit Blick auf den Entwurf von "einem denkbar dünnen Gesetz. Die Rahmenbedingungen bleiben alleine den Verhandlungen überlassen". Auch Uni-Kanzler Dr. Michael Breitbach monierte handwerkliche Mängel an dem Papier aus Wiesbaden. "Der Gesetzentwurf wird den verfassungsrechtlichen Anforderungen an eine Verordnungsermächtigung nicht gerecht", so Breitbach. Er regte an, "den Gesetzgeber zu bitten, die wesentlichen Grundzüge festzulegen". Prof. Wolfgang Scherf rief dazu auf, "mit gehöriger Penetranz darauf zu achten, dass bei der Besetzung der Gremien Parität herrscht". Der Wirtschaftswissenschaftler nannte es zugleich "eine Verschwendung von Energien, sich über Alternativen zu unterhalten, die gar nicht mehr zur Verfügung stehen". Universitätspräsident Prof. Stefan Hormuth mahnte: "Der Status einer Uni-Klinik darf auch bei einer Privatisierung nicht verloren gehen."
Weiter informierte Hormuth die Senatsmitglieder, dass die Hochschule aufgrund der jüngsten Strukturentscheidungen vier Millionen Euro Personalkosten eingespart habe. Der Präsident zeigte sich optimistisch, bei den Werkstätten, Versuchsbetrieben und der Forschungsstation bis zum Jahr 2010 eine weitere Million Euro einzusparen.
Damit die JLU im Falle einer Einigung von Bund und Ländern über den Start der in drei Förderlinien geplanten Exzellenzinitiative keine Zeit verliert, hat Hormuth die Fachbereiche aufgefordert, frühzeitig Anträge vorzubereiten. Vor allem bei den Graduiertenschulen für Nachwuchsförderung und den so genannten Exzellenzclustern, einer engen Verzahnung von Forschungskomplexen aus Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen, sieht der Unipräsident Chancen, Geld aus Berlin nach Gießen zu holen. "Nur die allerbesten Anträge werden gefördert. Es geht dabei nicht um die Breite, sondern um die Spitze", betonte er. Die Einrichtung zehn deutscher Spitzenuniversitäten, die mit zehn Millionen Euro jährlich gefördert werden sollen, ist nach Hormuths Angaben dagegen noch strittig, weil die unionsregierten Länder auf Betreiben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) diese dritte Förderlinie abgelehnt haben.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-28) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-28 bis 2005-06-28 |
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| Aus sieben Instituten wird Klinisches Zentrum |
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Pathologen, Pathobiochemiker, Mikrobiologen, Immunologen, Virologen im Klinikum ab sofort »unter einem Dach«
Gießen (if). Krankenversorgung auf hohem Niveau kommt ohne unverzüglich verfügbare hochkarätige medizinische Labordiagnostik nicht aus. Andererseits bedarf auch hochkarätige Grundlagenforschung enger Rückkoppelung mit dem klinischen Alltag. Im Vorfeld der Veränderungen der hessischen Universitätsmedizin haben Fachbereichsrat Medizin der Justus-Liebig-Universität und Gießener Uniklinikum daraus wegweisende Konsequenzen gezogen. Sie dürften auch für andere deutsche Universitätsklinika Vorbildcharakter beanspruchen: Im neuen, am 1. April ins Leben gerufenen »Klinischen Zentrum für Labordiagnostik und Pathologie (ZLP)« ist aus sieben eigenständigen Instituten eine organisatorische multidisziplinäre Einheit geschaffen worden, dem das zuvor bereits bestehende Klinisch-endokrinologische Diagnostikum (KED) mit Labors in der Frauenklinik, der Urologischen und der III. Medizinischen und Poliklinik Klinik (Sprecher Prof. Reinhard Bretzel) angeschlossen ist.
Aus Sicht des Klinikums, so unterstrich dessen Ärztlicher Direktor, Professor Wolfgang Weidner gestern vor Journalisten, sei der Zusammenschluss der Institute für Medizinische Virologie (Prof. Gerlich), Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin (Prof. Bein) sowie Klinische Chemie und Pathobiochemie (Prof. Katz) und Medizinische Mikrobiologie (Prof. Chakraborty) mit den Instituten für Pathologie (Prof. Schulz), Neuropathologie(Prof. Schachenmayer) und Humangenetik (Prof. Müller) ein nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht, sondern auch unter dem Aspekt der der Stärkung von Forschung und Lehre »längst überfälliger« Schritt. Für den Patienten werden damit über eine zentrale Koordinierung Doppeluntersuchungen vermieden, die Diagnostik wird dank komprimierten ärztlicher Kompetenz beschleunigt, was wiederum der Verringerung der stationären Verweildauer zugute kommen werde.
Vor dem Hintergrund früherer Vorstellungen über eine mögliche Verlagerung von Instituten nach Marburg zeigte sich Weidner überzeugt, dass solche Vorstellungen inzwischen überholt sind. Dabei verwies er auf das hohe Niveau der Gießener Einrichtungen: Der infektiologische Sonderforschungsbereich ist ein »Kind« Gießener Virologen und Mikrobiologen. Im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes nimmt Chakraborty Koordinationsfunktion für eine Reihe von Schwesterinstituten namhafter deutscher Universitäten - beispielsweise Berlin, München, Tübingen und Hamburg - wahr. Als bedeutendes Ergebnis der »vor Ort« bestehenden Kooperation Grundlagenforschung/Klinik, in die auch die Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin (Prof. Hempelmann), die Internisten (Prof. Seeger) sowie die Kinderklinik (Prof. Kreuder) eingebunden sind, werten Fachleute beispielsweise die dank molekularer Untersuchungsverfahren möglich werdende Identifizierung Sepsis-gefährdeter Intensivpatienten. Die gemeinsame Nutzung von Großgeräten werde der Freisetzung erheblicher Wirtschaftlichkeitsreserven zugute kommen.
Hinsichtlich der personellen Konsequenzen der Neukonstruktion, die bislang bundesweit Vorbildcharakter beanspruchen darf, verwies Weidner auf Zusagen des Landes, die betriebsbedingte Kündigungen bis 2010 ausschließen. Überzeugt zeigten sich Zentrumssprecher Prof. Bein und dessen Stellvertretern Prof. Katz, dass die neue Struktur die Einwerbung von Drittmitteln erleichtern wird, wird, während Professor Bretzel nicht nur auf die sich bietenden Möglichkeiten der Mitarbeiter hinwies, sich auf neuen Feldern zu profilieren, sondern auch als eines der ersten Ergebnisse des bereits angelaufenen »Klinisch-endokrinologischen Diagnostikums KED« die Möglichkeit von Hormonbestimmungen »rund um die Uhr« erwähnte.
Über ein neues Internet-Portal (www.uniklinikum-giessen.de/labore) bietet das ZLP die gesamte verfügbare in-vitro-Diagnostik auch Krankenhäusern und Ärzten an. Bereits bestehende bisherige Kooperationen sollen noch erweitert werden, nachdem schon jetzt beispielsweise das Institut für Virologie als nationales Referenzlabor für Hepatitis B und D anerkannt und das Institut für Klinische Immunologie als eines von fünf internationalen Referenzlabors für Immunhämatologie ausgewiesen ist.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-27) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-27 bis 2005-06-27 |
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| Damit Krankheiten erst gar nicht entstehen |
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Prof. Werner Seeger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, nimmt Stellung zu "Regenerativer Medizin"
Schon seit langem gilt Prof. Werner Seeger als einer der wichtigsten Vertreter in der deutschen Medizin. Nicht zuletzt die Wahl des 51-jährigen Arztes und Wissenschaftlers zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) dokumentiert den Stellenwert, den der weltweit renommierte Lungenspezialist einnimmt. Neben der Forschung und der Krankenversorgung zählt die Entwicklung zukunftsweisender Konzepte zu den Schwerpunkten des Direktors der Medizinischen Klinik und Poliklinik II der Gießener Justus-Liebig-Universität. So besitzt für ihn die so genannte Regenerative Medizin enormes wirtschaftliches und medizinisches Potenzial Im Gespräch mit dem Anzeiger nimmt Seeger, der auch dem Wissenschaftsrat des Bundes angehört, Stellung zu dem Thema.
Herr Prof. Seeger, was versteht man unter dem Begriff "Regenerative Medizin"?Seeger: Schon aus dem Gegensatz zu "degenerativ" kommt zum Ausdruck, dass bei Regenerativer Medizin der Blick auf Strukturerneuerung oder Wiederaufbau von natürlichen Gewebestrukturen gerichtet ist. Vereinfacht können wir in der Medizin verschiedene Therapieziele verfolgen. Die "Prävention" zielt darauf, eine Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen und sollte wo möglich immer verfolgt werden. "Verhinderung der Progression" ist darauf gerichtet, ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung mit Struktur- und Funktionsverlust zu vermeiden. "Funktionsverbessernde Maßnahmen" haben zur Aufgabe, bei gegebenen strukturellen Abbauprozessen dennoch die Funktion von Organen möglichst weitgehend zu verbessern. Darüber hinausgehend verfolgt Regenerative Medizin nun das ehrgeizige Ziel, natürliche Gewebestrukturen wieder herzustellen und darüber - im optimalen Fall - Organfunktionen wieder zu normalisieren.
Das klingt im wahrsten Sinne des Wortes "phantastisch". Aber ist es wirklich realistisch, ein solches Ziel außer durch Organtransplantation, das heißt Neuverpflanzung eines strukturell intakten Organs, zu erreichen? Gibt es hierzu bereits klinisch nutzbare Ansätze?Seeger: Die gibt es zum einen auf dem Gebiet der Organtransplantation selbst, und hierbei spielen auch Gießener Forscher und Kliniker eine wichtige Rolle. So verfolgt zum Beispiel Prof. Reinhard Bretzel, Direktor der Medizinischen Klinik III, das Ziel, statt aus Leichen gewonnenen Inselzellen in Zukunft Stammzellen zu nutzen, um Insulin produzierende Inselorgane zu züchten, die dann dem Patienten mit Diabetes mellitus übertragen werden. Ähnlich geht auch Prof. Reinhard Schnettler, Direktor der Unfallchirurgie in Gießen, im Rahmen der Knorpelzelltransplantation vor: hier werden Knorpelzellen des Patienten im Reagenzglas vermehrt, auf eine Matrix übertragen und dann auf defekte Knorpeloberflächen im Kniegelenk verpflanzt.
Oberbegriff dieser Ansätze ist "Tissue Engineering", also das Anzüchten von Zellen und einfachen Organstrukturen im Reagenzglas, um diese dann für die Transplantation zu verwenden.
Aber wie ist es mit Organen, die eine hoch komplizierte Struktur aufweisen, wie zum Beispiel die Lunge? Wie soll man sich vorstellen, dass dieses je gelingen könnte?Seeger: Auch dieses ist aufgrund der neueren Forschung denkbar geworden, wobei der Ansatz hier nicht auf einer Züchtung in vitro - im Reagenzglas - , sondern auf der Manipulation von Wachstumsprozessen in vivo selbst liegt. Ein erster klinisch nutzbarer Durchbruch ist hier Prof. Friedrich Grimminger und seiner Arbeitsgruppe mit der Nutzung von Sildenafil (Viagra) zur Behandlung des Lungenhochdruckes gelungen. Bei dieser Erkrankung sind die kleinsten Gefäße der Lunge extrem wandverdickt, so dass kaum noch ein Blutdurchfluss möglich ist.
War es früher das Ziel, den Prozess zu stoppen und etwas funktionelle Weitstellung der extrem wandveränderten Gefäße zu erzielen, so wissen wir jetzt, dass unter Sildenafil die Veränderung der Gefäßstruktur selbst wieder rückgängig gemacht werden kann, was natürlich mit einer erheblichen Verbesserung der Funktion einhergeht. Dieses ist ein jetzt schon klinisch genutzter "regenerativer" Therapieansatz in der Inneren Medizin.
Gibt es noch weitere Beispiele in diese Richtung aus der Lungenforschung in Gießen?Seeger: Die gibt es, und ein sehr ehrgeiziges - nahezu visionäres - Projekt möchte ich hier kurz schildern. Bei der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit, auch als Lungenemphysem bezeichnet, sind die kleinsten Lungenbläschen durch Abbau verloren gegangen. Diese Krankheit, die zurzeit schon die dritthäufigste Todesursache weltweit darstellt, wird durch Rauchen stark gefördert, kann aber auch ohne Rauchen auftreten. Unsere bisherigen Therapieansätze erreichen nur begrenzte, aber für den Patienten dennoch wertvolle Funktionsverbesserungen, ohne an dem Strukturabbau etwas zu verändern. Interessant ist nun, dass wir alle die Lungenbläschen erst nach der Geburt ausgebildet haben, wobei ein hoch kompliziertes genetisches Programm, vergleichbar einem Computerprogramm das einen Montageprozess steuert, abläuft.
Geradezu aufregend wurde es, als wir herausfanden, dass bei Mäusen, denen eine Lunge entnommen wird, dieses Programm auch im Erwachsenenalter wieder "erweckbar" ist: sie bilden wieder neue Lungenbläschen aus, bis eine komplett normale Lungenfunktion wieder hergestellt ist. Es liegt auf der Hand, dass jetzt in unserer Gruppe und in anderen Gruppen weltweit fieberhaft daran gearbeitet wird, dieses Programm zu entschlüsseln, mit dem Ziel, auch bei Patienten mit obstruktiver Lungenerkrankung/Emphysem durch "Wiedererwecken" des genetisch angelegten Programms neue Lungenbläschen-bildung zu erreichen. Es wird bis dahin noch ein weiter Weg sein, aber es ist vorstellbar geworden, dieses Ziel zu erreichen.
Wie wird diese Form der Spitzenforschung gefördert?Seeger: Regenerative Medizin ist ein wichtiges neues Fördergebiet der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und auch wir erhalten Fördergelder zu diesem Thema. Zudem ist das jüngst neu ausgerichtete Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim unter anderem diesem Thema gewidmet. Wir erhoffen uns über die Verbundbildung auf dem Gebiet der Herz- und Lungenforschung Gießen/Bad Nauheim wesentliche Fortschritte auf diesem Gebiet.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-27) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-28 bis 2005-06-28 |
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| Weidner optimistisch für Labormedizin |
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Klinisches Zentrum fasst sieben Institute zu organisatorischer Einheit zusammen - Logistik derzeit noch sehr aufwändig
Not macht bekanntlich erfinderisch und so sucht auch der Vorstand des Universitätsklinikums nach neuen Wegen aus dem wirtschaftlichen Engpass. Auf diese Weise entstand das Klinische Zentrum für Labordiagnostik und Pathologie (ZLP), das der Ärztliche Direktor des Klinikums, Professor Wolfgang Weidner, gestern zusammen mit verantwortlichen Kollegen der Öffentlichkeit vorstellte.
Das Zentrum fasst sieben Institute zu einer organisatorischen Einheit zusammen. Die Mitarbeiter der Institute für Klinische Chemie und Pathochemie, Pathologie, Neuropathologie, Medizinische Mikrobiologie, Medizinische Virologie, Humangenetik sowie Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin wollen in Zukunft ihre Ressourcen und Arbeitsweisen stärker verknüpfen. Daran angegliedert wurde das Klinisch-Endokrinologische Diagnostikum. Das Universitätsklinikum hat am 1. April das entsprechende Statut verabschiedet.
Das eigentliche Anliegen bestehe darin, "dass Forschung und Diagnostik nicht getrennt werden können", erklärte der Sprecher des Zentrums, Professor Gregor Bein. Allein in zwei Sonderforschungsbereichen arbeiteten die Institute ohnehin schon zusammen. Wichtig sei auch das Nationale Genomforschungsnetz "Infektionen und Entzündung", in dem unter Gießener Leitung Kollegen aus Berlin, München und anderen Städten zusammen arbeiten.
Der wirtschaftliche Vorteil sei nicht zu unterschätzen. An anderen Kliniken würden zum Beispiel an drei getrennten Orten Blutgruppen getestet. So ein Verfahren sei "aus heutiger Sicht nicht kosteneffektiv, sofern es Routinediagnostik betrifft". Analysensysteme, also multifunktionale Geräte mit einem Wert von bis zu einer Million Euro, sollen in Zukunft gemeinsam genutzt werden. Das sei sinnvoller, als wenn jedes Institut sich die Geräte einzeln anschaffe, sagte Professor Norbert Katz, stellvertretender Sprecher des Zentrums. Außerdem stehe jetzt für alle ein Ansprechpartner zur Verfügung, was es auch für Fachleute außerhalb des Klinikums leichter mache, sich zu orientieren. In der Forschung gehe natürlich jedes Institut weiter eigene Wege. Qualitätseinbußen seien nirgendwo zu befürchten, betonten alle.
Weidner wertete es als "großen Fortschritt, dass klinische Theoretiker und Kliniker sich zusammengeschlossen haben". Betriebsbedingte Kündigungen werde es keine geben. "Ein Zentrum bedeutet Verlust an Eigenständigkeit und der Verlust ist leichter, wenn ein gewisser Umstand dazu zwingt", antwortete Katz auf die Frage, warum das Zentrum nicht schon früher gegründet wurde.
Zur Zeit sei die Logistik noch sehr aufwändig, sagte Bein. Die Labore seien noch über das ganze Gelände verstreut. Wenn das Klinikum renoviert werde, würden die Labore anders eingeplant. Weidner zeigte sich zuversichtlich, "dass die Labormedizin in Marburg und Gießen erhalten bleibt".
Eine Privatisierung werde zum 1. Januar 2006 kommen, anders sei "die Aktionsfähigkeit in Gießen nicht weiter gewährleistet". Der Klinikumsvorstand sei ebenfalls optimistisch, was den Erhalt der klinischen Diagnostik an den ursprünglichen Standorten in Gießen und Marburg angehe.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-27) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-28 bis 2005-06-28 |
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| DAK-Gesundheitstelefon |
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Prof. Winfried Padberg berät zum Thema »Sodbrennen«
Gießen (pm). Sodbrennen ist eine Volkskrankheit. Etwa ein Viertel aller Erwachsenen leiden regelmäßig daran. Sodbrennen entsteht, wenn saurer Magensaft in die Speiseröhre gelangt. Die Folgen sind ein brennendes Gefühl im Brustraum und ein saurer Geschmack im Mund. Gelegentliches Sodbrennen ist kein Grund zur Sorge. Erst, wenn es häufiger und länger andauert, wird es zur Krankheit.
20 bis 40 Prozent der Erwachsenen geben an, mindestens einmal pro Jahr darunter zu leiden. Bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen treten diese Beschwerden einmal pro Woche auf und täglich sogar bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen. Über Ursachen, Beschwerden und erfolgversprechende Behandlung informiert der Direktor der Abteilung für Allgemein-, Viszeral-,Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Gießen, Prof. Winfried Padberg morgen am DAK-Gesundheitstelefon zwischen 17 und 19 Uhr unter Tel. 06 41/9 75 26-140. Die DAK Gießen will mit dazu beitragen, dass offenen Fragen und Unsicherheiten zu diesem Thema geklärt werden können.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-26) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-27 bis 2005-06-27 |
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| Tückische Schimmelpilzsporen lauern überall... |
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...doch Mukoviszidose-Patienten sind besonders anfällig - Ambulanz in Kinderklinik weiter auf Spenden angewiesen
Gießen (if). Wenn sich asthmatische Beschwerden verschlimmern, die körperliche Belastbarkeit zugleich mit dem Gewicht sinkt und eine Behandlung mit Antibiotika wirkungslos bleibt, handelt es sich heutzutage dabei nicht selten um eine so genannte Aspergillose - eine durch Schimmelpilzsporen ausgelöste Allergie. Diese Schimmelpilze lauern nicht allein in feuchten Wänden, in Blumentöpfen oder im Biomüll. Selbst im Dampfbügeleisen suchen sie Unterschlupf. Ihre Sporen sind »lungengängig«, und die von ihnen ausgelösten Allergien können zu Entzündungen und Schleimhautschwellungen führen. Kleine Mukoviszidose-Patienten sind dafür besonders anfällig: Schon zehn bis fünfzehn Prozent aller Zweijährigen, so berichtete dieser Tage Professor Hermann Lindemann, Leiter des Cystische Fibrose-Zentrums der Justus-Liebig-Universität beim Informationsnachmittag der Mukoviszidose-Ambulanz, sind davon betroffen.
In der Ambulanz werden 200 kleine Patienten, die an der bisher noch immer unheilbaren Krankheit leiden, betreut und überwacht. Der Mukoviszidose-Förderverein Gießen unterstützt diese Arbeit seit Jahren mit beträchtlichen Spendenmitteln. Wie Renate Lindemann dazu berichtete, werden vom Verein mit seinen rund 200 Mitgliedern derzeit nicht weniger als acht Personalstellen, darunter eine ganze Arztstelle sowie alle Mitarbeiter des Forschungslabors finanziert, wofür insgesamt 18 000 Euro monatlich aufzuwenden sind. »Trotz Fortschritten in der Grundversorgung sind wir zur Weiterführung einer optimalen Betreuung und intensiver Forschungsarbeit auch weiterhin auf Spenden angewiesen« betonte die Geschäftsführerin, die den Spendenbedarf mit jährlich 200 000 Euro bezifferte.
Rückblickend erwähnte sie das von einem Service-Club ausgerichtete Muko-Stadtfest ebenso wie eine Vielzahl von Spenden, die von Weihnachtsmärkten, Jubiläen und Familienfeiern kamen oder von Faschingsprinzen beigesteuert wurden. Die einer Wette zu verdankende Einzelspende über 35 000 Euro fand besondere Erwähnung - ebenso wie die großzügige Geste einer prominenten Gießenerin, die ihr bei der Prinzenball-Tombola gewonnenes »Wellness-Wochenende« den Eltern eines kleinen Mukoviszidose-Patienten zukommen lässt.
Besonders erfreulich habe sich, so Renate Lindemann, der Kontakt zu dem Verein »Wünsch-Dir-was« entwickelt, der die Herzenswünsche chronisch kranker Kinde erfüllt: Im vergangenen Jahr konnten in Gießen betreute kleine Mukoviszidose-Patienten beispielsweise im Frankfurter Flughafen »hinter die Kulissen« schauen, beim Hochseeangeln in der Ostsee und beim Fußball-Training der Münchner Bayern dabei sein. Sogar der Wunsch nach »Delphin-Schwimmen« und ein Flug im Zeppelin wurde erfüllt - während der Wunsch nach einer Fahrt im Heißluftballon noch der Erfüllung harrt.
Beim abschließenden Zusammensein tauschten die Eltern nicht nur ihre persönlichen Erfahrungen aus. Sie hatten auch die Möglichkeit, gezielt Dr. Peter Bittner-Dersch zu Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie, Dr. Daniel Schüler zu Behandlungsmöglichkeiten der Aspergillose, Katrin Christina Weber zu Diabetes bei Mukoviszidose sowie Christine Seipp und Annette Simon zu Ernährungsfragen anzusprechen oder sich bei Achim Boldt über weitere Einzelheiten einer neuen Trainingsmöglichkeit der Atemmuskulatur zu informieren.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-26) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-27 bis 2005-06-27 |
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| Klinikumsvorstand weist Bedenken zurück |
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Weidner: Privatisierung nützt Gießen und Marburg - Misstrauen unter Beschäftigten eingeräumt - »Keine Alternative«
Gießen (si). Unter den 5000 Bediensteten des Universitätsklinikums gibt es nach wie vor große Zweifel, dass der Standort die Fusion mit dem Klinikum Marburg und die folgende Privatisierung unbeschadet übersteht. Viele seien misstrauisch, ob das Klinikum Gießen erhalten bleibe, sagte gestern dessen Ärztlicher Direktor, Professor Wolfgang Weidner, vor Journalisten. Vorangegangen war am Mittwoch eine Mitarbeiterversammlung, zu der die Klinikumsleitung eingeladen hatte und bei der sie versuchte, die Bedenken zu entkräften. Es gebe die eindeutigen Zusagen des Landes, dass ein privater Betreiber in Gießen die notwendigen Inves-titionen übernehmen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2010 ausschließen müsse. Der Klinikumsvorstand unterstütze darüber hinaus weiter reichende Forderungen zur tarifrechtlichen Absicherung der Beschäftigten. Die Privatisierung sei aus heutiger Sicht der einzige Weg, um den Standort zu sichern, bekräftigte der Vorstandssprecher.
Beide Kliniken - Marburg und Gießen - seien für einen privaten Betreiber »in der jetzigen Form« interessant. Gießen bekomme seine Patienten aus dem eigenen Landkreis sowie darüber hinaus aus den westlich und südlich angrenzenden Gebieten, Marburg orientiere sich eher nach Norden. Nur bei 2,5 Prozent aller Patienten gebe es »Überlappungen«. Konkurrenz um Patienten gebe es faktisch nicht, von der vorgesehenen standortbezogenen Schwerpunktbildung profitierten beide Häuser. Zudem werde ein privater Betreiber seine schwierigsten Fälle aus ganz Deutschland in das »Universitätsklinikum Gießen und Marburg« überweisen. Unterm Strich dürfte sich damit die Patientenzahl künftig eher vergrößern, meinte Weidner.
Dass das Uniklinikum Gießen seine derzeit 1175 Betten nicht werde halten können, liege nicht an der geplanten Fusion und Privatisierung. Ursache seien die Finanzierungsprobleme im Gesundheitswesen und hier insbesondere das neue Abrechnungssystem nach Fallpauschalen, durch das die durchschnittliche Verweildauer in allen Kliniken langfristig auf sechs bis sieben Tagen sinke werde. Mit einem durchschnittlichen Aufenthalt von 7,8 Tagen sei das Klinikum Gießen schon jetzt hervorragend aufgestellt. Zudem habe es bereits in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit mit benachbarten Krankeneinrichtungen verbessert und sich damit dem Wettbewerb gestellt. Das Gießener Klinikum habe sich längst auf eine Bettenzahl von 1000 eingerichtet - ganz unabhängig von der Fusion und Privatisierung.
Alle Planspiele setzten voraus, dass in Gießen tatsächlich investiert werde, unterstrich der Sprecher. Der Vorstand zweifele nicht daran, dass das Land den privaten Betreiber rechtlich verbindlich auf den Ausbau des Standorts verpflichten werde. Die Investitionsbereitschaft müsse durch eine Bankbürgschaft dokumentiert und garantiert werden. Wenn die Gespräche allerdings wider Erwarten scheitern sollten: »Dann hätten wir ein echtes Problem«, sagte Weidner. Die Landesregierung habe klar gesagt, dass das Klinikum Gießen nicht mit öffentlichen Geldern saniert werde.
Im Falle der Privatisierung wünscht sich der Klinikumsvorstand für die Beschäftigten einen Haus- und Konzerntarifvertrag, »angelehnt an den Bundesangestelltentarif«, der mit der Gewerkschaft ver.di und dem Klinikärzteverband Marburger Bund abgestimmt sein soll. Bei einem Ausstieg aus der jetzigen Altersabsicherung der Beschäftigten müsse eine kapitalgestützte »wertgleiche« Altersversorgung sichergestellt werden. Der private Betreiber solle zudem die gesetzliche Altersteilzeitregelung garantieren. Außerdem müsse er ein »differenziertes Personalentwicklungskonzept« vorlegen, das den Mitarbeitern die Möglichkeit einräume, sich weiterzuqualifizieren bzw. neue Berufsfelder zu erschließen, so der Klinikumsvorstand.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-23) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-25 bis 2005-06-25 |
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| "Nerven der Mitarbeiter liegen blank" |
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Ärztlicher Direktor fordert klinische Versorgung in vollem Umfang in Gießen und Marburg
"Die klinische Versorgung muss an beiden Standorten in vollem Umfang erhalten bleiben." Dies betonte der Ärztliche Direktor des Gießener Universitätsklinikums, Prof. Wolfgang Weidner, am Freitag mit Blick auf Fusion und Privatisierung der beiden benachbarten Universitätskliniken Gießen und Marburg. Beide Krankenhäuser hätten ein "völlig unterschiedliches Patientengut." Die Überschneidung liege bei unter 2,5 Prozent - und damit nicht bei rund 50 Prozent, wie aus einer Studie des Landes hervorgehe, so Weidner. Während das Klinikum Marburg seine Patienten in erster Linie aus dem Kreis Marburg/Biedenkopf, geringen Teilen des Vogelsbergkreises sowie Nordrhein-Westfalen rekrutiere, ziehe das Gießener Klinikum vor allem Menschen aus dem Westen und Süden Hessens und darüber hinaus gehenden Bundesländern an. Die Tatsache, dass sich immer mehr Leute im Süden Hessens ansiedelten und der nördliche Teil zunehmend entvölkert werde, spreche im Übrigen für den Standort Gießen. Hinzu kämen eine Reihe von Netzwerkgründungen mit nichtuniversitären Häusern sowie niedergelassenen Ärzte, die zu einer Steigerung der Patientenzahl beitragen werden, prognostizierte Weidner. Rund 40 000 Personen wurden im vergangenen Jahr jeweils in Gießen und in Marburg stationär behandelt. "Das Ziel muss sein, noch mehr Patienten anzuziehen." Ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg sei eine erfolgreiche Privatisierung. "Ein privat geführtes Uni-Klinikum wird eine Flaggschifffunktion innerhalb des Konzerns übernehmen."
Weidner geht davon aus, dass es infolge der Einführung der Fallpauschalen zu einer Absenkung der Verweildauer auf durchschnittlich nur noch sechs bis sieben Tage sowie zu einem Bettenabbau komme. Auf Gießen bezogen bedeute dies 200 Betten weniger. Zur Zeit bleiben Patienten im Schnitt 7,8 Tage in der Uni-Klinik, die derzeit über 1200 Betten verfügt. "1000 Betten brauchen wir, schon alleine aus akademischer Sicht", machte der Ärztliche Direktor klar. Von entscheidender Bedeutung sei eine Verbesserung der Infrastruktur. "Und dazu benötigen wir ganz dringend einen Neubau." Weidner warnte vor den Folgen eines Scheiterns der Privatisierung. Zugleich mahnte der Klinikumsdirektor eine rasche Umsetzung an. "Die Nerven der Mitarbeiter liegen blank." Bei vielen von ihnen herrsche ein tiefes Misstrauen, ob der Standort nach Fusion und Privatisierung in vollem Umfang erhalten bleibe.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-23) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-02 bis 2005-07-02 |
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| Pflegende Angehörige lernen rückenschonendes Arbeiten |
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Uniklinikum bietet Kurse an - Kostenerstattung möglich
Die Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen im häuslichen Bereich ist nicht immer eine leichte Aufgabe. Schweres Heben und Tragen kann häufig Rückenschmerzen verursachen. Die Schulung "Wie kann ich meinen Rücken schonen?" des Pflegedirektoriums des Universitätsklinikums richtet sich an Angehörige und Personen, die pflegebedürftige Menschen im häuslichen Bereich unterstützen, und soll ihnen Entlastungsmöglichkeiten aufzeigen, um Pflegebedürftige rückenschonend bewegen zu können.
Geschulte Pflegekräfte werden in Zusammenarbeit mit Ärzten und Krankengymnasten praktische Tipps und Hilfen zum rückengerechten Verhalten und Arbeiten im Pflegealltag vermitteln. In praktischen Übungen werden die Anwendung verschiedener Techniken inklusive der dazugehörigen Hilfsmittel erlernt. Daneben ist der gemeinsame Erfahrungsaustausch ein weiterer Schwerpunkt der Schulung.
Nach Abschluss der Schulung besteht gegebenenfalls nach Vereinbarung die Möglichkeit einer individuellen praktischen Beratung im häuslichen Bereich. Insgesamt werden vier Schulungskurse angeboten. Ein Kurs besteht aus vier Terminen von jeweils zwei Stunden Dauer. Die Kurse finden in der Zeit von 16 bis 18 Uhr statt. Kurs I: 4./11./18. Mai und 1. Juni. Kurs II: 8./15./22./29. September. Kurs III: 5./12./19./26. Oktober. Kurs IV: 3./10./17./24. November. Die Kursgebühr beträgt 60 Euro.
Eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse ist möglich. Die Anmeldungen können vier Wochen vor Beginn eines Schulungskurses per Post, Fax und E-Mail erfolgen. Informationen hierzu erteilt das Sekretariat der Innerbetrieblichen Fortbildung des Bildungszentrums für Pflegeberufe und Hebammenwesen unter der Telefonnummer (0641) 9940441.
Die Schulung findet im Universitätsklinikum Gießen, Gaffkystraße 20, Seminarraum 6 (Erdgeschoss), statt. Weitere Informationen erteilt die Kursleitung, Petra Brehmer, Instruktorin des Präventionsprogramms "Rückengerechter Patiententransfer in der Kranken- und Altenpflege": Telefon (0641) 9940446 oder E-Mail: petra.brehmer@uniklinikum-giessen.de
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-23) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-02 bis 2005-07-02 |
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| Hörscreening-Gerät für Frauenklinik von Lions-Club |
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Gießen (pm). Ein Hörscreening-Gerät im Wert von rund 8000 Euro hat soeben der Lions-Club Gießen - Burg Gleiberg an die Frauenklinik im Universitätsklinikum übergeben. Das Diagnosegerät dient der Früherkennung von Hörstörungen bei Neugeborenen. Mit dem Gerät können künftig alle Babys bereits kurz nach der Geburt auf angeborene Schäden des Gehörs untersucht werden. Beeinträchtigungen des Gehörs gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Neugeborenen. Zwei bis drei von 1000 Kindern werden mit einer behandlungsbedürftigen Schwerhörigkeit geboren. Die Früherekennung von Hörstörungen ist von entscheidender Bedeutung für den Spracherwerb der Kinder. In den ersten beiden Lebensjahren wird durch das Hören die Entwicklung der Hör- und Sprachzentren im Gehirn vorangetrieben.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-21) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-25 bis 2005-06-25 |
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| Augenklinik ist »gut gerüstet für die Zukunft« |
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Prof. Herbert Kaufmann zuversichtlich - Im Herbst großer Augenärztekongress - Fortbildung mit interessanten Themen
Gießen (if). Zwar melden sich immer weniger Beschäftigte krank. Doch unter den neu Krankgeschriebenen ist den Kassen zufolge der Anteil depressiver Patienten deutlich im Steigen begriffen. Dass solche Patienten möglicherweise sogar im Wartezimmer des Augenarztes sitzen, kam am Wochenende im Chirurgie-Hörsaal der Uniklinik bei der alljährlichen Fortbildungstagung des Zentrums für Augenheilkunde zur Sprache: Ein Mann »im besten Mannesalter« war mit einer rätselhaft scheinenden Verschlechterung des Sehvermögens überwiesen worden: Der Patient hatte seelische Tiefs mit einer »Tageslichttherapie« bekämpft. 40 Minuten lang starrte er in eine spezielle Lampe, dazu nahm er frei verkäufliche Johanniskraut-Präparate, von denen man sagt, dass sie leichte Depressionen bessern, aber auch die Lichtempfindlichkeit steigern.
Zum Abschluss der Tagung, zu der die Augenklinik mit dem Ziel der Stärkung der Kontakte zu den niedergelassen Augenärzten alljährlich einlädt, schilderte Dr. Andrea Jungherr den erwähnten Fall von »Solarretinopathie«. Das vorangegangene Programm - bestritten ausschließlich von Mitarbeitern des Zentrums - u.a. Professor S. Pavlovic, Dr. Ralf Becker, Dr. Werner Kessler und Dr. Frank Weinand -, enthielt sowohl Beiträge aus der Schielbehandlung als auch aus der allgemeinen Ophtalmologie.
Dabei stimmte das Referat von Prof. Michael Gräfe über das »Kopfneigephänomen« auf den gemeinsamen Kongress der »Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung« und des Berufsverbandes der Orthoptistinnen ein, der im November Augenärzte und ihre engsten Mitarbeiterinnen aus dem In- und Ausland in die Gießener Kongresshalle führen wird. Tagungspräsident ist Prof. Kaufmann. Neben Übersichtsreferaten zu Fragen der Sehschärfe, der angeborenen oder erworbenen Sehschwäche und der operativen Schielbehandlung wird dazu in der Augenklinik eine Reihe von Workshops angeboten. Der »Namenspatron« der Gesellschaft, Prof. Alfred Bielschowsky, hat mit seinem 1932 veröffentlichten Werk »Die Lähmung der Augenmuskeln« ein Standardwerk der Disziplin geschrieben.
Zur Zukunft der Augenheilkunde in Gießen zeigte sich Kaufmann zuversichtlich: Die Augenklinik sei für die zu erwartenden Veränderungen »gut gerüstet«. Dabei verwies er auf die bereits seit einigen Jahren praktizierte »modellhafte« Zusammenarbeit mit Marburg, die auch in der Facharztausbildung besteht. Er sei über-zeugt, dass die Gießener Klinik mit ihren Transferleistungen, mit Lehr- und Ausbildungsbetrieb einschließlich der Orthoptistenschule weiterlaufen wird.
Die Patientenzahlen sind laut Kaufmann stabil, zeigten allerdings strukturelle Besonderheiten. Die Schielbehandlung könne auf ein »riesiges Einzugsgebiet« verweisen: Lediglich 15 Prozent dieser Patienten kommen aus Mittelhessen. Diese Aufgabe - für jeden privaten Investor attraktiv -, könne ohne neue Investitionen von keiner anderen Universitätsklinik übernommen werden. In der Allgemeinen Augenheilkunde wiederum kommen sieben von zehn Patienten aus dem Bereich des hiesigen Regierungspräsidiums, was ihre Bedeutung für die Akutversorgung der Bevölkerung verdeutlicht.
Notfallversorgung positiv entwickelt
Positiv, so merkte bei seinem Überblick Kaufmann in der Erwartung auf weitere gute Zusammenarbeit abschließend an, habe sich die mit den Augenärzten gemeinsam übernommene Notfallversorgung entwickelt.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-20) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-22 bis 2005-06-22 |
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| Statt Einzelsanierungen sogar ein Neubautrakt? |
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Finanzminister: Klinikums-Sanierung läuft unabhängig von Privatisierungsfragen – Kinderherzzentrum »auf gutem Weg«
Gießen/Rauischholzhausen (if). Fünf graue Aktenordner mit dem Bauantrag für das erste deutsche Kinderherztransplantationszentrum nahm am Freitag der Gießener Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann entgegen. Gestern Morgen bekräftigte der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar im Foyer der Kinderklinik: »Das Kinderherzzentrum ist auf gutem Weg. Wir werden alles tun, dass die, die es unterstützen, optimale Bedingungen haben werden«. Zugleich trat Weimar im Beisein des Aufsichtsratsvorsitzenden des Klinikums, Staatssekretär Professor Joachim-Felix Leonhard, und des Hessischen Innenministers Volker Bouffier anhaltenden Befürchtungen hinsichtlich der Realisierung des geplanten Biomedizinischen Forschungszentrums entgegen. Die Dinge seien »inzwischen so weit vorangetrieben«, dass mit einem Beginn der Bauarbeiten im Sommer 2006 gerechnet werden könne, »wenngleich ein früherer Baubeginn aus mehrfachen Gründen wünschenswert wäre«. Bei der Sanierung des Klinikums entscheide die Landesregierung unabhängig von Privatisierungsfragen, sagte Weimar.
Dem Statement vorausgegangen war in der Bibliothek der Kinderklinik ein Gespräch über den aktuellen Stand der Bauplanungen im Klinikum mit Universitätspräsident Prof. Stefan Hormuth, Medizindekan Prof. Hans Michael Piper und dem Ärztlichen Direktor des Klinikums, Prof. Wolfgang Weidner, in das neben Prof. Dietmar Schranz auch Verwaltungsdirektor Werner Soßna sowie Pflegedirektorin Waltraut Horch einbezogen waren.
Man habe, so betonte der Finanzminister, die Fortführung der Klinikums-Sanierung besprochen, nachdem die Sanierung der Medizinischen Kliniken I und II bereits begonnen habe und ebenso wie die Sanierung der Operationssäle im Altbau noch in diesem Jahr abgeschlossen werden könne. Dabei stelle sich auch die Frage, inwieweit bestimmte Einzelmaßnahmen vernünftig seien und nicht eventuell ein Neubautrakt im Anschluss an den Trakt des Kinderherz-Transplantationszentrums bis zum OP-Bau, wie früher bereits einmal angedacht, sich als richtigere Lösung anbiete. »Wir sind in der Lage, kurzfristig zu planen, und haben den Mut, Entscheidungen zu treffen, die zukunftsweisender als die Sanierung wären«.
Während Weimar auf eine Frage, die bereits im Vorjahr für die Sanierung der Kinderklinik ins Gespräch gebrachte Summe von 25 Millionen Euro bestätigte, unterstrich Staatssekretär Leonhard erneut die Bedeutung des Biomedizinischen Zentrums unter dem Aspekt der Wettbewerbsfähigkeit der Universität nach Exzellenz-Kriterien. Aus Gießener Sicht dankte Minister Bouffier sowohl dem Finanzminister als auch dem Aufsichtsratsvorsitzendem des Klinikums für das Interesse an den jetzt anstehenden Fragen, wobei er die Absicht der »Beschleunigung« als besonders positiv hervorhob.
Koch: Klinika-Zusammenführung im Zeitplan
(si). Ministerpräsident Roland Koch ist »mehr denn je« davon überzeugt, dass die Fusion und Privatisierung der beiden mittelhessischen Universitätskliniken helfen, die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit beider Standorte zu verbessern. Die von Wissenschaftsminister Udo Corts geleitete »Zukunftsgruppe«, die derzeit alle wichtigen Daten beider Häuser zusammentrage, liege mit ihrer Arbeit voll im Zeitplan, sagte Koch gestern Mittag auf Schloss Rauischholzhausen im Anschluss an eine Kabinettssitzung. Viele Fragen seien bereits beantwortet. Das gelte auch für Details, die zwischen Gießen und Marburg strittig gewesen seien, meinte der CDU-Politiker, ohne Einzelheiten zu nennen.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Einheit beider Häuser gebe es zwischen der Landesregierung und den Personalvertretern »überhaupt keinen Streit mehr«, sagte der Ministerpräsident, der sich am Morgen in Lollar mit Personalräten beider Kliniken getroffen hatte. Koch zeigte Verständnis dafür, dass sich die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz sorgten – auch wenn unverändert die Zusage des Landes gelte, dass ein privater Betreiber betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2010 ausschließen müsse. Viele Einzelheiten würden sich wohl erst nach der Privatisierung klären. Dem solle man gelassen entgegen sehen. Natürlich hätte die Landesregierung die Privatisierung auch für einen späteren Zeitpunkt anpeilen können. Sie habe sich jedoch bewusst für eine schnelle Umsetzung entschieden. Bei der nächsten Landtagswahl im Jahre 2008 könne man schon auf zwei Jahre Privatisierung zurückblicken. »Wir wissen, was wir tun und dass der gewählte Weg der viel versprechendste ist«, meinte Koch.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-19) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-20 bis 2005-06-20 |
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| Diagnose bald schneller und weniger belastend |
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Mit Preis ausgezeichnet: Gießener Methode zur Erkennung von entzündlichen Vorgängen bei Asthma und Mukoviszidose
Gießen/Hannover (if). »Es stirbt ja doch bald« - noch vor wenigen Jahrzehnten bekamen manche entsetzten Eltern das zu hören, wenn sie nach neuen Behandlungsmöglichkeiten für ihr an Mukoviszidose leidendes Kind zu fragen wagten. Höchstens zwölf Jahre betrug damals die Lebensspanne bei der Erkrankung, bei deren langem Leidensweg zäher Schleim die Atemwege verstopft, zu Atemnot und schließlich zu Herzversagen führt. Inzwischen dient die - noch immer als unheilbar geltende - Krankheit, von der rund 6000 Kinder in Deutschland betroffen sind, als Paradebeispiel dafür, was dank konsequenter Grundlagenforschung in Verbindung mit klinischer Forschung an Lebenszeit bis ins reife Erwachsenenalter hinein zu gewinnen ist. Eines der sechs universitären Zentren in Deutschland, das neben Berlin, Hannover, München und Bochum maßgeblich zu dieser positiven Entwicklung beigetragen hat, befindet sich in der Gießener Kinderklinik.
Der selbstständige Funktionsbereich Pädiatrische Pneumologie und Allergologie am Uniklinikum, geleitet von Professor Hermann Lindemann, betreut rund 200 Mukoviszidose-Patienten. Er ist bereits seit einigen Jahren als europaweites Ausbildungszentrum und als »Cystische-Fibrose«-Zentrum - so die internationale Bezeichnung der Krankheit - anerkannt.
Bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrischen Pneumologie in Hannover dokumentierten die Gießener kürzlich mit fünf von insgesamt 48 Originalbeiträgen ihren wissenschaftlichen Rang. »Wir können uns durchaus sehen lassen«, konstatierte Lindemann insbesondere mit Blick auf den ersten Preis, der seinem Mitarbeiter Peter Reineck in Hannover zuerkannt wurde. Reineck stellte neue, in Gießen gewonnene Ergebnisse einer Methode vor, mit deren Hilfe sich die vor allem bei Mukoviszidose häufigen bakteriellen Entzündungen der Atemwege sehr frühzeitig und sicher diagnostizieren lassen. Den Krankheitsverlauf und Erfolg einer Antibiotika-Behandlung können die Ärzte ohne Blutentnahme verfolgen. Dieses »nichtinvasive Entzündungsmonitoring bei Patienten mit Mukoviszidose« beruht auf der Bestimmung spezifischer Botensstoffe, der Leukotriene, die im Entzündungsverlauf von weißen Blutzellen gebildet werden. Das benötigte Probenmaterial wird für den Patienten unbelastend gewonnen: Der Patient atmet zehn bis fünfzehn Minuten lang ruhig, wobei die Ausatemluft über ein Röhrensystem gekühlt und die darin befindliche Feuchtigkeit kondensiert und gefroren wird. Die gewonnenen tiefgekühlten Proben können vier Wochen eingefroren bleiben, ehe sie getestet werden. Vorausgegangen war eine Studie, bei der Atemkondensat-Proben von gesunden Studienteilnehmern mit Proben verglichen wurden, die von Asthma- und Mukoviszidose-Patienten stammten. Schon dabei hatte sich herausgestellt, dass die Konzentrationen sich jeweils in typischer Weise unterscheiden.
Erste Ergebnisse der Methode hat die Gießener Gruppe in dem vor kurzem erschienenen »Update Pädiatrische Pneumologie« (170 Seiten, Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle München/Orlando) veröffentlicht. Im Vorwort betont Herausgeber Lindemann, dass chronische Erkrankungen von Atemwegen und Lunge heute zwar zu den häufigsten Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen gehören und beispielsweise jedes zehnte Kind in Deutschland von Asthma betroffen ist. Gleichwohl existieren nur wenige Universitätskliniken, in denen wie derzeit noch in Gießen eine pneumologisch-allergologische Ausbildung für Ärzte etabliert ist.
Wie es künftig damit in Gießen bestellt sein wird, ist derweil noch unklar. Ein Antrag auf eine Fortführung der bisher vorliegenden Institutsermächtigung durch die Kassenärztliche Vereinigung ist zwar gestellt, aber noch nicht entschieden. Abhängen wird die Weiterarbeit sicherlich aber auch davon, mit welchem Schwerpunkt die in Aussicht stehende Berufung eines C4-Professors für Allgemeinpädiatrie in der Nachfolge für Prof. Ludwig Gortner verbunden sein wird.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-18) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-19 bis 2005-06-19 |
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| Professor Tillmanns: Ziel ist eine optimale Patientenversorgung |
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Heimische Herz-Kreislauf-Spezialisten präsentierten vor 6000 Kardiologen in Mannheim in 13 Vorträgen und Postern »Spitzenforschung made in Gießen«
Gießen/Mannheim (if). Der Patient war 54 Jahre alt und hatte aus heiterem Himmel einen Herzinfarkt erlitten. Jetzt, nach wenigen Monaten, so berichtete er, fühle er sich wesentlich besser. Die behandelnden Ärzte konstatierten gleichzeitig eine verbesserte Auswurfleistung des Herzens. Zusätzlich zur üblichen Behandlung hatte man mehrfach jeweils 100 000 aus dem Knochenmark des Patienten gewonnene so genannte »adulte Stammzellen« mit dem Ziel der Regeneration des Herzmuskelgewebes ins Herzinfarktgebiet injiziert. »Wie es funktioniert, weiß man nicht genau«, hieß es, als vor etwa zwei Jahren das Fernsehen erstmals über diesen Versuch einer neuen Herzinfakt-Therapie berichtete.
An den Untersuchungen, »wie es funktioniert«, sind auch Gießener Wissenschaftler beteiligt. Sie untersuchen beispielsweise, warum sich Stammzellen gerade im Herzinfarktgebiet anzureichern pflegen und welche Vorgänge dazu führen, dass sie sich dort in funktionierende Herz- und Gefäßzellen umwandeln können. Das Ziel der Arbeiten? »Nur wenn wir das verstehen, können wir die gängigen Behandlungsverfahren weiter verbessern und so in Zukunft zu einer besseren Patientenversorgung beitragen«, betont Professor Harald Tillmanns, Leiter der Abteilung für Kardiologie/Angiologie im Gießener Zentrum für Innere Medizin, im AZ-Interview.
Beim dieser Tage beendeten 71. Kardiologenkongress in Mannheim, der mit über 6000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland ein überwältigendes Echo fand, informierten die Gießener Herz-Kreislauf-Experten in nicht weniger als 13 Vorträgen und Postern über ihre hier gewonnenen Erkenntnisse. Damit demonstrierten sie neben der herausragenden Rolle ihrer wissenschaftlichen Arbeit vor allem die Bedeutung Gießens als ausgewiesenes Zentrum für die Erforschung und Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen. Wie sie in Mannheim berichteten, ist es ihnen beispielsweise auch gelungen, den direkten Zusammenhang zwischen der »Obstruktiven Schlafapnoe« - bestimmten Atemstillständen während des Schlafes - und dem Vorhofflimmern - einer bestimmten Herzrhythmusstörung, die sich mit zunehmendem Alter gehäuft bemerkbar macht - zu beweisen. Die Gießener Spezialisten der Abteilung für Elektrophysiologie, die sich mit solchen Krankheitsbildern befassen, sind maßgeblich an der Neugestaltung einheitlicher Richtlinien für »elektrophysiologische Untersuchungen« beteiligt.
»An erster Stelle steht bei uns immer eine optimale Patientenversorgung« unterstreicht Tillmanns zusammenfassend das Ziel der in seiner Abteilung geleisteten wissenschaftlichen Arbeiten. Nur durch ständige Weiterentwicklung und kritische Prüfung neuer Therapien eröffne sich die Möglichkeit, dem Patienten zu jedem Zeitpunkt die beste Versorgung mit gesichertem Nutzen anbieten zu können. Ganz wesentlich sei dabei die enge Zusammenarbeit von klinischen Abteilungen und den mit Fragen der Grundlagenforschung befassten benachbarten Instituten der Physiologie, der Biochemie und Anatomie. »Damit ist es möglich geworden, klinische Beobachtungen zu verstehen und beispielsweise aus Erkenntnissen über molekulare Vorgänge in der Zelle innovative Behandlungskonzepte zu entwickeln«. Der Sonderforschungsbereich »kardiopulmonales Gefäßsystem« biete zusammen mit dem Graduiertenkolleg 524 dafür eine ideale Plattform, die mittlerweile junge Wissenschaftler aus aller Welt nach Gießen ziehe, wobei ihnen im Rahmen des neuen Ph.-D.-Studienganges die Möglichkeit eröffnet werde, einen international anerkannten wissenschaftlichen Abschluss zu erwerben. Was die Zukunft angeht, zeigt sich Prof. Tillmanns optimistisch: »Wir sind zuversichtlich, dass die Zusammenlegung mit dem Klinikum Marburg sowie die geplante Privatisierung langfristig auch den wissenschaftlichen Standort Gießen sichern können und weiterhin >Spitzenforschung made in Gießen< zur ständigen Verbesserung unserer Behandlungsmöglichkeiten beiträgt«.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-16) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-18 bis 2005-06-18 |
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| "Ein Zugewinn für den Standort Gießen" |
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Oberbürgermeister und Baudezernent nehmen Bauantrag für erstes deutsches Kinderherztransplantationszentrum entgegen
"Erst jetzt, wenn ich die Aktenordner auf dem Tisch sehe, glaube ich so richtig an die Realisierung", bekannte Privatdozent Jürgen Bauer an ungewohnter Stelle im Magistratszimmer. Bauer, dessen Arbeitsplatz sich als einer der verantwortlichen Ärzte des Kinderherzzentrums in der Kinderklinik befindet, bereitete der Besuch des Stadthauses am Freitagnachmittag sichtliche Freude, bedeutete er doch einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Errichtung des ersten deutschen Kinderherztransplantationszentrums.
Gleich eine ganze Klappbox mit Dokumenten nahmen Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann und Baudezernent Thomas Rausch entgegen. Mit der achtjährigen Debora Nujici, die am 5. Januar 1997 im Gießener Kinderherzzentrum ein neues Herz erhalten hatte, überreichte schließlich ein ganz besonderer Gast den Bauantrag für das erste privat finanzierte Klinikgebäude an einer hessischen Universitätsklinik.
Für die Umsetzung dieses bundesweit einmaligen Projektes zeichnen die Deutsche Anlagen-Leasing GmbH (DAL/Mainz) und die Niederlassung Rhein-Main der Hochtief Construction AG verantwortlich. Niederlassungsleiter Thomas Lückert zeigte sich optimistisch, dass bereits im Juni mit den Erdarbeiten begonnen werden kann. Im Mai/Juni 2006 könnten dann bereits die ersten kleinen Patienten behandelt werden. Zum Engagement seines Unternehmens sagte Lückert: "Für Hochtief ist der Neubau von Gesundheitsimmobilien ein Wachstumsmarkt." Sylvia Paul, Geschäftsführerin der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren, die das Geld für das Transplantationszentrum sammelt, hob die Kompetenz der Ärzte hervor. Im Kinderherzzentrum herrsche eine fröhliche Atmosphäre. Von dem Bau erhoffe sie sich vor allem eine Verbesserung der medizinisch-technischen Ausstattung. "Es ist eine ständige Herausforderung, die optimale Medizin für die Kinder zu ermöglichen." Privatdozent Jürgen Bauer ergänzte, dass es auch darum gehe, das Ambiente ansprechender zu gestalten. "Die Möglichkeiten der Unterbringung sind desolat. Wir hoffen auf diesem Weg, einen erheblichen Schritt voranzukommen." Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann bezeichnete die Errichtung des neuen Zentrums als einen "Zugewinn für den Standort Gießen". Haumann sprach von einem besonderen Tag für die Stadt.
Die Investitionskosten für das Kinderherztransplantationszentrum betragen rund 7,5 Millionen Euro. Das Gießener Universitätsklinikum ist von Anfang an Eigentümer der Immobilie, der Vertrag mit der DAL GmbH und Hochtief hat eine Laufzeit von 28 Jahren. Rund weitere 7,5 Millionen Euro sind für die technische Einrichtung notwendig.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-16) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-05-02 bis 2005-07-02 |
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| »1000-Betten-Klinikum muss erhalten bleiben« |
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Medizin-Dekan Piper gibt insgesamt optimistischen Sachstandsbericht mit Kampfansage an Marburger Klinikumsvorstand
Gießen (pd). »Mit diesem Handeln disqualifizieren sich die beiden Amtsträger für eine Leitungsfunktion im gemeinsamen Klinikumsvorstand.« Für ein paar Augenblicke - als er die Linie des Ärztlichen und es Kaufmännischen Direktors des Marburger Uniklinikums beschrieb - gab sich Professor Hans Michael Piper gestern Abend sehr kämpferisch. Ansonsten fiel sein einstündiger Bericht zum aktuellen Sachstand der Entwicklung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg differenziert, sachlich und im Grundton optimistisch aus. Vor den Mitgliedern des Fachbereichsrats Humanmedizin lobte der Dekan die »konstruktive Atmosphäre« in den fünf Arbeitsgruppen, die sich in Wiesbaden mit Privatisierung und Fusion der beiden Unikliniken beschäftigen. Das von der Landesregierung im Dezember formulierte Ziel werde »mit großer Ernsthaftigkeit und mit großem Druck« verfolgt.
»Die Regierungsspitze will uns im Moment keinswegs böse«, beschrieb er die Stimmung in der Landeshauptstadt und erinnerte daran, dass ein Fehlschlag der ehrgeizigen Privatisierungspläne nicht nur dem Klinikum schaden würde. »Das wäre auch eine Blamage für die Politik.« Die Gefahren für das gemeinsame Projekt (»es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern«) lauern nach Ansicht Pipers vor allem in Marburg. Während die Abstimmung mit dem dortigen Fachbereich »gar nicht so übel« verlaufen sei, könne man dies vom Klinikumsvorstand nicht behaupten. Der Dekan erinnerte an die Marburger Forderung, die Bettenzahl im Gießener Klinikum von 1200 »einfach zu halbieren«. Inakzeptabel sei, dass man in der Nachbarstadt ein Veto gegen die in der Gießener Frauenklinik vorgesehene Professur für vorgeburtliche Diagnostik bei Kindern mit Herzfehlern eingelegt habe. Ärztlicher und Kaufmännischer Direktor hätten aus der »wegweisenden Erklärung« des Ministerpräsidenten offenbar nichts gelernt. Deshalb müsse man »alles dafür tun«, dass die beiden keine Leitungsfunktion im gemeinsamen Klinikumsvorstand erhalten. »Es ist klar, dass ein 1000-Betten-Klinikum in Gießen erhalten bleiben muss.«
Auch mit dem geplanten Biomedizinischen Zentrum verknüpfte der Dekan die Zukunft des Gießener Standorts. »Wenn hier die Uni-Medizin an die Wand gefahren wird, dann verschwinden 1500 Arbeitsplätze«, verdeutlichte er, dass nicht nur der Klinikumsbetrieb, sondern auch die akademischen Institutionen »ein enorm großer Arbeitgeber« sind. Aufgrund der Entschlossenheit, mit der dieses Thema in Wiesbaden vorangetrieben werde, habe er jedoch keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit. Vor Ostern habe die zuständige Kommission ein Fristenheft für den Bau des Biomedizinischen Zentrums vorgelegt. Zu den Parametern, die »in der Summe sehr positiv zu bewerten sind«, zählt Piper auch den Besuch aus Wiesbaden, den die Hochschule am kommenden Montag erhalten wird. Am Rande einer Kabinettssitzung in Rauischholzhausen werden Innenminister Volker Bouffier, Finanzminister Karlheinz Weimar und Staatssekretär Joachim-Felix Leonhard die Gießener Universität zu Gesprächen aufsuchen.
Insgesamt sieht der Dekan momentan Vorteile für das Gießener Klinikum. Während Prognosen für den nordhessischen Raum in den kommenden Jahren einen deutlichen Bevölkerungsrückgang vorhersagen, soll die Zahl der Menschen rund um das Rhein-Main-Gebiet künftig wachsen. Piper: »Das spricht für Gießen. Das Klinikum Marburg liegt einfach an der falschen
Stelle.«
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-15) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-18 bis 2005-06-18 |
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| In sechs Wochen bereits 150 Kilo »abgeschmolzen« |
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Erste Erfolgsmeldung aus dem neuen ambulanten »Adipositas-Zentrum« an der III. Medizinischen und Poliklinik
Gießen (if). Elf Kilo Gewicht - so war dieser Tage zu lesen - habe der kugelrunde frühere Fußballstar Diego Maradona bereits eingebüßt. Und von Camilla, der frisch gebackenen Gattin des britischen Kronprinzen Charles, erzählt man sich, vor der Hochzeit sei es ihr immerhin gelungen, sieben Kilo »abzuschmelzen«. Dahinter brauchen sich die Gießener Teilnehmer eines Spezialprogrammes zur ambulanten Gewichtsreduktion, das vor rund sechs Wochen in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (Direktor Prof. Reinhard G. Bretzel) angelaufen ist, durchaus nicht zu verstecken: Inzwischen haben die übergewichtigen acht Männer und sieben Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren zusammen 150 Kilo verloren, wie die Koordinatorin, die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Ariane Liebchen, jetzt berichtete. »Und ihre gesundheitlichen Risikofaktoren haben sich gebessert«, ergänzte der ärztliche Leiter des »Adipositas-Zentrums« der Klinik, der Internist Dr. Philip Hardt. Eine weitere Gruppe wird am 26. April die über 52 Wochen laufende Langzeittherapie aufnehmen. Am kommenden Mittwoch (20. April) um 18 Uhr findet dazu in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III in der Rodthohl 6 eine Informationsveranstaltung statt.
Voraussetzung für die Teilnahme ist ein »Body Mass Index« höher als 30 und damit ein deutliches Übergewicht - will heißen, wenn das Resultat der Rechnung »Körpergewicht in Kilo geteilt durch die Körpergröße im Quadrat« über 30 liegt. Ausgeschlossen sind lediglich Teilnehmer kurz nach einem Herzinfarkt oder mit frischen Thrombosen. Ein Spezialistenteam, bestehend aus Mediziner, Ernährungsberaterin, Verhaltens- und Bewegungstherapeut, übernimmt während der einleitenden Fasten-, der folgenden Umstellungs- sowie der abschließenden Stabilisierungs- und Intensivierungsphase die individuelle Betreuung der Teilnehmer.
»In der Fastenphase«, erläutert Dr. Liebchen, »trennen sich die Teilnehmer bewusst von ihrem alten Ernährungsverhalten und werden schrittweise zu einem neuen Verhalten hingeführt.« Gleichzeitig wird mit ihnen ein individuelles Bewegungsprogramm erarbeitet, das mit zügigem Gehen beginnt. In der folgenden Umstellungsphase beginnt die schrittweise Umstellung auf eine ausgewogene Mischkost. Individuelle Ernährungspläne helfen dabei. In der Stabilisierungsphase schließlich gibt es Hilfe beim Erlernen von Strategien, um das reduzierte Gewicht auch zu halten. Während der »Fastenphase« erhalten die Teilnehmer eine eiweißreiche »Formula-Diät«. Im Verlauf des einjährigen Programms finden jeweils wöchentlich dreistündige Gruppentreffs in der Medizinischen Poliklinik statt.
Bei dem Programm profitieren die Teilnehmer von der langjährigen Erfahrung der III. Medizinischen und Poliklinik in puncto Reduzierung von Übergewicht: Die Adipositas-Sprechstunde für ambulante übergewichtige Patienten hat in der Klinik eine jahrelange Tradition. Dabei hat sich immer wieder gezeigt, dass die im Volksmund als »FdH-Methode« bezeichnete Strategie der auf eigene Faust betriebenen zeitweisen Einschränkung der Nahrungsaufnahme sich längerfristig über den »Jojo«-Effekt häufig zum gegenteiligen Ergebnis aufschaukelt. »Eine Änderung des Ess- und Bewegungsverhaltens ist nur mit Hilfe einer entsprechenden Verhaltenstherapie erreichbar«, zeigt sich Dr. Liebchen überzeugt.
Dass das in der »Medpoli« angebotene spezielle »Optifast-52-Programm« ein Erfolg versprechender Weg dazu sein kann, haben, wie Dr. Hardt berichtet, auch langjährige Erfahrungen in anderen deutschen Zentren ergeben. »Bluthochdruck normalisiert sich, Diabetiker, die Tabletten brauchten, können darauf verzichten, andere Diabetiker brauchen weniger Insulin, und auch Befürchtungen, das Programm könne bei chronischen entzündlichen Darmerkrankungen neue Schübe auslösen, haben sich nicht bestätigt«, zitiert er die Erfahrung von Kollegen. »Und bei über der Hälfte der Teilnehmer hat eine Nachbeobachtungszeit auch noch nach rund drei Jahren die Gewichtsverringerung bestätigt.«
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-14) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-15 bis 2005-06-15 |
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| Lücke in Behandlung Darmkranker geschlossen |
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Universitätsklinikum gründet Kooperation mit Dickdarm- und Enddarmspezialisten - Vorteile für alle Beteiligten
Gießen (pm). Dickdarm- und Enddarmerkrankungen stellen ein weites Feld dar. Im Laufe des Lebens leidet etwa jeder zweite Mensch mindestens einmal an Erkrankungen des Dick- oder Enddarms. Das Spektrum der Erkrankungen reicht von vergleichsweise harmlosen - gleichwohl sehr belästigenden - Analhautentzündungen über verschiedene Formen des Hämorrhoidalleidens, Schließmuskeldefekte, Rektozelen, Beckenbodenfunktionsstörungen, Darmentzündungen bis zum Darmkrebs und noch vielen anderen Erkrankungen mehr. Koloproktologen sind Ärzte, welche sich auf die Erkennung, Untersuchung und Behandlung von Dickdarm- und Enddarmerkrankungen spezialisiert haben. Während viele Dickdarm- und Enddarmerkrankungen ambulant in der Praxis des Darmspezialisten (Koloproktologen) behandelt werden können, ist bei anderen Erkrankungen eine Operation mit Krankenhausaufenthalt erforderlich. Bereits jetzt schon werden in der Chirurgie des Universitätsklinikums Gießen (Leiter Prof. Winfried Padberg) täglich Dickdarmoperationen, meist wegen Darmkrebs oder Darmentzündungen, durchgeführt. Was bisher in Mittelhessen jedoch fehlte, war ein Zentrum der spezialisierten chirurgischen Krankenhausversorgung bei selteneren Erkrankungen des Dickdarms und Enddarms, wie beispielsweise Schließmuskeldefekten mit Inkontinenz, Entleerungsstörungen des Darms, seltenen Tumoren, komplizierten Analfisteln, ausgedehnten Hämorrhoidalleiden, Enddarmvorfall und Ähnliches.
Seit 1. April ist diese Lücke in der medizinischen Versorgung in Mittelhessen geschlossen. Die Ärzte des Enddarmzentrums Mittelhessen aus Gießen (Dr. Leistner und Partner) und Marburg (Privatdozent Dr. Weinel und Partner) operieren in einem Konsiliararztmodell regelmäßig in der Abteilung für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Gießen Patienten mit Dickdarm- und Enddarmerkrankungen.
Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand: Die betroffenen Patienten werden zu einer modernen, hochspezialisierten Versorgung im Universitätsklinikum zusammengeführt, womit eine dem höchsten Niveau und den Qualitätsstandards entsprechende Behandlung angeboten wird. Die Patienten werden von den gleichen Darmspezialisten operiert, welche bereits bei der ambulanten Behandlung ein Vertrauensverhältnis zu dem Patienten aufbauen konnten. Auch die Nachbehandlung nach der Operation wird wieder vom Operateur in dessen Praxis durchgeführt. Die Patienten müssen zur Operation nicht an weit entfernte Spezialkliniken verwiesen werden. Belästigende Doppeluntersuchungen entfallen. Die Patienten werden von Spezialisten operiert, welche sich ausschließlich mit Dickdarm- und Enddarmerkrankungen befassen.
Das Universitätsklinikum Gießen kann den Bürgern Mittelhessens ein weiteres Angebot im Bereich der spezialisierten Hochleistungsmedizin machen und so ihrem Auftrag gerecht werden.
Die politischen Vorgaben der Gesundheitspolitik nach Ausbau der Kooperation zwischen ambulant tätigen niedergelassenen Spezialisten und Kliniken (integrierte Versorgung) werden erfüllt. Die Krankenkassen können ihren Mitgliedern eine hoch qualifizierte, kostengünstige, heimatnahe Versorgung bei allen Formen von Dickdarm- und Enddarmerkrankungen anbieten.
Das Uniklinikum Gießen und das Enddarmzentrum Mittelhessen haben die Möglichkeit, einen international konkurrenzfähigen Forschungsschwerpunkt »Dickdarm- und Enddarmerkrankungen« aufzubauen. Die Ärzte des Enddarmzentrums Mittelhessen aus Gießen und Marburg sollen sich auch an der Ausbildung der Gießener Medizinstudenten beteiligen und ihr spezialisiertes Wissen weitergeben.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-13) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-15 bis 2005-06-15 |
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| Darmspezialisten operieren im Uni-Klinikum |
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Vereinbarung mit Enddarmzentrum Mittelhessen unterzeichnet - Padberg: Das Denken in Sektoren ist überholt
GIESSEN (fm). "Das Universitätsklinikum Gießen kann den Bürgern Mittelhessens ein weiteres Angebot im Bereich der spezialisierten Hochleistungsmedizin machen", sagte der Ärztliche Direktor, Prof. Wolfgang Weidner, gestern bei der Vorstellung eines neuen Kooperationsmodells zwischen Uniklinik und Ärzten des Enddarmzentrums (EDZ) Mittelhessen in Gießen und Marburg. Bereits Anfang des Jahres wurden zwei onkologische Fachpraxen in die Medizinische Klinik V (Onkologie/Pneumologie) integriert. Mit einem weiteren Kooperationsmodell trage die Uniklinik dem "Zug der Zeit" Rechnung, der in Richtung Kompetenzbündelung und Zentrumsbildung abfahre, waren sich Weidner und der maßgeblich am Zustandekommen der neuen Kooperation beteiligte Prof. Winfried Padberg, Leiter der Klinik für Allgemein- und Thoraxchirurgie des Uniklinikums, einig.
Im Laufe des Lebens leidet etwa jeder zweite Mensch mindestens einmal an Erkrankungen des Dickdarms oder des Enddarms. Viele dieser Dickdarm- und Enddarmerkrankungen können ambulant in der Praxis eines Darmspezialisten (Koloproktologen) behandelt werden. Andere erfordern eine Operation und einen Krankenhausaufenthalt. Schon jetzt würden in der von Padberg geleiteten Chirurgie des Universitätsklinikums Gießen täglich Dickdarmoperationen, "meist wegen Darmkrebs oder Darmentzündungen" vorgenommen.
"Was bisher in Mittelhessen jedoch fehlte, war ein Zentrum der spezialisierten chirurgischen Krankenhausversorgung bei selteneren Erkrankungen des Dickdarms und Enddarms", betonte Weidner. Als Beispiele nannte er Schließmuskeldefekte mit Inkontinenz, Entleerungsstörungen des Darms, seltene Tumore, kompliziere Analfisteln, ausgedehnte Hämorrhoidalleiden und Enddarmvorfall.
Seit dem 1. April operieren auch die Ärzte des Enddarmzentrums Mittelhessen (EDZ), Dr. Manfred Leistner, Dr. Walter Kierer und Dr. Armand Brom (alle Pohlheim/Gießen) und Dr. Rolf Jürgen Weinel (Marburg) im Rahmen eines Konsiliararztmodells regelmäßig in der Abteilung für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie des Uniklinikums Patienten mit Dickdarm- und Enddarmerkrankungen.
"Integration ist angesagt", sagte Padberg. Das Denken in Sektoren - ambulant, niedergelassen, Krankenhaus - sei überholt. "Wir schließen eine Lücke im therapeutischen Spektrum", betonte Leistner vom EDZ Mittelhessen. Ab sofort werde das zwischen Patient und Darmspezialist bei einer ambulanten Operation aufgebaute Vertrauensverhältnis nicht mehr unterbrochen. "Die Patienten müssen zur Operation nicht an weit entfernte Spezialkliniken überwiesen werden. Belästigende Doppeluntersuchungen entfallen."
Mit dem Ausbau der Kooperation zwischen ambulant tätigen niedergelassenen Spezialisten und der Uniklink würden die Vorgaben der Gesundheitspolitik erfüllt, unterstrich Weidner. Zugleich hätten beide Partner damit die Möglichkeit "einen international konkurrenzfähigen Forschungsschwerpunkt `Dickdarm- und Enddarmerkrankungen` aufzubauen".
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-12) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-12 bis 2005-06-12 |
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| Suche nach Blindgänger am Uniklinikum verlief ergebnislos |
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Bombenverdacht bestätigte sich nicht - Sanierung der Notaufnahmestation wird fortgesetzt
GIESSEN (fod). Keine Sekunde lässt Peter Kotschura die Baggerschaufel aus den Augen, als sie sich Schicht für Schicht langsam immer tiefer in den Boden gräbt. Denn bei der kleinsten Entdeckung einer metallenen Fläche müsste der Niederlassungsleiter der Kampfmittelräumfirma Friedrich Lenz GmbH sofort die Arbeiten stoppen lassen. Glücklicherweise jedoch stellte sich die am Freitag aufgekommene Vermutung, ein aus dem Zweiten Weltkrieg übrig gebliebener Blindgänger könnte direkt neben der Notaufnahmestation des Zentrums für Innere Medizin in mehreren Metern Tiefe im Boden verborgen sein, als Fehlalarm heraus. Bei der so genannten Aushubkontrolle am Samstag, die vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag andauerte, konnte keine Spur eines Sprengkörpers, der eine Entschärfung und weiträumige Evakuierung notwendig gemacht hätte, entdeckt werden.
Wie Kotschura und auch Diplom-Ingenieurin Angela Gülle, Leiterin der Klinikums-Abteilung Bauprojekte und Betreuerin des geplanten Anbaus an die Notaufnahmestation, versicherten, sei die Wahrscheinlichkeit dafür von Anfang an sehr gering gewesen. "Auf den alten Luftbildaufnahmen konnte man einen Trichter erkennen, was bedeutet, dass hier einmal eine Bombe explodiert sein muss", sagte der Sprengstoffexperte. "Endgültige Klarheit erlangt man aber erst, wenn die gesamte Fläche frei geräumt ist." Und so habe immer noch ein kleines Restrisiko bestanden, auf einen Blindgänger zu stoßen. Nachdem am Freitag bekannt geworden war, dass das Klinikum vorsorglich einen Evakuierungsplan aufgestellt hatte, waren sogleich die wildesten Gerüchte aufgekommen.
Letztlich sollten am Samstag laut Privat-Dozent Dr. Hans-Dieter Walmrath, einer der leitenden Ärzte am Zentrum für Innere Medizin, zwei Intensivmobile, drei Rettungswagen und über ein Dutzend Transportfahrzeuge, darunter auch Großraumwagen, für bettlägerige Patienten für den Fall einer Evakuierung bereitstehen. Wie Walmrath weiterhin mitteilte, seien sämtliche Patienten der Notaufnahmestation für die Zeit der Aushubarbeiten in der chirurgischen Poliklinik untergebracht worden. Ebenfalls vor Ort waren Feuerwehr und Sicherheitsdienst des Klinikums sowie Mitarbeiter der Abteilung Bauprojekte und Beamte der Polizei.
Der Bombenverdacht sollte schließlich Auswirkungen auf den Anbau haben, da entgegen der ursprünglichen Planung nun auch ein Keller vorgesehen ist. Die Notaufnahmestation wird darüber hinaus komplett saniert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Vorgesehen ist im Rahmen des 1,5 Millionen Euro umfassenden Projekts auch die Einrichtung zweier SARS-Räume zur Aufnahme hochinfektiöser Patienten, womit die Klinik, so Walmrath, eine Auflage des Landes Hessen erfülle.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-11) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-12 bis 2005-06-12 |
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| Methodenvielfalt verunsichert die Patientinnen |
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Brustkrebs-Tagung: Von »Synergetik-Profiling« bis Dunkelfeldmikroskopie - Brückenschlag Schul- und Alternativmedizin?
Gießen-Kleinlinden (if). Sie sei »ungeheuer verunsichert«. »Und je mehr ich höre, desto verunsicherter werde ich«: Vielen Frauen, die die schockierende Diagnose »Brustkrebs« verarbeiten müssen - in Deutschland sind es jährlich 48 000 -, geht es ähnlich wie der freimütigen Teilnehmerin einer Tagung, zu der die Brustkrebsinitiative Gießen unter dem viel versprechenden Titel »Erfolgreiche nicht konventionelle Diagnostik und Therapie bei Brustkrebs« am Samstag ins Bürgerhaus Kleinlinden gelockt hatte: Nach der Diagnose pflegt eine solche Welle von »guten Ratschlägen« und Empfehlungen über den Betroffenen zusammenzuschlagen, dass jeder Orientierungsversuch vergebliche Liebesmüh bedeuten muss.
Die Veranstaltung solle dazu beitragen, Frauen in ihrer Selbstbestimmung und Eigenverantwortung für ihre Gesundheit zu stärken, hieß es etwas diffus in der Einladung. Prof. Hans-Rudolf Tinneberg, der Direktor der Universitätsfrauenklinik, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, schrieb in seiner von Ursula Passarge verlesenen Grußbotschaft, in »kritischer Auseinandersetzung« wolle man dem Wunsch entsprechen, aus dem »Dunstkreis nicht konventioneller« Methoden heraus gezielte Informationen zu gewinnen. Erfreulich nannte er, dass die Organisatorinnen Wert darauf legten, diese Methoden grundsätzlich den gleichen fundierten Wirksamkeitsprüfungen zu unterziehen wie sie für konventionelle Diagnostik und Therapie gelten. Die Frauenbeauftragte betonte, man wolle ein »Forum für kompetente Information« bieten.
Einen - naturgemäß begrenzten -Einblick in »die Vielfalt nicht konventioneller Heilungswege bei Krebserkrankungen« vermittelten Referentinnen und Referenten in einer von der Rundfunkredakteurin Eva Deppe moderierten Podiumsdiskussion und in späteren Workshops. Dabei stellte die Licher Heilpraktikerin Johanna Sieberg ihr Gesundheitstraining nach der Methode »Wildwuchs« vor, die Gießener Heilpraktikerin Rosmarie Holerman informierte über den familientherapeutischen Ansatz, »um die Botschaften des Körpers leichter zu verstehen«, und Uschi Jonson (ebenfalls Gießen) präsentierte sich als »Synergetik-Therapeutin und Profilerin«. Der Physik-Ingenieur Bernd Joschko (Bischoffen-Rosbach) erläuterte dieses »Synergetik-Profiling« als Aufdeckung von Krankheitshintergründen (»Was macht krank - was heilt?«), während der Lahnauer Heilpraktiker Friedel Brück die in seiner Praxis angebotene Dunkelfeldmikroskopie als begleitende Diagnostik in Vor- und Nachsorge beschrieb.
Im Laufe der von Helga Bayer moderierten Veranstaltung wurde von betroffenen Frauen unüberhörbar der Wunsch nach einem »Brückenschlag« zwischen Schulmedizin und nicht-konventionellen Diagnose- und Behandlungsmethoden geäußert. Könnten Ansätze dazu aus der vierten Säule der Krebsbehandlung neben Stahl, Strahl und Chemotherapie, der gezielten, positiven Beeinflussung der körpereigenenn Abwehr erwachsen? »Krebs ist keine Erkrankung des Organs, sondern eine Krankheit der Person« hatte dazu einleitend Dr. med. Dagmar Uecker (Bad Soden) postuliert. Als Ärztin für Innere Krankheiten und Naturheilverfahren aus der »Schulmedizin« kommend, hat sie sich auf biologische Tumortherapie spezialisiert. »Die Therapie kann nie auf die rein körperliche Ebene reduziert werden«, betonte sie. Doch erschwere der Absolutheitsanspruch der klassischen Onkologie ergänzende Heilbemühungen.
Die von Dr. Uecker am Beispiel der so genannten »Homotoxikologie« geschilderte biologisch orientierte Krebsbehandlung als Sonderform der Homöopathie beispielsweise bezieht neben der psychischen Begleitung als erster und schwierigster therapeutischer Aufgabe auch Mistel- und Thymuspräparate, so genannte »Antihomotoxika«, Antioxydantien, Milzpolypeptide und Enzyme in das therapeutische Repertoire ein.
In der begleitenden Ausstellung konnten sich die rund 90 Teilnehmerinnen - unter denen sich auch ein Frauenarzt verlor - nicht nur über die verschiedenen Hilfsangebote von Selbsthilfegruppen der Region informieren. Sie erfuhren, dass es in der Nachbarstadt Marburg eine »Naturheilkundliche Tagesklinik« gibt, aber auch von asiatischen Pilzen, von denen neuerdings Heilung erwartet wird.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-11) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-12 bis 2005-06-12 |
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| Weidner stellt klar: »Hautklinik wird gestärkt« |
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Bis zur Bestellung eines Nachfolgers für Prof. Schill amtiert Prof. Peter Mayser als kommissarischer Leiter
Gießen (if). »Wir betreiben in Gießen sowohl Dermatologie als auch Andrologie in vollem Umfang und mit ausgewiesenen Experten weiter.« Mit dieser Feststellung äußerte sich am gestrigen Freitag der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Gießen, Prof. Wolfgang Weidner, zu laut gewordenen Spekulationen, bald werde nur noch ein eingeschränktes Leistungsspektrum angeboten. Laut geworden waren diese Gerüchte vor dem Hintergrund der geplanten Fusion der Klinika Marburg und Gießen und wegen des Ende März erfolgten Ausscheidens von Prof. Wolfgang Schill, dem Direktor der Hautklinik. Weidner bekräftigte gestern: »Die Hautklinik bleibt – und sie wird noch gestärkt.«
Die Aufgaben von Prof. Schill hat bis zur Berufung eines Nachfolgers Prof. Peter Mayser, Oberarzt und schon bisher Stellvertretender Leiter des Zentrums für Dermatologie und Andrologie, bereits zu Monatsbeginn übernommen. In diesem Zusammenhang erläuterte Prof. Weidner, das Ausscheiden beruhe nicht auf persönlichen Gründen, sondern sei mit rechtlichen Veränderungen in der Hochschulmedizin – insbesondere mit aus der Trennung zwischen Krankenversorgung und Forschung und Lehre resultierenden Zwängen – zu erklären. Die großen Verdienste, die sich Schill als hochgeachtete Persönlichkeit in Fakultät und Klinik in den vergangenen 16 Jahren erworben habe, würden bei der offiziellen Verabschiedung in zwei Veranstaltungen im Herbst gewürdigt. »Inzwischen tun wir alles« – so der Ärztliche Direktor, der selbst der Berufungskommission angehört –, »so rasch wie irgend möglich einen geeigneten Nachfolger für die Professur für Dermatologie und Andrologie zu finden.« Vier Kandidaten befänden sich bereits in engerer Wahl.
Zu den Arbeitsgebieten der Klinik, an der zehn Fachärzte tätig sind, zählen – wie Mayser hervorhob – insbesondere Früherkennung und Behandlung von Hauttumoren, allergologische Erkrankungen aller Art, aber mitunter auch lebensgefährliche Insektengiftallergien. Seit einiger Zeit gehören auch die ästhetische Dermatologie sowie die dermatologische Laserbehandlung ins Leistungsspektrum. Die Kinderwunsch- und Impotenzsprechstunde wird von dem Leitenden Oberarzt Privatdozent Dr. Hans-Christian Schuppe betreut. Bei entzündlichen Hauterkrankungen kann die Klinik neueste Therapieverfahren auch im Rahmen klinischer Studien anbieten. Im Bettenbereich werden mikroskopisch-kontrollierte Entfernungen von Hauttumoren vorgenommen, aber auch aufwendige allergologische Tests durchgeführt.
Prof. Mayser selbst ist in Gießen kein Unbekannter: Nach dem Medizinstudium zunächst Arzt in der Kinderklinik, wechselte er 1987 ans Zentrum für Dermatologie und Andrologie, wurde 1999 als Leitender Oberarzt habilitiert und 2004 zum Professor ernannt. Auf wissenschaftliche Gebiet hat er sich – mehrfach ausgezeichnet – überregional insbesondere als Experte für Mykosen profiliert. Nicht von ungefähr ist Gießen vor kurzem in einen multizentrischen Sonderforschungsbereich »Hautpathogene Pilze« einbezogen worden. »Zurzeit«, so erläuterte Mayser »gründen wir zusammen mit Urologie, Gynäkologie und Mikrobiologie ein interdizsziplinäres Zentrum zur Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Erkrankungen, dessen Hauptsitz sich in der Hautklinik befinden wird.«
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-09) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-11 bis 2005-06-11 |
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| Von der Bypass-Operation bis zum Kunstherzen |
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Prof. Gerold Görlach sprach bei der Herzstiftung – Vor 35 Jahren leisteten Gießener Chirurgen Pionierarbeit
Gießen (if). An einem sonnigen Samstagmorgen im Juni 1958 begann in einem OP des Uniklinikums Gießen ein neues Kapitel der Behandlung von Herzerkrankungen: Ein Team um den damaligen Chirurgie-Chef Prof. Karl Vossschulte behob – wie sich Prof. Erich Wagner erinnert, damals junger Assistent, später Chirurgiechef des »EV« – unter Einsatz einer eigens dafür aus USA beschafften Herz-Lungen-Maschine erfolgreich den angeborenen Herzfehler eines elfjährigen Mädchens aus der Nähe Wetzlars. Der aufsehenerregende Eingriff war die zweite Operation am offenen Herzen überhaupt in Deutschland. Heute, mehr als 45 Jahre später, sind im Klinikum der Justus-Liebig-Universität bereits mehr als 50 000 Herzoperationen erfolgt. Wie dem jüngsten vorliegenden Bericht aus dem Jahr 2003 zu entnehmen ist, kommen die Patienten dazu nicht nur aus Hessen, sondern auch aus einer ganzen Reihe anderer Bundesländer nach Gießen.
Als Gast eines Patientenseminars der Deutschen Herzstiftung vermittelte dieser Tage Prof. Gerold Görlach, Leitender Oberarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der JLU, einen informativen Überblick über die derzeitigen Leistungen seiner Disziplin. Dabei erwähnte er einleitend, dass in Deutschland allein im Jahr 2003 mehr als 70 000 so genannte Bypass-Operationen durchgeführt wurden. Sie dienen dazu, die Blutversorgung des Herzmuskels zu normalisieren, indem »Engpässe« die sich in den Koronargefäßen gebildet haben, sozusagen »umgangen« werden. Kann dabei statt einer Beinvene die »mammaria« – eine Brustarterie – benutzt werden, sind die Langzeitergebnisse besonders bemerkenswert: Noch nach zehn Jahren sind solche »Umleitungen« zu 90 Prozent offen.
In diesem Zusammenhang warnte Prof. Görlach vor der Annahme, ein auf den ersten Blick »unauffälliges« EKG sei bei Herzbeschwerden Grund zu Entwarnung. Selbst Belastungs-EKGs, so betonte er, seien nicht immer genügend aussagekräftig. Nach »klassischem Verfahren« erfolgen Bypass-Operationen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Das »Off-Pump-Verfahren« – ohne Herz-Lungen-Maschine – ist nach bisherigen Erfahrungen schwieriger und »stressiger«.
Die zweithäufigsten Eingriffe der Herzchirurgen – in Gießen waren es 125 im Jahr 2003 – gelten den »Ventilen« des Herzens, den Klappen. Sie müssen sorgen dafür, dass das Blut nur in einer Richtung durch das Herz fließen kann. Das menschliche Herz verfügt über vier solcher Ventile - zwei im rechten und zwei im linken Herzen. Sie können verengt sein und sich nicht mehr genügend öffnen, oder sie sind »ausgeleiert« und können sich nicht mehr richtig schließen. Die meisten Beschwerden bereiten die Klappen im linken Herzen – Aortenklappen und Mitralklappen. In Deutschland galten von insgesamt 16 800 Klappen-Operationen im Jahr 2003 rund 10 000 der »Reparatur« der Aorten- und 4000 der der Mitralklappe.
Ist die Aortenklappe verengt, wird zu wenig Blut ausgeworfen, die Druckbelastung steigt, und die Wand verdickt sich. Ist die Klappe undicht und schließt nicht mehr, kommt es zum Rückfluss des Blutes und über die damit einhergehende Volumenbelastung zur Herzvergrößerung: Die Pumpe pumpt nicht mehr richtig, die Beschwerden verstärken sich. Wann sollte ein herzchirurgischer Eingriff erfolgen? Ödeme – Wassereinlagerungen –, aber auch Luftnot bei Belastung sind Warnsignale für eine eingeschränkte Herzfunktion. Die besten Ergebnisse, so die Botschaft des Chirurgen an seine Hörer, wird ein operativer Eingriff immer dann bringen, wenn er rechtzeitig erfolgt – das heißt zu einer Zeit, in der das Herz noch keine irreversiblen Veränderungen erfahren hat. Nach einem Überblick über die zahlreichen Klappenmodelle, die Schrittmacherbehandlung bei Rhythmusstörungen und die so genannte »Defibrillator«-Therapie zur Erkennung lebensbedrohlichen Kammerflimmerns beschloss Görlach seinen Vortrag mit einem Ausblick auf das »Kunstherz«. Ohnehin mit vielen weiteren ungelösten Problemen behaftet, stehen seinem Einsatz auch die Kosten im Wege: von rund 300 000 Dollar ist die Rede.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-08) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-11 bis 2005-06-11 |
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| 10 000 Zellen pro Minute »im Gänsemarsch« |
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Neuer Durchflusszytometer in der Poliklinik für Parodontologie: Neue Ära der zahnmedizinischen Forschung
Gießen (if). Sozusagen »im Gänsemarsch«, wie an einer Perlenkette aufgereiht, queren sie in enormem Tempo - 10 000 pro Minute - einen Laserstrahl. Dabei hinterlässt jede Zelle - ob B- oder T-Lymphozyt, ob Helferzelle, Killer- oder zytotoxische Zelle - jeweils ein charakteristisches Farbsignal auf dem Bildschirm. Was weder unterm Mikroskop noch mit einem normalen Blutbild-Analysegerät erkennbar wäre: der dieser Tage in Betrieb gegangene Durchflusszytometer im Forschungslabor der Poliklinik für Parodontologie des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Justus-Liebig-Universität macht es möglich. Größe, Zahl und Population mit bestimmten fluoreszierenden Antikörpern markierter Zellen werden in kürzester Zeit mess- und bestimmbar. Damit sind die Gießener Parodontologen die bislang einzigen in Deutschland, die auf dem Gebiet der Zahnbettentzündungen solche Analysen durchzuführen imstande sind.
Bestimmungen, die sowohl für die Grundlagenforschung wie für die klinische Forschung unschätzbare Bedeutung besitzen. Prof. Jörg Meyle, Vorstandsmitglied der European Federation of Periodontology, der zusammen mit Laborleiter Dr. Jörg Michel und Zahnärztin Jaleh Mahabadi gestern im Beisein von Firmenvertretern das neue Gerät vorstellte, verspricht sich mit dessen Inbetriebnahme zusätzlich zu den schon im Labor laufenden Studien und Forschungsvorhaben eine Fülle weiterer Impulse - insbesondere, wenn einer seiner Mitarbeiter, der sich in den vergangenen zwei Jahren in Boston bereits mit den Einsatzmöglichkeiten der Durchflusszytometrie in der Zahnmedizin vertraut gemacht hat, nach Gießen zurückkehrt.
Von der neuen Analysetechnik, für die lediglich schmerzfrei entnommene geringe Proben von Mundflüssigkeit oder Schleimhautzellen benötigt werden, erwartet man neben einer weiteren Aufklärung der Mechanismen, die bei Zustandekommen und im Verlauf parodontaler Entzündungen eine Rolle spielen, auch die Möglichkeit der Verlaufsbeobachtung verschiedener Behandlungsoptionen. Um eine Vorstellung von deren gesundheitspolitischer Bedeutung zu geben: Laut Meyle leiden bereits zehn bis fünfzehn Prozent aller 20- bis 44-Jährigen an schweren, generalisierten Zahnbettentzündungen, die zu den ältesten bekannten Infektionskrankheiten der Menschen gehören. Während Beginn und Verlauf bis heute rätselhaft sind, erfordern sie hohen therapeutischen Aufwand, soll es nicht zu frühzeitigem Zahnverlust kommen.
Stolz ist man übrigens nicht allein über das neue Gerät selbst - Kostenpunkt rund 170 000 Euro -, sondern auch über die Art der Finanzierung: Bei der vom Fachbereichsrat der Gießener Mediziner 1999 und 2002 beschlossenen Evaluierung der Forschungsaktivitäten mit dem Ziel leistungsbezogener Mittelvergabe - konnte die relativ kleine Poliklinik für Parodontologie unter den insgesamt 50 Abteilungen und Kliniken der JLU sowohl im Vorjahr als auch in diesem Jahr jeweils einen ansehnlichen 13. Platz belegen. Dadurch und mit zusätzlich »eingeworbenen« Drittmitteln wurde der Erwerb möglich. Damit sind realistische Erwartungen verknüpft, auch weiterhin international eine führende Position in der Parodontose-Forschung einzunehmen. Professor Meyle: »Für mich bedeutet das die Bestätigung für die Richtigkeit unseres eingeschlagenen Kurses, nicht nur wissenschaftlich zu arbeiten, sondern unsere Forschungsergebnisse in Grundlagen- und klinischer Forschung auch international zu publizieren.«
Insbesondere ein Ergebnis des Gießener Teams hat Furore gemacht: Weltweit erstmals nämlich ist es gelungen, über die Fusion von Krebszellen mit Zellen der Mundschleimhaut »unsterbliche« Linien von Epithelzellen zu schaffen, wie sie beispielsweise für In-vitro-Tests zur Verträglichkeit bestimmter Produkte erforderlich sind.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-07) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-07 bis 2005-06-07 |
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| Moderater Sport kann Immunsystem aktivieren |
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»Gießener Auftakt« beim Internistenkongress - Prof. Nowacki und Prof. Bretzel: Neue Erkenntnisse der Sportmedizin
Gießen/Wiesbaden (if). »No sports«, pflegte Winston Churchill, nach dem Geheimnis seiner erstaunlichen Vitalität befragt, bekanntlich zu knurren. Inzwischen ruft das Rezept des britischen Ex-Premiers befremdetes Lächeln hervor. Die längst anerkannte Bedeutung maßvoller sportlicher Betätigung hat auch im Tagungsprogramm des 111. Internistenkongresses, der noch bis einschließlich morgen über 6000 Ärzte nach Wiesbaden führt (wir berichteten), ihren Niederschlag gefunden. Zum Auftakt kamen am Wochenende beim Symposium des »Arbeitskreises Sportmedizin« im Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) neue Erkenntnisse für die Innere Medizin in Praxis und Klinik aus Gießener Sicht zur Sprache.
Prof. Paul E. Nowacki (Gießen), Vorsitzender des BDI-Arbeitskreises, der das Symposium leitete, war eingangs auf die Bedeutung ambulanter Herzsportgruppen eingegangen. Dabei präsentierte der Leiter des Instituts der Sportmedizin der Justus-Liebig-Universität in Gießen gewonnene neue Ergebnisse einer Studie. Sie belegen, dass bei einer Gruppe von 50 Koronarpatienten - Altersdurchschnitt 62 Jahre - nach drei- bis fünfjähriger regelmäßiger Teilnahme an einer ambulanten Herzsportgruppe eine wesentliche Verbesserung der Herz-Kreislauf-Funktion erreicht wurde. Selbst nach mehr als zehnjähriger Beteiligung, so Nowacki, liege die körperliche und kardiorespiratorische Leistung von Teilnehmern am ambulanten Herzsport noch deutlich und signifikant über ursprünglich ermittelten Eingangswerten. Die Steigerung der Leistungsfähigkeit wurde durch jährliche körperliche Untersuchungen dokumentiert. Nowacki gab abschließend auch Hinweise darauf, wann Herzpatienten - beispielsweise nach einem Herzinfarkt - in eine solche Gruppe aufgenommen werden können und welche Patienten noch nicht dafür geeignet sind.
Prof. Reinhard G. Bretzel, Direktor der III. Medizinischen und Poliklinik der Justus-Liebig-Universität, hatte zuvor die für Laien oft befremdliche Infektanfälligkeit von Hochleistungssportlern erläutert. Sie sei zu erklären mit der Reaktion der körpereigenen Abwehr auf Überforderung, sagte er und bestätigte damit einen unlängst veröffentlichten Artikel in der »Gießener Allgemeinen« »Fitnesswahn schwächt das Immunsystem - Langsam anfangen, regelmäßig trainieren - nach und nach steigern«. Allerdings sind die von Prof. Otto Huntemüller aus dem »Institut für Körperkultur der Universität Gießen« bereits 1930 publizierten Beobachtungen, »dass hochtrainierte Sportsleute ... sehr anfällig sind und besonders zu Erkältungskrankheiten neigen«, inzwischen dergestalt relativiert worden, dass Sport das Immunsystem auch sozusagen »auf Trab« zu bringen und damit die Widerstandsfähigkeit durchaus auch zu stärken vermag.
Geht es beispielsweise um Reduzierung von Infekten, so muss ein solches Training allerdings »moderat« sein. »Allgemeinempfehlungen« besagen: An drei Tagen der Woche rasches Gehen über drei Kilometer in weniger als 30 Minuten. Männer sollten die drei Kilometer an drei Wochentagen in weniger als 27 Minuten bewältigen.
Gestern hatte Bretzel in einem Satellitensymposium, bei dem es rund um die Insulin-Behandlung beim Typ-2-Diabetes ging, zusammen mit Prof. Mehnert (München) den Vorsitz inne. Heute wird der Direktor der III. Medizinischen Universitätsklinik im Rahmen eines schon im Vorfeld mit Spannung erwarteten Symposiums unter der Fragestellung: »Stammzellen - Frischzellentherapie der Zukunft?« auch über die bisher gewonnenen Ergebnisse der Inselzell-Transplantation zur Diabetes-Behandlung berichten. Bekanntlich darf bei dieser Behandlungsmethode das in der III. Medizinischen Klinik in der Gießener Rodthohl angesiedelte Inselzell-Transplantationszentrum nicht nur europa-, sondern weltweit eine führende Rolle beanspruchen.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-05) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-05 bis 2005-06-05 |
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| 40 aktuelle Gießener Beiträge zu Großkongress |
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Innere Medizin des Uniklinikums bei Internistentagung exzellent repräsentiert – Seeger nächstes Jahr Tagungspräsident
Gießen (if). »Kaiserwetter« hatte geherrscht – so ist überliefert – als im April 1882 Wilhelm I. in einer Kutsche zum Wiesbadener Schloss fuhr. Unter den Zuschauern ein bärtiger Herr, Regierungs-Medizinalrat Robert Koch aus Berlin, der fürchtete, zu spät zur Eröffnung des 1. »Congresses der Inneren Medizin« in den Kursaal zu kommen. Gestern – 123 Jahre später – herrschte bei der offiziellen Eröffnung des 111. Kongresses der traditionsreichen Gesellschaft erneut Kaiserwetter in Hessens schöner Hauptstadt. Indes: Statt ganzer 200 Mediziner wie ehemals werden in den nächsten drei Tagen rund sechstausend Ärzte aus dem In- und Ausland die Rhein-Main-Hallen bevölkern: Mit insgesamt 721 Vorträgen, mit Symposien, Satellitensymposien, mit Hauptsitzungen, mit Klinischen Foren, Arzt-Patienten-Seminaren, einer »Kunstoase« und einer Ausstellung, die mit 345 Postern bestückt ist, zählt so der Wiesbadener Kongress der mit 15 000 Mitgliedern größten Medizinischen Fachgesellschaft zu den umfassendsten Fortbildungsveranstaltungen seiner Art in ganz Deutschland.
Die Gießener Universitätsmedizin – in Wiesbaden seit vielen Jahren traditionell stark repräsentiert und mit mehreren »Frerichs«-Preisträgern entsprechend gewürdigt – kann sich auch in diesem Jahr mit rund 40 Beiträgen und hochaktuellen Themen durchaus mit anderen deutschen Universitäten messen. »Alle unsere Medizinischen Kliniken«, so gestern Prof. Werner Seeger, Direktor der Medizinischen Klinik II im Zentrum für Innere Medizin der Justus-Liebig-Universität, »sind vertreten«.
Für Seeger selbst hat zugleich ein »Countdown« besonderer Art begonnen: Ab Mittwoch amtierender Präsident der »Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 2005/6« wird er nächstes Jahr als Tagungspräsident den 112. Kongress in Wiesbaden auszurichten haben. Damit ist der renommierte Intensivmediziner und Lungenspezialist – Stellv. Direktor des Uniklinikums, Mitglied des Wissenschaftsrates -, nach Prof. Hanns-Gotthard Lasch, der 1982 als DGIM-Präsident und Kongresspräsident amtierte – der zweite Gießener Mediziner, der damit betraut wurde, auf diese Weise die gesamte traditionsreiche deutsche Innere Medizin zu repräsentieren.
Anders als manche glauben, ist – so Seeger im AZ-Gespräch – die Ära der großen Kongresse keineswegs vorüber. »In den letzten Jahren haben wir sogar eine Aufwärtstendenz zu verzeichnen, was die Besucherzahl angeht.« Das breite Informationsangebot ermögliche jedem Teilnehmer, sich schwerpunktübergreifend fortzubilden und zu informieren.
Der langen Tradition der Internistenkongresse folgend werde die Tagung 2006 einen weiten Bogen von der Erörterung neuester wissenschaftlicher Entwicklungen bis zur konkreten Diskussion aktueller Alltagsfragen einschließlich berufspolitischer Aspekte spannen. Dem persönlichen Profil entsprechend werde er, wie jeder Kongresspräsident vor ihm, zudem Schwerpunkte hinsichtlich Lungenkrankheiten, intensivmedizinischen Fragen und Problemen aus der Infektiologie setzen. Ein weiterer Schwerpunkt wird Fragen des sogenannten »Remodelling« und der regenerativen Medizin gewidmet sein. Dabei gehe es darum, nicht nur Funktionsverbesserungen zu erreichen sondern darüber hinaus bereits erfolgte strukturelle Umbauprozesse wieder umzukehren und solcherart zu neuen Therapieansätzen zu gelangen. Dass dies grundsätzlich möglich ist, habe man beim Lungenhochdruck erkannt.
Ein besonderes Anliegen ist Seeger die Einbeziehung des Nachwuchses ins Programm des nächsten Kongresses, dem damit ein noch breiteres Forum als bisher eröffnet werden soll. Schließlich wird angesichts der Einstellung lebenserhaltender Maßnahmen im Falle der amerikanischen Komapatientin und in Zusammenhang mit dem Tod des Papstes – Themen, die derzeit beide die Medien beherrschen und die Öffentlichkeit bewegen – Aspekte sinnvoller medizinischer Maßnahmen am Lebensende und die Begrenzung solcher Maßnahmen behandelt werden.
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-04) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-05 bis 2005-06-05 |
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| 100 Unterschriften eine "herbe Enttäuschung" |
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BI "Rettet die Klinika" hatte zum "Leichenschmaus" geladen
"Wir betrauern schon jetzt den Tod unserer Uni-Klinika Gießen und Marburg, die womöglich am 1. Januar 2006 gestorben sein werden." Mit solchen Sätzen auf einer schwarz umrandeten Todesanzeige hatten die Bürgerinitiative (BI) "Rettet die Klinika", der Personalrat der Gießener Uniklinik und die Gewerkschaft Verdi zur Teilnahme an dem "Leichenschmaus" gestern vor der Kantine in der Rudolf-Buchheim-Straße aufgerufen. Bei Kuchen und Kaffee wurde gegen den drohenden Personalabbau und schlechtere Arbeitsbedingungen als Folge einer Privatisierung protestiert.
"Wir möchten mehr Betroffenheit in der Gießener Bevölkerung hervorrufen", sagte Margot Lodde, Mitglied des Gießener Personalrats. Nicht zuletzt wegen der gespaltenen Reaktion unter den rund 5000 Klinikmitarbeitern habe man es deshalb "auf etwas makabre Weise" versucht. Christoph Bahn vom Koordinationsbüro der BI in Marburg betonte, dass eine Arbeitsgruppe "Aktion" die inszenierte "Trauerfeier" vorbereitet hatte.
Nach Angaben des Vorsitzenden des Gießener Uniklinik-Personalrats, Klaus Hanschur, entwickelt eine Arbeitsgruppe "Konzepte" derzeit "Alternativen zur Privatisierung", die in zwei bis drei Wochen vorgestellt werden sollen. Zwar habe der Klinikumsvorstand den "Leichenschmaus-Stand" vor dem Gebäude der Chirurgie ermöglicht, doch für ihr nächstes Treffen am 14. April fehlt der Bürgerinitiative noch immer ein geeigneter Raum. "Schade, dass uns in Gießen, anders als in Marburg, der Raum der Stadtverordneten für unsere Tagungen nicht zur Verfügung gestellt wird", bedauerte Hanschur.
Dass zwischen 13 und 16 Uhr lediglich 100 Menschen an dem Leichenschmaus teilnahmen und mit ihrer Unterschrift für eine Krankenversorgung in öffentlicher Trägerschaft eintraten, nannte Margot Lodde "eine herbe Enttäuschung". Vor allem, weil die Initiatoren unter allen 5000 Mitarbeitern und an vielen Standorten intensiv für die Veranstaltung geworben hatten, bei der gestern "die Zukunft der Uni-Klinika prophylaktisch betrauert" wurde.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-02) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-04 bis 2005-06-04 |
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| SPD: Landesregierung spielt permanent auf Zeit |
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Sozialdemokraten sehen Biomedizinisches Forschungszentrum als Faustpfand bei Privatisierungsverhandlungen
Der SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel und die SPD-Fraktionsvorsitzende im Gießener Stadtparlament, Dietlind Grabe-Bolz, haben in einer Erklärung zum Planungsstand für ein Biomedizinisches Forschungszentrum Stellung genommen. Dietlind Grabe-Bolz fragt sich, ob der CDU-Abgeordnete Klaus Peter Möller Informationsdefizite habe.
"Ich bin sicher, dass die Landesregierung ihre Zusage zum Bau eines Biomedizinischen Forschungszentrums einhalten wird. Die Zusagen der Landesregierung und meiner beiden konservativen Kollegen Volker Bouffier und Möller beruhen auf der bisherigen Planung. Dafür wurden sie in der Region beglückwünscht. Übrigens zu Recht, da das Zentrum die Universität Gießen weiterbringt." Unklar sei aber inzwischen, in welcher Form das Zentrum komme. Die Landesregierung spiele offensichtlich auf Zeit. "Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie erst die Entscheidung über die Laborfächer im Rahmen der Fusion und Privatisierung der Universitätskliniken Gießen und Marburg abwarten will und dann erst entscheidet, was aus Sicht der Landesregierung noch gebraucht wird." Dieses Vorgehen wäre sogar logisch, wenn man die Vorgaben aus der Regierungserklärung von Roland Koch aus dem Dezember 2004 zur Zukunft der Universitätskliniken in Mittelhessen akzeptiere. "Dann sollen dies Koch und Co. allerdings auch öffentlich sagen. Darüber hinaus muss befürchtet werden, dass das Biomedizinische Forschungszentrum als Faustpfand in den Privatisierungsverhandlungen eine gewisse Rolle spielen wird." Schließlich gehe es in den Verhandlungen auch um die Beiträge des Landes. "Nicht akzeptabel ist, dass sich die gesamte CDU-Landesregierung öffentlich für die Investitionsentscheidung mit einem Volumen von 65 Millionen Euro feiern lässt und damit für eine gewisse Ruhe in Gießen vor wichtigen Wahlen sorgen will und hinter den Kulissen permanent auf Zeit spielt", so Schäfer-Gümbel. In einer Anfrage an das Wissenschaftsministerium fordert er, dass die Landesregierung "verbindlich erklären soll, in welcher Form das Biomedizinische Forschungszentrum kommt". Außerdem fordert der Abgeordnete darin die Offenlegung aller weiteren Verfahrensschritte.
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-04-02) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-04 bis 2005-06-04 |
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| »Sein offener Führungsstil hat das Haus geprägt« |
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Ende der »Ära Goubeaud«: Chefarzt der Inneren Abteilung der Asklepios-Klinik Lich gestern in Ruhestand verabschiedet
Lich (us). An der Asklepios-Klinik Lich endete gestern die »Ära Goubeaud«. Nach 27 Jahren – und exakt an seinem 65. Geburtstag – ging der Chefarzt der Inneren Abteilung in den Ruhestand. Eine lange Zeitspanne. Doch Geschäftsleitung, Kollegen und nicht zuletzt Nachfolger Prof. Friedrich Grimminger bescherten Prof. Gerhard Goubeaud im Dormitorium von Kloster Arnsburg einen so heiteren Abschied, dass für Wehmut kaum Zeit blieb. Alle Festredner würdigten die Lebensleistung des langjährigen Ärztlichen Leiters, der die »Innere« des einstigen Kreiskrankenhauses zu einer modernen Abteilung geformt habe. »Sein offener und partnerschaftlicher Führungsstil hat das Haus geprägt«, lobte der jetzige Ärztliche Leiter des Hauses, Prof. Peter Hild, seinen Freund und Kollegen Gerhard Goubeaud.
Der gebürtige Gießener Goubeaud, der 1966 an der Justus-Liebig-Universität sein Staatsexamen ablegte, ein Jahr später promoviert und 1976 habilitiert wurde, hatte die Leitung der Inneren Abteilung in Lich 1978 übernommen. Seine erste Aufgabe war der Aufbau des intensivmedizinischen Bereichs. Einen Schwerpunkt setzte er zudem auf die gastroenterologische Endoskopie. Goubeaud habe stets großen Wert auf Fortbildung gelegt und als Prüfer der Landesärztekammer unzählige Staatsexamina abgenommen, berichtete Hild. Wieviele Fachärzte er an der Licher Klinik – dem ersten Akademischen Lehrkrankenhaus in Deutschland überhaupt – ausgebildet habe, vermöge er heute wohl selbst nicht mehr zu sagen. Zwei Initiativen des scheidenden Kollegen hob Hild besonders hervor: als Ärztlicher Leiter habe Goubeaud in den 80er Jahren die bauliche Erweiterung des Krankenhauses (die momentan erfolgt) in die Wege geleitet. Und mit dem Vorschlag, Prof. Friedrich Grimminger (Uni Gießen) die Leitung der Inneren Abteilung anzutragen, habe er eine innovative Lösung zur Chefarzt-Nachfolge angestoßen.
Axel Werntges, der Geschäftsführer der Asklepios-Klinik Lich, der durch die Feierstunde führte, bedankte sich beim scheidenden Chefarzt für seine Offenheit bei der Privatisierung des einstigen Kreiskrankenhauses und für seine Verlässlichkeit. »Wenn einmal etwas abgestimmt war, dann wurde es auch konsequent umgesetzt.« Dr. Tobias Kaltenbach, der Hauptgeschäftsführer der Asklepios-Kliniken, bestätigte, dass die Zusammenarbeit mit Goubeaud stets angenehm und vorausschauend gewesen sei. Die Grimminger-Nachfolge lobte er als »letzten strategischen Coup« des scheidenden Internisten. Erster Kreisbeigeordneter Stefan Becker merkte an, dass Goubeaud nicht nur fachlich anerkannt, sondern auch menschlich hoch akzeptiert gewesen sei. In der Zeit des Übergangs zur Asklepios-Gruppe sei er ein Garant für Stabilität gewesen.
Eine nicht ganz einfache Aufgabe kam Prof. Dr. Werner Seeger, dem Festredner der Abschiedsfeier, zu. Mit dem Thema »Organersatz von den Anfängen zur Vision – Was haben Gießen/Lich, Goubeaud und Grimminger damit zu tun« löste der Direktor der Medizinischen Klinik II in Gießen seinen selbst gesteckten Anspruch ein, einen Vortrag zu halten, der für Mediziner interessant, für Laien verständlich und für alle so unterhaltsam war, dass keiner auf den Gedanken kam, das Dormitorium – den ehemaligen Schlafsaal der Mönche – seinem ursprünglichen Zweck gemäß zu nutzen. Von ersten Versuchen zur Blutwäsche (an einem Hund) über die erste erfolgreiche Dialyse durch Prof. Georg Haas (im Hörsaal der alten medizinischen Klinik Gießen) bis zur Vision, genetische Programme zur Neubildung komplexer Organe (»Tissue Engineering«) reaktivieren zu können, spannte Seeger einen amüsanten Bogen.
Den heiteren Ton griff auch Prof. Goubeaud in seinen Abschiedsworten auf: »Wie macht man Chefärzte?« fragte er. Man kann sie beispielsweise auf einer Jagdhütte anwerben – wie Prof. Hild. Oder man kann Wissenschaftler, die bereits einen Ruf nach Hannover oder nach Texas erhalten haben, davon überzeugen, dass eine Kooperation der Gießener Universitätsklinik mit dem Licher Krankenhaus eine gute Sache wäre – wie Prof. Grimminger. Prof. Goubeaud jedenfalls ist von der Regelung seiner Nachfolge überzeugt: »Diese Verbindung hat Zukunft«.
Randnotiz
Was macht ein Chefarzt im Ruhestand? Jagen? Golfen? Prof. Gerhard Goubeaud wird wohl beides tun – und bei dieser Gelegenheit seine hessische Heimat von einem wilden Ungeheuer befreien können. Sein Nachfolger Prof. Grimminger erheiterte die Gäste bei der Verabschiedung – pünktlich einen Tag vor dem 1. April – mit einer Abenteuer-Geschichte aus dem Himalaya. Dort sei er mit seinem Team auf einen unbekannten Organismus – ein eisfressendes Monster mit furchterregenden Hörnern – gestoßen. Mit vereinten Kräften habe man es schließlich erlegen können. (Den Kopf der Kreatur erhielt der passionierte Jäger Goubeaud gestern als Geburtstagsgeschenk – siehe Foto). Doch leider: Ein Ei des »bovis infernalis« sei im Gepäck nach Deutschland gelangt. Nun treibt Bovis junior sein Unwesen in den Wäldern zwischen Lich und Hungen. Ein klarer Fall für Gerhard Goubeaud und seine Jagdkameraden! Und wenn sie der Pirsch müde sind, dann können sie den Gutschein einlösen, den Goubeaud zum Abschied von Geschäftsleitung und Chefarzt-Kollegium erhielt: für eine Reise in ein Golf-Hotel. (us)
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| Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-01) | | Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/ |
Eingetragen von:
Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-05 bis 2005-06-05 |
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| Leitung sieht Zukunft langfristig gesichert |
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Schule für Medizinische Dokumentare zieht derzeit vom Hochschulrechenzentrum ins Strahlenzentrum um
Nach Monaten der Ungewissheit hat die zum Gießener Universitätsklinikum gehörige Schule für Medizinische Dokumentare (SMD) endlich eine neue Heimat gefunden. Deutete noch im April 2004, als die Justus-Liebig-Universität (JLU) Eigenbedarf für die Schulräume im Hochschulrechenzentrum (HRZ) angemeldet hatte, vieles auf eine Schließung hin, wurde nun Ersatz im Strahlenzentrum gefunden. Derzeit läuft bereits der Umzug. Beim Leiter der Schule, Dr. Rolf-Hasso Bödeker, herrscht folglich große Erleichterung. "Es war knapp", erinnert sich Bödeker heute im Rückblick auf die Ereignisse des vergangenen Jahres. Denn die Nachricht, dass die Universität die Räume künftig für eigene Zwecke nutzen wolle, sei damals sehr überraschend gekommen. Wie JLU-Kanzler Dr. Michael Breitbach auf Anfrage mitteilte, soll dort das Medienreferat des Zentrums für Interdisziplinäre Lehraufgaben (ZIL) einziehen, das im Phil II wiederum den dringend benötigten Platz für das Institut für Heil- und Sonderpädagogik freimacht. "Dass Medienreferat und HRZ nun in einem Gebäude zusammen sein werden, ist eine Ideallösung", betonte Breitbach, zumal hier die notwendige Technik vorhanden sei. Ursprünglich war als Termin des Umzugs sogar der Beginn des Wintersemesters 2004/05 vorgesehen. Da die Kliniksleitung jedoch auf längere Sicht keine anderen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnte und die Universität, so Breitbach, erst noch Überzeugungsarbeit habe leisten müssen, war die ausschließlich durch Landesmittel finanzierte Schule zunächst im HRZ verblieben, wo sie bereits seit dem November 1979 untergebracht war. Monate der Ungewissheit folgten, ein Gerücht jagte das andere und die Weiterexistenz schien ernsthaft in Frage gestellt. Mit der positiven Entscheidung des Klinikumsvorstands für den Erhalt der SMD wurde vor kurzem die Suche nach Ersatz intensiviert. Im Strahlenzentrum im Leihgesterner Weg wurde man schließlich fündig. "Von der Quadratmeterzahl und der Größe der einzelnen Räume her ist es dort für uns sogar günstiger", sagte Schulleiter Bödeker. Die Universitätsleitung habe sich zudem dazu bereit erklärt, für die kompletten Umzugskosten aufzukommen und fehlendes Mobiliar teilweise zu ersetzen. Eingerichtet werden im dritten Stock des Strahlenzentrums, wie schon zuvor, zwei Schulräume, ein nun größerer, mit Computern ausgestatteter EDV-Raum, die Büros der Lehrer und Mitarbeiter sowie ein PC-Übungsraum für Schüler. Wie Bödeker war auch Prof. em. Joachim Dudeck, der die Schule für Medizinische Dokumentare 1971 gegründet hatte und ihr lange Jahre als Leiter vorstand, erleichtert über die Entwicklung der vergangenen Wochen. "Für die Schule eröffnet die jetzige Lösung langfristige Perspektiven", war er überzeugt und sah den Weiterbestand nicht mehr in Gefahr. Die nun größere räumliche Entfernung zum mit der Schule zusammenarbeitenden Institut für Medizinische Informatik sei dagegen ein wesentlicher Nachteil, den man leider in Kauf nehmen müsse. Bedenke man jedoch, dass im vergangenen Jahr bis zur Schließung der Schule "nicht viel gefehlt" habe, könne ab sofort zuversichtlich in die Zukunft geblickt werden.
www.med.uni-giessen.de/smd
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| Quelle: Giessener Anzeiger (2005-03-31) | | Webseite: http://www.giessener-anzeiger.de/ |
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veröffentlicht von 2005-04-04 bis 2005-06-04 |
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| Interview: Warum Gießen Vorreiter bei der Krankenhaus-Privatisierung ist |
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"Flaggschiff-Klinik für Deutschland"
Gießen. Es ist eine "Operation", wie es sie in Deutschland bislang nicht gegeben hat: Bis Mitte des Jahres sollen die Universitätskliniken Gießen und Marburg zu einer Einheit verschmelzen, um kurz darauf aus dem Besitz des Landes in private Hände zu wechseln. Fusion und Verkauf der Uni-Kliniken Gießen und Marburg sind möglicherweise nur der Aufgalopp zu einer flächendeckenden Privatisierung von Uni-Kliniken in ganz Deutschland. Immer mehr Kliniken geraten nämlich angesichts rigoroser Sparmaßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen in finanzielle Existenznot. Im Interview mit dieser Zeitung erläutert der Gießener Klinik-Chef Wolfgang Weidner, warum die Privatisierung für ihn ein Ausweg aus der Finanzkrise der Kliniken ist, was passiert, wenn man die Krise ignoriert, und dass es in Gießen spezielle Gründe gibt, gemeinsam mit Marburg die erste private Uni-Klinik Deutschlands zu werden.
Herr Professor Weidner, die Universitätskliniken Gießen und Marburg sollen zusammengelegt und privatisiert werden. Ist der Auslöser dafür das neue Fallpauschalen-Abrechnungssystem, das Kosten im Gesundheitswesen senken soll, zugleich aber viele Uni-Kliniken an den finanziellen Abgrund gebracht hat?
Wolfgang Weidner: Nein. Hauptgrund für die Privatisierung der Gießener Uni-Klinik ist, Geld für Investitionen in die Bausubstanz zu bekommen. Wir sind in den vergangenen 25 Jahren unter allen Uni-Kliniken in Hessen bei den Bau-Investitionen am schlechtesten weggekommen.
Wie das?
Weidner: Die früheren Landesregierungen haben die Kliniken im Land der Reihe nach abgearbeitet. Und als Gießen an die Reihe kam, war kein Geld mehr da.
Aber ein privater Betreiber hat doch auch kein Geld zu verschenken.
Weidner: Nachweislich erwirtschaften Private bessere Renditen als die öffentliche Hand. Die sind eben viel wirtschaftlicher aufgestellt, mehr auf den Erfolg orientiert. Dazu kommt: Die Privaten wollen in Mittelhessen ein Flaggschiff-Klinikum für Deutschland schaffen.
Noch einmal zum Fallpauschalen-System: Welchen Einfluss hat dieses auf die Finanzen und die Ausstattung der Gießener Uni-Klinik?
Weidner: Ich gehe davon aus, dass durch die Fallpauschalen-Regelung die Bettenzahl in Deutschland um 15 bis 20 Prozent reduziert wird - also auch in den Uni-Kliniken Gießen und Marburg.
Das Fallpauschalen-System berücksichtigt ja komplizierte Behandlungsfälle kaum, die gerade in Universitätskliniken behandelt werden. Das müsste dann bedeuten, dass irgendwann alle Uni-Kliniken in Deutschland privatisiert sein werden. Rechnen Sie damit, dass es dazu kommt?
Weidner: Die Universitätskliniken wirtschaften ja überwiegend mit einem Defizit. Uni-Kliniken, die schwarze Zahlen schreiben, werden aus öffentlichen Geldmitteln für Forschung und Lehre quasi subventioniert. In Gießen haben wir Forschung und Lehre bereits vor Jahren finanziell von der klinischen Versorgung getrennt. Forschung und Lehre bezahlt das Land, die klinische Versorgung wird durch die Krankenkassen finanziert. Damit haben wir keine geschönten Zahlen mehr, sondern blicken auf ein reales Minus im Klinik-Bereich. Und dieses wird durch die Fallpauschalen nun noch größer: Die universitäre Spitzenmedizin wird mit diesem System nicht gerade gefördert.
Also ist die Finanznot kein spezielles Problem der Uni-Klinik Gießen.
Weidner: Ich denke, dass neben Hessen auch andere Bundesländer nicht mehr genügend Geld für den Erhalt ihrer Kliniken haben. Wir sind hier in Mittelhessen mit Sicherheit nur der Vorreiter für eine Entwicklung in ganz Deutschland. Und es gibt bereits Anfragen anderer Kliniken bei uns. Zurzeit schauen alle auf Gießen und Marburg . . .
. . . und warten ab, ob die Privatisierung hier klappt . . .
Weidner: So ist es.
Die Fusionsverhandlungen mit Marburg sind fast abgeschlossen. Können Sie uns sagen, we | |